Du willst ein Zwischenzeugnis anfordern und fragst dich, wie das geht und ob du überhaupt Anspruch darauf hast? In diesem Artikel erfährst du, wann du ein berechtigtes Interesse auf ein Zwischenzeugnis hast.
Du erfährst auch, wie du dein Zwischenzeugnis korrekt und selbstbewusst per Mail anforderst und welche triftigen Gründe es dafür gibt. Mit dabei: praktische Vorlagen für verschiedene Situationen.
Du forderst dein Zwischenzeugnis am besten schriftlich per Mail bei deinem*deiner Vorgesetzten an. Deine Mail ist kurz und konkret mit einem triftigen Grund formuliert.
Zudem bittest du höflich und freundlich um die Ausstellung eines qualifizierten Zwischenzeugnisses, da dieses, anders als ein einfaches Zeugnis, auch eine Leistungsbeurteilung beinhaltet.
In den meisten Fällen reicht eine formlose E-Mail vollkommen aus, sodass ein gesondertes, förmliches Anschreiben nicht nötig ist. Je nach Verhältnis zu deinem*deiner Vorgesetzten sprichst du dein Anliegen natürlich auch im persönlichen Gespräch, am Telefon oder im Videocall an.
Du forderst dein Zwischenzeugnis ganz einfach per Mail an, indem du freundlich und respektvoll direkt auf den Punkt kommst und einen kurzen Hinweis auf den Grund deiner Anfrage gibst. Eine formlose Anfrage direkt in der Mail reicht vollkommen aus, ein gesondertes Anschreiben ist nicht nötig.
Hier findest du passende Muster und Vorlagen für verschiedene Situationen:
Diese Vorlage kannst du flexibel nutzen und bei Bedarf mit einem konkreten Anlass ergänzen.
Betreff: Bitte um Ausstellung eines Zwischenzeugnisses
Sehr geehrte*r [Name der Führungskraft],
ich möchte Sie bitten, mir ein qualifiziertes Zwischenzeugnis auszustellen.
Mit freundlichen Grüßen
[Dein Name]
Betreff: Bitte um Zwischenzeugnis für Bewerbungsunterlagen
Sehr geehrte*r [Name der Führungskraft],
ich plane aktuell eine berufliche Neuorientierung und benötige in diesem Zusammenhang ein qualifiziertes Zwischenzeugnis für meine Bewerbungsunterlagen. Ich bitte Sie daher, mir dieses zeitnah auszustellen.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Mit freundlichen Grüßen
[Dein Name]
Betreff: Zwischenzeugnis wegen anstehendem Vorgesetztenwechsel
Sehr geehrte*r [Name der Führungskraft],
aufgrund des anstehenden Vorgesetztenwechsels innerhalb unserer Abteilung möchte ich einen Überblick über meine Arbeitsleistung und eine Einschätzung meiner Arbeitsqualität erhalten. Deswegen bitte ich Sie hiermit um die Erstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses bis zu ihrem Austrittsdatum am XX.XX.XXXX.
Vielen Dank im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen
[Dein Name]
Betreff: Zwischenzeugnis vor anstehender Elternzeit
Sehr geehrte*r [Name der Führungskraft],
da ich demnächst in Elternzeit gehe, möchte ich Sie bitten, mir vorab ein qualifiziertes Zwischenzeugnis auszustellen. So kann meine bisherige Tätigkeit vollständig dokumentiert werden.
Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung.
Mit freundlichen Grüßen
[Dein Name]
Beim Zwischenzeugnis wird unterschieden zwischen
Die wesentlichen Unterschiede sind dabei:
Einfaches Zwischenzeugnis | Qualifizierte Zwischenzeugnis |
|---|---|
Umfang: kurz | Umfang: ausführlich |
Inhalt: reine Auflistung der Tätigkeiten (in Stichpunkten) | Inhalt: bewertende Auflistung der Tätigkeiten |
Fehlender Inhalt: Beurteilung | Zusätzlicher Inhalt: Beurteilung der Leistungen und des Sozialverhaltens des*der Arbeitnehmenden) |
Du hast zwar keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis, aber unter bestimmten Bedingungen muss dein Arbeitgeber dir trotzdem eins ausstellen.
