Drei Frauen sitzen an einem Tisch und trinken Kaffee. Eine der Frauen schaut nachdenklich in die Leere.
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Was versteht man unter Coming-out?Coming-out am Arbeitsplatz HürdenMeist positive ResonanzPro und ContraHürden für Trans*PersonenSo gelingt das Coming-outFAQ – Häufig gestellte Fragen

Das Familienfoto auf dem Schreibtisch oder ein Gespräch über die Urlaubspläne mit dem Partner: Für heterosexuelle Menschen etwas ganz Normales. Queere Menschen können erst nach einem Coming-out am Arbeitsplatz mit ihren Kolleg*innen unbefangen über solche Themen sprechen. Was für viele eine Erleichterung darstellt, kann leider auch unangenehme Konsequenzen mit sich bringen.Das ist auch der Grund, warum sich viele Betroffene schwer tun mit der Frage: “Kommuniziere ich es offen und oder behalte ich es für mich?”. Dieser Artikel kann dir dabei helfen, eine Entscheidung zu treffen und gibt dir Tipps zum Coming-out am Arbeitsplatz.

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Was versteht man unter Coming-out?Coming-out am Arbeitsplatz HürdenMeist positive ResonanzPro und ContraHürden für Trans*PersonenSo gelingt das Coming-outFAQ – Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter Coming-out?

Bei einem Coming-out offenbart eine Person ihre Orientierung oder Geschlechtsidentität – oft gegenüber Familie, Freund*innen oder auch den Arbeitskolleg*innen.

Im Gegensatz dazu spricht man von Outing, wenn die Orientierung oder Geschlechtsidentität einer Person gegen ihren Willen von anderen bekannt gemacht wird. Das Outing kann eine große Verletzung der Privatsphäre sein und zu negativen Folgen wie Stigmatisierung oder Diskriminierung führen. Das Coming-out dagegen ist ein bewusster Akt der Selbstoffenbarung und Selbstakzeptanz.

Was macht das Coming-out am Arbeitsplatz so schwer?

Wie werden die Kolleg*innen reagieren? Welche Auswirkungen wird das Coming-out auf die zukünftige Zusammenarbeit und auf meine Karriere haben? Im Rahmen der Studie Out@Work 1.032 Mitglieder der LGBTQIA+-Community befragt : 65 % gehen offen mit ihrer sexuellen Identität am Arbeitsplatz um. 91 % dieser Personen gaben an, dass sie ihre Entscheidung nicht bereuen. Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass das Coming-out auch mit Diskriminierung am Arbeitsplatz einhergehen kann: 23 % der befragten Personen wurden am Arbeitsplatz wegen ihrer Identität bereits benachteiligt. Darunter bekamen 46 % Witze oder sexualisierte Kommentare zu hören, 28 % wurden ausgegrenzt und 24 % wurden mit verbaler Gewalt oder Mobbing konfrontiert. 12 % haben aufgrund der Diskriminierung sogar den Arbeitsplatz gewechselt. Bei 4 % kam ein Arbeitgeberwechsel sogar mehrfach vor.

Nicht nur Diskriminierung durch Arbeitskolleg*innen kann die Folge sein – ein Coming-out kann auch die Jobsuche beeinflussen. Ergebnisse einer Studie des Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) aus Mai 2020 zeigten, dass 11% der befragten Lesben, Schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen in den letzten 12 Monaten bei der Jobsuche diskriminiert worden sind.

Neben psychischen Auswirkungen kann ein Coming-out am Arbeitsplatz also auch finanzielle Konsequenzen mit sich ziehen.

Ein Coming-out wird meistens positiv aufgenommen

In den letzten 17 Jahren hat sich die Zahl der offen homosexuell lebenden Menschen verdoppelt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass auch immer mehr Prominente es vormachen: Darunter Thomas Sattelberger, Ex-Telekom-Vorstand oder die ehemalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Es empfiehlt sich, schon im Bewerbungsprozess offen zu sein – damit vermeidet man es, dass man sich im Job überhaupt erst auf Versteckspiel begeben muss.

Aber auch dann, wenn du schon länger im Job bist, ist es natürlich nicht zu spät, offen zu deiner Orientierung zu stehen. Weihe am besten zuerst deinen engsten Kolleg*innenkreis ein. Meistens wird ein Coming-out positiv aufgenommen. In einer Umfrage des Psychologischen Instituts Köln gaben 92 % der Befragten an, dass ihre Kolleg*innen überwiegend positiv reagierten. Bei 85 % hat auch der Chef bzw. die Chefin eine positive Reaktion gezeigt.

Markus Knopp, Präsident von Austrian Gay Professionals erzählt: „Ich versuche immer, alle Schwulen und Lesben zu bestärken, dass sie sich outen. Das ist vergleichbar mit einem Umzug. Am Anfang ist es mühsam, aber wenn man angekommen ist, freut man sich und ist glücklicher.”

Coming-out am Arbeitsplatz – Ja oder nein?

Wie bei den meisten wichtigen Entscheidungen im Leben ist auch das Coming-out am Arbeitsplatz mit möglichen Vor- und Nachteilen verbunden, die du abzuwägen musst.

