Ein Job auf einer Offshore-Plattform ist eine große Herausforderung. Mehrwöchiger Schichtbetrieb, kaum Privatsphäre, harte körperliche Arbeit, eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten – dafür wird auf einer Bohrinsel oft ein beachtliches Gehalt gezahlt. Außerdem gibt es dort eine größere Vielfalt an Jobs, als viele denken würden. Nicht nur Menschen in technischen Berufen sind auf einer Plattform gefragt, um den Betrieb am Laufen zu halten.
Zunächst eine kurze Begriffsklärung: Unter dem, was landläufig als Bohrinsel bezeichnet wird, versteht man unterschiedliche Einrichtungen.
Neben den stationären Plattformen, die in verschiedenen Bauarten eingesetzt werden (fest stehend, schwimmend oder verankert), gibt es noch Bohrschiffe, die mobil sind und von einem Einsatzgebiet zum nächsten fahren.
Trotz hoher Kosten ist die Offshore-Förderung weltweit verbreitet – rund 3.000 Plattformen beschäftigen über eine Million Menschen. In der Nordsee sind etwa 500 Bohr- und Förderinseln aktiv, insbesondere in norwegischen und britischen Hoheitsgebieten. Die Nordsee deckt rund die Hälfte des EU-Gasbedarfs und ein Viertel des Erdölverbrauchs. Auch die Niederlande, Dänemark und Deutschland fördern hier. Bedeutendstes deutsches Projekt ist die Mittelplate, betrieben von DEA und Wintershall. Seit 1987 wurden dort über 30 Millionen Tonnen Öl gewonnen – fast 60 % der deutschen Jahresförderung stammen von dieser einen Anlage.
Der Alltag auf einer Ölbohrinsel ist streng durchgetaktet: Gearbeitet wird meist im Schichtsystem, typischerweise 12 Stunden täglich, oft 14 Tage am Stück, gefolgt von ebenso vielen freien Tagen an Land. Die Arbeit ist körperlich fordernd, oft laut und sicherheitskritisch – daher gelten strenge Vorschriften und regelmäßige Sicherheitsübungen. Außerhalb der Schichten leben die Beschäftigten in Gemeinschaftsunterkünften, mit Kantine, Freizeitbereich und Internetzugang. Alkohol ist verboten, und die Bewegungsfreiheit auf der Plattform ist begrenzt. Trotz der Abgeschiedenheit herrscht ein klar strukturierter Tagesablauf mit festen Routinen.
Der wohl größte Unterschied im Arbeitsalltag auf Bohrinseln und Förderplattformen zu Tätigkeiten an Land ist der Schichtdienst. In der Regel ist der Betrieb in Zwölf-Stunden-Schichten eingeteilt – gearbeitet wird rund um die Uhr.
Da die Arbeitenden meistens aufwendig mit dem Hubschrauber oder per Schiff zur Plattform gebracht werden, ist der Arbeitsrhythmus grundsätzlich anders geregelt als an Land. Je nach Unternehmen arbeitet man beispielsweise zwei Wochen am Stück durch, um dann anschließend drei Wochen lang bezahlt frei zu bekommen. Das mag den meisten Arbeiter*innen sehr entgegenkommen, denn die Freizeitmöglichkeiten vor Ort sind begrenzt. Große Plattformen verfügen über Kino, Sporthalle, Sauna und Bar – allerdings ist Alkohol überall verboten.
Die Arbeitszeitmodelle auf Ölbohrinseln wirken sich direkt auf das Einkommen aus. Je länger der ununterbrochene Einsatz, desto höher fallen meist die Zulagen aus. Üblich sind Modelle wie 14/14 oder 21/21 (Tage Arbeit/Freizeit).
Ein typischer Offshore-Monteur verdient in Deutschland rund 3.800 € brutto pro Monat (≈ 45.800 €/Jahr). Bei entsprechender Qualifikation sind bis zu 4.566 € brutto/Monat möglich. Hinzu kommen Offshore-Zulagen von ca. 100 € pro Einsatztag sowie Schichtzuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit.
