Hast du manchmal das Gefühl, dass alle in deinem Team kompetenter sind als du? Dass du nur zufällig in diese Position reingerutscht bist und eigentlich gar keine Ahnung hast, was du im Job tust?
Dann hast du es höchstwahrscheinlich mit dem sogenannten Impostor-Syndrom zu tun, das vor allem in der Generation Z weit verbreitet ist. Was es mit dem Syndrom auf sich hat und wie du damit am besten umgehst, erfährst du hier.
„Wann mein Team wohl herausfindet, dass ich in meinem Job gar nicht so gut bin, wie sie dachten?“ Ein typischer Gedankengang von Menschen mit Impostor-Syndrom – auch Hochstapler-Syndrom genannt. Betroffene des Syndroms rechnen zu jeder Zeit damit, als Hochstapler enttarnt zu werden.
Betroffene Personen kämpfen (häufig im Berufsalltag) mit
Erstmalig 1978 stellten die Psychologinnen Dr. Pauline Clance und Dr. Suzanne Imes fest, dass Frauen in höheren Positionen starke Selbstzweifel und Angst vor dem Scheitern verspürten – deutlich häufiger als Männer in vergleichbaren Positionen.
Mit der Zeit stellte sich heraus, dass das Impostor-Syndrom Männer aber ebenso wie Frauen betrifft. Spätestens die 2022 erschienen bestätigt, dass das Impostor-Syndrom nicht geschlechtsspezifisch ist.
Es gibt verschiedene Gruppen, die anfällig für das Impostor-Syndrom sind. Zwei große Personengruppen sind:
Eine aktuelle Studie aus Österreichkonnte nachweisen, dass unter österreichischen Promovierenden runddie Hälfte Gedanken haben, die für das Impostor-Syndrom typisch sind.
Vor allem ist das Impostor-Syndrom aber bei Menschen zu beobachten, die den sozialen Aufstieg geschafft haben, das heißt, aus einem bildungsschwachen Elternhaus kommend eine akademische Laufbahn eingeschlagen haben.
Vom Hochstapler-Syndrom betroffen, sind, Dr. Valerie Young, Co-Gründerin des Impostor Syndrome Institutes, zufolge, insbesondere
Das hängt unter anderem mit dem schnellen technologischen Fortschritt zusammen, den Menschen aus diesen Generationen bereits ihr Leben lang hautnah als sog. „digital natives“ miterleben.
Es gilt die Devise: immer schneller, immer größer, immer besser – nichts ist jemals gut genug. Diesen Grundsatz haben Betroffene schon sehr früh vorgelebt bekommen, verinnerlicht und projizieren diesen auch auf sich selbst.
Auch die sozialen Medien tragen ihren Teil dazu bei, dass Millennials und Menschen der Generation Z kaum zu erfüllende Erwartungen an sich selbst haben: Während der Alltag von Influencer*innen auf Instagram und Co. oft perfekt und einfach aussieht, fragen sich viele Nutzer*innen, warum ihr eigenes Leben deutlich unperfekter verläuft.
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Impostor-Syndrom begünstigen können:
Doch auch das tatsächliche Arbeitsumfeld führt dazu, dass Personen sich im Job nicht gut genug fühlen. So scheinen einige Branchen einen besseren Nährboden für das Hochstapler-Syndrom zu bieten als andere, so zum Beispiel:
In kreativen Jobs leiden Menschen häufiger an extremen Selbstzweifeln. Das hat verschiedene Gründe, so zum Beispiel:
Auch im MINT-Bereich sind Symptome des Impostor-Phänomens weit verbreitet. Das hängt vor allem
Das steigert die Erwartungen an die eigene Arbeit teilweise ins Unermessliche.
Das Impostor-Syndrom ist keine anerkannte psychische Erkrankung, was unter anderem daran liegt, dass es keine konkrete Symptomatik dafür gibt.
Stattdessen hat Dr. Valerie Young fünf verschiedene Typen des Syndroms definiert:
Einige Betroffene des Impostor-Syndroms machen ihre Leistung in erster Linie daran fest, wie eine Aufgabe oder ein Projekt erledigt wird. Sogenannte Perfektionist*innen können eine Aufgabe zu 99 % meistern – das eine fehlende Prozent genügt schon, um die eigene Leistung als Versagen zu werten.
Kleinen Fehlern oder Schwächen wird also unverhältnismäßig viel Bedeutung beigemessen.
Ähnlich wie bei den Perfektionist*innen, liegen auch für Typ 2, den Expert*innen, die Ansprüche an sich selbst bei 100 % – dabei ist aber Wissen das A und O. Es geht also primär darum, was und wie viel die Person weiß.
Wissenslücken – mögen sie auch noch so unbedeutend sein – lösen bei den Betroffenen die für das Impostor-Syndrom typischen Selbstzweifel aus.
