Der Alltagsstress hat dich fest im Griff, während deine Social-Media-Kanäle überflutet werden mit Fotos von den schönsten Orten der Welt? Dein Job verlangt vielleicht nach kreativen Lösungen, aber dein Akku ist leer? Deine Motivation ist an einem Tiefpunkt? Oder du brauchst ganz einfach dringend einen Tapetenwechsel? Ein Sabbatical – oder Sabbatjahr – kann da genau das Richtige für dich sein.
Ein Sabbatjahr, auch Sabbatical genannt, ist eine bewusste Auszeit vom Arbeitsalltag, die du für persönliche oder berufliche Weiterentwicklung nutzen kannst. Es bietet dir die Möglichkeit, neue Perspektiven zu gewinnen, deine Batterien aufzuladen oder lang gehegte Träume zu verwirklichen – sei es Reisen, Fortbildungen oder ehrenamtliches Engagement. Was genau versteht man unter einem Sabbatical, was sind die Möglichkeiten und wie funktioniert die Finanzierung? Das und mehr zum Thema Sabbatical erklären wir dir hier in unserem Beitrag.
Ähnlich wie bei einem Gap-Year geht es beim Sabbatjahr oder Sabbatical in erster Linie darum, aus dem Alltag auszubrechen, frische Luft zu schnappen und anschließend mit vollen Akkus zurück in den Job zu kehren. Während ein Gap-Year traditionell zwischen zwei beruflichen oder schulischen Stationen eingeschoben wird, werden Arbeitnehmer*innen beim Sabbatical vom Arbeitgeber freigestellt.
Ein Sabbatjahr dauert – wie der Name sagt - in der Regel zwölf Monate. Allerdings kann die Dauer variieren, je nach individuellen Vereinbarungen oder den Regelungen in bestimmten Ländern und Unternehmen. Manchmal kann ein Sabbatjahr auch kürzer (z.B. sechs Monate) oder länger (bis zu zwei Jahre) sein.
Einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical gibt es in Deutschland nicht. Allerdings bieten viele Unternehmen freiwillig Sabbatical-Programme an. Allerdings: Für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst gibt es teilweise Regelungen, die Sabbaticals erleichtern, wie z.B. das Ansparen von Arbeitszeit.
Ein Sabbatjahr wird häufig von der Karriere getrennt und bewusst mit Tätigkeiten verbracht, die nichts mit dem Job zu tun haben. Die Motivation kann dabei ganz unterschiedlich aussehen. Hier sind drei gute Gründe für deine berufliche Auszeit
Jeden Tag um dieselbe Uhrzeit aufstehen, zur Arbeit gehen, zur selben Zeit nach Hause fahren und den Abend auf der Couch verbringen: Für viele Menschen ist das Alltag. Gegen eine Routine ist auch nichts einzuwenden – der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Trotzdem erleben viele Arbeitnehmende diese Routine früher oder später als Stagnation. Ein Tapetenwechsel kann da helfen.
Dafür ist das Sabbatjahr genau richtig! Du brichst für einen begrenzten Zeitraum aus dem Alltagstrott aus, findest zu dir selbst zurück, erlebst vielleicht sogar ein Abenteuer und kehrst schließlich voller Energie und mit neuer Motivation zurück in deinen Job. Eine Win-Win-Situation – für dich und deinen Arbeitgeber.
Wie soll ich die Lücke im Lebenslauf künftigen Arbeitgebern erklären? Falls du dir diese Frage stellst, können wir dich beruhigen. Lücken im Lebenslauf stellen für Arbeitgeber immer seltener ein Problem dar. Recruiter*innen sehen den Menschen hinter dem Lebenslauf und verstehen, dass eine Lücke viele Gründe und ein Sabbatjahr aus Unternehmenssicht Vorteile haben kann.
Die Auszeit lässt sich durchaus aktiv zugunsten der Karriere nutzen, zum Beispiel für eine berufliche Neuorientierung im Rahmen eines Praktikums oder für die Vorbereitung einer Selbstständigkeit. Dein Job erfüllt dich nicht mehr? Oder du hast das Gefühl, auf der Stelle zu treten? Dann bist du vielleicht bereit für ein Sabbatical.
Auch die Kompetenzen für deinen aktuellen Job lassen sich aber im Rahmen eines Sabbatjahres weiter ausbauen. So sind beispielsweise Sprachkurse ein beliebter Zeitvertreib während einer beruflichen Auszeit.
Bei einer 40-Stunden-Woche (oder mehr) passiert es nicht selten, dass das Privatleben zu kurz kommt – das gilt leider auch häufig für die Zeit mit der Familie. Viele Menschen nutzen die berufliche Auszeit deshalb gezielt für Quality Time mit Partner*in und/oder Kindern und das ganz unabhängig von Elternzeitregelungen. Dabei muss es nicht immer die große Weltreise sein.
Ausflüge und Unternehmungen, die sonst zu kurz kommen, ein gemeinsames Hobby oder einfach mehr Zeit miteinander empfinden viele Familien als Gewinn. Auch für die Pflege älterer Angehöriger wird ein Sabbatjahr häufig genutzt und ist als sogenannte „Pflegezeit“ immerhin gesetzlich geregelt. Generell gilt: Eine der größten Herausforderungen bei der Planung eines Sabbaticals ist die Finanzierung.
Für ein Sabbatical wird meist unbezahlter Sonderurlaub beantragt. In der Regel musst du also über den gesamten Zeitraum ohne dein regelmäßiges Einkommen zurechtkommen. Ein kleines Finanzpolster solltest du also schon in der Hinterhand haben.
