Du hast das Gefühl, dass dir bestimmte Kolleg*innen den Arbeitsalltag unnötig schwer machen? Damit bist du nicht allein, denn Konflikte im Job gehören für viele zum Alltag. Ob ständige Sticheleien, respektloses Verhalten oder offene Spannungen im Team: Solche Situationen belasten nicht nur die Stimmung, sondern auch deine Leistungsfähigkeit und dein Wohlbefinden im Arbeitsumfeld.
Die gute Nachricht: Es gibt Möglichkeiten zu lernen, schwierige Menschen am Arbeitsplatz souverän zu begegnen, ohne sich selbst zu verbiegen oder Konflikten aus dem Weg zu gehen. In diesem Artikel bekommst du konkrete Tipps, wie du mit schwierigen Kolleg*innen souverän umgehst, ohne dich selbst zu verlieren. Du lernst, verschiedene Typen besser zu verstehen, auf Konflikte besonnen zu reagieren und dabei deine eigenen Gefühle, Grenzen und Bedürfnisse zu schützen.
Souveräner Umgang mit schwierigen Kolleg*innen beginnt damit, die eigenen Grenzen klar zu kennen und auch zu kommunizieren. Souverän zu bleiben, heißt aber nicht, alles zu schlucken, sondern deine Gefühle ernst zu nehmen, respektvoll für deine Bedürfnisse einzustehen und langfristig für ein gesundes Arbeitsumfeld zu sorgen.
Grundsätzlich ist es normal, dass wir mit manchen Menschen besser auskommen als mit anderen, das gilt für das Arbeitsleben genauso wie für den privaten Bereich. Nicht mit allen Arbeitskolleg*innen werden wir Freundschaften schließen und auch nach Feierabend noch Zeit verbringen wollen. Doch persönliche Angriffe, Beleidigungen oder sogar Mobbing sind kein „kleiner Ärger“, sondern ernstzunehmende Konflikte. Aber auch dauerhafte Sticheleien, passiv-aggressives Verhalten oder wiederholte Respektlosigkeit beeinträchtigen auf Dauer deine Stimmung, dein Selbstwertgefühl und deine Motivation. Wichtig ist, dass du dir bewusst machst: Du musst nicht alles hinnehmen. Deine Bedürfnisse am Arbeitsplatz zählen genauso wie die der anderen.
Die Psychologin Dr. Hanne Horvath hält in unserem Beitrag zu den Symptomen von Burnout fest: "Zwischenmenschliche Konflikte zählen zu den Risikofaktoren für Burn-out. Konflikte und Spannungen mit Kolleg:innen oder Vorgesetzten stellen eine zusätzliche Belastung dar, im Extremfall kann es sogar zu Mobbing am Arbeitsplatz kommen, was psychisch sehr belasten kann."

Dr. Hanne Horvath ist Mitgründerin von der Online-Therapie-Plattform HelloBetter. Sie schloss 2011 ihr Diplomstudium der Psychologie an der Universität Trier ab, bevor sie bis 2015 an der Leuphana Universität Lüneburg an ihrer Promotion arbeitete. Im Rahmen des GET.ON Forschungsprojektes fokussierte sich Dr. Horvath auf die Erstellung und Evaluation eines Onlineprogramms gegen Schlafstörungen. Für ihre Leistungen wurde sie mit dem Wilhelm Exner-Preis für Psychologie ausgezeichnet. Neben diversen Publikationen und der Entwicklung einer digitalen Anwendung gegen Schlafstörungen, konzentrierte sich Dr. Horvath als Gründerin und langjährige Geschäftsführerin auf den Aufbau der GET.ON Institut GmbH (heute unter dem Namen HelloBetter bekannt). Hierfür wurde sie von der Leuphana Universität mit einem Business Accelorator Stipendium ausgestattet. Zwischen 2013 und 2017 arbeitete Dr. Horvath arbeitete außerdem als freiberufliche Psychologin am Lüneburger Institut für Lerngesundheit, wo sie Workshops für Lehrerinnen und Lehrer hielt, um sie im Stressmanagement zu unterstützen.
Wenn trotz aller Bemühungen keine Veränderung eintritt und sich die Situation dauerhaft negativ auf dich auswirkt, ist auch das kein persönlicher Fehler, sondern vielleicht ein Zeichen, dass es Zeit wird, den Job zu wechseln. Auch das ist eine selbstbewusste und gesunde Entscheidung.
