In Deutschland gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Dass es deshalb keine Diskriminierung am Arbeitsplatz gibt, ist aber leider eine Wunschvorstellung. Gerade im Job erfahren viele Menschen Diskriminierung, sei es aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung. Dabei ist Diskriminierung für nichtbetroffene Menschen oft nicht einmal sichtbar oder wird nicht als diese erkannt. In diesem Artikel erfährst du, was Betroffene tun können, wie du LGBTQIA+-freundliche Arbeitgeber erkennst und was nicht-queere Menschen tun können, um sich als Ally zu positionieren.
Mit dem Begriff LGBTQIA+ werden verschiedene Identitäten sichtbar gemacht. Jeder Buchstabe hat eine eigene Bedeutung und repräsentiert eine Gruppe von Menschen. In den letzten Jahren ist die Abkürzung immer wieder einen Prozess durchlaufen und wurde um neue Buchstaben ergänzt – so wurde aus LGB LGBTQ und aus LGBTQ wurde LGBTQIA+. Die einzelnen Buchstaben und Zeichen stehen für folgende Identitäten:
Obwohl Diskriminierung am Arbeitsplatz strafbar ist, wird sie nur in manchen Fällen gemeldet. Wieso ist das so? Zum einen beinhaltet die Diskriminierung nur selten körperliche Gewalt oder andere Formen, die juristisch relevant sind und zum anderen ist sie oft nur schwer zu belegen. Gerade sogenannte Mikroaggressionen geschehen oft ohne Konsequenzen für die Täter*innen. Darunter versteht man alltägliche Übergriffigkeiten, die für die betroffenen Personen zwar sehr schlimm sind, aber gegen kein Gesetz verstoßen.
In der Studie “Out im Office?! - Sexuelle Identität und Geschlechtsidentität, (Anti-)Diskriminierung und Diversity am Arbeitsplatz“ aus dem Jahr 2017 wurden 2884 queere Menschen zu ihren Arbeitssituationen befragt. Durchgeführt wurde die Studie vom Institut für Diversity und Antidiskriminierungsforschung (IDA) in Köln. Herausgekommen sind folgende Arten der Diskriminierungen am Arbeitsplatz nach Häufigkeit in absteigender Reihenfolge.
Unter queeren Menschen sind Transgender am häufigsten von Diskriminierung am Arbeitsplatz betroffen – also Menschen, die sich mit ihrem biologischen Geschlecht nicht identifizieren können. Die Diskriminierung geht oft schon im Bewerbungsprozess los, wenn das Aussehen der Person nicht mit dem wahrgenommenen Geschlecht übereinstimmt. Eine Transfrau, die sich genauso als Frau fühlt wie eine Cisfrau und deshalb Frauenkleidung und Makeup trägt, wird von ihrer Umwelt aber oft trotzdem als Mann wahrgenommen. Das hat Auswirkungen.
Trans*Personen haben es im Vergleich zu Cispersonen schwerer, einen Job zu finden. Aber auch auf das Gehalt hat die Diskriminierung Auswirkungen: So verdienen Trans*Personen im Schnitt bei gleicher Qualifikation weniger Geld als Cispersonen. Das ergab eine niederländische Studie aus dem Jahr 2015.
Kolleg*innen verwenden außerdem oft ihren Deadname, also den Namen, den die Person vor ihrem Coming-out verwendet hat. Auch das ist eine Form von Diskriminierung, da die Person nicht mit ihrem gewünschten Geschlecht angesprochen wird.
Insgesamt ist die Identität von Trans*Personen sichtbarer und offensichtlicher als bei vielen anderen Geschlechtsidentitäten. Das führt oft dazu, dass sie am Arbeitsplatz gezwungenermaßen offen mit ihrer Identität umgehen müssen.
Wenn du als queere Person Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebst, ist das ein schwerwiegender Vorfall, der nicht unbeachtet bleiben sollte. Es gibt Schritte, die du unternehmen kannst, um Unterstützung zu erhalten und gegen die Diskriminierung vorzugehen. Als erstes solltest du dich an interne Ressourcen wenden, wie die Personalabteilung oder eine Vertrauensperson im Unternehmen. Sie können dir Orientierung bieten und Möglichkeiten aufzeigen, wie du vorgehen kannst. Es gibt auch externe Organisationen und Hilfsangebote, die speziell für queere Menschen geschaffen wurden, um sie in solchen Situationen zu unterstützen. Das können LGBTQ+ Beratungsstellen, Rechtsberatungsdienste oder Gewerkschaften sein, die Erfahrung im Umgang mit Diskriminierungsfällen haben. Fühl dich nicht allein und suche Hilfe bei Personen und Organisationen, die die nötige Expertise und Empathie mitbringen, um dir angemessen beizustehen.