Die Kosten für ein Sabbatjahr hängen von verschiedenen Faktoren ab und können stark variieren, je nachdem, wie und wo du die Zeit verbringst. Aspekte wie Lebenshaltungskosten, mögliche Reisekosten, notwendige Rücklagen oder Kosten für Versicherungen können die Gesamtkosten beeinflussen. Bei sparsamer Planung können die Kosten für das Sabbatical bei 10.000 Euro liegen, es kommen jedoch auch sehr schnell Kosten im Bereich von 50.000 Euro zusammen.
Während eines Sabbaticals gibt es einige wichtige Überlegungen in Bezug auf Versicherungen, besonders wenn du für längere Zeit ins Ausland gehst. Hier ist ein Überblick, wie du den Versicherungsschutz während eines Sabbaticals sicherstellen kannst:
In Deutschland: Wenn du während deines Sabbaticals weiterhin in Deutschland wohnst und dort gemeldet bleibst, bleibst du in der Regel auch in deiner gesetzlichen Krankenversicherung versichert. Allerdings musst du bei einem unbezahlten Sabbatical die Beiträge selbst zahlen, da dein Arbeitgeber diese nicht übernimmt.
Im Ausland: Wenn du planst, im Ausland zu reisen oder zu leben, ist eine private Auslandskrankenversicherung ratsam. Diese deckt Arztkosten, Krankenhausaufenthalte und Notfalltransporte ab. Manche Versicherungen bieten spezielle Langzeit-Auslandskrankenversicherungen für Sabbaticals an, die je nach Land und Dauer des Aufenthalts angepasst sind.
Deine private Haftpflichtversicherung bleibt normalerweise auch während eines Sabbaticals bestehen, egal ob du in Deutschland oder im Ausland bist. Es ist wichtig sicherzustellen, dass deine Haftpflichtversicherung auch Schäden im Ausland abdeckt, falls du vorhast, ins Ausland zu reisen.
Während eines unbezahlten Sabbaticals werden in der Regel keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt, was später eine Lücke in deiner Rente verursachen kann. Um dies zu vermeiden, kannst du freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung leisten. Alternativ könntest du private Altersvorsorgemaßnahmen treffen, um diese Lücke zu schließen.
Wenn du nach dem Sabbatical einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben möchtest, ist es wichtig, dass du vor und nach dem Sabbatical die Voraussetzungen erfüllst. Dies bedeutet, dass du in den letzten 24 Monaten mindestens 12 Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein musst. Während des Sabbaticals selbst zahlst du jedoch keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.
Tipp - so bist du weiterhin über deinen Arbeitgeber versichert: Beim Teilzeitarbeitsmodell arbeitest du über einen längeren Zeitraum für ein gekürztes Gehalt, das aber auch über den Zeitraum deines Sabbaticals weiterhin gezahlt wird. Damit bist du auch während der Auszeit über deinen Arbeitgeber kranken-, renten- und arbeitslosenversichert.
Ein Sabbatjahr bietet zahlreiche Möglichkeiten zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung sowie zur Erholung. Hier sind acht Ideen, wie du dein Sabbatical gestalten kannst:
1. Reisen und neue Kulturen entdecken
2. Freiwilligenarbeit und soziales Engagement
3. Persönliche Weiterentwicklung
4. Bildung und berufliche Weiterbildung
5. Gesundheit und Fitness
6. Hausbau oder Renovierung
7. Familienzeit
8. Existenzgründung
Prüfe zunächst, ob dein Unternehmen Regelungen für Sabbaticals hat. Manche Firmen bieten Sabbatjahr-Modelle an oder ermöglichen flexible Arbeitszeitregelungen, die ein Sabbatical erleichtern.
Zudem solltest du zunächst das Gespräch mit deinem Arbeitgeber suchen, um die Möglichkeiten und Bedingungen zu besprechen. Kläre dabei die Dauer, den Beginn, die Finanzierung und die Rückkehrbedingungen. Kläre, wie deine Aufgaben während deiner Abwesenheit übernommen werden können, und zeige Flexibilität bei der Planung, um es für das Unternehmen einfacher zu machen, auf dein Sabbatical einzugehen.
Ein Sabbatjahr ist eine längere berufliche Auszeit, in der du dich erholen, reisen, weiterbilden oder persönliche Projekte verfolgen kannst.
Habe ich Anspruch auf ein Sabbatjahr?
Einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht, aber viele Unternehmen bieten Sabbatical-Programme an.
Du kannst das Sabbatjahr durch angespartes Gehalt, Rücklagen oder einen unbezahlten Urlaub finanzieren. Alternativ kannst du auch durch Nebenjobs oder passives Einkommen während deiner Auszeit Geld verdienen.
Du kannst weiterhin krankenversichert bleiben, musst aber eventuell die Beiträge selbst zahlen, wenn du unbezahlten Urlaub nimmst. Prüfe auch, ob du eine Auslandskrankenversicherung benötigst.
Sprich zuerst mit deinem Vorgesetzten, um die Möglichkeiten zu klären. Vereinbare klare Regelungen zur Vertretung und Rückkehr.
Du möchtest aktuelle Tipps rund um Gehälter, Bewerbung und Karriere erhalten? Dann registriere dich kostenlos auf unserer Seite und bleib immer auf dem Laufenden.
Kostenlos registrieren