Viele Bewerber*innen nennen in der Bewerbung oder im Gespräch aus Unsicherheit oder fehlender Erfahrung ein zu niedriges Gehalt. Die Folge: Du verkaufst dich unter Wert – und das hinterlässt schnell ein ungutes Gefühl. Die gute Nachricht: Selbst wenn du dein Gehalt schlecht verhandelt hast, kannst du das noch korrigieren. Hier erfährst du, wie.
Wenn du dein Gehalt „schlecht verhandelt“ hast, heißt das konkret: Du hast bei deiner Bewerbung oder Vertragsunterzeichnung zu niedrig angesetzt – oft aus Unsicherheit, fehlender Erfahrung oder schlicht, weil dir das aktuelle Markt-Know-how gefehlt hat. Vielleicht hattest du Angst, zu gierig zu wirken, oder du hast deine eigenen Leistungen unterschätzt. Das Ergebnis: Du bekommst weniger, als du eigentlich wert bist – und das nagt am guten Gefühl.
Keine Sorge: Das ist kein Weltuntergang. In den meisten Fällen lässt sich das Gehalt noch nachverhandeln, wenn du clever und gut vorbereitet vorgehst. Wichtig ist, dass du den richtigen Zeitpunkt wählst, deine Argumente sauber aufbereitest und deine Erfolge bzw. Zusatzqualifikationen ins Spiel bringst. So kannst du oft noch eine faire Anpassung herausholen – ohne dass dein Chef*in das Gefühl bekommt, dass du einfach nachträglich Druck machst.
Damit du dein Gehalt im Nachhinein gar nicht erst nachverhandeln musst, rät Lara Kieninger von The Stepstone Group:
- Lara Kieninger, Karriere-Expertin bei The Stepstone GroupDer wichtigste Tipp für das Vorstellungsgespräch? Kenne deinen eigenen Marktwert! Als Bewerber*in solltest du dir darüber klar sein, welche Bezahlung für deineLeistung und Branche angemessen ist. Dann gilt es, ein „Gehalts-Must-Have" und „Nice-to-Have" zu definieren und in der Verhandlung mit dem „Nice-To-Have" zu starten. Wird dies abgelehnt, so empfehle ich dir, dich nur maximal bis zu deiner Schmerzgrenze („Must-Have”) runterhandeln zu lassen. Alles darunter führt langfristig zu Frustration.

Lara Kieninger ist Senior Talent Acquistion Manager bei Stepstone und unterstützt seit Juni 2021 verschiedene Fachbereiche dabei, das "Perfect Match” für ihre Teams zu finden und den Bewerbungsprozess optimal zu gestalten. Als erfahrende Personalerin stand sie im Laufe ihrer Karriere sowohl verschiedenen Unternehmen als auch zahlreichen Arbeitssuchenden und Bewerber*innen beratend zur Seite. Was sind NoGos im Lebenslauf? Wie verändert KI unseren Bewerbungsprozess und welche Tipps & Tricks gibt es bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch? Lara Kieninger weiß Antwort. Als Expertin und Gastautorin für das Stepstone Magazin “about work” hat sie die Trends und Entwicklungen der Arbeitswelt genau im Blick und hilft mit ihren wertvollen Insights allen Leser*innen dabei, sich in der ständig wandelnden Job-Landschaft zurechtzufinden. Zu Laras Themenschwerpunkte gehören unter anderem die Themen Gehalt, Anschreiben & Lebenslauf, Vorstellungsgespräche sowie Diversity & Inklusion.
Tipp: Üblich sind bei Jobwechseln 10–20 % mehr Gehalt als bisher.
Du kannst deinen Gehaltswunsch fix angeben – also als konkrete Zahl, zum Beispiel:
„Meinen Qualifikationen entsprechend empfinde ich ein Brutto-Jahresgehalt von 55.000 € als angemessen.“
Das hat gleich mehrere Vorteile: Personalverantwortliche wissen sofort, woran sie bei dir sind, und es gibt keinen Interpretationsspielraum. Außerdem wirkt es selbstbewusst, weil du klar kommunizierst, was du wert bist. Ein fixer Wunsch kann dir dabei helfen, von Anfang an auf Augenhöhe zu verhandeln – und gibt dir später eine solide Basis, falls es um Anpassungen oder Nachverhandlungen geht.