Zu den 15 typischen, schwierigen Kolleg*innen zählen:
Typ schwieriger Kolleg*innen | Fallbeispiel |
|---|---|
Die Ruhestörer | Kolleg*in R. telefoniert laut im Großraumbüro, kommentiert ständig das Geschehen und bringt mit seinem*ihrem Verhalten regelmäßig die Konzentration seiner*ihrer Kolleg*innen durcheinander. Das wirkt sich negativ auf die Stimmung im Team aus. |
Die Unzuverlässigen | Kolleg*in U. sagt oft zu, eine Aufgabe zu übernehmen, liefert aber dann zu spät oder gar nicht ab. Das bringt die ganze Zusammenarbeit ins Wanken und erzeugt Konflikte, vor allem bei engen Deadlines. |
Die Narzissten | Kolleg*in N. stellt sich in jedem Meeting in den Vordergrund, nimmt Lob gerne an, selbst wenn das Team die Arbeit geleistet hat, und wertet andere Mitarbeitende ab, um selbst besser dazustehen. |
Die Perfektionisten | Kolleg*in P. überarbeitet jede Kleinigkeit mehrfach und verzögert dadurch die Abgabe von Projekten. Er*Sie hat Schwierigkeiten, Arbeit abzugeben, weil er*sie niemandem zutraut, es „gut genug“ zu machen. |
Die Unselbstständigen | Kolleg*in U. fragt bei jeder kleinen Entscheidung nach und braucht ständig Rückversicherung durch den*die Vorgesetzte*n. Das wird für andere zur Belastung, vor allem in stressigen Situationen. |
Die Schleimer | Kolleg*in S. lobt seinen*ihren Chef übertrieben oft, gibt sich stets angepasst und meidet kritische Rückfragen. Im Team sorgt das für Misstrauen und die Gefühle der anderen Mitarbeitenden schwanken zwischen Ärger und Verunsicherung. |
Die Hitzköpfe | Kolleg*in H. reagiert schnell gereizt, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Er*Sie wird laut, fällt Kolleg*innen ins Wort und eskaliert kleinere Probleme zu größeren Konflikten, bevor überhaupt eine Lösung gesucht wird. |
Die Besserwisser | Kolleg*in B. hat auf jede Frage eine Antwort, selbst wenn er*sie nicht gefragt wurde. Kritik nimmt er*sie nicht an, sieht aber bei anderen ständig Fehler. Die Kommunikation mit ihm*ihr ist oft angespannt. |
Die Aufmerksamkeitsbedürftigen | Kolleg*in A. bringt sich in jede Diskussion ein, auch wenn es nicht sein*ihr Thema ist. Er*Sie braucht viel Anerkennung vom Team und zieht durch sein*ihr Verhalten oft die Aufmerksamkeit auf sich, und zwar auch auf Kosten der Aufgabe. |
Die Egoisten | Kolleg*in E. denkt in erster Linie an seinen*ihren eigenen Erfolg. Er*Sie nimmt sich bevorzugte Projekte, teilt Wissen ungern und hilft nur, wenn es für ihn*sie selbst einen Vorteil bringt. Die Zusammenarbeit mit ihm*ihr fühlt sich wie ein Wettkampf an. |
Die Unkollegialen | Kolleg*in U. hilft nur, wenn es ihm*ihr direkt etwas bringt, lehnt gemeinsame Projekte ab und lästert über andere, statt sie zu unterstützen. Sein*Ihr Verhalten untergräbt das Vertrauen im Team und verschlechtert die Stimmung am Arbeitsplatz. |
Die Demotivierten | Kolleg*in D. wirkt ständig lustlos, meidet Verantwortung und bringt kaum eigene Ideen ein. Seine*Ihre Passivität überträgt sich auf das gesamte Arbeitsumfeld und hemmt die Energie bei der Zusammenarbeit. |
Die Inkompetenten | Kolleg*in I. versteht die Abläufe nicht richtig, macht wiederholt die gleichen Fehler und schiebt die Schuld auf andere. Statt Hilfe anzunehmen oder Fragen zu stellen, blockiert er*sie wichtige Prozesse und sorgt für Frust im Team. |
Die Dominanten | Kolleg*in D. redet in Besprechungen über alle hinweg, entscheidet allein und duldet keine Widersprüche. Seine*ihre dominante Art behindert offene Kommunikation und macht es schwer, gemeinsam Lösungen zu finden. |
Die Ignoranten | Kolleg*in I. geht auf Rückmeldungen nicht ein, liest E-Mails nicht richtig und lässt wichtige Infos einfach liegen. Sein*Ihr Verhalten bringt immer wieder unnötige Konflikte mit sich und stört die reibungslose Zusammenarbeit. |
Ein häufiger Fehler im Umgang mit schwierigen Kolleg*innen ist es, in gleicherweise zurückzuschießen oder sich bewusst querzustellen. Auch wenn dieses „Auge um Auge“-Mindset im ersten Moment verständlich erscheint: Wer Kolleg*innen zurückärgert, verschärft die Situation nur und sorgt für noch mehr Stress am Arbeitsplatz.