„Ich kämpfe für mich alleine“ – das denken Betroffene des Impostor-Typs Solist*in jedenfalls.
Eine Leistung können sie nur dann als eigenen Verdienst anerkennen, wenn sie diese komplett allein erbracht haben. Wer eine Aufgabe erledigt, steht hier also besonders im Fokus.
Betroffene verstehen es als Zeichen von Schwäche, andere Kolleg*innen um Hilfe zu bitten.
„Übung macht den Meister“ ist ein Grundsatz, der einigen Menschen mit Impostor-Syndrom schwerfällt. Das Genie tut sich schwer damit, dass die meisten Kompetenzen erlernt werden müssen, sondern möchte stattdessen alles von Natur aus können.
Wenn Aufgaben oder Projekte also nicht auf Anhieb und mit links gelingen, ist das für Betroffene eine Form des Versagens.
Eine einwandfreie One-Person-Show möchte der Übermensch hinlegen. Wer mit dieser Form des Impostor-Syndroms zu kämpfen hat, versucht möglichst viele Rollen gleichzeitig auszuüben – und muss natürlich in jeder davon glänzen.
Ob als Teammitglied, Elternteil, Partner*in oder in beliebig vielen anderen Lebenslagen, wenn Betroffene das Gefühl haben, ihren zahlreichen Rollen nicht völlig gerecht zu werden, resultiert das in Selbstzweifeln.
Du hast beim Lesen schon an der ein oder anderen Stelle gedacht: „Hm, das kommt mir irgendwie bekannt vor“? Damit bist du nicht allein. Dass sich viele Betroffene mit ihren Gedanken aber alleine fühlen, liegt daran, dass Personen mit Impostor-Syndrom sehr ungern über ihre Gefühle sprechen. Daher ist das Phänomen, obwohl es so weit verbreitet ist, kaum bekannt.
Wenn du wissen möchtest, ob du selbst vom Impostor-Syndrom betroffen bist, dann achte auf folgende Anzeichen – unter anderem sind diese fünf beispielhaften Gedankengänge und Verhaltensweisen typisch für das Syndrom:
Du hast eine wichtige Präsentation gerockt, eine sehr gute Abschlussarbeit geschrieben oder den Job ergattert, von dem du dachtest, dass du dafür nicht ausreichend qualifiziert bist. Trotzdem ist alles, woran du denken kannst: „Das war doch nur Glück!“
Du hast die Leitung eines großen und wichtigen Projekts übernommen, das jetzt erfolgreich abgeschlossen wurde. Auf das positive Feedback deiner Führungskraft reagierst du aber so: „Ach, so einen guten Job habe ich doch gar nicht gemacht“ oder „Das hätten doch alle gekonnt.“
Du wirst in der Teambesprechung nach deiner Einschätzung zu deinem Fachgebiet gefragt und deine Aussagen fangen immer mit „Ich denke, dass …“ oder „Ich glaube“ an, obwohl du ganz genau weißt, was Sache ist. Widerspricht dir jemand, gibst du eher klein bei, anstatt auf deiner fachlichen Meinung zu beharren.
Dir wird ein neuer Themenbereich oder eine neue Aufgabe übergeben, du hast aber keine Ahnung, worauf es zu achten gilt, wie die nötige Software funktioniert oder welches Werkzeug du benötigst. „Ich muss das alleine schaffen, um zu zeigen, dass ich es draufhabe.“ ist dein einziger Gedanke und du wagst es nicht, nach Hilfe zu fragen.
Dein aktueller Job macht dich nicht mehr glücklich und du bist auf Jobsuche. Beim Durchstöbern der aktuellen Stellenangebote in deiner Branche denkst du immer wieder: „Auf diesen Job muss ich mich gar nicht erst bewerben. Mir fehlt Kompetenz XY und Erfahrung im Bereich YZ.“ Nur wenn die Stellenausschreibung zu 100 % zu deinem Lebenslauf passt, verschickst du eine Bewerbung.
Dein alljährliches Feedback-Gespräch steht an und deine Führungskraft spricht in den höchsten Tönen von dir und deinen Leistungen. Abschließend erhältst du noch eine Empfehlung für Weiterbildungsmöglichkeiten. Du winkst die Komplimente ab und alles, was bei dir hängen bleibt, ist: „Ich bin nicht gut genug.“
Das Tückische an den typischen Gedanken und Verhaltensweisen der Betroffenen: sie beeinflussen und stärken sich gegenseitig, sodass betroffene Personen in einem ewigen Teufelskreis gefangen sind.
Erkennst du dich selbst in den für das Impostor-Syndrom typischen Gedankengängen und Verhaltensweisen wieder?
Keine Sorge! Wir haben dir sechs Tipps zusammengestellt, wie du mit starken Selbstzweifeln und Versagensängsten im Job am besten umgehst:
Ob du es glaubst oder nicht, du hast mit Sicherheit schon jede Menge Erfolge im Laufe deiner Ausbildung und Karriere erzielt. Im trubeligen Arbeitsalltag gehen diese kleinen oder manchmal auch großen Meilensteine gerne mal unter.
