Auch unter den Lernmethoden gibt es immer mehr moderne Ansätze anstatt eines einheitlichen Modells. Besonders wichtig ist dabei das „vermischte Lernen“, besser bekannt unter dem englischen Begriff Blended Learning. Wir erklären, was sich genau dahinter verbirgt, welche Modelle es gibt und wie sie in der beruflichen Weiterbildung eingesetzt werden.
Inhalt
Das Wichtigste in KürzeWas ist Blended Learning?Bekannte ModelleBlended Learning im BerufDidaktische TheorienVor- & NachteileFazitFAQ
Das Wichtigste in Kürze
Blended Learning ist ein innovatives Lernkonzept, das traditionelle Präsenz-Lernmethoden mit modernen E-Learning-Formaten kombiniert.
Das Konzept kommt häufig im Kontext beruflicher Weiterbildungen zum Einsatz.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Varianten wie dem Rotationsmodell, dem Flex-Modell und dem Enriched-Virtual-Modell.
Was ist Blended Learning?
Blended Learning kombiniert Präsenzlernen (also traditionelles Lernen in einem Klassenzimmer oder Seminarraum) mit E-Learning (Lernen mithilfe digitaler Medien).
Von diesem Mix sollen Lernende profitieren, da sich die Stärken beider Methoden im Idealfall ergänzen und bestärken. So bieten Online-Lernplattformen ein hohes Maß an Flexibilität und Selbststeuerung, während die Interaktion mit Dozent*innen sowie anderen Teilnehmer*innen in Präsenzveranstaltungen für einen produktiven Austausch sorgt. Mit dieser modernen Ausrichtung fällt Blended Learning unter dieselbe Arbeitsphilosophie wie New Work, da individuelle Flexibilität und Standortunabhängigkeit eine immer größere Rolle spielen.
Ein typisches Beispiel für Blended Learning ist eine Schulung, bei der du Lerninhalte vor einem Präsenzseminar online durcharbeitest, etwa durch ein Web-Based Training (WBT) oder ein Computer-Based Training (CBT) und das Gelernte anschließend in einer Präsenzsitzung vertiefst.
Zum besseren Verständnis der vielen spezifischen Begriffe, die im Zusammenhang mit E-Learning auftauchen, hier zunächst einige Basics:
E-Learning: Lernen mithilfe digitaler Technologien, das sowohl synchron (zeitgleich) als auch asynchron (zeitversetzt) stattfinden kann.
Präsenzlernen: Klassische Lernform im Seminarraum oder Klassenzimmer, bei der du vor Ort zusammen mit weiteren Teilnehmenden anwesend bist.
CBT (Computer-Based Training): Computergestützte Lernprogramme, die offline genutzt werden und meist interaktive Elemente enthalten.
WBT (Web-Based Training): Online-Lernmodule, die über das Internet zugänglich sind und oft multimediale Inhalte wie Videos, Quizze und Simulationen enthalten.
Bekannte Modelle im Überblick
Blended Learning lässt sich auf verschiedene Arten umsetzen. Je nach Zielgruppe, Lernzielen und technischen Möglichkeiten werden unterschiedliche Modelle bevorzugt.
Das Rotationsmodell
Das Rotationsmodell teilt die Lernphasen in Online- und Präsenzphasen auf, die sich abwechseln. Typischerweise rotierst du zwischen selbstgesteuertem E-Learning und Präsenz-Sessions mit anderen Teilnehmenden. Dieser Ansatz fördert die Anwendung theoretischer Inhalte aus den Online-Phasen in praktischen Präsenzphasen.
Gute Strukturierung des Lernprozesses
Ausgewogene Mischung von Theorie und Praxis
Fördert Gruppeninteraktion in Präsenzphasen
Höherer organisatorischer Aufwand
Erfordert klare Zeitmanagementfähigkeiten
Das Flex-Modell
Im Flex-Modell liegt der Schwerpunkt auf dem E-Learning, während Präsenzveranstaltungen nur bei Bedarf stattfinden. Das Lernen erfolgt also größtenteils in Eigeninitiative auf Online-Plattformen. Du hast die Möglichkeit, jederzeit auf Inhalte zuzugreifen und in deinem eigenen Tempo zu lernen, was allerdings auch bedeutet, dass deine Disziplin gefragt ist.
