Kein Geheimnis: Das vielzitierte Vitamin B kann deine Karriere entscheidend beeinflussen. Doch wie gelingen dir die ersten Schritte? Was macht ein solides Business-Netzwerk aus und wie hältst du dein Networking dauerhaft erfolgreich?
Wir zeigen dir: Netzwerken kann man lernen. Das richtige Vorgehen ist nämlich keine Frage des Zufalls, sondern lässt sich mit Plan und Struktur ganz leicht umsetzen.
Das Kontakteknüpfen für die Karriere umfasst den Aufbau und die Pflege von persönlichen und beruflichen Beziehungen sowie Interaktionen.
Diese verfestigten Beziehungen im Namen der Karriere gehen also weit über den sporadischen Kontakt, die berufliche Verlinkung im Netz und das negativ behaftete „Vitamin B“ hinaus!
Bereits lange vor dem Social-Media-Zeitalter prägte der französische Soziologe Pierre Bourdieu neben den Begriffen des ökonomischen und kulturellen Kapitals jenen des sozialen Kapitals. Dieses umfasst neben Bekanntschaften und Freunden unterschiedlicher sozialer Hintergründe auch das Wissen um deren Fähigkeiten und Ressourcen. Nicht zuletzt steigt die Wichtigkeit eines qualitativen Netzwerks in dem Augenblick signifikant, wenn du deinen Arbeitsplatz verlierst beziehungsweise wechselst und einen neuen Job suchst.
Die Pflege deines Netzwerkes gibt dir drei vorteilhafte Grundpfeiler in der interaktiven Berufswelt:
- Lara Kieninger, Karriere-Expertin und Personalerin bei StepstoneDurch meine eigene Networking-Erfahrung habe ich gelernt, dass es wichtig ist, Beziehungen langfristig zu pflegen. Mein Tipp: Nimm dir Zeit für dein Netzwerk und bleib in Kontakt. Die Vorteile zeigen sich oft erst später, aber sie können einen entscheidenden Unterschied für deine Karriere bedeuten. Und das nicht nur bei der Jobsuche: Meine Kontakte haben mir schon oft in geholfen, indem sie mich z.B. auf interessante Themen, Projekte oder Kooperationen aufmerksam gemacht haben. Gleichzeitig gilt: Networking ist keine Einbahnstraße. Selbst hilfsbereit und offen für die Anfragen deiner Kontakte zu sein, gehört eben auch dazu.
Ein berufliches Netzwerk baust du auf, indem du gezielt Kontakte zu Menschen pflegst, die in deiner Branche oder in angrenzenden Bereichen tätig sind – etwa durch persönliche Gespräche, Online-Plattformen wie LinkedIn oder den Besuch von Fachveranstaltungen. Wichtig dafür sind der regelmäßige Austausch und die Bereitschaft, Wissen, Erfahrungen oder Unterstützung anzubieten und anzunehmen.
Die folgenden acht Tipps helfen dir, die grundlegenden Networking-Werte zu verinnerlichen.
Überlege dir zuvor gut, wer in dein fachliches Netzwerk gehört. Es geht nicht darum, die meisten Visitenkarten zu sammeln, sondern um produktive Beziehungen für deine Karriere. Definiere also zunächst, welche Intention du mit dem Netzwerkaufbau verfolgst und knüpfe dann erste Beziehungen durch berufliche Parallelen oder Wissensaustausch – ohne zunächst großartige Gegenleistungen zu erwarten!
Networking funktioniert am besten, wenn es auf gegenseitigem Geben und Nehmen beruht. Biete Hilfe an, teile dein Wissen und sei unterstützend gegenüber anderen. Baue Beziehungen auf, indem du berufliche Gemeinsamkeiten findest und Wissen teilst, ohne sofort eine Gegenleistung zu erwarten. Ratschläge sollten angeboten werden, wenn Bedarf besteht. Dann kannst auch du im richtigen Moment mit Unterstützung in deinem Netzwerk rechnen.
