Viele Menschen arbeiten häufig oder sogar ausschließlich aus dem Home-Office. Da ist die Verlockung groß, es mit der Kleidung nicht allzu ernst zu nehmen. Erfahr hier, warum Jogginghose und Wohlfühl-Shirt keine dauerhaft empfehlenswerte Lösung sind.
Ein selbst auferlegter Dresscode im Home-Office lohnt sich. Denn Kleider machen eben doch Leute – und das nicht nur in den Augen anderer. Zwei Psychologen der Northwestern University in Evanston, Illinois untersuchten, ob die Wahl der Kleidung sich auf die Leistungsfähigkeit der Träger*innen auswirkt. Das Experiment kam zu einem klaren Ergebnis: Ja!
Die Aufmerksamkeit und die Leistung der Proband*innen verbesserten sich, wenn sie einen Laborkittel trugen. Wurde dieser Laborkittel als Arztkittel bezeichnet, steigerten sich die Kennwerte sogar noch stärker. Wurde der Kittel hingegen als Malerkittel bezeichnet, bemerkten die Forscher im Vergleich zu kittellosen Proband*innen zwar ebenfalls eine Steigerung – diese war jedoch geringer als bei den beiden Vergleichsgruppen.
Das Forschungsteam ermittelte zwei Ursachen, die für diesen Effekt verantwortlich sind: die symbolische Bedeutung der Kleidung und die körperliche Erfahrung des Tragens. Beides wirkt sich auf das Selbstverständnis und das Selbstvertrauen aus und macht eine Person im besten Fall leistungsfähiger.
Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass du im Home-Office einen Arztkittel tragen solltest – aber es lohnt sich, die Kleidung bewusst und anlassbezogen zu wählen.
Im Home-Office steht die Kleidung weniger im Fokus, weil du in der Regel niemandem von der Arbeit begegnest – im Gegensatz zum Büro oder zu Terminen bei Kunden. Gerade deshalb musst du selbst darauf achten, dass du dich nicht zu sehr gehen lässt. Denn wie das psychologische Forschungsteam nachgewiesen hat, hat deine Kleidung Einfluss auf deine Arbeit.
Dabei gilt es immer abzuwägen: Arbeitest du zum Beispiel für dich allein an einer Aufgabe, ist es durchaus legitim, auch mal Wohlfühlkleidung zu tragen. Wenn du entspannt bist, kannst du vor allem gut kreativ arbeiten.
Achte aber darauf, dass du dich gepflegt fühlst und deine Kleidung ordentlich und frisch ist. Leg auch immer mal wieder Tage ein, an denen du bewusst ein besonderes Kleidungsstück trägst, etwa ein frisch gebügeltes Hemd oder eine Stoffhose. So wertest du dich, dein Körpergefühl und deine Leistungsfähigkeit auf – und sorgst allein mit deiner Kleidung im Home-Office für mehr Produktivität.
Auch die Wirkung eines Outfits auf andere – und sei es nur im Videocall – ist nicht zu unterschätzen. Das äußere Erscheinungsbild sagt sehr viel über die eigene Persönlichkeit. Ein Umstand, den du gezielt steuern kannst, um so Gesprächspartner*innen ein bestimmtes Bild von dir zu vermitteln.
Trittst du bei einem spontanen Call mit Kund*innen im Schlafanzug mit ungewaschenen, ungekämmten Haaren vor die Kamera, hält dein Gegenüber dich womöglich automatisch für eine antriebslose oder nachlässige Person. Wer gepflegt und ordentlich gekleidet ist, vermittelt hingegen den Eindruck, sein Leben im Griff zu haben.
Mit der Farbe deiner Kleidung drückst du ebenfalls aus, dass du über bestimmte Eigenschaften verfügst. Dunkle Farben wirken besonders seriös und kompetent. Ein dunkles Blau signalisiert zudem Hilfsbereitschaft, da diese Farbe üblicherweise von Einsatzkräften der Polizei oder des Technischen Hilfswerks getragen wird.
