Im digitalen Zeitalter, in dem Lebensläufe per E-Mail verschickt und Bewerbungen über Online-Plattformen hochgeladen werden, klingt der Begriff „handschriftlicher Lebenslauf“ fast altmodisch. Doch in bestimmten Bereichen wird er nach wie vor angefragt und kann wertvolle Einblicke in die Persönlichkeit eines Bewerbers geben.
In diesem Artikel erfährst du, was genau ein handschriftlicher Lebenslauf ist, wann er benötigt wird und welche Besonderheiten bei der Erstellung zu beachten sind.
Inhalt
Das Wichtigste in KürzeWas ist ein handschriftlicher Lebenslauf?Aufbau: Struktur und FormTipps & typische FehlerWann verzichtenFazitFAQ
Das Wichtigste in Kürze
Versende einen handschriftlichen Lebenslauf nur dann, wenn er ausdrücklich verlangt wird oder zum Arbeitgeber/der Branche passt. Andernfalls ist der getippte digitale CV immer die bessere Wahl.
Halte dich an eine Seite mit klaren Absätzen und gut lesbarer Schrift; Druckschrift ist erlaubt, solange sie konsistent ist und eine angenehme Größe hat.
Nutze dokumentenechte blaue oder schwarze Tinte auf glattem, weißem A4-Papier (80 bis 100 g/m²) und verzichte auf Korrekturlack; schreibe ruhig, mit geraden Zeilen und ausreichend Rändern.
Digitalisiere professionell: 300 dpi, Export als PDF, bei blauer Tinte in Farbe und bei schwarzer Tinte in Graustufen drucken, richtig ausgerichtet und idealerweise unter 2 MB.
Reiche immer zusätzlich einen getippten, maschinenlesbaren Lebenslauf ein und sorge dafür, dass Daten und Schreibweisen in beiden Versionen übereinstimmen.
Was ist ein handschriftlicher Lebenslauf?
Ein handschriftlicher Lebenslauf ist – wie der Name schon sagt – eine Aufzeichnung deines beruflichen Werdegangs, die nicht am Computer erstellt wird, sondern von Hand geschrieben ist.
Diese Form des Lebenslaufs kommt in der Regel nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu einem maschinengeschriebenen Lebenslauf zum Einsatz. Der Aufbau orientiert sich dabei weitgehend an den üblichen Strukturen eines Lebenslaufs: Er enthält persönliche Daten, Angaben zur schulischen und beruflichen Ausbildung sowie relevante Berufserfahrungen und Qualifikationen.
Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass du den gesamten Text selbst und von Hand verfasst. Es geht also nicht um ein kurzes, formloses Schreiben, sondern um ein vollständiges Dokument, das deinen Lebenslauf darstellt.
Warum verlangen manche Arbeitgeber einen handschriftlichen Lebenslauf?
Die Anforderung eines handschriftlichen Lebenslaufs ist heute selten, findet sich aber noch in bestimmten Branchen oder Situationen.
Besonders im öffentlichen Dienst, bei Bewerbungen im pädagogischen Bereich oder bei Behörden kann es vorkommen, dass ein handschriftlicher Lebenslauf angefragt wird.
In einigen Fällen wird er im Rahmen von psychologischen Eignungstests oder Assessment-Centern gefordert.
Aber warum eigentlich – was ist der Zweck dahinter? Die Erklärung: Die Handschrift eines Menschen kann viel über seine Persönlichkeit aussagen. Personalverantwortliche, Psychologen oder Grafologen können anhand der Schriftzüge und des Schreibstils Rückschlüsse auf Eigenschaften wie Sorgfalt, Selbstdisziplin, Kreativität oder Stressresistenz ziehen. Auch wenn solche Methoden heute umstritten sind, halten einige Unternehmen und Institutionen weiterhin an dieser Praxis fest.