Pro

Contra

  • Reduzierung von Stress

  • Steigerung des Selbstwertgefühls

  • Beitrag zur Normalisierung und Aufklärung

  • Mentoring und Unterstützung

  • Belästigung durch Kolleg*innen

  • Mikroaggressionen von Kolleg*innen

  • Mögliche berufliche Konsequenzen, z.B. geringerer Verdienst

Ein Mann sitzt am Schreibtisch und lächelt in die Kamera. 
Das Coming-Out vor Kolleg*innen kann eine echte Erleichterung sein. © Mihajlo Ckovric

Besonders für Trans*Personen birgt ein Coming-out am Arbeitsplatz Hürden

Am schwersten fällt Trans*Personen ein Coming-out am Arbeitsplatz. Trans*Personen sind Menschen, die sich mit ihrem biologischen Geschlecht nicht identifizieren können. Generell ist das Thema Identität bei dieser Personengruppe noch einmal offensichtlicher als bei anderen.

Das Thema Gleichstellung im Beruf spielt für Trans*Menschen nach dem Coming-out eine große Rolle: Was, wenn es keine geschlechtsneutralen Toiletten gibt oder man plötzlich eine andere Toilette verwendet als vorher? Was, wenn die Kolleg*innen einen nach dem Coming-out mit dem falschen Namen ansprechen?

Auch auf das Gehalt kann ein Coming-out als Trans*Person erhebliche Auswirkungen haben. Eine Studie der Universität Amsterdam aus Mai 2015 kam zu dem Ergebnis, dass das Gehalt einer Frau, die eine Transition durchlaufen hat, um 20 % sinkt. Nach einer Transition von Frau zu Mann konnten allerdings keine Änderungen am Gehalt festgestellt werden. Forscher*innen vermuten als Grund dafür zum einen den Gender Pay Gap und zum anderen die Diskriminierung von Trans*Personen.

Eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, dass 43 % der Trans*Personen in den vergangenen zwei Jahren im Arbeitsleben diskriminiert worden sind.

Dennoch: Wie bei allen anderen Identitäten bedeutet es auch für Trans*Menschen, dass sie sich ohne Coming-out in eine Rolle begeben, die sie eigentlich nicht wirklich sind. Sie lassen sich mit dem falschen Namen ansprechen, tragen Kleidung, mit der sie sich nicht identifizieren können und können ihre wahre Identität nicht zeigen. Das führt zu permanentem Stress und psychischer Belastung.

So gelingt das Coming-out am Arbeitsplatz

Wenn du dich für ein Coming-out am Arbeitsplatz entschieden hast, gibt es verschiedene Wege, wie du es angehen kannst. Den einen Königsweg, der für alle und jede*n past, gibt es nicht, aber hier sind einige Möglichkeiten

Langsam anfangen: Wenn du dich nicht sofort bei allen Kolleg*innen outen möchtest, kannst du nach und nach Personen auswählen, denen du vertraust, und es ihnen erzählen. Du kannst auch klarstellen, dass du nicht möchtest, dass sie es weitererzählen.

Direkt sein: Ein schneller und unkomplizierter Ansatz ist oft effektiv. Du kannst immer wieder Hinweise in Gesprächen streuen, wie zum Beispiel "Meine Frau und ich..." oder "Als ich mal diesen Mann gedatet habe...".

Lass dir Zeit: Wenn du es nicht eilig hast, kannst du einfach abwarten, bis sich ein passender Moment ergibt. Es eignet sich zum Beispiel eine Gelegenheit, in der genug Zeit ist und deine Kolleg*innen nicht in zehn Minuten ins nächste Meeting müssen – zum Beispiel beim Feierabend-Bier oder zu Beginn einer längeren Mittagspause.

Jemand anderen bitten: Falls du dich nicht traust oder es dir zu mühsam erscheint, dich selbst zu outen, kannst du eine andere Person bitten, es für dich zu tun. Du kannst Personen wählen, denen du vertraust, und sie bitten, es diskret mit anderen zu teilen. In diesem Fall handelt es sich dann um ein Outing am Arbeitsplatz, das aber nicht unkontrolliert abläuft, sondern bewusst von dir eingefordert wird. Bei der Person kann es sich um dein*en Vorgesetze*r sein, ein* Kolleg*in oder falls vorhanden, auch eine*n LGTBQ-Beauftragte*n handeln.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Coming-out und Outing?

Beim Coming-out offenbart eine Person ihre Orientierung, Geschlechtsidentität oder geschlechtliche Ausdrucksweise gegenüber Familie, Freund*innen oder Arbeitskolleg*innen. Im Gegensatz dazu bezieht sich das Outing darauf, wenn die Geschlechtsidentität einer Person gegen ihren Willen von anderen bekannt gemacht wird.

Warum ist das Coming-out am Arbeitsplatz so schwer?

Das Coming-out am Arbeitsplatz kann mit verschiedenen Ängsten verbunden sein, darunter die Sorge um die Reaktion der Kolleg*innen, potenzielle Diskriminierung und die Auswirkungen auf die Karriere. Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz kommt trotz zunehmender Akzeptanz immer noch vor und beeinträchtigt das psychische Wohlergehen und manchmal sogar die finanzielle Situation der betroffenen Personen.

Warum ist das Coming-out für Trans*Personen besonders herausfordernd?

Studien zeigen, dass Trans*Personen ein noch höheres Maß an Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren als andere Personen der LGBTQIA+-Community. Sie haben oft zusätzliche Herausforderungen beim Coming-out am Arbeitsplatz, da sie möglicherweise mit der Anpassung von Arbeitsrichtlinien, der Verwendung geschlechtsneutraler Toiletten und der falschen Ansprache durch Kolleg*innen konfrontiert sind.

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