Auch wenn aller Anfang deiner Vernetzungs-Karriere vielleicht im Internet liegen mag, gehören zum erfolgreichen Netzwerken immer persönliche Gespräche und Treffen: Eine Verabredung zum Business-Lunch, eine After-Work-Veranstaltung oder eine Fachkonferenz sind gute Gelegenheiten, um sich näher kennenzulernen.
Die richtigen Kontakte hängen stark mit deinen Networking-Zielen zusammen. Allgemein kann es aber sinnvoll sein, sich sowohl mit Gleichgesinnten als auch mit Andersdenkenden auf fachlicher Ebene zu vernetzen.
Der Mix macht es also – und die Gewichtung hängt von individuellen Faktoren ab.
Steht ein persönliches Treffen oder Gespräch bevor, dann ist die richtige Vorbereitung essentiell.
Diese Tipps helfen dir übrigens auch beim jährlichen Mitarbeitergespräch, wo du mit deiner Vorbereitung glänzen kannst.
Das Suchen von gemeinsamen Interessen sollte nicht allzu lange dauern, da du dich ja auch aus fachlichen Gründen vernetzen willst. Überlege dir dazu aber inhaltlich genau, was du eigentlich anbieten willst: lediglich einen Kontakt? Eine Wissensallianz? Ein Konzept? Eine Kooperation?
Gehe dabei vorsichtig und bedacht vor, indem du zunächst auf einer sachlichen Ebene bleibst und weitere Kontakte sowie Aussagen nur aus inhaltlicher Überzeugung teilst. Es kommt schließlich nicht darauf an, mit deinen neuen Kontakten zu imponieren oder möglichst viele Visitenkarten zu sammeln, sondern auf die Qualität deiner Beziehungen und Interaktionen!
Blickkontakt und ein freundliches Auftreten sind in jedem Gespräch unerlässlich.
All das kannst du auch durch deine Gestik und Mimik symbolisieren; diese sind schließlich ein wichtiger Teil deiner Kommunikation.
Nachdem die Verbindung hergestellt ist, vertiefe sie durch kontinuierlichen Austausch, sei es virtuell oder persönlich. Pflege deine beruflichen Kontakte, damit sie nachhaltig und fruchtbar bleiben. Investiere Zeit, um Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Langfristige Verbindungen können wertvolle berufliche Chancen eröffnen.
Du bist dir unsicher wie und wo du starten sollst? Wir helfen dir dabei. Schritt für Schritt kann jeder den Aufbau eines Netzwerkes lernen.
Definiere, was du durch Networking erreichen möchtest, z. B. neue Kontakte in deiner Branche knüpfen oder einen Mentor finden.
Melde dich auf auf Plattformen wie LinkedIn an und erstelle ein Business-Profil. Falls du schon ein Profil hast, überlege wie du das Profil optimieren kannst. Denn dein Profil sollte deine Fähigkeiten und Erfahrungen widerspiegeln.
Suche nach relevanten Gruppen oder Foren, sowohl online als auch offline, und beteilige dich aktiv an Diskussionen.
Halte Ausschau nach lokalen Meetups, Workshops oder Konferenzen, die dich interessieren, und notiere dir relevante Veranstaltungen.
Gehe zu einer Veranstaltung, die dich interessiert und versuche, mit mindestens drei neuen Personen ins Gespräch zu kommen. Stelle offene Fragen, um das Gespräch zu fördern.
Sende nach einem Event eine kurze Nachricht an den oder die neuen Kontakte. Bedanke dich für das Gespräch und bringe ein relevantes Thema zur Sprache. Auf diese Weise zeigst du Wertschätzung und gibst gleichzeitig die Vorlage für einen anhaltenden Dialog.
Auf den gängigen Online-Plattformen findet das große digitale Kontakteknüpfen statt – allerdings sehr oft mit Blick auf Quantität und nicht Qualität. Wer jedoch vom Headhunter einen Anruf bekommt, kann sicher sein, dass es sich dabei um Qualität handelt. Fachlich Gleichgesinnten online eine Vernetzungsanfrage zu schicken, kann bei sehr starken Spezialisierungen und Fachfragen ebenfalls gut funktionieren.