Maximale Flexibilität
Ideal für berufstätige Personen oder Fernstudierende
Ermöglicht Lernen im individuellen Tempo
Weniger direkte Interaktion mit Dozent*innen
Erfordert hohe Selbstdisziplin
Das Enriched-Virtual-Modell
Hierbei handelt es sich um eine erweiterte Form des reinen E-Learnings. Präsenzsitzungen finden nur selten statt, dafür wird die Online-Interaktion intensiviert. Häufig werden synchrone (also live) Online-Seminare oder Diskussionen mit den Lernenden integriert. Dieser Ansatz ermöglicht es dir, ortsunabhängig zu lernen, bietet aber gleichzeitig Interaktionsmöglichkeiten, wie sie aus Präsenzveranstaltungen bekannt sind.
Hohe Flexibilität bei gleichzeitigem Austausch mit anderen Teilnehmenden
Weniger Abhängigkeit von Präsenzveranstaltungen
Reduzierte persönliche Präsenzinteraktion
Aufgrund der unterschiedlichen Stärken und Schwächen lässt sich keine Methode als eindeutig beste oder schlechteste Variante bezeichnen. Vielmehr geht es um den jeweiligen Einsatzzweck, wobei die Präferenzen und Eignungen der Teilnehmer*innen stets berücksichtigt werden müssen.
Blended Learning verknüpft reales Miteinander und Online-Kommunikationsmöglichkeiten.
Blended Learning im beruflichen Kontext
Im beruflichen Umfeld wird Blended Learning zunehmend als flexible Lösung für Weiterbildungen und Schulungen eingesetzt. Besonders in der Erwachsenenbildung eignet es sich hervorragend, da Berufstätige in der Regel wenig Zeit für feste Stundenpläne und lange Anfahrtswege haben. Hier kommt Blended Learning ins Spiel, da es Teilnehmenden die Möglichkeit bietet, Lernphasen flexibel in ihren Alltag zu integrieren, was sich letztendlich auch positiv auf die Work-Life-Balance auswirkt.
Diese wiederum ist unter Arbeitnehmer*innen aller Altersklassen einer der wichtigsten Faktoren für die Attraktivität des Arbeitgebers – ähnlich wie die Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Blended Learning beeinflusst damit gleich mehrere Aspekte für berufstätige Menschen auf positive Weise.
Schulungen, Leadership, Onboarding und mehr: Typische Anwendungsfelder für Blended Learning
Aufgrund der inzwischen großen Verbreitung hier der Blick auf besonders etablierte Anwendungsfelder:
Führungskräfte-Training: Blended Learning wird häufig in Leadership-Programmen verwendet, wo Manager*innen in Online-Modulen Grundlagen erlernen und dann in Präsenztrainings Führungstechniken praktisch üben.
Technische Schulungen: In vielen technischen Berufen werden Online-Schulungen (etwa CBT- und WBT-Module) eingesetzt, um Fachwissen zu vermitteln, das anschließend in praktischen Präsenzworkshops angewendet und vertieft wird.
Compliance-Schulungen: Viele Unternehmen setzen Blended Learning für gesetzliche Pflichtschulungen ein. Mitarbeitende absolvieren oft E-Learning-Module und festigen ihr Wissen anschließend in Gruppendiskussionen oder Workshops.
Onboarding: Neue Mitarbeitende können durch Blended Learning schneller und effizienter eingearbeitet werden. Oftmals gibt es Online-Schulungen zu internen Prozessen und Systemen, die durch Präsenz-Einführungen in die Teamarbeit ergänzt werden. Für die ersten Tage im neuen Job – und darüber hinaus – ist der Mehrwert offensichtlich.