Aufgaben oder Verantwortlichkeiten größer sind als ursprünglich beschrieben.
Du Messbare Erfolge erzielt hast, die zu Beginn nicht sichtbar waren.
Das Ende der Probezeit naht und deine Vorgesetzter zufrieden mit deiner Arbeit ist.
Du bemerkst, dass dein Gehalt unter dem Branchendurchschnitt liegt.
Natürlich kann es trotzdem passieren, dass du dich mit dem Gehaltswunsch verkalkulierst und ein zu niedriges Gehalt verlangst. Kopf hoch! Ein voreilig geäußerter Gehaltswunsch kann korrigiert werden. Das erfordert allerdings Fingerspitzengefühl – und eine gute Strategie. Wir verraten dir 4 Tipps, wie du doch noch dein Wunschgehalt bekommst.
Manchmal zeigt sich erst im zweiten Gespräch, was die Stelle wirklich alles umfasst. Vielleicht kommen zusätzliche Aufgaben oder Verantwortlichkeiten auf dich zu, die vorher nicht klar waren – oder du stellst fest, dass du bestimmte Qualifikationen hast, die der Arbeitgeber besonders schätzt. Nutze diese neuen Erkenntnisse, um deinen Gehaltswunsch anzupassen. So zeigst du, dass du die Position realistisch einschätzt und dich nicht unter Wert verkaufen lässt.
Erst nach einigen Wochen im Job merkst du, dass dein Gehalt eher unter dem Branchendurchschnitt liegt? Kein Problem – das letzte Drittel der Probezeit ist ein idealer Zeitpunkt für ein Feedbackgespräch. Deine Vorgesetzten haben dann ein gutes Bild von deiner Leistung, und wenn sie zufrieden sind, stehen die Chancen gut, dass sie deinem Wunsch nach einer Anpassung zustimmen. So nutzt du den Moment, in dem du bereits bewiesen hast, was du kannst.
Die überzeugendste Argumentationsgrundlage für mehr Gehalt ist deine eigene Leistung. Wenn du konkrete Ergebnisse vorweisen kannst – zum Beispiel steigende Verkaufszahlen, erfolgreich abgeschlossene Projekte oder positive Kundenbewertungen – nutze diese als Beleg. Zahlen und messbare Erfolge zeigen klar, welchen Mehrwert du dem Unternehmen bringst, und machen es für deinen Arbeitgeber schwer, eine Erhöhung abzulehnen.
Nicht nur herausragende Leistungen, auch zusätzliche Verantwortung oder ein erweitertes Aufgabenfeld sind ein legitimer Grund, über dein Gehalt zu sprechen. Übernimmst du neue Aufgaben, leitest Projekte oder betreust mehr Mitarbeiter*innen, verschiebt sich automatisch die Basis für deine Gehaltsbemessung. Argumentiere sachlich, welche zusätzlichen Tätigkeiten du übernommen hast und wie sie den Wert deiner Position steigern – das macht deine Forderung nachvollziehbar und fair.
Nach den Gründen fragen: Welche Voraussetzungen fehlen noch?
Einen Plan mit Meilensteinen vereinbaren, um in 6–12 Monaten erneut zu verhandeln.
Alternative Benefits prüfen: flexiblere Arbeitszeiten, Weiterbildung oder Boni.
Prüfen, ob ein Jobwechsel perspektivisch sinnvoll ist, wenn dein Marktwert höher ist.
Ein zu niedrig verhandeltes Gehalt ärgert zwar, ist aber oft korrigierbar. Am besten: gut vorbereitet, sachlich und mit messbaren Argumenten ins Gespräch gehen. Wenn Aufgaben, Verantwortung oder Erfolge steigen, sollte auch dein Gehalt steigen.
Mit der richtigen Strategie klappt die Nachverhandlung – und du bekommst, was du wirklich wert bist.
Lege deine Leistungen, Erfolge, Qualifikationen und persönliche Weiterentwicklung im Unternehmen dar. Messbare Ergebnisse und konkrete Beispiele überzeugen besonders.
Jahresgespräch, Beförderung, Projektabschluss, Ende der Probezeit oder bei signifikanten Änderungen im Aufgabenbereich oder Marktumfeld.
Ja, in der Regel 10-20 % mehr. Gute Argumente: höhere Verantwortung, Zusatzqualifikationen, Berufserfahrung oder besondere Projekte.
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