Die ideale Balance zwischen Job und Privatleben zu finden, ist nicht immer einfach. Was tun, wenn man vorübergehend mehr Zeit für sich oder Angehörige benötigt? An dieser Stelle kommt die sogenannte “Brückenteilzeit” ins Spiel, als interessante Lösung für Arbeitnehmer*innen, die vorübergehend weniger arbeiten möchten, ohne dauerhaft in Teilzeit zu wechseln. Doch was steckt genau dahinter? Und wovon hängt die Umsetzung ab? Bei uns erfährst du, wie Brückenteilzeit funktioniert, wann du sie in Anspruch nehmen kannst, welche Vorteile sie hat und worauf du achten solltest.
Brückenteilzeit ist eine spezielle Form der Arbeitszeitreduzierung, die seit dem 1. Januar 2019 durch das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) geregelt wird. Sie erlaubt dir, deine Arbeitszeit für einen festgelegten Zeitraum zu reduzieren und danach wieder zu deiner ursprünglichen Arbeitszeit zurückzukehren. Der Clou: Dein Arbeitsverhältnis bleibt unbefristet und du hast einen gesetzlichen Anspruch auf Rückkehr zur Vollzeit.
Um Brückenteilzeit in Anspruch nehmen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:
Sind die obigen Voraussetzungen erfüllt, steht deinem Antrag auf Brückenteilzeit theoretisch nichts mehr im Weg. Es ist allerdings etwas Planung erforderlich. Hier die Schritte im Überblick:
Deine Vergütung wird entsprechend der reduzierten Arbeitszeit angepasst. Bedenke, dass das Auswirkungen auf Rentenansprüche und Sozialleistungen haben kann. Mehr dazu später im Text.
Grundsätzlich hast du einen gesetzlichen Anspruch auf Brückenteilzeit, aber dein Arbeitgeber kann den Antrag ablehnen, wenn betriebliche Gründe dagegen sprechen. Zum Beispiel, wenn deine Brückenteilzeit eine erhebliche Beeinträchtigung der Arbeitsorganisation oder der Sicherheit zur Folge haben würde. Oder wenn die Kosten für deinen Ersatz unverhältnismäßig hoch sein würden.
Wichtig: Auch die Ablehnung muss schriftlich erfolgen und dein Arbeitgeber hat dabei eine Darlegungspflicht. Das bedeutet, er muss die Gründe nachvollziehbar erklären.
Brückenteilzeit bietet dir viele Vorteile, die sowohl deine berufliche als auch private Lebenssituation verbessern können:
Offensichtlich: Brückenteilzeit ist ideal, wenn du in einer bestimmten Lebensphase mehr Zeit für private oder berufliche Projekte oder Pflichten brauchst.
Angenommen, du arbeitest Vollzeit in einem Unternehmen mit 90 Mitarbeiter*innen.
Aber nicht zu vergessen: Aufgrund der bereits erwähnten Zumutbarkeitsgrenze solltest du dich vorher darüber informieren, ob nicht mehr als fünf deiner Kolleg*innen bereits Brückenteilzeit für denselben Zeitraum planen. Bei 90 Mitarbeiter*innen gilt schließlich das Limit von sechs Personen gleichzeitig in Brückenteilzeit.
Selbst wenn du grünes Licht für deine geplante Brückenteilzeit erhältst, solltest du einige weitere Aspekte beachten. Allen voran betrifft das deine langfristige Finanzplanung.
Bei der Entscheidung für Brückenteilzeit solltest du die finanziellen Auswirkungen nicht unterschätzen. Deine reduzierte Arbeitszeit führt nämlich zu geringeren Beiträgen in die Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung. Das kann deine Finanzsituation später im Leben beeinflussen.
Tipp: Informiere dich vorab bei der Deutschen Rentenversicherung über mögliche Konsequenzen und erwäge, freiwillige Beiträge zu leisten. Ergänzend hierzu empfehlen wir unseren Artikel „Altersvorsorge: Möglichkeiten, Tipps und Sparplan“.
Sprich offen mit deinem Team und deiner Führungskraft, um sicherzustellen, dass alle von deinem Vorhaben wissen. So können Aufgaben umverteilt und Projekte neu geplant werden. Klare Kommunikation sorgt dafür, dass die Brückenteilzeit nicht nur für dich, sondern auch für das Unternehmen erfolgreich verläuft.
Falls Brückenteilzeit – aus welchen Gründen auch immer – nicht infrage kommt, gibt es noch andere flexible Arbeitsmodelle, die du in Erwägung ziehen kannst:
Diese Alternativen können eine gute Ergänzung oder ein Ersatz zur Brückenteilzeit sein, je nach deinen individuellen Bedürfnissen. Generell empfehlen wir dazu den Blick auf die Vor- und Nachteile von klassischen und flexiblen Arbeitszeitmodellen.
Damit die Brückenteilzeit sowohl für dich als auch für dein Unternehmen reibungslos verläuft, beachte folgende Hinweise:
Brückenteilzeit gibt dir die Möglichkeit, Beruf und Privatleben flexibel zu gestalten. Sie schafft eine Brücke zwischen deinen aktuellen Bedürfnissen und langfristigen beruflichen Zielen. In manchen Phasen des Lebens kann diese Option extrem hilfreich sein.
Dennoch ist es wichtig, dich gut zu informieren und frühzeitig mit deinem Arbeitgeber ins Gespräch zu gehen. Denn nur mit guter Planung und offener Kommunikation wird das Modell zu einem wertvollen Werkzeug für deine persönliche und berufliche Entwicklung, oder auch einfach für eine bessere Work-Life-Balance.
Disclaimer: Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft. Die in diesem Artikel veröffentlichten Rechtsgrundlagen wurden sorgfältig zusammengestellt, erheben aber keinen Anspruch auf Aktualität, sachliche Richtigkeit oder Vollständigkeit; eine entsprechende Gewähr wird nicht übernommen. Insbesondere übernimmt The Stepstone Group Deutschland GmbH keinerlei Haftung für eventuelle Schäden oder Konsequenzen, die durch die direkte oder indirekte Nutzung der bereitgestellten Inhalte entstehen.
Brückenteilzeit erlaubt dir, deine Arbeitszeit für einen befristeten Zeitraum von einem bis fünf Jahre zu reduzieren. Nach Ablauf der vereinbarten Zeit kehrst du automatisch zu deiner ursprünglichen Arbeitszeit zurück.
Der Hauptunterschied liegt im Rückkehrrecht: Bei Brückenteilzeit kehrst du nach einem festgelegten Zeitraum zur Vollzeit zurück, während Teilzeit in der Regel dauerhaft bzw. nicht genauer festgelegt ist.
Die Dauer der Brückenteilzeit liegt zwischen einem und fünf Jahren. Dies wird in deinem Antrag individuell geregelt.
Ein gesetzliches Rückkehrrecht besteht nur bei der Brückenteilzeit. In anderen Fällen bist du auf die Zustimmung deines Arbeitgebers angewiesen. Diese hängt wiederum vom Bedarf sowie von der Finanzplanung des Betriebs ab.
Da weniger Arbeitszeit auch geringere Rentenbeiträge bedeutet, kann dies deine spätere Rente verringern. Es gibt jedoch die Möglichkeit, freiwillige Beiträge zu leisten oder privat vorzusorgen, um Einbußen auszugleichen.
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