Außerdem machst du dich damit selbst angreifbar und lieferst deinen Vorgesetzten eventuell auch einen Grund für eine Abmahnung. Es ist immer besser, der*die Klügere in der Situation zu sein und eine gewisse Professionalität an den Tag zu legen. Immerhin ist dies immer noch dein Arbeitsplatz.
Wer sich hier auf das Niveau nerviger Kolleg*innen hinunterlässt, wird es in weiterer Folge auch schwer haben, die Karriereleiter in diesem Unternehmen hinaufzuklettern und bei Beförderungen ernst genommen zu werden. Besser ist es immer, nach einer Konfliktlösung zu suchen und dabei Gelassenheit an den Tag zu legen bzw. sich Beistand zu holen, wenn einem das Problem über den Kopf wächst.
Fünf Strategien, um mit schwierigen Kolleg*innen umzugehen, sind:
Wenn der Umgang mit schwierigen Kolleg*innen belastend wird, ist es entscheidend, die eigenen Gefühle im Griff zu behalten. Wer hier die Kontrolle verliert, riskiert nicht nur eine Eskalation, sondern auch langfristige Schäden für das Arbeitsklima und die eigene Motivation. Egal, um welche schwierige Situation es sich handelt, um Probleme mit Arbeitskolleg*innen zu lösen, brauchst du vor allem eines: Resilienz.
Resilienz ist die Fähigkeit, auch unter Druck ruhig, klar und handlungsfähig zu bleiben. Menschen mit hoher Resilienz lassen sich nicht so leicht aus der Fassung bringen, reagieren überlegt und finden schneller eine passende Lösung. Denn, wer emotional überreagiert, sagt oft Dinge, die er*sie später bereut und verschärft damit das Problem, statt es zu lösen.
Stärke daher deine psychische Widerstandskraft. Wie dir das gelingt, erfährst du hier:
Eine gesunde Portion Selbstreflexion hilft dir dabei, deinen eigenen Bias zu reflektieren und deine Voreingenommenheit zu überwinden.
Im stressigen Arbeitsumfeld, besonders in Zeiten von Social Media und digitalen Filterblasen, neigen viele Menschen dazu, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben. Wer ständig nur ähnliche Meinungen hört, tut sich oft schwer, andere Perspektiven zu verstehen oder zu akzeptieren. Das erschwert die Zusammenarbeit im Team, besonders dann, wenn ein*e Kolleg*in anders denkt oder handelt.
Selbstreflexion bedeutet, sich ehrlich zu fragen: Wie bewerte ich das Verhalten anderer und warum? Vielleicht empfindest du eine Person als schwierig, weil sie sachlich und direkt ist. Doch möglicherweise steckt hinter ihrer Art keine Ablehnung, sondern einfach ein anderer Kommunikationsstil.
Das bietet neue Blickwinkel und ist vielleicht auch schon der erste Schritt in Richtung Lösung. Denn, wenn wir einmal ein negatives Bild von jemandem haben, bewerten wir oft alles, was diese Person tut, im gleichen negativen Licht. So entsteht leicht eine Art selbsterfüllende Prophezeiung.
Der Umgang mit schwierigen Kolleg*innen kostet viel Energie, daher ist es wichtig, dass du den Konflikt nicht mit in dein Privatleben trägst. Wenn du ständig über das Verhalten anderer nachdenkst, nimmst du den Stress vom Arbeitsplatz mit nach Hause und das schadet auf Dauer nicht nur deiner Stimmung, sondern auch deiner Gesundheit.
Reduziere den Kontakt mit der Person, sowohl auf der Arbeit als auch in deinem Privatleben, auf das Notwendigste. Achte auch auf Social Media darauf, klare Grenzen zu ziehen.
Wichtig ist, dass du lernst, nach Feierabend bewusst abzuschalten. Dies gelingt dir mit Dingen, die dir guttun, dich entspannen und dir helfen, innerlich zur Ruhe zu kommen. Gönn dir regelmäßig echte Pausen vom Job, damit deine Emotionen sich beruhigen und du deine innere Balance zurückgewinnst. Es hilft, sich im Privatleben und im beruflichen Umfeld gezielt mit positiven, unterstützenden Menschen zu umgeben, die dir Kraft geben und dich stärken.
