Frau fläzt auf einem Stuhl. Vor ihr ein Tisch mit vielen Zetteln drauf.
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Risikofaktoren für ein BurnoutBurnout-ProzessLeitsymptomeGeschlechtsspezifische UnterschiedeBewältigungs- und PräventionsstrategienFazit

Das Phänomen Burnout ist in den letzten Jahren in aller Munde. Darunter versteht man einen Zustand des „Ausgebranntseins”, der Überarbeitung und Erschöpfung, der mit Unzufriedenheit und Überforderung am Arbeitsplatz einhergehen kann. Im Gastbeitrag unserer Expertin Dr. Hanne Horvath erfährst du, wie du feststellen kannst, ob du an Burnout leidest, welche Symptome besonders weitverbreitet sind und was dagegen hilft.

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Risikofaktoren für ein BurnoutBurnout-ProzessLeitsymptomeGeschlechtsspezifische UnterschiedeBewältigungs- und PräventionsstrategienFazit

Burnout wird als ein Syndrom definiert, das durch die drei Kernsymptome Erschöpfung, geistige Distanzierung von der Arbeit und eine verminderte Leistungsfähigkeit gekennzeichnet ist. Dies kann durch anhaltenden Arbeitsstress verursacht werden, der nicht ausreichend verarbeitet werden kann. An Burnout in diesem Sinne können also nur Menschen leiden, die Stress am Arbeitsplatz erleben. Tatsächlich können aber auch Situationen außerhalb des klassischen Arbeitskontextes wie Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder eine hohe psychische Belastung zur Entwicklung eines Burnouts beitragen. Nicht selten ist es jedoch die Gesamtbelastung aus Beruf und Privatleben, die Menschen in einen Teufelskreis aus Stress, Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit stürzt.

Die vielfältigen Risikofaktoren für ein Burnout

Aber auch wenn wir im Arbeitskontext bleiben, gibt es in der Regel keine einzelne Ursache, die zu einem Burnout führt. Vielmehr ist es das Zusammenwirken von anhaltender Stressbelastung und dem gleichzeitigen Fehlen von Strategien zum Stressabbau, das Menschen auf Dauer überfordern kann.

  1. Mangel an Selbstbestimmung und Einflussnahme: So kann ein Mangel an Selbstbestimmung und Einflussnahme einen enormen Stressor darstellen. Wenn man nur Vorgaben erfüllen muss, auf die man keinen Einfluss hat, und die Anweisungen für einen selbst keinen Sinn ergeben, fühlt man sich schnell gestresst und frustriert.
  2. Zeitdruck: Auch der enorme Zeitdruck, der in vielen Berufen allgegenwärtig ist, kann auf Dauer sehr belastend sein. Hier ist es essentiell, dass hektische Phasen immer wieder durch ruhigere Zeiten der Erholung ausgeglichen werden.
  3. Perfektionistische Tendenzen: Hinzu kommen auch persönliche Eigenschaften, die ein Burnout begünstigen können. So sind perfektionistische Tendenzen ein zweischneidiges Schwert: Zwar strebt man gerne nach Perfektion, doch Perfektionisten neigen dazu, alles selbst machen zu wollen und können nur schwer loslassen. So gönnen sie sich viel zu selten erholsame Pausen.
  4. Unklare Erfolgskriterien: Auch unklare Erfolgskriterien können zu Überforderung führen. Denn wenn man nicht klar definiert, wann man in seiner Arbeit erfolgreich ist, besteht die Gefahr, dass man sich permanent verausgabt, ohne jemals ein Gefühl der Befriedigung und Anerkennung zu erfahren.
  5. Zwischenmenschliche Konflikte: Schließlich können auch zwischenmenschliche Konflikte und Spannungen mit Kolleg:innen oder Vorgesetzten eine zusätzliche Belastung darstellen. Im Extremfall kann es sogar zu Mobbing am Arbeitsplatz kommen, was psychisch sehr belasten kann.

Die schleichende Entwicklung im Burnout-Prozess

Unabhängig davon, mit welchen Belastungsfaktoren man am Arbeitsplatz konfrontiert ist: Burnout entwickelt sich meist schleichend und kann bei jedem Menschen etwas anders aussehen. Dennoch lassen sich bestimmte Muster erkennen:

In der Anfangsphase versuchen Betroffene zunächst noch mit allen Mitteln, den hohen Leistungsanforderungen gerecht zu werden. Sie versuchen oft noch härter und effizienter zu arbeiten und vernachlässigen häufig eigene Bedürfnisse wie ausreichend Schlaf, Erholung und soziale Kontakte. Bereits hier können erste psychosomatische Warnsignale wie Schlafstörungen oder Erschöpfungszustände auftreten.

