40 Stunden arbeiten, Familie, Hobbys, Freunde oder sogar ein Nebenjob – das alles unter einen Hut zu bekommen, kann ganz schön stressig werden. Ein Teilzeitjob bietet für viele die Lösung: Aus 40 Stunden mache 30 – oder auch 20. Doch es sind längst nicht mehr nur Mütter und Väter, die in Teilzeit arbeiten: Laut einer aktuellen Stepstone-Befragung entscheiden sich die meisten Menschen für eine Teilzeitstelle, weil sie mehr Zeit für sich und ihr Umfeld haben möchten.
Die “Zeit für sich” wird dabei ganz unterschiedlich gestaltet: In diesem Artikel erzählt uns Larissa, wie sie dank einer 30-Stunden-Woche neben ihrem Hauptjob ein Gewerbe führt, welche Herausforderungen es auf dem Weg zur Teilzeitbeschäftigung gab und was sie dir raten würde, wenn du Teilzeit arbeiten möchtest.
- Larissa Dau, Office-Managerin in einer PR-AgenturIch habe den Eindruck, dass viele Menschen Teilzeitarbeit lediglich mit Kinderbetreuung in Verbindung bringen.
Es gibt viele Gründe, warum Menschen sich für eine Teilzeitbeschäftigung entscheiden. Für manche ist es die Gelegenheit, mehr Zeit für Familie oder Hobbys zu haben. Andere suchen nach einem Ausgleich zu einem fordernden Beruf oder einer Weiterbildungsmöglichkeit.
An dieser Stelle räumt Larissa erst einmal mit einem Missverständnis auf:
„Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen Teilzeitarbeit lediglich mit Kinderbetreuung in Verbindung bringen. Ich habe schon in viele verwunderte Gesichter geblickt, wenn ich erklärt habe, dass ich keine Kinder habe und trotzdem in Teilzeit arbeite. Es gibt so viele gute Gründe, die Stunden im Job zu reduzieren.“
Das seien neben einem Nebengewerbe oder der Weiterbildung zum Beispiel die Pflege von Angehörigen, ehrenamtliche Tätigkeiten, eigene gesundheitliche Einschränkungen, individuelle Belastbarkeit und viele weitere Gründe, erklärt sie. Larissa hat gleich mehrere dieser Gründe erlebt:
Larissa berichtet, dass sie im Jahr 2019 das erste Mal ihre Stunden in ihrem Hauptjob als Hörakustikerin reduziert hat, um sich mit einem Fernstudium neben ihrer Arbeit weiterzubilden und sich eine neue Perspektive zu eröffnen.
„Um Beruf und Studium unter einen Hut zu kriegen, habe ich mich für eine Teilzeitstelle mit 24 Stunden entschieden“, erklärt Larissa. Ihr Fokus habe dabei deutlich auf dem Studium gelegen. „Der Teilzeitjob war eher Mittel zum Zweck“, fügt sie hinzu.
Nachdem Larissa eine Zeitlang als Office Managerin in einem Tattoostudio gearbeitet hat, macht sie dasselbe, nur in einer großen PR-Agentur. In die Welt des Office Managements ist sie als Quereinsteigerin eingestiegen. Sie erzählt, dass sie für Reisebuchungen, vorbereitende Buchhaltung, den Postein- und -ausgang sowie die Vorbereitung von Terminen verantwortlich ist. Alles, was im Laufe des Jahres im Büro anfällt, von Eventplanung bis hin zur Weihnachtsdekoration, gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben.
2024 hat sie ihre Vollzeitstelle zu einer Teilzeitstelle mit 30 Stunden umwandeln lassen, da sie in dem Jahr ein Nebengewerbe als Assistentin für Tattooartists und Fotografin gegründet hat. Die Gründe dafür, Teilzeit zu arbeiten, waren diesmal anders als zuvor. „Ich brauchte schlichtweg etwas mehr Zeit, um meinem Nebengewerbe nachgehen zu können und habe mich daher für die Teilzeitarbeit in meiner Anstellung entschieden.“
Durch die Teilzeitarbeit hat Larissa das Beste aus zwei Welten: „Für mich ist das der kreative Ausgleich zu meiner restlichen Arbeit, bei der ich viel organisiere und plane.“
- Larissa DauFür mich ist das der kreative Ausgleich zu meiner restlichen Arbeit, bei der ich viel organisiere und plane.