Eine gesunde Work-Life-Balance entsteht nicht von selbst. Wie dir Abschalten lernen auf dem Weg dahin hilft, erfährst du hier:
Wenn die Zusammenarbeit im Team dauerhaft belastet ist, führt am offenen Gespräch kein Weg vorbei. Denn echte Lösungen entstehen nur, wenn die unterschiedlichen Standpunkte sichtbar gemacht werden. Ohne die Meinungsverschiedenheiten genau zu kennen, ist es schwierig, einen Kompromiss zu finden, der für alle Beteiligten zufriedenstellend ist.
Gehe mit einer offenen Haltung in das Gespräch und vermeide es, deinem*deiner Kolleg*in eine böse Absicht zu unterstellen. In vielen Fällen ist der anderen Person gar nicht bewusst, wie ihr Verhalten auf dich wirkt oder welche Gefühle es bei dir auslöst.
Wähle einen ruhigen Moment und suche das Gespräch unter vier Augen. So schaffst du einen sicheren Rahmen, in dem ehrliche Worte möglich sind. Bleibe dabei kompromissbereit. Denn das Ziel ist nicht, „recht zu haben“, sondern gemeinsam einen Weg zu finden, wie die Zusammenarbeit für beide Seiten zukünftig wieder funktioniert.
Wenn der Umgang mit schwierigen Kolleg*innen zur dauerhaften Belastung wird, ist es wichtig, Konflikte frühzeitig und offen anzusprechen, damit sie sich nicht festfahren oder sogar eskalieren.
Bei kleineren Konflikten versuchst du zunächst, selbst eine Lösung zu finden und das Gespräch mit der betroffenen Person zu suchen. Achte dabei darauf, niemanden öffentlich an den Pranger zu stellen.
Wenn sich der Konflikt aber über längere Zeit zieht oder sich keine Verbesserung abzeichnet, ist es absolut legitim, dir Unterstützung zu holen. Hierfür eignen sich der Betriebsrat oder deine Vorgesetzten, die entsprechend im Konfliktmanagement geschult sind und zudem eine frische Außenperspektive mitbringen.
Wenn sich der Konflikt aber über längere Zeit zieht oder sich keine Verbesserung abzeichnet, ist es absolut legitim, dir Unterstützung zu holen. Hierfür eignen sich der Betriebsrat oder deine Vorgesetzten, die entsprechend im Konfliktmanagement geschult sind und zudem eine frische Außenperspektive mitbringen.
Der Arbeitgeber hat eine gesetzliche Fürsorgepflicht gegenüber allen Mitarbeitenden. Das bedeutet: Bei Mobbing im Unternehmen ist er dazu verpflichtet, diesem nachzugehen und Konsequenzen zu ziehen. Arbeitgeber sind laut § 241 Abs. 2 BGB zur Fürsorge verpflichtet. Das bedeutet: Sie müssen dafür sorgen, dass niemand am Arbeitsplatz benachteiligt, beleidigt oder belästigt wird. Wenn Kolleg*innen mobben, müssen Arbeitgeber*innen handeln.
Diese Maßnahmen erstrecken sich je nach Schwere des Falls von einem klärenden Gespräch über eine Abmahnung bis hin zu einer Kündigung. Denn unangemessenes Verhalten am Arbeitsplatz, vor allem in Form von Beleidigungen, Belästigungen, Gewalt oder Psychoterror sind definitiv ein Kündigungsgrund.
Um Maßnahmen einzuleiten, muss dein*e Chef*in über die Situation Bescheid wissen. Du hast das Recht, dich direkt an deine*n Vorgesetzte*n zu wenden.
Ein souveräner Umgang bedeutet, deine eigenen Gefühle ernst zu nehmen, aber bewusst ruhig zu bleiben. Vermeide es, impulsiv zu reagieren oder dich auf das gleiche Verhalten einzulassen, denn das verschärft den Konflikt nur.
Nein, denn du hast ein Recht auf respektvolle Zusammenarbeit. Wichtig ist, deine Grenzen klar zu ziehen und Unterstützung zu suchen, wenn du allein nicht weiterkommst.
Wenn sich auch nach mehreren Versuchen keine Veränderung ergibt, ist es sinnvoll, dir externe Unterstützung zu holen. Wende dich an eine*n Vorgesetzte*n, den Betriebsrat oder eine Vertrauensperson. Diese helfen, die Konflikte aus einer neutralen Perspektive zu betrachten und professionell zu begleiten. Wichtig: Kritik sollte niemals öffentlich oder emotional geäußert werden, sondern ruhig, sachlich und mit dem Ziel, die Zusammenarbeit zu verbessern.
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