Aufbau eines handschriftlichen Lebenslaufs: Struktur und Form
Auch wenn der handschriftliche Lebenslauf im Wesentlichen die gleichen Informationen enthält wie der maschinengeschriebene, gibt es einige Punkte, auf die du besonders achten solltest:
Einleitung und Form: Der handschriftliche Lebenslauf wird oft in Form eines Fließtextes verfasst. Er ist also nicht wie der übliche tabellarische Lebenslauf strukturiert, sondern in vollständigen Sätzen geschrieben. Der Lebenslauf beginnt mit einer kurzen Einleitung, in der du dich vorstellst und den Zweck des Schreibens erläuterst. Beispiel: „Mein Name ist Lisa Meier, ich wurde am 10. Oktober 1990 in München geboren und bewerbe mich hiermit auf die ausgeschriebene Stelle als Erzieherin. Im Folgenden möchte ich meinen beruflichen Werdegang und meine Qualifikationen darstellen.“
Chronologie: Im Unterschied zum tabellarischen Lebenslauf, der oft mit den neuesten Stationen beginnt (antichronologisch), ist der handschriftliche Lebenslauf meist chronologisch aufgebaut. Du beginnst also bei deiner Schulausbildung und arbeitest dich Schritt für Schritt bis zu deinem aktuellen beruflichen Stand vor.
Persönlicher Ton: Ein handschriftlicher Lebenslauf bietet dir die Möglichkeit, etwas individueller und persönlicher zu schreiben. Du kannst stärker auf deine eigenen Beweggründe eingehen und deine Karriereentscheidungen erläutern. Dennoch bleibt der Stil sachlich und strukturiert – emotionaler als ein tabellarischer Lebenslauf, aber nicht zu informell.
Papier und Formatierung: Das Papier, auf dem du schreibst, spielt eine große Rolle. Verwende sauberes, hochwertiges, weißes Papier – am besten unliniert – und sorge dafür, dass deine Schrift leserlich und ordentlich ist. Deine Handschrift sollte gleichmäßig und ruhig wirken, um Sorgfalt und Professionalität auszudrücken. Fehler oder Korrekturen solltest du unbedingt vermeiden.
Länge und Umfang: Dein handschriftlicher Lebenslauf sollte kompakt und auf den Punkt gebracht sein. In der Regel reicht eine Seite, maximal zwei Seiten aus. Da ein handgeschriebenes Dokument länger dauert als ein maschinengeschriebenes, ist es wichtig, deine Informationen klar zu strukturieren und das Wesentliche hervorzuheben.
Da Korrekturen und Anpassungen am Computer einfacher möglich sind, empfehlen wir sogar, den Lebenslauf zuerst digital zu verfassen und zu finalisieren. Danach musst du die fertige Version nur noch händisch abschreiben. Das hat außerdem den Vorteil, dass du dich nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren musst, sondern nur noch auf ein ansprechendes Schriftbild.
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Tipps für das Schreiben eines handschriftlichen Lebenslaufs - typische Fehler vermeiden
Damit dein handschriftlicher Lebenslauf professionell und ordentlich wirkt, gibt es einige Dinge, die du beachten solltest:
Gut lesbare Schrift: Achte darauf, dass deine Handschrift deutlich und gut lesbar ist. Vermeide es, zu klein oder zu schnell zu schreiben. Eine gleichmäßige Schrift macht einen guten Eindruck und signalisiert Sorgfalt.
Farbwahl – blaue oder schwarze Schrift? Blau wirkt authentisch und betont die Originalität der Handschrift. Schwarz ist genauso professionell und oft scanfreundlicher; wichtiger als die Farbe sind Einheitlichkeit und dokumentenechte, nicht schmierende Tinte.
Keine Korrekturen oder Tipp-Ex: Versuche, Korrekturen zu vermeiden. Ein durchgestrichenes Wort oder Tipp-Ex kann unordentlich wirken. Wenn dir ein größerer Fehler unterläuft, schreibe die Seite lieber neu. So zeigst du Genauigkeit und Geduld.
Korrekte Rechtschreibung und Grammatik: Grammatik- und Rechtschreibfehler sollten in einem handschriftlichen Lebenslauf genauso wenig vorkommen wie in einem digitalen. Lies deinen Text gründlich durch und achte darauf, dass alle Sätze grammatikalisch korrekt und frei von Fehlern sind.