Anders als beim klassischen Arbeitszeugnis, das dir zum Ende des Arbeitsverhältnisses zusteht, ist das Zwischenzeugnis gesetzlich nicht explizit geregelt. Trotzdem ergibt sich ein rechtlicher Anspruch in vielen Fällen aus den sogenannten Nebenpflichten des Arbeitgebers.
Dein Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, dich fair zu behandeln und dich bei deiner beruflichen Entwicklung zu unterstützen, etwa durch Ausstellung eines Zwischenzeugnisses. Wenn du ein berechtigtes Interesse nachweisen kannst, hast du gute Chancen auf ein Zwischenzeugnis.
Ein berechtigtes Interesse liegt immer dann vor, wenn es triftige Gründe gibt, die das Zwischenzeugnis für dich notwendig machen. Typische triftige Gründe für ein berechtigtes Interesse sind zum Beispiel:
Ein qualifiziertes Zwischenzeugnis ist kein Hexenwerk, muss aber dennoch einige Voraussetzungen erfüllen. Damit du überprüfen kannst, ob dein Zwischenzeugnis inhaltlich komplett und formal richtig aufgebaut ist, haben wir dir eine Checkliste zum Inhalt und Aufbau eines Zwischenzeugnisses zusammengestellt:
Inhaltlich unterscheidet sich das Zwischenzeugnis wenig vom Arbeitszeugnis. Der größte Unterschied liegt in der Absicht und dem Zeitpunkt der Ausstellung:
Das Zwischenzeugnis wird ausgestellt, während du bei deinem Arbeitgeber angestellt bist. Auch eine Kündigung vonseiten deines Arbeitgebers steht beim Zwischenzeugnis nicht im Raum. Hast oder wurdest du allerdings schon gekündigt, wird ein Arbeitszeugnis ausgestellt.
Das Zwischenzeugnis liest sich außerdem ähnlich wie ein Arbeitszeugnis: Auch hier gibt es einige feststehende Floskeln, die sich häufig in Schulnoten übersetzen lassen.
Deswegen ist aber auch Vorsicht geboten bei positiv klingenden Formulierungen im Zeugnis. Es gilt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt – jedenfalls in deutschen Zwischenzeugnissen.
Die Formulierungen im Zwischenzeugnis sind oft verklausulierte Bewertungen, die wie neutrale oder wohlwollende Aussagen klingen, tatsächlich aber Schulnoten entsprechen und damit die Leistungen und das Verhalten von Arbeitnehmenden verschlüsselt beurteilen.
Formulierungen wie „Er*Sie ist stets bemüht, seine*ihre Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit zu erledigen“ klingen erstmal nicht verkehrt. Übersetzt bedeutet das Beispiel allerdings, dass der*die Arbeitnehmer*in zwar bemüht ist, ihre Mühe aber ohne Erfolg bleibt. Es verstecken sich also einige Fallen und Stolpersteine im Zwischenzeugnis.
Die gute Nachricht: Dein Arbeitgeber kann das Arbeitszeugnis nicht nach Lust und Laune gestalten. Hat deine Führungskraft also einen schlechten Tag oder vermutet etwa, dass deine Frage nach einem Zwischenzeugnis mit deiner eventuell bevorstehenden Kündigung zusammenhängt, darf sich das nicht im Zeugnis widerspiegeln. Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, die Mitarbeitenden wahrheitsgemäß, aber wohlwollend zu bewerten.