Wenn du nicht selbst von Diskriminierung am Arbeitsplatz betroffen bist, denkst du vielleicht, dass dich das Thema nichts angeht. Doch wir alle sind gefragt, wenn es darum geht, auf Diskriminierung aufmerksam zu machen und gezielt dagegen vorzugehen. Wenn du in deinem Arbeitsumfeld betroffene Personen kennst, kannst du dich als Ally positionieren. Der Begriff „Ally“ kommt eigentlich aus der Militärsprache und bedeutet so viel wie „Verbündeter“. Menschen, die von einer bestimmten Diskriminierungsform nicht betroffen sind, nutzen ihre vorteilhafte Position, um die jeweilige Menschengruppe, in diesem Fall queere Menschen, zu unterstützen. Hier sind vier Tipps, wie es dir gelingt, dich im Job als Ally zu positionieren und Kolleg*innen aus der LGBTQIA+-Community zu unterstützen:
Sogenannte „Unconscious Bias“ bezeichnen unbewusste Vorurteile, Neigungen und Denkmuster, die tief verwurzelt sind. Ein Beispiel für Unconscious Bias ist „Frauen sind emotional, während Männer rational sind“. Dieses verinnerlichte Vorurteil kann dazu führen, dass ein Mann bei gleicher Qualifikation wie die Frau eine Führungsposition eher bekommt.
Wenn du einen LGBTQIA+-freundlichen Arbeitgeber finden möchtest, solltest du zunächst schauen, ob die Stellenbeschreibung explizit darauf hinweist, dass die Organisation LGBTQIA+-Bewerber*innen willkommen heißt oder eine klare Erklärung enthält, dass Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlecht nicht toleriert wird.
Ein weiterer wichtiger Indikator ist das Vorhandensein eines LGBTQIA+-Mitarbeiternetzwerks oder einer Unterstützungsgruppe. Viele LGBTQIA+-freundliche Arbeitgeber haben spezielle Netzwerke oder Gruppen zur Unterstützung von LGBTQIA+-Mitarbeiter*innen. Das zeigt das Engagement des Unternehmens für Vielfalt und Inklusion. Du kannst auf der Website nachsehen, ob dies erwähnt wird: Falls nicht, kontaktiere das Unternehmen und frage nach.
Ein Blick auf die Unternehmenswebsite kann ebenfalls aufschlussreich sein. Suche nach Begriffen wie "Gleichberechtigung" oder "Vielfalt". So können dir Erklärungen, Blogs oder Pressemitteilungen angezeigt werden, die das Engagement für die LGBTQIA+-Inklusion zeigen.
Die Abkürzung LGBTQIA+ steht für verschiedene Identitäten innerhalb der LGBTQIA+ Community. Jeder Buchstabe repräsentiert eine Gruppe von Menschen mit einer eigenen Identität. Hier ist eine kurze Erklärung der einzelnen Buchstaben und Zeichen:
Die LGBTQIA+-Community wächst ständig und die Abkürzung wird kontinuierlich angepasst und erweitert, um die Vielfalt der Identitäten zu repräsentieren.
Diskriminierung am Arbeitsplatz kann schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben und die Karriere queerer Menschen haben. Neben einem höheren Risiko von Arbeitslosigkeit und Gehaltsunterschieden können queere Personen auch mit psychischen Belastungen und einem Gefühl der Unsicherheit am Arbeitsplatz konfrontiert sein. Es kann ihre berufliche Entwicklung beeinträchtigen und zu einer allgemeinen Unzufriedenheit führen.
Mitarbeiterinnen können als Verbündete (Allys) aktiv dazu beitragen, die Arbeitsumgebung für queere Menschen zu verbessern. Das bedeutet, dass sie sich für die Rechte und das Wohlbefinden ihrer queeren Kolleginnen einsetzen und aktiv gegen Diskriminierung vorgehen. Sichtbarkeit zeigen, Stellung beziehen oder einfach nur aktiv zuhören und daraus lernen sind ein guter Anfang, um betroffene Kolleg*innen zu unterstützen.
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