Hast du eine Einladung zum Assessment-Center bekommen und spürst ein unangenehmes Flattern in der Magengrube? Keine Sorge. Mit etwas Vorbereitung kannst du diese Gelegenheit nutzen, um einen starken Eindruck zu hinterlassen. Hier erfährst du, wie ein Assessment-Center aussehen kann, welche Übungen häufig dazugehören und wie du dich am besten vorbereitest.
Wenn du dich schon einmal bei einem großen oder renommierten Unternehmen beworben hast, kommt dir das vielleicht bekannt vor: Deine Unterlagen haben überzeugt – plötzlich blinkt eine Einladung zu einem Assessment-Center in deinem E-Mail-Postfach. Was nun?
Assessment-Center sind eine beliebte Methode, um deine Kompetenzen, deine Persönlichkeit und deine Soft Skills genau unter die Lupe zu nehmen. „To assess“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „beurteilen“. In einem intensiven Auswahlerfahren, oft von externen Berater*innen durchgeführt, absolvierst du mehrere Übungen, hältst Präsentationen und erledigst Aufgaben im Team und allein. Dieser Parcours, der auch mehrere Tage dauern kann, soll zeigen, wo deine Stärken liegen, wie du mit Herausforderungen umgehst und ob du zur Unternehmenskultur passt.
Im Fokus stehen insbesondere:
Für die einen ist es eine Bühne, auf der sie zeigen können, was in ihnen steckt. Für die anderen klingt die Vorstellung, beurteilt zu werden, nach blankem Horror. Um deine eventuellen Sorgen ein bisschen zu dämpfen: Perfektion wird nicht erwartet.
Engagement ist viel wichtiger. Unternehmen suchen in der Regel nicht nach fehlerfreien Maschinen, sondern nach Persönlichkeiten. Sie wollen dich kennenlernen und in Aktion erleben. Dafür wirst du mit verschiedenen Aufgaben konfrontiert – und zwar unter Zeitdruck. Die Zeit ist meist extra knapp bemessen, damit die Prüfer*innen sehen, wie du mit Stress umgehst, wie du unter Druck arbeitest und wie du Aufgaben priorisierst.
Du solltest auf jeden Fall authentisch bleiben. Es geht nicht unbedingt darum, sich „gut zu verkaufen“, viel wichtiger ist, dass du dich realistisch einschätzen kannst und dich auf die Aufgaben einlässt.
Deshalb: Keine Sorge bei Fehlern. Fehler passieren allen, und das wissen auch deine zukünftigen Vorgesetzten. Wichtiger ist, wie du mit ihnen umgehst: Ob du offen für Feedback bist und ob du trotzdem das Beste aus der knappen Zeit machen kannst.
Ein Assessment-Center kann mehrere Stunden bis hin zu mehreren Tagen dauern und umfasst in der Regel folgende Phasen:
Bei dieser Übung musst du innerhalb kurzer Zeit eine Vielzahl von E-Mails oder Aufgaben bearbeiten und priorisieren. Ziel ist es, deine Fähigkeit zur Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung unter Zeitdruck zu testen.
Tipps:
Übe das schnelle Lesen und Priorisieren von Informationen.
Setze klare Kriterien für die Dringlichkeit von Aufgaben.
Achte darauf, keine wichtigen Details zu übersehen.
In dieser Übung diskutierst du gemeinsam mit anderen Bewerber*innen ein vorgegebenes Thema. Dabei wird deine Kommunikationsfähigkeit, Teamarbeit und Konfliktlösungskompetenz bewertet.
Tipps:
Höre aktiv zu und respektiere die Meinungen anderer.
Bringe eigene Ideen ein, ohne andere zu unterbrechen.
Achte auf eine ausgewogene Gesprächsführung.
Hier schlüpfst du in eine vorgegebene Rolle und musst eine Situation nachstellen, beispielsweise ein Verkaufsgespräch oder ein Konfliktgespräch.
Tipps:
Bleibe authentisch und handele im Sinne deiner Rolle.
Reagiere flexibel auf unerwartete Wendungen.
Zeige Empathie und Verständnis für die andere Person.
Du erhältst ein Thema und musst dieses innerhalb kurzer Zeit vorbereiten und präsentieren.
Tipps:
Strukturiere deine Präsentation klar und logisch.
Nutze visuelle Hilfsmittel, um deine Aussagen zu unterstützen.
Übe deine Präsentation im Vorfeld, um sicher und überzeugend aufzutreten.