Ein Erfolgstagebuch hilft dir dabei, den Überblick zu behalten, und zeigt dir schwarz auf weiß, was du bereits alles geschafft hast.
Mach dir bewusst, dass das Impostor-Syndrom ein weit verbreitetes Phänomen ist und dass viele erfolgreiche Menschen damit zu kämpfen haben. Das Impostor-Syndrom ist lediglich ein Gefühl und keine Realität.
Mit dem Wissen, dass du nicht allein bist und dass es völlig normal ist, Zweifel zu haben, entkräftest du die Hochstapler-Gefühle.
Nichts und vor allem niemand ist jemals perfekt. Statt immer nach perfektionistischen Standards zu streben, helfen realistische Ziele dabei, dich auf die kleineren Erfolge und Fortschritte zu konzentrieren.
So kannst du langsam dein Selbstvertrauen aufbauen und das Impostor-Phänomen in den Griff bekommen.
Ein wichtiger Teil bei der Bewältigung des Impostor-Syndroms ist es, sich von anderen Menschen Unterstützung und Anerkennung zu holen.
Durch positive Rückmeldungen und Lob von Freund*innen, Familie und Kolleg*innen stärkst du dein Selbstwertgefühl und steuerst so den massiven Selbstzweifeln entgegen.
Auch ein Feedback-Gespräch mit deiner Führungskraft hilft. Achte hierbei darauf, das Lob nicht abzuwinken, sondern es wirklich ernst zu nehmen und zu verinnerlichen.
Ein starker Leistungsdruck im Berufsalltag sorgt häufig dafür, dass wir uns vermehrt mit Kolleg*innen vergleichen. Bin ich schneller, besser, schlauer als andere?
Ein direkter Vergleich – insbesondere, wenn die eigene Leistung ohnehin schon als ungenügend angesehen wird – feuert deine Selbstzweifel weiter an. Statt dich mit anderen zu vergleichen, versuch dich selbst in den Fokus zu rücken. Deine Leistung zählt!
Wir alle machen mal Fehler, aber besonders Menschen mit Impostor-Syndrom neigen dazu, sich über negative Erfahrungen zu definieren und Positives auszublenden.
Behalte im Hinterkopf, dass Fehler menschlich sind und versuche, nicht daran zu verzweifeln, wenn mal etwas schiefgeht. Konzentrier dich stattdessen auf deine Erfolge – zum Beispiel mithilfe deines Erfolgstagebuchs.
Falls du tatsächlich mal für deine Arbeit kritisiert wirst, gibt es außerdem hilfreiche Tipps, um mit dem Feedback umzugehen
In besonders schwerwiegenden Fällen, wenn du das Gefühl hast, das Syndrom beeinflusst deine Leistung und deine psychische Gesundheit maßgeblich, solltest du über professionelle Hilfe durch Therapeut*innen oder Psycholog*innen nachdenken.
Die Expert*innen finden mit dir gemeinsam individuelle Strategien für den Umgang mit dem Hochstapler-Syndrom und bieten dir so einen Ausweg aus dem Teufelskreis der Impostor-Gedanken.
Das Impostor-Syndrom, auch bekannt als Hochstapler-Syndrom, beschreibt ein Phänomen, bei dem betroffene Personen das Gefühl haben, ihre Erfolge seien nicht verdient. Sie glauben, dass sie ihre Position oder Leistung nur durch Zufall oder Glück erreicht haben und leben in der ständigen Angst, als "Hochstapler" enttarnt zu werden.
Typische Symptome des Impostor-Syndroms sind starke Selbstzweifel, Angst vor Versagen, das Gefühl, nicht gut genug zu sein, Schwierigkeiten, Erfolge anzuerkennen, sowie das Gefühl, immer mehr leisten zu müssen, um als kompetent wahrgenommen zu werden.
Besonders betroffen sind bildungsstarke Menschen aus bildungsschwachen Elternhäusern sowie jüngere Generationen wie Millennials und Menschen der Generation Z. Auch Personen, die in kreativen oder MINT-Berufen arbeiten, erleben häufiger Selbstzweifel und Versagensängste.
Ursprünglich wurde das Impostor-Syndrom vor allem bei Frauen in Führungspositionen beobachtet. Mittlerweile ist jedoch klar, dass Männer genauso betroffen sein können. Studien, wie die der Universität Halle-Wittenberg, zeigen, dass das Syndrom unabhängig vom Geschlecht auftritt.
Typische Gedanken sind: „Ich habe nur Glück gehabt“, „Ich bin nicht gut genug“, „Ich muss mich ständig beweisen“ und „Ich darf keine Fehler machen“. Diese Gedanken verstärken die Selbstzweifel und führen zu einem Teufelskreis.
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