Didaktische Theorien im Blended Learning
Blended Learning stützt sich auf verschiedene Lerntheorien, die erklären, wie Wissen am besten vermittelt und aufgenommen wird. Zu den wichtigsten Theorien gehören:
Behaviorismus: Diese Theorie betont die Bedeutung von Wiederholungen und Verstärkungen beim Lernen. Typisch für den Behaviorismus sind interaktive Tests oder Quizze, die sofortiges Feedback bieten, wie es häufig in CBT- und WBT-Formaten der Fall ist.
Kognitivismus: Der Kognitivismus legt den Fokus auf das Verstehen von Informationen. Im Blended Learning wird diese Theorie durch klare, strukturierte Inhalte unterstützt, die Lernende zur tiefergehenden Reflexion und Verinnerlichung anregen.
Konstruktivismus: Laut Konstruktivismus werden Lernprozesse am besten durch aktives Handeln und Problemlösen erreicht. Die Umsetzung im Blended Learning geschieht in Form von Gruppenprojekten oder Fallstudien in Präsenzphasen, bei denen das erlernte Wissen in praktischen Kontexten angewendet wird.
Klar ist schließlich: Trotz der Verschiebung ins Digitale sind die bekannten Theorien zum menschlichen Lernen immer noch gültig. Basierend darauf lassen sich auch moderne Mischformen möglichst effizient gestalten, zum Vorteil der Teilnehmenden.
Vor- und Nachteile von Blended Learning
Abschließend fassen wir für dich noch einmal alle Vor- und Nachteile des Blended Learnings zusammen. Denn auch die Schwächen der Lernmethode – so überschaubar sie auch wirken mögen – können je nach Situation ausschlaggebend sein.
Vorteile:
Flexibilität: Du kannst Inhalte oft in deinem eigenen Tempo online bearbeiten und dennoch von der persönlichen Interaktion in Präsenzphasen profitieren.
Effektiver Wissenstransfer: Die Mischung aus Theorie (Online-Phasen) und Praxis (Präsenzphasen) sorgt für einen ganzheitlichen Lernansatz.
Selbstbestimmtes Lernen: Durch den Einsatz von E-Learning-Elementen hast du die Möglichkeit, Inhalte dann zu bearbeiten, wann es dir am besten passt – das ist ideal, wenn du berufstätig bist.
Kosteneffizienz: Blended Learning reduziert Reisekosten und senkt den organisatorischen Aufwand für Präsenzveranstaltungen.
Nachteile:
Technische Hürden: Die Abhängigkeit von stabilen Internetverbindungen und die Notwendigkeit, technische Plattformen zu beherrschen, kann für manche Lernende problematisch sein.
Selbstdisziplin erforderlich: Da ein großer Teil des Lernens selbstgesteuert erfolgt, brauchst du ein hohes Maß an Selbstorganisation und Motivation.
Geringere soziale Interaktion: Besonders bei Modellen, die stark auf E-Learning setzen, kann die fehlende persönliche Interaktion als Nachteil empfunden werden.
Flexibel
Guter Wissenstransfer
Selbstbestimmt
Kosteneffizient
Technik
Selbstdisziplin
Wenig soziale Interaktion
Ob Blended Learning auch für dich eine gute Wahl ist, hängt somit von vielen Aspekten ab – vor allem deine persönlichen Präferenzen spielen eine Rolle. Erfahrungsgemäß ist das moderne Kombi-Lernen jedoch für viele Menschen eine überwiegend lohnenswerte Option, nicht zuletzt auch wegen der Parallelen zu Remote Work.
Fazit: Eine Lernmethode mit Zukunft
Blended Learning bietet dir eine hervorragende Möglichkeit, Lernen flexibel, effizient und zielgerichtet zu gestalten. Besonders im beruflichen Umfeld hilft es dir, Weiterbildung und berufliche Verpflichtungen in Einklang zu bringen. Die verschiedenen Formate schaffen Lösungen für unterschiedliche Bedürfnisse, sei es für Führungskräfte, Fachkräfte oder Neueinsteiger*innen.