Später, in der sogenannten Verleugnungs- und Reaktionsphase, nehmen Zynismus, Gleichgültigkeit und Reizbarkeit stetig zu. Die Leistungsfähigkeit lässt stark nach, eigene Fehler häufen sich. Die Betroffenen ziehen sich oft noch weiter aus dem sozialen Leben zurück und bauen eine Mauer aus Gleichgültigkeit und Ablehnung gegenüber ihrer Arbeit auf. Gleichzeitig werden sie häufig überempfindlich und reagieren unverhältnismäßig auf vermeintliche Angriffe und Kritik.

In der Endphase eines ausgeprägten Burnouts kann es schließlich zur völligen emotionalen und körperlichen Erschöpfung kommen. Die Betroffenen fühlen sich oft innerlich leer oder wertlos. Spätestens jetzt reichen oft eigene Bewältigungsstrategien nicht mehr aus und es ist ratsam, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Anfangsphase

Verleugnungs- und Reaktionsphase

Endphase

Im Kreis angeordnete Phasen des Burnouts
Die Symptome, wenn sich ein Burnout anbahnt, lassen sich in 12 Phasen einteilen. © stepstone

Die drei Leitsymptome im Überblick

Auch wenn die genauen Verläufe individuell unterschiedlich sind, haben sich drei Anzeichen herauskristallisiert, auf die sich viele Expert:innen und die Fachwelt geeinigt haben. Demnach äußert sich Burnout am häufigsten durch

  1.  ein anhaltendes Gefühl von Erschöpfung und Antriebslosigkeit
  2. eine zunehmende geistige Distanzierung und "Entfremdung" von der eigenen Arbeit
  3. Das Gefühl, nicht mehr leistungsfähig und effektiv arbeiten zu können.
Ein Arzt sitzt auf einem Krankenbett und fasst sich an die Stirn.
Sobald du die ersten Symptome bemerkst, solltest du handeln. © PER Images/Stocksy

Geschlechtsspezifische Unterschiede im Burnout-Erleben

Auch wenn die grundlegenden Burnout-Symptome bei Frauen und Männern ähnlich sind, können sich die genauen Ausprägungen und der Umgang mit den Beschwerden je nach Geschlecht unterscheiden.

So zeigen Studien, dass Frauen tendenziell stärker unter Erschöpfungsgefühlen und Energielosigkeit leiden. Männer hingegen neigen eher zu zynischen Einstellungen und einer Distanzierung von ihrer Arbeit. Frauen erhalten zudem häufiger die Diagnose Burnout. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Männer seltener betroffen sind. Vielmehr scheinen Männer aufgrund überholter Geschlechterstereotypen und Rollenbilder größere Schwierigkeiten zu haben, ihre Belastungen offen anzusprechen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass Männer laut einer Studie der University of York zwar unter einem größeren Arbeitsstress leiden als Frauen, jedoch deutlich seltener Strategien zur Stressbewältigung anwenden als ihre Kolleginnen. Während Frauen beispielsweise eher Unterstützung in zwischenmenschlichen Beziehungen suchen, neigen Männer dazu, anhaltende Belastungen allein bewältigen zu wollen.

Ein zusätzlicher Risikofaktor speziell für berufstätige Mütter ist die permanente Doppelbelastung durch Beruf und Familie. Eine große amerikanische Studie hat gezeigt, dass Mütter um 28% häufiger an Burnout erkranken als berufstätige Väter. Es ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse dieser Studie auch auf Männer übertragbar sind, die neben ihrer Berufstätigkeit in vergleichbarem Umfang familiäre Aufgaben übernehmen und z.B. die Hauptansprechperson für die Kinder sind.

Bewältigungs- und Präventionsstrategien

Um einem drohenden Burnout wirksam vorzubeugen oder ihn zu überwinden, ist es zunächst wichtig, die eigenen Warnsignale bewusst wahrzunehmen. Oft werden Stresssymptome wie Erschöpfung oder Schlafprobleme verdrängt, anstatt sie ernst zu nehmen. Im zweiten Schritt geht es darum, genau zu analysieren, welche Faktoren und Belastungen im Beruf und Privatleben die Hauptauslöser für die eigene Überlastung sind.

Darüber hinaus ist es hilfreich, sich über die eigenen Werte, Ziele und Prioritäten im Leben klar zu werden. Wenn wir wissen, was uns wirklich wichtig ist, können wir unser Leben besser danach ausrichten und erfüllende Wege finden, unseren Alltag zu gestalten. Auch das Finden von "Kraftquellen", also von Aktivitäten, die Freude bereiten, Kraft geben und einen Ausgleich zur Arbeit schaffen, ist für die persönliche Ausgeglichenheit enorm wertvoll.

