Dicke Luft am Arbeitsplatz? Mobbing bei der Arbeit ist in Deutschland keine Seltenheit. Welche Formen es gibt und wie du dich als Opfer oder Beobachter*in von Mobbing am Arbeitsplatz verhältst, liest du hier.
Mobbing ist eine Form der psychischen Gewalt, bei der Opfer von einer oder mehreren Personen gezielt schikaniert oder angefeindet werden. Von kleineren Streitereien und Meinungsverschiedenheiten unterscheidet sich Mobbing vor allem in einem Punkt: Es geschieht wiederholt und regelmäßig. Dadurch bieten einige gesellschaftliche Konstrukte mehr Raum für Mobbing als andere. Insbesondere in Schulen und am Arbeitsplatz ist Mobbing ein weit verbreitetes Problem.
Mobbing kann viele Formen annehmen: Von direkten Beleidigungen und feindseligem Verhalten bis zu Sabotage oder Einschüchterung. Genauso variieren auch die Auswirkungen bei den Opfern, aber schlimmstenfalls kann Mobbing sogar psychosomatische Beschwerden hervorrufen: Bauchschmerzen vor Arbeitsantritt oder Schlaflosigkeit sind typische Beispiele.
Das Problem mit Mobbing am Arbeitsplatz: Die Rechtslage innerhalb der EU ist nicht einheitlich. Wie in vielen EU-Ländern gibt es auch in Deutschland kein eindeutiges Gesetz, das das Thema Mobbing am Arbeitsplatz regelt. Allerdings werden Betroffene durch verschiedene Gesetze geschützt – unter anderem bezogen auf das Strafrecht als auch über die Pflichten des Arbeitgebers:
Je nach Einzelfall kann Mobbing am Arbeitsplatz unter anderem als Körperverletzung (§§ 223 ff. des Strafgesetzbuchs - StGB6), als Beleidigung oder üble Nachrede (§§ 185 ff. StGB) sowie als Nötigung (§ 240 StGB) geahndet werden.
Der Arbeitgeber hat entsprechend § 75 Abs. 2 BetrVG (Betriebsverfassungsgesetz) eine Fürsorgepflicht gegenüber den Arbeitnehmern und muss diese vor Mobbing schützen. Auch aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ergibt sich diese Pflicht.
Mobbing am Arbeitsplatz kann sich gegen verschiedene Personen oder Positionen richten und auf unterschiedliche Weisen äußern. Typisch fürs Mobbing am Arbeitsplatz ist das Schikanieren über Hierarchien hinweg: sowohl nach unten als auch nach oben. Aber auch auf einer Hierarchieebene unter Kolleg*innen kann es zu Mobbing-Fällen kommen.
Mit zunehmendem Konkurrenzkampf in der Arbeitswelt wird der Nährboden auch für Mobbing und Schikane unter Kolleg*innen immer fruchtbarer. Gründe dafür können anstehende Beförderungen oder Gehaltserhöhungen sein. Gibt es nur eine höhere Position, für die mehr als eine Person qualifiziert ist, kann das zu einem unfairen Konkurrenzverhalten führen. Durch Sabotage oder das Anfeuern der Gerüchteküche können Kolleg*innen versuchen, den Ruf der konkurrierenden Teammitglieder zu schädigen.
Beim sogenannten Bossing erfährt das Opfer Mobbing von oben herab durch Höhergestellte oder direkte Vorgesetzte. Eine Standpauke reicht aber nicht aus, um das Verhalten deiner Führungskraft als Bossing einzuordnen. Erst wenn immer wieder dieselbe Person zur Zielscheibe von Sticheleien oder Schikanen wird, trifft die Bezeichnung zu. Auf der fachlichen Ebene wird vor allem die Arbeit des Opfers schlecht gemacht oder ins Lächerliche gezogen. Betroffene werden vor dem versammelten Team für ihre vermeintlich schlechte Leistung erniedrigt. Mobbing auf der sozialen Ebene zielt vor allem auf die Persönlichkeit ab: Hierunter fallen beispielsweise diskriminierende oder sexistische Aussagen und Verhaltensweisen.