Auch wenn die Virtualität flachere Hierarchien mit sich bringt, heißt das nicht, dass Umgangsformen nicht wichtig sind.
Klar: Die digitale Kommunikation ist direkt, schnell und spontan – dies kannst du nutzen, aber nur, wenn du dosiert und mit Fingerspitzengefühl vorgehst. Und im Idealfall ist die Online-Kommunikation nur eine Ergänzung zur physischen Welt.
Denn den klassischen Weg, sich zu vernetzen, bilden Veranstaltungen und Karrieremessen innerhalb deiner Branche.
Dabei ist Geduld eine wichtige Tugend. Berufliche Netzwerke müssen über Zeit wachsen und gepflegt werden, also erwarte von ein paar Events keine fertige Erfolgscommunity. Um die Möglichkeiten unserer Zeit voll auszuschöpfen, setze im Aufbau und der Pflege deines persönlichen Netzwerkes einen Mix aus beidem ein – online und offline.
Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Und das gilt auch beim Networking. Bist du auf einem Event, stellt sich die zentrale Frage: Wie kommst du auf einer Veranstaltung mit anderen Personen ins Gespräch? Vielleicht helfen dir diese Einstiegsfragen:
Tipp: Manchmal kann es auch helfen, sich einfach zu gesellen und einer bereits entfachten Diskussion zu folgen. Im richtigen Moment kannst du dich dann auch mit einbringen. Doch achte dabei auf die Signale auf der Gruppe, denn nicht immer sind externe Zuhörer gewünscht.
Außerdem: Die Antworten, die du auf deine Fragen bekommst, sind meistens nicht das Wichtigste. Für den Einstieg geht es vor allem darum, ins Gespräch zu kommen und eine Verbindung aufzubauen.
Sich nicht auf das Gespräch zu konzentrieren, abgelenkt zu sein oder nur darauf zu warten, selbst zu sprechen, sind klassische Kommunikationsfehler, die den Aufbau einer authentischen Beziehung erschweren. Dein Gegenüber merkt, dass du ganz klar auf deine eigenen Interessen fokussiert bist, und das ist bekanntlich kein guter Weg, um eine Beziehung aufzubauen.
Versuche nicht gleich, deine eigenen Interessen (etwa deine Produkte oder Dienstleistungen) an den Mann oder die Frau zu bringen. Dies kann als aufdringlich und unangemessen wahrgenommen werden und die Chance auf eine langfristige Beziehung beeinträchtigen. Lege den Fokus auf den Beziehungsaufbau, bevor du geschäftliche Interessen verfolgst, um Vertrauen und Respekt zu gewinnen.
Kontakte zu knüpfen ist nur der erste Schritt. Versäume es nicht, nach dem ersten Treffen in Kontakt zu bleiben oder dich zu bedanken, sonst gerätst du schnell in Vergessenheit. Das gilt auch dann, wenn du dir von einem Kontakt keinen unmittelbaren Vorteil erhoffst; schließlich weißt du nie, was die Zukunft bringt. Und genau dafür baust du dir dein Netzwerk schließlich auf.

Lara Kieninger ist Senior Talent Acquistion Manager bei Stepstone und unterstützt seit Juni 2021 verschiedene Fachbereiche dabei, das "Perfect Match” für ihre Teams zu finden und den Bewerbungsprozess optimal zu gestalten. Als erfahrende Personalerin stand sie im Laufe ihrer Karriere sowohl verschiedenen Unternehmen als auch zahlreichen Arbeitssuchenden und Bewerber*innen beratend zur Seite. Was sind NoGos im Lebenslauf? Wie verändert KI unseren Bewerbungsprozess und welche Tipps & Tricks gibt es bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch? Lara Kieninger weiß Antwort. Als Expertin und Gastautorin für das Stepstone Magazin “about work” hat sie die Trends und Entwicklungen der Arbeitswelt genau im Blick und hilft mit ihren wertvollen Insights allen Leser*innen dabei, sich in der ständig wandelnden Job-Landschaft zurechtzufinden. Zu Laras Themenschwerpunkte gehören unter anderem die Themen Gehalt, Anschreiben & Lebenslauf, Vorstellungsgespräche sowie Diversity & Inklusion.