Nicht zuletzt ist es ratsam, sich frühzeitig professionelle Unterstützung zu suchen, wenn man bei sich selbst Burnout-Symptome feststellt. Insbesondere dann, wenn aus Warnsignalen bereits deutliche Symptome geworden sind und man aus eigener Kraft keine spürbare Erholung mehr herbeiführen kann. Wenn neben dem Burnout auch zusätzliche andere Beschwerden wie depressive oder Angstsymptome vorliegen, kann eine Psychotherapie helfen. In der Therapie lernen und üben Betroffene zum einen systematisch wieder Erholung und kraftgebende Aktivitäten in den Alltag zu integrieren, zum anderen werden in Gesprächen die Ursachen des Burnouts, die individuellen Stressfaktoren und der Umgang mit unangenehmen Gefühlen näher beleuchtet. Es werden Bewältigungsstrategien erarbeitet, Verhaltens- und Denkmuster gemeinsam hinterfragt und verändert und die betroffene Person Schritt für Schritt aus dem Burnout-Zirkel herausgeführt. Neben einer klassischen Psychotherapie gibt es auch die Möglichkeit, mit einem Online-Therapiekurs wie HelloBetter Stress und Burnout schnelle Hilfe zu bekommen. Den Therapiekurs gibt es kostenlos auf Rezept und ohne Wartezeit - die Kosten werden zu 100% von der Krankenkasse übernommen!

Der Schlüssel liegt in der ganzheitlichen Betrachtung

Burnout ist ein vielschichtiges Syndrom mit ganz unterschiedlichen Gesichtern. Entgegen gängiger Stereotype kann die „Managerkrankheit” jeden treffen, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Beruf. Um Überlastung, Erschöpfung und Sinnkrisen langfristig zu begegnen, müssen wir das Thema ganzheitlich angehen.

Nur wenn wir offen sind für unsere Bedürfnisse, den individuellen Ursachen auf den Grund gehen und mutig auf verschiedenen Ebenen gegensteuern, können wir letztlich neue Kraft und Zufriedenheit finden. Eine gesunde Work-Life-Balance ist dafür die Basis - denn nur wenn Beruf und Privatleben im Einklang stehen, können wir auf Dauer ausgeglichen und psychisch gesund bleiben.

Weiter Tipps zum Umgang mit Burnout erhältst du im Interview „Burnout am Arbeitsplatz“ mit Dr. Hanne Horvarth.

Dr. Hanne Horvath

Dr. Hanne Horvath ist Mitgründerin von der Online-Therapie-Plattform HelloBetter. Sie schloss 2011 ihr Diplomstudium der Psychologie an der Universität Trier ab, bevor sie bis 2015 an der Leuphana Universität Lüneburg an ihrer Promotion arbeitete. Im Rahmen des GET.ON Forschungsprojektes fokussierte sich Dr. Horvath auf die Erstellung und Evaluation eines Onlineprogramms gegen Schlafstörungen. Für ihre Leistungen wurde sie mit dem Wilhelm Exner-Preis für Psychologie ausgezeichnet. Neben diversen Publikationen und der Entwicklung einer digitalen Anwendung gegen Schlafstörungen, konzentrierte sich Dr. Horvath als Gründerin und langjährige Geschäftsführerin auf den Aufbau der GET.ON Institut GmbH (heute unter dem Namen HelloBetter bekannt). Hierfür wurde sie von der Leuphana Universität mit einem Business Accelorator Stipendium ausgestattet. Zwischen 2013 und 2017 arbeitete Dr. Horvath arbeitete außerdem als freiberufliche Psychologin am Lüneburger Institut für Lerngesundheit, wo sie Workshops für Lehrerinnen und Lehrer hielt, um sie im Stressmanagement zu unterstützen.

Über HelloBetter

HelloBetter gehört zu den weltweit führenden Anbietern evidenzbasierter digitaler Medizinprodukte. Das Unternehmen wurde 2015 aus einem universitären Forschungsprojekt heraus von führenden Psycholog:innen gegründet. HelloBetter bietet zehn Online-Therapieprogramme an, von denen sechs zuzahlungsfrei auf Rezept für alle krankenversicherten Erwachsenen zugänglich sind (1. Stress und Burnout, 2. Panik 3. Schlafen 4. Vaginismus 5. Chronische Schmerzen 6. Diabetes). Eines der erfolgreichsten Programme ist HelloBetter Schlafen, das von der Stiftung Warentest mit dem Qualitätsurteil "sehr gut" (1,4) ausgezeichnet wurde. Die Wirksamkeit und Kosteneffektivität der Therapieprogramme wird durch mehr als 50.000 zufriedene Teilnehmende sowie 30 randomisierte kontrollierte Studien gestützt (Randomisiertkontrolliert bedeutet bei einer klinischen Studie, dass sowohl die Zuordnung einzelner Personen zu den Studiengruppen sowie der Vergleich dieser Gruppen nach strengen Kriterien erfolgt.). Kein anderer Anbieter weltweit kann eine vergleichbar breite Studienlage vorweisen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Berlin und Hamburg und beschäftigt rund 150 Mitarbeitende.

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