Besonders wenn du regelmäßig an Videokonferenzen teilnimmst oder Telefonate führst, solltest du auf eine gewisse Seriosität bei der Kleiderwahl achten. Denn auch wenn du gar nicht oder nur wenig zu sehen bist, klingt deine Stimme und wirkt dein Ausdruck je nach Kleidungsstil anders. Bist du leger angezogen, klingst du eher locker. Trägst du Business-Kleidung, wirkst du deutlich seriöser.
Welche Kleidung du im Home-Office für Videocalls oder Telefongespräche wählen solltest, hängt nicht nur vom Teilnehmerkreis ab, sondern auch vom Thema des Gesprächs. Je wichtiger du das Meeting einschätzt, umso mehr sollte deine Kleidung Business statt Casual ausdrücken. Was genau dahintersteckt, erfährst du jetzt.
Dieser Dresscode wird im Home-Office wahrscheinlich nur in den seltensten Fällen nötig sein: etwa, wenn du bei einer Bank oder Versicherung arbeitest oder möglicherweise, wenn du mit der Geschäftsleitung sprichst.
Dann sind Anzug und Krawatte, ein klassischer Hosenanzug oder auch ein Kostüm die erste Wahl – selbstredend in dezenten Farben, vorzugsweise Schwarz und Weiß. Passend dazu trägst du saubere und geschlossene Schuhe und zum Anzug einen schlichten Gürtel.
Für die meisten Situationen und Unternehmen eignet sich auch im Home-Office Kleidung, die dem Dresscode Business Casual folgt. Ihr Hauptmerkmal: Die Bekleidung wirkt formell und geschäftlich, lässt aber mehr Variationsspielraum. Hier dürfen Hosen, Kleider und Röcke mit verschiedenen Oberteilen kombiniert werden und die Farbwahl kann abwechslungsreicher ausfallen. Von schrillen Farbtönen ist aber abzuraten.
Röcke und Kleider sollten die Oberschenkel vollständig bedecken, das gilt auch für kurze Hosen – sofern kurze Hosen in deinem Unternehmen erlaubt sind. Denn das ist noch immer nicht selbstverständlich.
Poloshirts, langärmelige Blusen, Strick-, Baumwoll- oder Kaschmirpullover, Twinsets, Sakko über dem krawattenlosen Hemd – die Kombinationsmöglichkeiten beim Dresscode Business Casual sind vielfältig. Aber setz Business Casual nicht mit einem Freizeit- oder reinem Casual-Look gleich. Das heißt: Tank Tops, tiefe Ausschnitte, Oversized Shirts und dergleichen sind tabu.
Bei besonders hohen Temperaturen im Sommer empfehlen sich leichte Stoffe wie Baumwolle (speziell Chino-Twill) oder Leinen (Achtung: Knittergefahr!).
Schuhe sollten im Home-Office in erster Linie bequem sein, damit du entspannt arbeiten kannst. Du kannst sie auch weglassen oder (im Winter) dicke Kuschelsocken tragen, sofern deine Füße nicht im Videomeeting zu sehen sind.
Ein Vorstellungsgespräch gehört zu den wichtigsten Terminen im Berufsleben. Deshalb solltest du dir im Vorfeld Gedanken darüber machen, was du anziehen möchtest. Das gilt natürlich auch dann, wenn das Bewerbungsgespräch online oder telefonisch stattfindet.
Da der erste Eindruck bekanntlich zählt, beachte folgende Faustregel: Bewirbst du dich in einer Branche mit strengen Vorgaben für die Kleiderordnung, mach keine Experimente. Halt dich von Kopf bis Fuß an den engen Rahmen des Dresscodes Business. Bei Branchen mit tendenziell lockerer Kleiderordnung orientier dich am Dresscode Business Casual, um nicht overdressed zu wirken.
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