Beispiel: Offshore-Monteur in Deutschland
Neben der Anreise per Helikopter sind auch die Unterkünfte sowie die Verpflegung kostenfrei für das Offshore-Personal. Die Kabinen sind mehrheitlich gut ausgestattet (Bad, TV, Internet, Reinigungsdienst), dafür muss man sich die Unterkunft manchmal mit einem Kollegen oder Kollegin teilen. Privatsphäre hat insgesamt wenig Platz auf den künstlichen Inseln.
Da die Teams sich häufig aus unterschiedlichen Nationen zusammensetzen, ist die Beherrschung der englischen Sprache Pflicht. Nach wie vor sind Bohr- und Förderinseln ausgesprochene Männerdomänen, die Belegschaft besteht mehrheitlich nur zu einem geringen Teil aus Frauen.
Rau ist die See, rau ist der Job: Wer auf einer Bohrinsel oder Förderplattform wie der Mittelplate arbeiten möchte, muss robust sein. Eine gute physische Verfassung und Schwindelfreiheit sind wichtige Grundvoraussetzungen, denn viele der Jobs beinhalten harte körperliche Arbeit.
Zudem herrschen auf der Nordsee immer wieder extreme Wetterbedingungen mit Sturm und Nässe, sodass weniger fitte oder körperlich eingeschränkte Menschen große Schwierigkeiten bei der Bewegung auf der Plattform bekämen. Entsprechend gibt es Altersgrenzen für Arbeitnehmer*innen. Diese liegen meist bei 50 Jahren, bei nicht-körperlichen Tätigkeiten auch höher. Ohne absolvierten Sicherheitskurs darf außerdem niemand auf einer Offshore-Station arbeiten.
Ausgebildetes technisches Personal bildet das Rückgrat der Besatzung der Öl- und Gasplattformen. Zu den typischen Berufen zählen:
Das technische Personal verfügt meist über langjährige Erfahrung in der Öl- oder Gasindustrie. Aber auch Hilfsarbeiter*innen werden auf den Plattformen benötigt, zum Beispiel als Bohrhelfer*in.
Da ein Komplex wie die Mittelplate nicht einfach so von außen zugänglich ist und bei Sturm womöglich eine Weile vom Festland abgeschnitten ist, muss er weitgehend unabhängig funktionieren können. Für den reibungslosen Ablauf sind also noch einige weitere Berufe gefragt, die man vielleicht nicht auf einer Offshore-Plattform vermutet hätte, darunter:
Das nichttechnische Personal wird von Dienstleistern gestellt und gehört damit nicht zu den Betreiberfirmen der Plattformen wie DEA, BP, Shell oder Statoil.
Das entbehrungsreiche Leben mit langen Schichten an abgelegenen Orten zahlt sich finanziell aus, denn Offshore-Arbeitende verdienen teilweise bis zu dreimal so viel wie ihre Kolleg*innen an Land. Einige Beispielgehälter, die in der erdölverarbeitenden Industrie gezahlt werden (Quelle: Stepstone Gehaltsplaner):
Besonders gut verdient man bei den norwegischen Firmen: Hier können sogar Köch*innen ein Jahreseinkommen von rund 50.000 € erzielen. Die freie Unterkunft und Verpflegung während eines großen Teils des Arbeitsjahres sowie die kostenlose Anreise lassen das Gehalt indirekt noch steigen.
Ein zentraler Gehaltsfaktor im Offshore-Bereich sind verpflichtende Sicherheitszertifikate wie BOSIET (Basic Offshore Safety Induction and Emergency Training) und HUET (Helicopter Underwater Escape Training). Ohne diese OPITO-zertifizierten Nachweise ist eine Beschäftigung auf Bohrinseln in der Regel nicht möglich.
Wer sie bereits vorweist, steigert nicht nur die Chancen auf eine Anstellung, sondern beginnt häufig auch mit einem höheren Einstiegsgehalt, da das Unternehmen keine Grundausbildung finanzieren muss. Ergänzend wirken sich weitere Offshore-Nachweise wie das MIST-Zertifikat (Minimum Industry Safety Training) oder spezialisierte Schulungen zu Notfallmanagement, Erste Hilfe und Atemschutz positiv auf die Vergütung aus.