Erfolgreiches Networking ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein stetiger Prozess, der Vertrauen, Interesse und echte Verbindung erfordert. Wer kontinuierlich in berufliche Beziehungen investiert, profitiert nicht nur im akuten Jobwechsel, sondern schafft sich ein stabiles Fundament für langfristige Karrierechancen. Ob online oder offline – entscheidend ist, dass du authentisch bleibst, offen kommunizierst und dein Netzwerk als Dialog verstehst, nicht als Einbahnstraße. Je früher du beginnst, desto routinierter wirst du, und umso größer ist der Nutzen für deine berufliche Zukunft.
Follow-ups sind ein zentraler Bestandteil erfolgreichen Networkings, denn Kontakte entfalten ihren Wert erst durch regelmäßige Pflege. Nach einem ersten Gespräch oder einem Treffen solltest du dich idealerweise innerhalb weniger Tage bedanken und kurz an das Gespräch anknüpfen. Danach hängt die Häufigkeit vom Kontext ab: Ein kurzer Check-in alle paar Monate – zum Beispiel mit einem interessanten Artikel, einem Glückwunsch oder einem Hinweis auf ein relevantes Event – zeigt Interesse, ohne aufdringlich zu wirken.
Networking ist oft schwer messbar, doch es gibt einige klare Indikatoren für Erfolg. Dazu gehören zum Beispiel neue berufliche Chancen, Empfehlungen, Interviews oder Projekte, die über Kontakte entstanden sind. Auch qualitative Faktoren wie tiefere Beziehungen zu Schlüsselpersonen oder mehr Sichtbarkeit in deiner Branche sind relevante Kennzahlen. Ein persönliches Networking-Ziel, etwa „ein neues Gespräch pro Woche“ oder „eine Einladung zu einer Veranstaltung im Quartal“, hilft dabei, Fortschritte bewusst zu verfolgen.
Für introvertierte Menschen eignen sich eher gezielte Einzelgespräche, digitale Formate oder schriftlicher Austausch über E-Mail und soziale Plattformen. Qualität geht dabei vor Quantität: Es reicht völlig aus, ein kleines, aber verlässliches Netzwerk zu pflegen. Wer authentisch kommuniziert, gut zuhört und echtes Interesse zeigt, hinterlässt oft einen nachhaltigeren Eindruck als lautes Selbstmarketing.
Berufliches Networking zielt darauf ab, langfristige, gegenseitig nützliche Beziehungen aufzubauen – Small Talk kann dabei ein Einstieg sein, ist aber nicht das eigentliche Ziel. Während Small Talk meist oberflächlich bleibt, geht es im Networking darum, fachliche Themen anzusprechen, Interesse an der Person und ihrer Arbeit zu zeigen und potenzielle Anknüpfungspunkte für zukünftigen Austausch zu finden. Entscheidend ist, dass du bewusst kommunizierst und Gespräche mit einem klaren beruflichen Bezug führst, ohne aufdringlich zu wirken.
Eine erste Nachricht sollte kurz, höflich und konkret sein. Stell dich mit einem Satz vor, nenne den Anlass deines Interesses – zum Beispiel ein gemeinsames Thema, ein Artikel der Person oder eine Veranstaltung – und formuliere eine freundliche Kontaktanfrage. Wichtig ist, authentisch und respektvoll zu schreiben, ohne sofort etwas zu fordern. Ein Beispiel: „Hallo Frau Schmidt, ich bin auf Ihr Profil gestoßen, weil ich mich derzeit intensiv mit dem Thema Employer Branding beschäftige. Ihr Beitrag zur Recruiting-Messe hat mich sehr angesprochen – ich würde mich freuen, mich mit Ihnen zu vernetzen.“
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