Doch wie sehen anonyme Bewerbungsunterlagen eigentlich aus? Welche Vor- und Nachteile bietet dieses Verfahren gegenüber dem normalen Prozess und wo hat es sich bereits fest etabliert?
In einer anonymen Bewerbung verzichten Bewerber sowohl im Anschreiben als auch im Lebenslauf auf die Angabe persönlicher Daten wie etwa Name, Geschlecht, Nationalität und Geburtsdatum. Außerdem werden den Unterlagen keine Zeugnisse, Zertifikate oder Bewerbungsfotos beigefügt, um die Anonymität der Bewerber zu wahren. Je nach Grad der Anonymität sollten die Unterlagen auf eine diskrete Weise per geschlechtsneutral benannter E-Mail-Adresse übermittelt werden.
Das Hauptziel einer anonymen Bewerbung ist es, jegliche Form von Diskriminierung oder Voreingenommenheit aufgrund persönlicher Merkmale zu minimieren und den Fokus ausschließlich auf die Qualifikationen und Fähigkeiten des Bewerbers zu legen. So soll auch aus Unternehmenssicht eine vollständig objektive Auswahl an Kandidaten erfolgen. Erst nachdem die Unterlagen gesichtet und potenzielle Kandidaten zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden sind, erhalten die Verantwortlichen die persönlichen Informationen der Bewerber.
Noch immer fühlen sich Bewerber wegen ihrer persönlichen Merkmale im Bewerbungsprozess schlechter gestellt. Laut einer Studie von Statista haben sich 30% der befragten Bewerber im Bewerbungsprozess schon einmal Diskriminiert gefühlt.
Diese Bestandteile des Anschreiben gehören in eine anonyme Version:
Und auch der Lebenslauf kann durch wenige Anpassungen anonym gehalten werden:
Das Weglassen persönlicher Angaben verhindert, dass Personalverantwortliche beim Bewerbungsprozess durch diese positiv oder negativ beeinflusst werden. So werden gleiche Chancen für alle Bewerber geschaffen und eine Auswahl findet nur aufgrund notwendiger Qualifikationen und berufsrelevanter Praxiserfahrungen statt. Dies erfordert allerdings ein Umdenken in der Gestaltung der eignen Bewerbungsunterlagen, denn diese müssen im anonymen Verfahren ein neutrales und trotzdem eindeutiges Bild des Bewerbers wiedergeben, ohne Arbeitszeugnisse oder persönliche Referenzen sprechen zu lassen. Die gesamte Aussagekraft der anonymen Unterlagen liegt somit ausschließlich in der gekonnten Formulierung des Anschreibens und den Fähigkeiten, die der Lebenslauf beschreibt.
So vielversprechend dieses Bewerbungsverfahren auf den ersten Blick erscheint, ist auch dieses letzten Endes keine Garantie für eine unvoreingenommene Auswahl: Bewerber können nach dem persönlichen Kennenlernen schließlich trotzdem aufgrund von Vorurteilen ausgeschlossen oder bevorteilt werden.
Reduziert das Risiko von Vorurteilen bei der ersten Sichtung der Unterlagen
Bewerber*innen werden anhand von Qualifikationen, Fähigkeiten und Erfahrungen beurteilt
Die Privatsphäre wird geschützt
Anonyme Bewerbungen führen zu weniger Individualität
Kein absoluter Schutz vor Diskriminierung, der persönliche Eindruck wird nur verzögert
Der Aufwand für die Unternehmen ist größer
In den USA ist das anonymisierte Bewerbungsverfahren bereits der Standard. Dort wird auf die direkte Angabe jeglicher persönlicher Merkmale wie Geschlecht, Herkunft, Konfessionsangehörigkeit und Alter in der Bewerbung verzichtet. Zeugnisse, Referenzen und ein Bewerbungsfoto werden den Unterlagen ebenfalls nicht hinzugefügt. Die Angabe eines Namens ist jedoch auch dort weiterhin üblich.
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