Name der Übung | Aufgabenbeschreibung | Ziel & Dauer | Beispiele & Tipps |
|---|---|---|---|
Interview | Klassisches Vorstellungsgespräch: Fragen zu deiner Person, deinem Lebenslauf bzw. deinen beruflichen Zielen | Kennenlernen (15-45 Min.) | Fragen zu bisherigen Anstellungen, zu Karrierezielen, Ausbildungen, Grund für Jobwechsel etc. Tipp: Überlege dir welche Skills für den neuen Job wichtig sind. |
Rollenspiel | Mittels vergebener Rollen werden Gespräche zwischen den Kandidat*innen und den AC-Beurteiler*innen simuliert. | Austesten, ob du verschiedene Rollen einnehmen kannst, auch wenn diese schwierig sind. (0,5-2 Std.) | Kundenbeschwerden, Verkaufsgespräche, Konfliktgespräche, Verhandlungen Tipp: Lass dich auf das Spiel ein. Versetz dich in deine Rolle! |
Postkorbübung | ca. 15 bis 20 To Dos unter Zeitdruck erledigen & priorisieren. | Stressresistenz, Schnelligkeit und Entscheidungsfähigkeit testen (20-60 Min.) | Planen von Terminkalendern, Priorisieren von Aufgaben etc. Tipp: Treffe notwendige Annahmen. Ordne die Aufgaben nach Dringlichkeit. |
Aufsatz | Text zu einem vorgegebenen Thema verfassen. | Testen von sprachlicher und analytischer Kompetenz (10-60 Min.) | Motivationsschreiben für die Stelle, berufsbezogene Themen oder allgemeine Themen wie Politik Tipp: Denk an den roten Faden & eine gute Struktur |
Name der Übung | Aufgabe | Ziel & Dauer | Beispiel & Tipp |
|---|---|---|---|
Gruppendiskussion | Diskussion zu einem vorgegebenen Thema, um in der Gruppe die beste Lösung für ein Problem zu finden. | Testet die Argumentations- & Kommunikationsfähigkeit (15-45 Min.) | Durch eine Pro- & Contra Liste einen gemeinsamen Standpunkt zu einem Problem festlegen. Tipp: Es geht um die soziale Kompetenz (Teamplayer, klare Kommunikation) |
Unternehmensplanspiel | Praxissimulation: Setze dein Fachwissen ein, um Entscheidungen für ein wirklichkeitsbezogenes Projekt zu treffen. | Testet die Methodenkompetenz (mind. 1 Std.) | Börsenplanspiele, Unternehmensplanspiele aus dem kaufmännischen Bereich. Tipp: Erörtert Wirkungsbereiche / Teilaspekte und verteilt Aufgaben in der Gruppe. |
Konstruktionsübung | Erarbeite eine Lösung für ein Problem in der Gruppe. | Testet methodisches Vorgehen und Zusammenarbeit (20-60 Min.) | Objekt aus Papier anfertigen, etwas mit anderen Materialien nachbauen. Tipp: Sprecht in der Gruppe verschiedene Ansätze. |
Eine gründliche Vorbereitung ist entscheidend für den Erfolg im Assessment-Center. Hier einige praktische Tipps:
Selbstpräsentation üben: Bereite eine authentische Vorstellung deiner Person vor und übe diese regelmäßig.
Unternehmensrecherche: Informiere dich umfassend über das Unternehmen, bei dem du dich bewirbst.
Kleidung: Wähle ein Outfit, das zum Unternehmen passt und in dem du dich wohlfühlst.
Pünktlichkeit: Sei rechtzeitig am Veranstaltungsort, um einen guten Eindruck zu hinterlassen.
Gelassenheit bewahren: Auch bei Fehlern ruhig bleiben und aus der Situation lernen.
Zu den Schlüsselqualifikationen, die im Assessment-Center bewertet werden, gehören neben Fachwissen vor allem Soft Skills und soziale Kompetenzen. Es geht nicht unbedingt darum, in allem der oder die Beste zu sein, sondern darum, Initiative und Einsatz zu zeigen. Sei offen für Feedback und nimm es nicht so schwer, wenn etwas nicht klappt. Nutze jede Übung, um deine Stärken zu zeigen, aber auch um aus jeder Interaktion zu lernen – und lass das Ganze am Ende nochmal in Ruhe Revue passieren.
Denk daran: Auch du bist da, um das Unternehmen kennenzulernen. Passt es zu deinen Werten und Zielen? Hast du wirklich Lust auf diese Stelle? Das Assessment-Center wird dir definitiv helfen, das herauszufinden. Selbst wenn es nicht sofort mit der Stelle klappt, sammelst du wichtige Erfahrungen – und knüpfst Kontakte, was dir in Zukunft vielleicht zu einem deutlich besseren Job verhilft.
Ein Assessment-Center ist ein strukturiertes Auswahlverfahren, bei dem Bewerber*innen verschiedene Übungen und Aufgaben absolvieren, um ihre Eignung für eine bestimmte Position zu prüfen.
Der Ablauf kann variieren, umfasst jedoch in der Regel Einzelübungen, Gruppendiskussionen, Rollenspiele und Interviews.
Du musst verschiedene Aufgaben erfüllen, die auf die Anforderungen der Stelle zugeschnitten sind, wie Team- und Einzelübungen sowie Aufgaben, die auch in deinem zukünftigen Job vorkommen könnten.
Die Kleidung sollte angemessen sein und zum Job passen – also am besten entweder Business-Stil oder „smart casual“. Für das Assessment-Center gelten hier die gleichen Regeln wie für die Wahl des Outfits beim Vorstellungsgespräch: Geht es beispielsweise um eine Bewerbung bei einem traditionellen Familienkonzern, darf auch die Kleidung etwas konservativer ausfallen.
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