Das Ziel von Bossing ist häufig, Mitarbeiter*innen loszuwerden, ohne eine Kündigung aussprechen zu müssen. Durch gezielte Schikane sollen Betroffene zur Kündigung getrieben werden. Mobbing durch Vorgesetzte stellt eine besonders knifflige Situation für Arbeitnehmer*innen dar.
Auch Vorgesetzte bleiben nicht immer verschont. Staffing meint das Mobbing über Hierarchieebenen hinweg – allerdings nach oben. Beim Staffing schließen sich in den meisten Fällen mehrere Mitarbeiter*innen zusammen und wenden sich geschlossen gegenVorgesetzte. Oft trifft es junge Manager*innen, die erst wenig Erfahrung mit Führungsverantwortung gesammelt haben und gegebenenfalls ganz neu im Unternehmen sind. Durch die Betriebszugehörigkeit und das Insiderwissen fühlen sich Mitarbeiter*innen ihrer Führungskraft überlegen.
Ähnlich verhält es sich, wenn aus Kolleg*innen plötzlich Vorgesetzte werden. Die Machtverhältnisse ändern sich und damit auch die Natur der Beziehung. Auch in solchen Fällen kann es zu Staffing kommen, wenn die Kolleg*innen mit der Entscheidung nicht einverstanden oder sogar ein bisschen neidisch sind.
Wichtig zu wissen: Es gibt keine gute Begründung für Mobbing am Arbeitsplatz. Im Falle von Bossing ist es häufig der Versuch, eine*n Mitarbeiter*in loszuwerden. Woran du Bossing im Arbeitsalltag erkennst, verraten wir dir hier.
Du hast ständig Leerlauf und selbst wenn du nach neuen oder zusätzlichen Aufgaben fragst, kommt nichts von deiner Führungskraft? Oder noch schlimmer: Du ertrinkst in Arbeit, aber dein*e Vorgesetzte*r setzt immer noch mehr obendrauf, während das Arbeitspensum bei gleichgestellten Kolleg*innen viel geringer ist?
Extremer Workload – sowohl besonders viel als auch wenig – kann ein Anzeichen für Bossing sein. So werden Mitarbeiter*innen zum Beispiel gezielt von besonders interessanten Projekten ausgeschlossen oder aber durch eine Vielzahl an engen Deadlines in eine kaum zu bewältigende Stresssituation versetzt. Beides kann das Selbstbewusstsein der Betroffenen negativ beeinflussen.
Deine Leistung wird regelmäßig auf die Goldwaage gelegt und deine Feedback-Gespräche sind ausschließlich negativ? Wenn du die Kritik an deiner Arbeit überhaupt nicht nachvollziehen kannst und deine Führungskraft fadenscheinige Argumente anbringt, um deine Arbeit schlecht zu bewerten, könnte das ebenfalls ein Zeichen für Bossing sein.
Beim Bossing wird Kritik auch häufig über die Arbeit hinaus formuliert und betrifft zum Beispiel das Aussehen der Betroffenen oder private Angelegenheiten. Spätestens in solchen Fällen kannst du dir sicher sein: Die Kritik deiner Führungskraft ist unprofessionell und nicht angemessen – ein klares Zeichen für Mobbing am Arbeitsplatz.
In manchen Fällen ist Mobbing sehr leicht zu erkennen: Wenn sich deine Führungskraft dir gegenüber ganz offen feindselig verhält, handelt es sich um Bossing. Aufdringliches, aggressives Verhalten oder sexuelle Anspielungen fallen ebenfalls in die Kategorie (sexuelle) Gewalt und sind ein No-Go.