Das richtige Papier wählen: Verwende hochwertiges Papier. Weißes, glattes und unliniertes Papier wirkt professionell und ordentlich. Achte darauf, dass du das Papier sauber hältst und keine Flecken oder Knicke darauf entstehen.
Plane genügend Zeit ein: Einen handschriftlichen Lebenslauf zu erstellen, nimmt mehr Zeit in Anspruch als die digitale Version. Plane deshalb ausreichend Zeit ein, damit du den Lebenslauf ohne Hektik und mit der nötigen Sorgfalt schreiben kannst.
Inhaltlich ändert sich also nichts im Vergleich zum per Tastatur geschriebenen Lebenslauf; das Schreiben an sich erfordert mit der Hand allerdings mehr Mühe und Konzentration.
Kann ich einen handschriftlichen Lebenslauf auch einscannen und online verschicken?
Ja – und oft musst du das sogar. Nämlich dann, wenn du den Lebenslauf online übermitteln willst, etwa per Mail oder Bewerbungsportal (ATS – Applicant Tracking System). Für diesen Zweck muss der handschriftliche Lebenslauf die Papierform verlassen.
Die empfohlene Methode ist das Scannen. Die Auflösung sollte mindestens 300 ppi betragen.
Das ist theoretisch sogar mit einer guten Smartphone-Kamera möglich. Wir empfehlen dafür aber nicht die Kamera-App, sondern spezielle Scan-Apps. Diese bieten wichtige Features wie automatisches Zuschneiden und Perspektiv-Korrektur.
Die sichere Alternative zur App-Nutzung ist der Besuch im Copy Shop, da dort hochwertige Scans mit professioneller Hardware möglich sind.
So oder so: Das Zielformat des Scans ist ein PDF, in dem alle Lebenslauf-Seiten zusammengefasst sind. Die Datei sollte insgesamt nicht größer als 3 MB sein; dies hängt im Detail aber von der Art der Übermittlung ab. Bei Bedarf kannst du eine (möglichst verlustarme) PDF-Komprimierung durchführen, um die Dateigröße zu verringern.
Sieht der Scan sauber und gut lesbar aus, ohne Störfaktoren wie verblasste Linien oder schwammige Ränder, ist der Lebenslauf ready to go. Gib der Datei abschließend einen sachlichen, erklärenden Namen wie „Lebenslauf_Mustermann_Max_September_2025“ – danach kannst du sie mit gutem Gewissen versenden.
Wichtig: Zur Kontrolle solltest du das Dokument zunächst an dich selbst schicken und öffnen. Auf diese Weise siehst du den Scan aus Sicht eines Empfängers und kannst mögliche Fehler noch korrigieren.
Weitere Tipps und Infos zu Bewerbungsunterlagen im PDF-Format findest du in unserem Artikel „Bewerbungsunterlagen als PDF speichern und verschicken – so geht’s!“.
Wann solltest du auf einen handschriftlichen Lebenslauf verzichten?
Auch wenn der handschriftliche Lebenslauf manchmal explizit angefordert wird, gibt es Situationen, in denen du ihn lieber vermeiden solltest.
In Berufen, die stark auf Digitalisierung oder technologische Fertigkeiten setzen, könnte ein handschriftlicher Lebenslauf unangebracht wirken.
Ebenso sollten moderne, kreative Branchen oder Unternehmen, die großen Wert auf Innovation und digitale Kompetenzen legen, keinen handschriftlichen Lebenslauf von dir erhalten – es sei denn, dies wird ausdrücklich verlangt.
Im Zweifel gilt: Wenn explizit nach einem handschriftlichen Lebenslauf gefragt wird, solltest du ihn anfertigen. Wenn nicht, ist die digitale Bewerbung die sicherere und modernere Wahl.