Wenn auch du die streng geheime Zeugnissprache von Personaler*innen und Führungskräften verstehen und dein Zwischenzeugnis entschlüsseln möchtest, hilft dir unser Überblick zu den verschiedenen Floskeln im Zeugnis:
Schulnote | Zwischenzeugnis |
|---|---|
1 (sehr gut) | Viele Superlative, ausführliche Darstellung |
2 (gut) | Weniger Superlative, aber dennoch durchweg positive Formulierungen |
3 (befriedigend) | Negative Aspekte in positiv anmutenden Formulierungen versteckt Signalwörter: „zufriedenstellend“, „adäquat“ oder „angemessen“ |
4 (ausreichend) | „ausreichend“ kommt sehr häufig im Text vor |
5 (mangelhaft) | Zwischenzeugnis wirkt so, als würde es gar keine Bewertung enthalten |
Wie das in der Praxis aussieht, kannst du anhand unserer Beispiele nachvollziehen:
Formulierungen im Zwischenzeugnis, die dich mit sehr gut beurteilen, sind zum Beispiel:
Formulierungen im Zwischenzeugnis, die auf eine befriedigende Beurteilung hinweisen, sind zum Beispiel:
Formulierungen im Zwischenzeugnis, die eine mangelhafte Beurteilung enthalten, sind zum Beispiel:
Wenn du dein Zwischenzeugnis selbst schreiben sollst, kannst du die Bewertung natürlich zu deinen Gunsten vornehmen, aber auch in diesem Fall gilt: Das Arbeitszeugnis sollte wohlwollend, aber wahrheitsgemäß ausfallen.
- Lara Kieninger, Karriere-ExpertinEs kann sein, dass dich deine Führungskraft bittet, dein Zeugnis selbst zu schreiben bzw. vorzuschreiben. Nutze diese Chance: Idealerweise kannst du so den Inhalt beeinflussen und den Prozess beschleunigen. Überlege dir, welche deiner Stationen und Erfolge im Unternehmen besonders betont werden sollen und mit welchen Skills und Eigenschaften du bei künftigen Arbeitgebern punkten möchtest. Es lohnt sich, dich mit den gängigen Zeugnisformulierungen vertraut zu machen – wenn du ein gutes Zwischenzeugnis eines Freundes oder einer Kollegin als Vorlage zur Hand hast, umso besser.

Lara Kieninger ist Senior Talent Acquistion Manager bei Stepstone und unterstützt seit Juni 2021 verschiedene Fachbereiche dabei, das "Perfect Match” für ihre Teams zu finden und den Bewerbungsprozess optimal zu gestalten. Als erfahrende Personalerin stand sie im Laufe ihrer Karriere sowohl verschiedenen Unternehmen als auch zahlreichen Arbeitssuchenden und Bewerber*innen beratend zur Seite. Was sind NoGos im Lebenslauf? Wie verändert KI unseren Bewerbungsprozess und welche Tipps & Tricks gibt es bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch? Lara Kieninger weiß Antwort. Als Expertin und Gastautorin für das Stepstone Magazin “about work” hat sie die Trends und Entwicklungen der Arbeitswelt genau im Blick und hilft mit ihren wertvollen Insights allen Leser*innen dabei, sich in der ständig wandelnden Job-Landschaft zurechtzufinden. Zu Laras Themenschwerpunkte gehören unter anderem die Themen Gehalt, Anschreiben & Lebenslauf, Vorstellungsgespräche sowie Diversity & Inklusion.
Wichtig zu wissen: Ein Abweichen von der Beurteilung im Zwischenarbeitszeugnis ist in einem Abschlusszeugnis nicht ohne weiteres möglich. Hast du also ein sehr gutes Zwischenzeugnis vorliegen und deine Führungskraft erstellt dir möglicherweise aus Groll nach deiner Kündigung ein schlechtes Abschlusszeugnis, kannst und solltest du dagegen vorgehen.
Disclaimer: Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft. Die in diesem Artikel veröffentlichten Rechtsgrundlagen wurden sorgfältig zusammengestellt, erheben aber keinen Anspruch auf Aktualität, sachliche Richtigkeit oder Vollständigkeit; eine entsprechende Gewähr wird nicht übernommen. Insbesondere übernimmt The Stepstone Group Deutschland GmbH keinerlei Haftung für eventuelle Schäden oder Konsequenzen, die durch die direkte oder indirekte Nutzung der bereitgestellten Inhalte entstehen.