Finanzieller Druck und die Abhängigkeit vom Partner standen während Larissas Teilzeitbeschäftigung zur Studienzeit an der Tagesordnung, aber sind nun passé. Mit ihrer Teilzeitstelle neben ihrem Gewerbe ist sie deutlich glücklicher, erzählt sie uns.
„Der finanzielle Druck fällt für mich weg, da ich in meinem Nebengewerbe als Assistentin für Tattooartists und Fotografin weiterhin ein Einkommen habe. Für mich ist es sogar eine Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen als in meinem vorherigen Vollzeitjob.“
Einen Haken hat das Ganze aber doch: „Dafür ist der Stressfaktor wesentlich größer, da ich definitiv so viele Stunden arbeite, wie nie zuvor. Ein Nachteil ist definitiv die Freizeit, die oft zu kurz kommt.“
Trotzdem gibt ihr die Teilzeitstelle eine gewisse finanzielle Sicherheit für die Zeiten, in denen nicht ausreichend Aufträge reinkommen.
- Larissa DauFür mich ist es sogar eine Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen als in meinem vorherigen Vollzeitjob
Die Unterstützung durch den Arbeitgeber kann einen großen Unterschied machen, wenn es um berufliche Veränderungen wie den Wechsel in eine Teilzeitstelle geht. Doch nicht immer ist das so einfach. Larissa kann von unterschiedlichen Erfahrungen berichten.
„Beide Arbeitgeber, bei denen ich in Teilzeit arbeiten wollte, haben zunächst einmal eingewilligt, dass dies möglich ist“, erzählt sie.
Trotzdem weiß sie, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. „Ich habe bei Freundinnen bereits mitbekommen, dass der Wechsel zu einer Teilzeitstelle schwierig war, wenn nicht die Familienplanung der ausschlaggebende Grund war“, erklärt Larissa.
Umso mehr schätzt sie den Support ihres Arbeitgebers. „Hier habe ich selbst viel Unterstützung durch meine Arbeitgeber erfahren. Zum Beispiel konnte ich immer flexibel entscheiden, wie viele Stunden ich an welchen Tagen arbeiten möchte“, fügt sie hinzu.
- Larissa DauIch konnte immer flexibel entscheiden, wie viele Stunden ich an welchen Tagen arbeiten möchte.
Als Teilzeitkraft eingebunden zu sein, ist nicht immer selbstverständlich. Viele fragen sich, ob sie genauso wahrgenommen werden wie Vollzeitbeschäftigte und ob der Kontakt zu den Kolleg*innen genauso eng bleibt. Dabei spielt auch die eigene Initiative eine große Rolle – vor allem, wenn die Arbeitszeit kürzer ist und gemeinsame Pausen oder Gespräche seltener stattfinden.
Larissa erzählt uns: „Ich habe das Glück, dass ich trotz der Teilzeitstelle als vollwertige Mitarbeiterin gesehen und auch so behandelt werde“.
Gleichzeitig gibt sie zu, dass es durchaus Eigeninitiative braucht, um gut eingebunden zu bleiben. „Ich mache zum Beispiel selten eine lange Mittagspause in der Firma und merke, dass ich dadurch in anderen Momenten den Austausch mit den Kolleg*innen suchen muss“, erklärt sie.
„Es ist auf jeden Fall möglich, aber ich muss mich auf jeden Fall selbst darum kümmern“, fasst sie zusammen.
- Larissa DauIch mache zum Beispiel selten eine lange Mittagspause in der Firma und merke, dass ich dadurch in anderen Momenten den Austausch mit den Kolleg*innen suchen muss
- Larissa DauIm Moment sehe ich die Teilzeitarbeit wegen der hohen Arbeitsbelastung mit meinem Gewerbe eher als eine vorübergehende Lösung.
Larissas Geschichte zeigt, dass Teilzeitarbeit eine gute Möglichkeit sein kann, Beruf und persönliche Ziele zu verbinden – egal ob für ein Studium, ein Nebengewerbe oder einfach mehr Freizeit. Aber sie macht auch deutlich, dass es manchmal anstrengend sein kann, mehrere Dinge unter einen Hut zu bringen.
„Im Moment sehe ich die Teilzeitarbeit wegen der hohen Arbeitsbelastung mit meinem Gewerbe eher als eine vorübergehende Lösung,“ erzählt Larissa. Wie es in Zukunft weitergeht, lässt sie offen: „Ich schaue einfach, wie ich mich fühle – ob ich wieder mehr Stunden arbeite, mich auf eine Sache konzentriere oder vielleicht sogar noch weniger arbeite.“
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