Mein Tipp: Prüfe vorab, was das jeweilige Unternehmen für den Bewerbungsprozess vorgibt. Viele Unternehmen bitten beispielsweise explizit um eine Bewerbung über ihrStellenportal, dann sollte man das auch respektieren.Als Bewerberin würde ich auf einen handschriftlichen Lebenslauf setzen, wenn in der Stellenanzeige danach verlangt wird.Wer sich dann die Zeit nimmt, ihn sorgfältig und fehlerfrei zu verfassen, hinterlässt einen bleibenden Eindruck.
- Lara Kieninger, Karriere-Expertin und Personalerin bei Stepstone
Lara Kieninger
Lara Kieninger ist Senior Talent Acquistion Manager bei Stepstone und unterstützt seit Juni 2021 verschiedene Fachbereiche dabei, das "Perfect Match” für ihre Teams zu finden und den Bewerbungsprozess optimal zu gestalten. Als erfahrende Personalerin stand sie im Laufe ihrer Karriere sowohl verschiedenen Unternehmen als auch zahlreichen Arbeitssuchenden und Bewerber*innen beratend zur Seite. Was sind NoGos im Lebenslauf? Wie verändert KI unseren Bewerbungsprozess und welche Tipps & Tricks gibt es bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch? Lara Kieninger weiß Antwort. Als Expertin und Gastautorin für das Stepstone Magazin “about work” hat sie die Trends und Entwicklungen der Arbeitswelt genau im Blick und hilft mit ihren wertvollen Insights allen Leser*innen dabei, sich in der ständig wandelnden Job-Landschaft zurechtzufinden. Zu Laras Themenschwerpunkte gehören unter anderem die Themen Gehalt, Anschreiben & Lebenslauf, Vorstellungsgespräche sowie Diversity & Inklusion.
Fazit: Handschriftlicher Lebenslauf als Pluspunkt – aber nur bei guter Umsetzung
Ein handschriftlicher Lebenslauf kann Persönlichkeit zeigen, sollte aber nur genutzt werden, wenn er ausdrücklich verlangt wird oder zum Arbeitgeber passt. Ausschlaggebend sind Lesbarkeit und Sorgfalt: Achte auf kompakte Form, klare Absätze, konsistente Schrift und dokumentenechte blaue oder schwarze Tinte. Soll der Lebenslauf anschließend noch digitalisiert werden, ist ein hochwertiger Scan Pflicht.
Gelingt es dir, all diese Punkte umzusetzen, vermittelst du mit dem handgeschriebenen Lebenslauf einen individuellen, stilvollen Eindruck.
FAQs – häufig gestellte Fragen
Darf ich Druckschrift statt Schreibschrift verwenden?
Ja, denn entscheidend ist alleine die Lesbarkeit. Nutze eine ruhige, gleichmäßige Druckschrift und bleibe konsistent; vermeide Mischformen innerhalb eines Wortes. Etwas größere Buchstaben (Höhe ca. 3 bis 4 mm) und klare Abstände erhöhen die Professionalität.
Ist ein handschriftlicher Lebenslauf ATS-/OCR-tauglich?
Nur eingeschränkt, da viele Systeme Handschrift kaum zuverlässig erkennen. Reiche bei der Online-Übermittlung deshalb immer zusätzlich einen getippten, maschinenlesbaren CV ein und fülle Portal-Felder strukturiert aus.
Soll ich den handgeschriebenen Lebenslauf in Farbe oder Graustufen scannen?
Das hängt von der Wahl deiner Schriftfarbe ab: Blaue Tinte wirkt in Farbe authentisch, schwarze Tinte ist in Graustufen meist perfekt lesbar und platzsparend. Vermeide hartes Schwarz-Weiß (binär) und halte 300 dpi als Minimum ein.
Welche typischen Fehler gibt es bei handschriftlichen Lebensläufen?
Häufig sind schiefe Zeilen, zu kleine Schrift, schmierende Tinte, durchblutendes Papier sowie verwechselbare Zeichen (Klassiker sind O/0 und l/1). Abhilfe schaffen Leerraster, eine ausreichende Höhe, schnelltrocknende dokumentenechte Tinte und glattes A4-Papier (mit 80 bis 100 g/m²).
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