Besonders wichtig: Hierbei handelt es sich sogar um Straftaten. Wenn du am Arbeitsplatz Opfer von Beleidigungen oder Gewalt wirst, kannst und solltest du rechtliche Schritte einleiten.
Wenn du mehrere dieser Punkte auf deine Situation anwenden kannst, könnte es sich um Bossing handeln.
Ständige Kritik und Herabsetzung |
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Isolation |
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Unfaire Arbeitsbelastung |
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Mobbing durch Arbeitsaufträge |
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Behinderung der Arbeit |
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Unrealistische Ziele und Deadlines |
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Fehlende Kommunikation |
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Diskriminierung und Ungleichbehandlung |
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Es gibt verschiedene Phasen beim Mobbing am Arbeitsplatz. Diese zu erkennen und einzuordnen ist wichtig, damit du frühzeitig handeln und Unterstützung suchen kannst.
In dieser Anfangsphase sind die Spannungen noch versteckt. Du bemerkst kleine, abweisende Gesten oder Bemerkungen. Du fühlst dich unwohl, kannst aber noch nicht genau sagen, warum.
Die Konflikte werden offener. Du wirst häufiger kritisiert oder ausgeschlossen. Die feindlichen Handlungen nehmen zu und werden regelmäßiger. Dein Selbstwertgefühl beginnt zu leiden, und du fühlst dich zunehmend isoliert.
Das Mobbing wird nun deutlich und intensiv. Du wirst regelmäßig beleidigt, erniedrigt oder vor anderen schlechtgemacht. Du wirst systematisch ausgegrenzt und unfair behandelt. Deine Gesundheit und dein Wohlbefinden leiden stark, und du fühlst dich gestresst oder ängstlich.
Du siehst keinen Ausweg mehr und denkst daran, den Arbeitsplatz zu verlassen. Die Situation scheint aussichtslos, und du erwägst eine Kündigung oder Versetzung. Die Auswirkungen des Mobbings können noch lange nachwirken und dein Leben stark beeinflussen.
Du hast das Recht, in einer Umgebung zu arbeiten, in der du dich sicher, wohl und wertgeschätzt fühlst. Manchmal musst du die Dinge deswegen selbst in die Hand nehmen. Manchmal kann es helfen, deine Mobber*innen direkt zur Rede zu stellen. In einem offenen Gespräch kannst du so bestenfalls den Ursachen für das Mobbing auf den Grund gehen und dabei gleichzeitig zeigen, wie du dich dabei fühlst.
Mobbing am Arbeitsplatz ist ein ernstes Problem, das sich negativ auf deine psychische und körperliche Gesundheit und deine Arbeitsleistung auswirken kann. Es ist wichtig, dass du nicht ignorierst, was passiert, sondern Maßnahmen ergreifst. Das gilt sowohl dann, wenn du das Opfer von Mobbing-Attacken am Arbeitsplatz bist, als auch wenn du beobachtest, wie andere Kolleg*innen gemobbt werden. Der erste Schritt sollte sein, dich an deine Vorgesetzten, die Personalabteilung oder vertrauenswürdige Personen im Unternehmen zu wenden. Diese haben die Verantwortung, sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter*innen in einer respektvollen Umgebung arbeiten können. Auch der Betriebsrat ist eine gute erste Anlaufstelle, um über deine Situation zu sprechen.
Wenn die Unterstützung von deinen Vorgesetzten oder Vertrauensleuten im Unternehmen ausbleibt, kann in vielen Unternehmen der Betriebsrat die nächste Adresse sein. Der Betriebsrat hat das Recht auf Mitbestimmung in vielen arbeitsrechtlichen Angelegenheiten und kann zwischen dir und deinem Arbeitgeber vermitteln. Laut § 104 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) kann der Betriebsrat je nach Fall sogar die Entlassung oder Versetzung von Mobber*innen verlangen. Das gilt, wenn es zum Beispiel zu gesetzeswidrigem Verhalten oder rassistisch oder sexistisch motivierter Benachteiligung oder Diskriminierung von Arbeitnehmer*innen kommt.
