Blick von oben auf Kugelschreiber und offenen Kalender.

Aktuell diskutiert Deutschland über die 4-Tage-Woche. Ist sie ein sinnvolles Arbeitszeitmodell? Und schafft sie tatsächlich mehr Ausgleich zwischen Job und Privatleben? Ein Expertengespräch.

Das Expert*innen-Gespräch zum Thema

Markus Biermann
Dr. Ufuk Altun
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Immer mehr Arbeitnehmer*innen, allen voran Mitarbeitende aus der Generation Z, wollen eine bessere Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Ich kann den Wunsch nach einer 4-Tage-Woche verstehen.

🙂 Ja, es wäre nur wichtig zu klären, was unter dem Begriff „4-Tage-Woche“ geregelt werden soll.

Momentan werden verschiedene Arbeitszeitmodelle diskutiert, bei denen entweder die wöchentliche Arbeitszeit nicht auf fünf, sondern auf vier Tage verteilt oder die wöchentliche Arbeitszeit verkürzt wird.

Wir haben deshalb das Konzept FUTURE WORK eingeführt, eine 35-Stunden-Woche bei maximaler Flexibilität. Mitarbeitende können von Montag bis Samstag arbeiten, wie viel und wann sie wollen. Das bietet im Verhältnis zur 4-Tage-Woche noch mehr Spielraum.

👍 Diese Wahlmöglichkeit und das Ausprobieren sind allerdings wichtige Elemente einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung!

Die Lebensumstände sind völlig individuell. Manchen Menschen passen vier längere Arbeitstage und ein Drei-Tage-Wochenende besonders gut, manchen aber auch nicht.

Voraussetzung dafür ist ein gutes Selbst- und Zeitmanagement.

Genau. Das wäre ein Argument pro Verteilung der Arbeitszeit auf mehr Tage. Wir setzen auf Eigenverantwortung und sagen: „Leute, schaut euch an, wie ihr am effizientesten arbeitet".

Und bei einer internen Umfrage haben 62 % der Mitarbeitenden angegeben, dass sie jetzt produktiver arbeiten. 📊👍

Hier fehlen mir doch wissenschaftliche Studien. Inwieweit sich die 4-Tage-Woche auf Produktivität auswirkt, sollte auf jeden Fall auf betrieblicher Ebene thematisiert und messbar gemacht werden. Subjektive Wahrnehmungen sind mit Vorsicht zu genießen. 🤨

Wir sind überzeugt, dass die alte Arbeitswelt ausgedient hat, und wollen mit FUTURE WORK durchaus Richtungsgeber sein. Die Zeiten, in denen es sexy war, als Letzte*r das Licht auszumachen, sind endgültig vorbei. 🥳

Deshalb brauchen wir statt starrer Regelungen flexible Freiräume, innerhalb derer die Betriebe gemeinsam mit ihren Beschäftigten die Arbeitszeiten je nach Bedarf verkürzen oder erhöhen können. 👍

Genau, Freiraum schafft zufriedenere Mitarbeitende. Nur zufriedene Mitarbeitende können auf Dauer Arbeit leisten, die Kunden glücklich macht. Eine gute Vertrauensbasis ist aber Voraussetzung.

Trotzdem wird eine flächendeckende 4-Tage-Woche nach „selben Spielregeln“ in naher Zukunft wohl nicht möglich sein. Das liegt auch daran, dass in zahlreichen Branchen die Kunden und insbesondere im Gesundheitsmanagement die Patientinnen und Patienten rund um die Uhr versorgt werden müssen.

Davon abgesehen gibt es auch Branchen, wo man denkt, es müsste eigentlich gut funktionieren – es funktioniert aber nicht, weil es vom Miteinander zwischen Management und Mitarbeitenden abhängt.

Genau aus dem Grund empfehle ich, dass die Betriebe gemeinsam mit ihren Beschäftigten die Vor- und Nachteile diskutieren und den gemeinsamen Weg finden sollen. 🤝

Die Diskussion um die 4-Tage-Woche ist auf jeden Fall keine Schwarz-Weiß-Diskussion.

Ich sehe es so, wir sollten uns nicht über Entweder-Oder-Modelle Gedanken machen.

Die Lösung in Zukunft liegt aufgrund des internationalen Wettbewerbs, Fachkräftemangels etc. in einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit. Das ist auch von Beschäftigten gewünscht, um ihren Beruf besser mit Privatleben und Freizeit vereinbaren zu können.

Ja, die flexible 35-Stunden-Woche oder ein daran angepasstes Teilzeitmodell zahlt auch darauf ein, dass Menschen höheren Alters noch arbeiten können, weil sie noch fit sind. Das trägt ebenfalls zum Erhalt des Wohlstands bei. 👍

Dr. rer. pol. Ufuk Altun

Dr. rer. pol. Ufuk Altun ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Arbeitszeit und Vergütung des ifaa in Düsseldorf. Angesichts des aktuellen Hypes um die 4-Tage-Woche plädiert er für eine realistische Betrachtung des Arbeitszeitmodells.

Markus Biermann

Markus Biermann ist Gründer und Geschäftsführer von CROSSMEDIA in Düsseldorf. Zum 1. Januar 2022 hat die Medienagentur bei vollem Lohnausgleich die Wochenstunden reduziert und eine 35-Stunden-Flex-Woche eingeführt.

 

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