Nach dem Hauptschulabschluss geht es erst richtig los. Doch bevor du durchstartest, klärst du zunächst die Basics: Welche Ausbildung passt zu mir, wo habe ich gute Chancen und was verdiene ich als Azubi? Und welche Ausbildungsberufe sind besonders gut geeignet für Hauptschulabsolventen? Wir geben dir den vollen Überblick mit konkreten Berufsbeispielen, Branchen-Tipps und Gehaltsinfos.
Mit Hauptschulabschluss kannst du ohne weitere Umwege eine zwei- oder dreijährige handwerkliche oder kaufmännische Berufsausbildung absolvieren – dies ist der häufigste Weg.
Duale Ausbildungen dauern je nach Beruf meist zwei oder drei Jahre; zweijährige Ausbildungen (wie Verkäufer*in) sind der schnelle Einstieg, schulische Assistenzberufe liegen oft bei ein bis zwei Jahren.
Eine Verkürzung um sechs bis zwölf Monate ist möglich bei einschlägiger Vorbildung (zum Beispiel Berufsfachschule oder fachnahe Vor-Ausbildung), anrechenbarer Einstiegsqualifikation oder sehr guten Leistungen mit vorzeitiger Prüfungszulassung. Nötig sind ein gemeinsamer Antrag mit dem Betrieb und die Zustimmung von IHK/HWK und Berufsschule.
Doch mit der Ausbildung sind deine Optionen noch lange nicht erschöpft. Denn ebenfalls kannst du eine schulische Ausbildung beginnen oder dich über Praktikum, Einstiegsqualifizierung (EQ), berufsvorbereitende Maßnahmen oder Freiwilligendienst in Stellung für den nächsten Schritt bringen. Dabei immer ein Pluspunkt: Ein Qualifizierter Hauptschulabschluss erhöht in vielen Betrieben deine Chancen.
Etwas detaillierter:
Dennoch stellst du dir womöglich von Anfang an die Frage, wo es später einmal hingehen soll. Deswegen richten wir im Folgenden den Blick auf Berufsfelder, in denen du mit Hauptschulabschluss gute Chancen hast.
Beispiel:
Lea, 17, bekommt nach dem Hauptschulabschluss nur Absagen für ihre Wunschausbildung im Büromanagement. Über die Berufsberatung startet sie eine neunmonatige Einstiegsqualifizierung im Autohaus, übernimmt dort Telefon, Posteingang und einfache Tabellen und sammelt ein EDV-Zertifikat. Durch die gesammelte Praxis erhält sie schließlich einen Ausbildungsvertrag als Kauffrau für Büromanagement – mit verkürzter Ausbildungszeit. Die Einstiegsqualifizierung war in diesem Fall der Türöffner.
Viele Ausbildungsberufe sind gut für Bewerber*innen mit Hauptschulabschluss geeignet – besonders im Handwerk, im Handel, in der Logistik, der Gastronomie und Hotellerie sowie im sozialen Bereich. Wichtig ist: Deine Bewerbung überzeugt im Idealfall mit ersten Praxiserfahrungen (Ferienjob, Praktikum), guten Noten in Mathematik und Deutsch und einer klaren Motivation.
Wenn du gern praktisch arbeitest, ein gutes Händchen hast und Ergebnisse direkt sehen willst, ist das Handwerk dein Spielfeld.
Typische Ausbildungsberufe sind:
In diesen Feldern findest du einen guten Einstieg, aber auch an Aufstiegswegen mangelt es nicht. Denn der Meistertitel im Handwerk ist nach einigen Jahren Arbeit grundsätzlich möglich.
Du hast Spaß an Organisation, Zahlen und Kund*innenkontakt? Besonders gefragt sind:
Mit diesen Ausbildungen baust du dir Schritt für Schritt kaufmännische Kompetenzen auf und öffnest dir damit Perspektiven in Einkauf, Vertrieb, Verwaltung sowie weiteren Büroberufen.
Tipp: Saubere Bewerbungsunterlagen, sicheres Auftreten und EDV-Basics sind hier ein besonders großes Plus.
Du liebst Service und Teamarbeit in einem dynamischen Umfeld? Beliebte Einstiege sind:
Gerade hier punktest du mit Freundlichkeit, Flexibilität und Lernfreude – Eigenschaften, die dir später auch den Sprung in Leitung oder Verwaltung erleichtern.
Du arbeitest gern strukturiert und mit Technik? Dann sieh dir folgende Berufe an:
Diese Jobs verbinden Verantwortung mit guten Entwicklungschancen – vom Schichtführer*in bis in die Disposition.
Du willst nah am Menschen arbeiten und Verantwortung übernehmen? Häufige Einstiege sind:
Hier arbeitest du sinnstiftend – mit sicheren Beschäftigungsaussichten und Fortbildungsoptionen bis zur dreijährigen Pflegeausbildung.
Kreativität und Handwerk schließen sich nicht aus – ganz im Gegenteil. Mögliche Ausbildungen sind:
Ein kleines Portfolio (Fotos deiner Arbeiten, Schulprojekte) macht deinen kreativen Drive sichtbar und stärkt deine Bewerbung.
Doch welche der genannten Berufe haben sich unter Hauptschulabsolventen besonders bewährt? Als Orientierung für deinen Einstieg findest du im Folgenden zehn häufig gesuchte Ausbildungsberufe:
Diese Liste solltest du nur als Startpunkt verstehen. Mit einer motivierten Herangehensweise und ersten praktischen Erfahrungen kannst du weitere Berufe erschließen oder dich später fachlich vertiefen.
Last, but not least werfen wir auch einen Blick auf das liebe Geld. Klar ist: Das Azubi-Gehalt (Vergütung genannt) richtet sich nach Branche, Tarif, Standort und Betriebsgröße.
