Der Start ins Berufsleben ist oft schon aufregend genug – aktuell kommt allerdings noch eine große Portion Geduld dazu. Denn wie eine neue Stepstone-Analyse zeigt, gibt es deutlich weniger ausgeschriebene Einstiegsjobs als in den letzten Jahren. Gleichzeitig dauern Bewerbungsprozesse länger und fordern Bewerber*innen stärker heraus. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse für dich zusammengefasst – und zeigen, wo deine Chancen trotzdem gut stehen.
Nach einem Hoch im Jahr 2021 ist der Anteil ausgeschriebener Einstiegsstellen seit 2023 stark zurückgegangen. Im 1. Quartal 2025 liegt er 45 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt und sogar unter dem Niveau der ersten Corona-Monate.
- Dr. Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei The Stepstone GroupFür viele junge Menschen ist die Situation aktuell schwieriger als noch vor zwei bis drei Jahren“, sagt Dr. Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei The Stepstone Group. „Wir durchleben eine wirtschaftliche Schwächephase, aber gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel bestehen. Der demografische Wandel wird den Arbeitsmarkt schon in wenigen Jahren spürbar verschärfen. Deshalb gilt: Wer heute in Nachwuchstalente investiert, sichert sich morgen entscheidende Wettbewerbsvorteile.
Die Stepstone-Befragung zeigt: Wer nach dem Studium in den Beruf startet, muss oft einen deutlich längeren Atem beweisen als Gleichaltrige mit abgeschlossener Ausbildung. Während Hochschulabsolvent*innen unter 30 im Median rund 40 Bewerbungen verschicken, bis sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, kommen Ausbildungsabsolvent*innen im Schnitt schon nach etwa 26 Bewerbungen zum Ziel.
Trotz des unterschiedlichen Aufwands landen am Ende beide Gruppen ähnlich oft im Gespräch: Nur drei bis vier Bewerbungen führen durchschnittlich zu einer Einladung.
Auch beim zeitlichen Einsatz zeigen sich Unterschiede. Akademiker*innen investieren pro Bewerbung im Schnitt bis zu sieben Stunden – sei es für die individuelle Anpassung der Unterlagen, aufwendige Motivationsschreiben oder digitale Tests. Bewerber*innen mit Ausbildung wenden hingegen etwa fünf Stunden pro Prozess auf.
Besonders frustrierend: Viele Bewerber*innen berichten von Ghosting – also gar keiner Rückmeldung. 4 % der Akademiker*innen haben diese Erfahrung bereits gemacht, bei Ausbildungsabsolvent*innen sind es immerhin noch 61 %.
Nicht alle Berufe sind gleich stark betroffen. Klassische Verwaltungs- und Büroberufe verzeichnen die größten Rückgänge:
Dafür wächst das Angebot in Jobs mit direktem Menschenkontakt:
- Dr. Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei The Stepstone GroupJunge Menschen sollten nicht aufgeben. Die Jugendarbeitslosigkeit ist im europäischen Vergleich weiterhin sehr niedrig und der demografische Wandel steigert langfristig den Wert ihrer Arbeitskraft: Durch Digitalisierung und wirtschaftliche Transformation entstehen neue, hochwertige Jobs, während die Zahl der Arbeitskräfte sinkt“, sagt Zimmermann. „Unternehmen stehen vor der Herausforderung, junge Talente gezielt auf den Arbeitsmarkt von morgen vorzubereiten. Das erfordert neue Kompetenzprofile für die Ausbildung, etwa die Fähigkeit, mit KI-Tools zu arbeiten, sich in digitalen Umfeldern zurechtzufinden oder souverän mit Veränderungen umzugehen.
Auch wenn die Situation auf den ersten Blick schwierig wirkt, eröffnen sich in bestimmten Bereichen neue Chancen – besonders in Jobs mit direktem Menschenkontakt oder in handwerklichen Berufen. Wer jetzt flexibel bleibt, seine Bewerbungsstrategie durchhält und digitale Kompetenzen ausbaut, stärkt seine Position für die kommenden Jahre deutlich.
Für die Analyse hat Stepstone einen riesigen Datensatz ausgewertet: über vier Millionen Stellenanzeigen aus den Jahren 2020 bis April 2025. Herausgefiltert wurden gezielt Jobs für Berufseinsteiger*innen – also Stellen, in deren Ausschreibung Begriffe wie „Trainee“, „Berufseinsteigerin“, „Absolvent*in“ oder „abgeschlossene Ausbildung“ auftauchten. Anschließend wurde geprüft, welchen Anteil diese Positionen am gesamten Jobangebot auf Stepstone.de ausmachen und wie sich dieser Wert im Vergleich zum Durchschnitt der letzten fünf Jahre entwickelt hat. Das Ergebnis: Ein klarer Rückgang, der zeigt, wie schwierig der Start ins Berufsleben derzeit ist.
Die Ergebnisse rund um Bewerbungsaufwand, Ghosting und Unterschiede zwischen Ausbildung und Studium stammen aus der aktuellen Stepstone-Studie „Hiring Efficiency“. Dafür wurden rund 260 aktiv suchende Berufseinsteiger*innen unter 30 Jahren befragt – sowohl mit abgeschlossener Berufsausbildung als auch mit Hochschulabschluss. Die Befragung lief online zwischen dem 25. Juni und 2. Juli 2025 und war Teil einer größeren Untersuchung mit insgesamt 4.023 Erwerbstätigen sowie 308 Recruiter*innen in Deutschland. Wichtig: Die Stichprobe ist repräsentativ für die deutsche Erwerbsbevölkerung – also bezogen auf Alter, Geschlecht und Bildungsstand.
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