Mit der richtigen Mischung aus Präsenz- und Online-Lernen lässt sich Wissen auf nachhaltige Weise verankern – perfekt angepasst an die Herausforderungen einer zunehmend digitalen Arbeitswelt.
FAQ – häufig gestellte Fragen
Was genau ist Blended Learning?
Blended Learning ist eine Lernform, die traditionelles Präsenzlernen und E-Learning kombiniert. Das bedeutet, dass Lernende teilweise im Klassenzimmer oder Seminarraum lernen und teilweise online oder mithilfe digitaler Tools Inhalte bearbeiten. Typischerweise werden theoretische Inhalte online (asynchron oder synchron) vermittelt, während praktische Übungen oder Diskussionen in Präsenz stattfinden. Dieses Konzept ermöglicht es, die Vorteile beider Lernmethoden zu vereinen, sodass du sowohl die Flexibilität des E-Learnings als auch die persönliche Interaktion in Präsenzphasen nutzen kannst.
Was ist der Unterschied zwischen Combined Learning und Blended Learning?
Combined Learning und Blended Learning werden oft synonym verwendet, allerdings liegt der Fokus bei Combined Learning stärker auf der gleichzeitigen Nutzung verschiedener Lernmethoden in einem Kurs oder Programm. Blended Learning betont hingegen den Wechsel zwischen Präsenz- und Online-Lernen. Während Combined Learning also mehrere Lernmethoden parallel einsetzen kann, strukturiert Blended Learning den Lernprozess oft durch aufeinanderfolgende Phasen, beispielsweise erst online, dann in Präsenz.
Ist hybrides Lernen dasselbe wie Blended Learning?
Hybrides Lernen und Blended Learning werden häufig verwechselt, sind aber nicht exakt dasselbe. Bei hybridem Lernen findet der Unterricht gleichzeitig für Präsenz- und Online-Lernende statt. Das heißt, einige Lernende sind vor Ort, während andere live per Videokonferenz zugeschaltet werden, wie es beispielsweise in immer mehr Uni-Hörsälen der Fall ist. Blended Learning trennt die Online- und Präsenzphasen zeitlich voneinander; es besteht also aus getrennten Modulen, die mal online, mal vor Ort stattfinden.
Was ist der Unterschied zwischen HyFlex und Blended Learning?
HyFlex (Hybrid Flexible Learning) bietet maximale Flexibilität, da Lernende entscheiden können, wie sie an den einzelnen Sitzungen teilnehmen – entweder vor Ort (Präsenz), online synchron (live) oder online asynchron (zeitversetzt). Bei HyFlex wird derselbe Kursinhalt für verschiedene Lernmodi angeboten. Blended Learning hingegen verfolgt einen festgelegten Plan, in dem die Lernphasen bewusst in Präsenz- und Online-Teile aufgeteilt werden. Im HyFlex-Modell hast du mehr Freiheit, deinen Lernmodus jederzeit zu wechseln, während Blended Learning auf eine klar strukturierte Abfolge setzt.
Was ist der Unterschied zwischen flexiblem Lernen und Blended Learning?
Flexibles Lernen ist ein weiter gefasster Begriff, der jegliche Form des Lernens umfasst, bei der du selbstbestimmt über den Lernprozess entscheiden kannst – zum Beispiel über den Zeitpunkt, die Geschwindigkeit oder den Lernort. Es kann komplett online, komplett in Präsenz oder eine Mischung sein. Blended Learning ist dagegen eine spezifische Form des flexiblen Lernens, die explizit die Kombination aus E-Learning und Präsenzlernen beinhaltet.
Worin unterscheidet sich Blended Learning vom Lernen im Klassenzimmer?
Der größte Unterschied ist die Einbindung digitaler Medien. Beim Lernen im Klassenzimmer findet der gesamte Lernprozess vor Ort in einer festgelegten zeitlichen Struktur statt. Blended Learning hingegen integriert Online-Phasen, die du oft flexibel und selbstgesteuert absolvieren kannst.
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