Grundsätzlich gilt in jeder Ausbildung: Mit jedem Lehrjahr steigt die Vergütung in der Regel an – wie stark, hängt vom Tarifvertrag und vom Betrieb ab.
Danach geht es an die Einstiegsgehälter nach bestandener Ausbildung. Dazu findest du bei uns bereits einen eigenen Artikel, in dem unter anderem folgende Gehälter genannt werden:
Diese Angaben liefern dir eine gute Orientierung für die Gehaltsklasse, in die es schon direkt nach deiner Ausbildung gehen kann.
Wichtig dabei: Faktoren wie Tarifbindung, Region (Stadt / Land) und Schicht-/Nachtzuschläge können die Werte deutlich verändern.
Davon abgesehen: Obwohl das Gehalt logischerweise immer ein wichtiger Aspekt ist, solltest du bei der Wahl nicht ausschließlich darauf achten. Die Ausbildung ist schließlich nur der Grundstein für deine Karriere; du musst sie also perspektivisch sehen. Weitere Faktoren, auf die es in der Ausbildung ankommt, sind Firmenkultur, Vorgesetzte und Arbeitsbedingungen – indem du hier ein möglichst rundes Gesamtpaket findest, machen dir die Lehrjahre umso mehr Spaß, was sich positiv auf dein Abschneiden auswirkt.
Was jetzt noch bleibt, ist die tatsächliche Umsetzung. Die folgenden Tipps geben dir eine Struktur, an der du dich orientieren kannst, um nichts zu übersehen.
Indem du diese Punkte abhakst, bist du in kurzer Zeit bewerbungsbereit – und trittst im Gespräch sicher und strukturiert auf.
Außerdem gibt es die Möglichkeit, dass du direkt an den Hauptschulabschluss einen höheren Schulabschluss dranhängst. Der nächste logische Schritt ist dabei der Realschulabschluss. Dies geht sowohl schulisch an Berufsfach-/Abendrealschulen als auch über die duale Ausbildung (Gleichstellung nach bestandener Kammerprüfung plus gutem Berufsschulzeugnis, je nach Bundesland).
Deine Möglichkeiten zusammengefasst:
Hinweis dazu: Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland – informiere dich deswegen konkret und frühzeitig. Denn klar ist: Der nachgeholte Abschluss eröffnet dir weitere Wege wie Fachoberschule / Berufskolleg.
Duale Ausbildungen in Handwerk, Handel, Logistik, Gastronomie / Hotellerie und Pflege stehen dir mit einem Hauptschulabschluss offen; schulische Ausbildungen und einjährige Bildungsgänge ergänzen das Angebot. Besonders etabliert ist der Einstieg über zweijährige Ausbildungen oder eine Einstiegsqualifizierung – so sammelst du schnell Praxis und kannst später aufstocken. Mit einem klaren Bewerbungsset, kurzen Praktika und verlässlicher Motivation überzeugst du Arbeitgeber und sicherst dir stabile Perspektiven bis hin zu Fachwirt*in oder Meister*in.
Mit Hauptschulabschluss stehen dir duale Berufsausbildungen (Betrieb plus Berufsschule, inkl. zweijähriger Ausbildungsberufe wie Verkäufer*in, Fachlagerist*in, Maschinen- und Anlagenführer*in) und schulische Berufsausbildungen an Berufsfachschulen (wie Pflegefachassistenz, Kinderpflege, Hauswirtschaft) offen. Brücken wie Einstiegsqualifizierung, berufsvorbereitende Maßnahmen oder Praktika erhöhen deine Chancen.
Überdurchschnittlich gut zahlen meist tarifgebundene Handwerks- und Industrie-/Logistikberufe, etwa Anlagenmechaniker*in SHK, Elektroniker*in, Fachkraft für Lagerlogistik oder Berufskraftfahrer*in. Zuschläge, Betriebsgröße, Region und Verantwortung treiben das Einkommen zusätzlich nach oben.
Direkt meist nicht, weil häufig ein mittlerer Schulabschluss verlangt wird; der gängige Weg führt über Kinderpflege oder Sozialassistenz plus Praxis, ggf. mit nachgeholtem Abschluss, danach ist – je nach Bundesland/Träger – die Erzieher*innenausbildung (auch PiA) möglich.
Praxis sammeln (Praktikum, Einstiegsqualifizierung), Unterlagen optimieren, Suchradius erweitern und verwandte zweijährige Berufe als Einstieg wählen. Parallel hilft eine Beratung bei Agentur für Arbeit und IHK / HWK.
Ja, teilweise – das hängt vom Arbeitgeber ab. Der direkte Weg in die Ausbildung zum / zur Kaufmann / Kauffrau für Büromanagement ist mit überzeugender Bewerbung, soliden Deutsch-/Mathe-Noten und PC-Grundlagen möglich; noch häufiger führt der Einstieg jedoch über Verkauf / Einzelhandel, ein Praktikum oder eine Einstiegsqualifizierung ins Backoffice. Mit Praxisnachweisen, gepflegter Korrespondenz und Verlässlichkeit steigen deine Chancen deutlich.
Je nach Bundesland sind Pflegefachassistenz sowie Kranken- oder Altenpflegehilfe häufig in einem Jahr möglich; Zugang und Bezeichnung variieren regional. Zusätzlich bieten einjährige Berufsfachschulen in Wirtschaft/Verwaltung, Technik oder Hauswirtschaft einen kompakten schulischen Weg mit Praxisphasen – formal keine duale Ausbildung, aber ein anerkannter Einstieg, der den Übergang in eine anschließende Ausbildung erleichtert.
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