Allerdings: In kleinen und mittelständischen Firmen gibt es selten einen Betriebsrat.
Häufig können auch offizielle Beratungsstellen helfen. Hier kannst du mit erfahrenen Berater*innen über deine Situation sprechen und erhältst Unterstützung und Tipps, wie du dich am besten verhältst:
In vielen Lebenslagen hilft es, sich die Probleme erstmal von der Seele zu reden. Viele Beratungsstellen unterstützen dich aber auch mit einer Rechtsberatung für deine Situation.
Auf lange Sicht ist es ratsam, ein schriftliches Mobbing-Tagebuch zu führen. So kannst du Einzelfälle dokumentieren und dich später im Gespräch mit deinen Vorgesetzten oder in extremen Fällen mit deinem Anwalt darauf beziehen. Damit sicherst du dich bestmöglich ab, solltest du wegen Mobbing im Job rechtliche Schritte einleiten.
Fakt ist: Wenn das Mobbing am Arbeitsplatz physischer Natur ist und du körperlich bedrängt oder verletzt wirst, handelt es sich dabei um eine Straftat. Auch Beleidigungen und sexuelle Belästigung sind in Deutschland strafbar.
Mobbing als solches ist aber nach aktuellem Stand noch keine Straftat. Dennoch ist es Aufgabe deines Arbeitgebers für ein sicheres Arbeitsumfeld zu sorgen. Das nennt sich Fürsorgepflicht: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Leben und Gesundheit der Arbeitnehmer*innen zu schützen. Darunter fallen auch die sogenannten Persönlichkeitsrechte und die psychische Gesundheit. Mitarbeiter*innen müssen demnach vor Diskriminierung, Beleidigung und auch Mobbing geschützt werden.
Disclaimer: Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft. Die in diesem Artikel veröffentlichten Rechtsgrundlagen wurden sorgfältig zusammengestellt, erheben aber keinen Anspruch auf Aktualität, sachliche Richtigkeit oder Vollständigkeit; eine entsprechende Gewähr wird nicht übernommen. Insbesondere übernimmt The Stepstone Group Deutschland GmbH keinerlei Haftung für eventuelle Schäden oder Konsequenzen, die durch die direkte oder indirekte Nutzung der bereitgestellten Inhalte entstehen.
Unter Mobbing am Arbeitsplatz fallen systematische Schikanen, Beleidigungen, Ausgrenzungen, ständige Kritik und Demütigungen, die über einen längeren Zeitraum stattfinden.
Mobbing beginnt, wenn negative Verhaltensweisen wie ständige Kritik, Ausgrenzung oder Beleidigungen systematisch und wiederholt auftreten und dein Wohlbefinden beeinträchtigen.
Ja, auch sexuelle Belästigung fällt unter Mobbing am Arbeitsplatz. Darüber hinaus handelt es sich dabei aber auch um eine Straftat.
Dokumentiere die Vorfälle, suche das Gespräch mit Vorgesetzten oder dem Betriebsrat, und erwäge professionelle Hilfe wie Coaching oder Therapie, um deine Situation zu verbessern.
Beweise das Mobbing durch detaillierte Aufzeichnungen der Vorfälle, E-Mails, Zeugenaussagen von Kollegen und ärztliche Atteste, die den gesundheitlichen Schaden dokumentieren.
Unterstützung erhältst du von Kollegen, dem Betriebsrat, der Personalabteilung, externen Beratungsstellen und gegebenenfalls von Rechtsanwälten, die auf Arbeitsrecht spezialisiert sind.
Der Arbeitgeber macht sich strafbar, wenn er von dem Mobbing weiß und nichts unternimmt, um es zu stoppen, oder wenn er selbst aktiv am Mobbing beteiligt ist, was gegen seine Fürsorgepflicht verstößt.
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