Darüber hinaus verbessern technische Ausbildungen (z. B. als Industriemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker oder Schlosser) sowie handwerkliche oder maritime Berufserfahrung die Gehaltsaussichten erheblich – insbesondere in Kombination mit Offshore-Erfahrung. In Führungspositionen (z. B. Driller, Toolpusher oder OIM) sind zudem weiterführende Qualifikationen, etwa im Bereich Bohrtechnik, Hydraulik oder Betriebsleitung, entscheidend. Wer sich laufend weiterbildet, z. B. durch OPITO-Well-Control-Kurse oder internationale Zulassungen, kann sein Gehalt um mehrere Tausend Euro jährlich steigern.
Hinweis: Die Gehaltsdaten in diesem Beitrag basieren auf dem Stepstone Gehaltsplaner und beziehen sich auf eine Analyse aus 2025. Aktuelle Gehaltsdaten für 2026 finden sich unter anderem hier: Der große Gehaltsvergleich.
In der Regel sind Handys auf Bohrinseln erlaubt, allerdings gibt es oft Einschränkungen und Sicherheitsrichtlinien für ihre Nutzung. Zum Beispiel sind Mobiltelefone in bestimmten Bereichen möglicherweise nicht erlaubt, um potenzielle Gefahren durch Funkenbildung zu minimieren. Außerdem kann es Beschränkungen für den Empfang von Signalen geben, da sich Ölbohrinseln oft in abgelegenen Gegenden befinden.
Das hohe Gehalt auf einer Bohrinsel wird oft durch eine Kombination aus verschiedenen Faktoren gerechtfertigt. Erstens ist das Arbeiten auf einer Bohrinsel mit bestimmten Risiken und Herausforderungen verbunden, daher werden Mitarbeitende oft gut entlohnt, um diese zu kompensieren. Zweitens sind viele Bohrinseljobs sehr spezialisiert und erfordern konkrete Fähigkeiten und Ausbildungen, was die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitnehmer*innen erhöht und die Gehälter entsprechend steigen lässt. Drittens spielen auch die Arbeitsbedingungen eine Rolle – aufgrund der Isolation und der harten Arbeitsbedingungen bieten Unternehmen oft finanzielle Anreize, um Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten.
Der Bewerbungsprozess für einen Job auf einer Bohrinsel kann je nach Unternehmen variieren, aber im Allgemeinen beginnt es damit, offene Stellen zu finden und sich online oder über eine Bewerbungsplattform zu bewerben. Es ist wichtig, dass du relevante Erfahrungen und Qualifikationen hervorhebst, da viele Ölbohrinseljobs spezielle Fähigkeiten erfordern. Außerdem kann es hilfreich sein, wenn du bereits über Erfahrungen in der Öl- und Gasindustrie verfügst oder eine entsprechende Ausbildung absolviert hast.
Menschen jedes Geschlechts können auf einer Bohrinsel arbeiten. Obwohl die Öl- und Gasindustrie traditionell von Männern dominiert wurde, gibt es heutzutage auch immer mehr Frauen, die in verschiedenen Funktionen auf Ölbohrinseln arbeiten, so z. B. im Ingenieurwesen sowie in der Technik, Logistik und Verwaltung. Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass die Arbeitsbedingungen auf einer Bohrinsel oft herausfordernd sein können und körperliche Fitness sowie die Fähigkeit, in einem Team zu arbeiten, wichtig sind, unabhängig vom Geschlecht.
Die Gehälter variieren stark je nach Land, Arbeitgeber und Position. In Industrieländern wie Norwegen, Australien oder den USA sind die Löhne besonders hoch – oft deutlich über dem europäischen Durchschnitt. In Entwicklungsländern oder autoritär geführten Staaten werden Offshore-Jobs dagegen häufig schlechter bezahlt, bei teils eingeschränktem Arbeitsschutz.
Neben dem Grundgehalt erhalten Offshore-Beschäftigte in der Regel Zulagen für die Arbeit auf See, Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit sowie eine pauschale Vergütung pro Einsatztag. Unterkunft, Verpflegung, Wäsche- und Reinigungsservice sowie die An- und Abreise per Helikopter oder Schiff sind ebenfalls kostenfrei.
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