Bist du gerade im Bewerbungsprozess? Dann kennst du das sicher: stundenlanges Feilen am Anschreiben, Unterlagen sortieren, Design optimieren – und am Ende bleibt die Frage: Was zählt wirklich? Eine Stepstone-Umfrage unter 700 Recruiter*innen zeigt: Vieles, was früher Pflicht war, ist heute überholt. Karriereexpertin Lena Ludwig räumt mit fünf Bewerbungsmythen auf und gibt dir Tipps für eine Bewerbung, die wirklich überzeugt – ganz ohne unnötigen Aufwand.
Das Anschreiben gilt nach wie vor als Pflichtbestandteil vieler Bewerbungen – entsprechend groß ist die Unsicherheit, wenn es fehlt. Doch die Realität sieht anders aus: Nur gut die Hälfte der Unternehmen (55 Prozent) verlangt ein Anschreiben überhaupt – und lediglich 34 Prozent der Recruiter*innen stufen es als entscheidend ein. Trotzdem investieren viele Bewerbende viel Zeit in das Schreiben oder brechen sogar eine Bewerbung ab, wenn ein Anschreiben gefordert wird (14 Prozent). Lena Ludwig rät: „Ein Anschreiben ist nur dann sinnvoll, wenn es ausdrücklich verlangt wird – dann aber bitte kurz, konkret und auf die Stelle bezogen.“
Viele Unternehmen fordern eine „vollständige Bewerbung“ – doch was genau das heißt, bleibt oft unklar. Aus Unsicherheit schicken Bewerbende daher lieber zu viel als zu wenig: Schul- und Arbeitszeugnisse, Sprachzertifikate, Empfehlungsschreiben, Urkunden.
Dabei zeigt die Umfrage klar: Für 57 Prozent der Recruiter*innen sind Qualifikationen und Fähigkeiten das entscheidende Kriterium. Der Lebenslauf wird fast immer verlangt (88 Prozent), Referenzen empfinden 62 Prozent als hilfreich – aber nur 24 Prozent als wirklich entscheidend.
Ein durchgestyltes Design, Icons, Farben – viele glauben, so aus der Masse hervorzustechen. Doch in der Praxis legen Recruiter*innen wenig Wert auf Optik: Nur 24 Prozent bewerten das Layout als entscheidend. Viel wichtiger: eine klare Struktur und korrekte Sprache. 44 Prozent nennen fehlerfreie Rechtschreibung als ausschlaggebend. „Eine übersichtliche Bewerbung, in der Fähigkeiten und Erfahrungen klar erfassbar sind, macht meist einen besseren Eindruck als eine grafisch anspruchsvolle“, sagt Ludwig.
Ein namhafter Arbeitgeber im Lebenslauf – für viele ein Pluspunkt. Doch Recruiter*innen sehen das differenziert: Nur 21 Prozent halten prominente Arbeitgeber für entscheidend, 25 Prozent sogar für gar nicht wichtig.
Deutlich wichtiger sind laut Umfrage andere Faktoren: Kommunikation (59 Prozent) und die Passung zur Stelle (57 Prozent). „Wer konkrete Erfolge und belegbare Erfahrungen beschreibt, überzeugt in der Regel stärker als ein prominenter Name“, erklärt Ludwig.
Ob TikTok oder YouTube – Videoformate boomen. Doch im Recruiting-Alltag spielen Bewerbungsvideos kaum eine Rolle. Nur 7 Prozent der Unternehmen fordern sie tatsächlich an. Gleichzeitig geben 16 Prozent der Bewerbenden an, schon einmal eine Bewerbung abgebrochen zu haben, weil ein Video verlangt wurde. „Bewerbungsvideos sollten nur dann eingesetzt werden, wenn sie ausdrücklich gefordert werden oder zur Branche passen – etwa in der Kreativwirtschaft“, sagt Ludwig.
Bewerbungen sind heute weniger formelhaft als früher – und das ist eine Chance. Wer sich von überholten Bewerbungsmythen löst, spart Zeit und überzeugt mit dem, was wirklich zählt: Struktur, Klarheit, passende Erfahrungen. Gerade bei einer beruflichen Veränderung oder einem häufigen Jobwechsel lohnt es sich, sich auf Inhalte, statt Äußerlichkeiten zu konzentrieren.
Und was bedeutet eigentlich eine „vollständige Bewerbung“? In den meisten Fällen meint das: ein gut strukturierter Lebenslauf und relevante Nachweise – mehr nicht. Wenn du unsicher bist, was genau erwartet wird, frag ruhig nach. Nachfragen ist besser als raten – besonders wenn es um deine Zukunft geht.
Zu den gängigsten Mythen gehören: Ein perfektes Anschreiben ist Pflicht, je mehr Unterlagen desto besser, das Layout entscheidet, prominente Arbeitgebernamen helfen immer und Bewerbungsvideos sind ein Muss.
Nein. Nur wenn es ausdrücklich verlangt wird – dann sollte es individuell, konkret und kurz gehalten sein.
Ein strukturierter Lebenslauf und relevante Nachweise. Zeugnisse, Zertifikate oder Referenzen nur dann, wenn sie für die ausgeschriebene Stelle relevant sind.
Ein klares Layout mit guter Lesbarkeit ist wichtiger als ein kreatives Design. Rechtschreibung und Struktur zählen mehr als Optik.
Nein – konkrete Erfolge und die Passung zur Stelle wiegen deutlich schwerer.
Nur, wenn es ausdrücklich gefordert wird oder im kreativen Bereich üblich ist. In den meisten Fällen ist es nicht notwendig.
Ehrlich und strukturiert. Zeigen Sie, was Sie aus jeder Station gelernt haben – ein übersichtlicher Lebenslauf mit klaren Erklärungen wirkt oft überzeugender als ein lückenloser Lebenslauf mit bekannten Namen.
Disclaimer: Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft. Die in diesem Artikel veröffentlichten Rechtsgrundlagen wurden sorgfältig zusammengestellt, erheben aber keinen Anspruch auf Aktualität, sachliche Richtigkeit oder Vollständigkeit; eine entsprechende Gewähr wird nicht übernommen. Insbesondere übernimmt The Stepstone Group Deutschland GmbH keinerlei Haftung für eventuelle Schäden oder Konsequenzen, die durch die direkte oder indirekte Nutzung der bereitgestellten Inhalte entstehen.
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