Das Zwischenzeugnis dient als schriftlicher Nachweis für deine Erfolge und Leistungen in deinem Job und Unternehmen und kann in verschiedenen Situationen hilfreich oder sogar notwendig sein: Etwa wenn du dich auf einen neuen Job bewirbst, eine längere Job-Pause einlegst, den Aufstieg in eine Führungsposition anstrebst oder aber zur Vorlage bei Behörden oder vor Gericht.
Einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht. Aber bei einem berechtigten Interesse, z. B. bei Führungswechsel, Bewerbung oder Elternzeit, muss dir dein Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis ausstellen.
Schreib eine kurze, freundliche E-Mail mit einem triftigen Grund. Eine formlose Anfrage reicht aus.
Positive Begriffe wie „stets zur vollsten Zufriedenheit“ stehen für sehr gute Bewertungen. Wörter wie „bemüht“, „größtenteils“ oder „überwiegend“ deuten eher auf schlechte Leistungen hin.
Ein Arbeitszeugnis wird zum Ende des Arbeitsverhältnisses ausgestellt, ein Zwischenzeugnis währenddessen, etwa bei Veränderungen oder auf deinen expliziten Wunsch.
Ja, wenn dein Zwischenzeugnis inhaltlich fehlerhaft, unvollständig oder nicht wohlwollend formuliert ist, kannst du eine Korrektur verlangen.
Triftige Gründe für ein Zwischenzeugnis sind langfristige berufliche Auszeiten wie Elternzeit oder Sabbatical, ein Wechsel der Vorgesetzten, strukturelle Veränderungen im Unternehmen, ein interner Jobwechsel oder die Notwendigkeit, das Zeugnis bei Behörden oder vor Gericht vorzulegen.
Ja, ein Arbeitgeber kann ein Zwischenzeugnis verweigern, wenn kein triftiger Grund vorliegt. Liegt jedoch ein berechtigtes Interesse vor, ist der Arbeitgeber verpflichtet, das Zwischenzeugnis unverzüglich auszustellen.
Ein Zwischenzeugnis allein ist kein Kündigungsgrund. Allerdings könnte die unerwartete Anfrage nach einem Zwischenzeugnis bei dem Arbeitgeber den Verdacht erwecken, dass eine Kündigung bevorsteht, insbesondere wenn kein triftiger Grund vorliegt.
Wenn dein*e Vorgesetzte*r kein Zwischenzeugnis ausstellt und du keinen triftigen Grund nachweisen kannst, bleibt dir in der Regel nichts anderes übrig, als dies zu akzeptieren. Hast du jedoch einen triftigen Grund, solltest du diesen klar kommunizieren und darauf bestehen.
Wenn du einen triftigen Grund vorweisen kannst, sollte das Zwischenzeugnis unverzüglich ausgestellt werden. Es empfiehlt sich, bei der Anfrage eine angemessene Frist zu setzen, um sicherzustellen, dass das Zeugnis rechtzeitig erstellt wird.
Ja, eine Bewerbung ist auch ohne Zwischenzeugnis möglich. Ein qualifiziertes Zwischenzeugnis kann jedoch vorteilhaft sein, um deine bisherigen Leistungen und Fähigkeiten nachzuweisen.
Ein Zwischenzeugnis sollte die Überschrift „Zwischenzeugnis“ tragen, persönliche Daten, eine kurze Beschreibung des Unternehmens, eine stichpunktartige Auflistung deiner Aufgaben und Tätigkeiten sowie eine Beurteilung deiner Arbeitsleistung und deines Sozialverhaltens enthalten. Das Zeugnis sollte auf Firmenbriefpapier erstellt und von deiner Führungskraft unterschrieben sein.
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