Der StepStone Corona Report: So verändert Corona die Arbeitswelt

StepStone hat zwischen März und Juni 35.000 Beschäftigte und Führungskräfte dazu befragt, wie Corona Arbeit, Wirtschaft und Jobsuche verändert – und verändern wird

StepStone Corona Report Welche Trends prägen die Zukunft der Arbeit, von Bewerben und Recruiting?

Plexiglasscheiben und Video-Calls sind sehr sichtbare Veränderungen an deutschen Arbeitsplätzen. Abstands- und Hygieneregeln prägen das tägliche Miteinander. Die Beschäftigten in Deutschland sind sich sicher: Die Corona Pandemie wird den Arbeitsalltag langfristig verändern. Aber was ist über diese offensichtlichen Maßnahmen hinaus schon sichtbar? Welchen Einfluss haben die aktuellen Entwicklungen auf Arbeitsmarkt und Arbeitswelt? Welche Tendenzen werden bleiben? Und worauf sollten sich Unternehmen und Mitarbeiter einstellen?

Mitarbeitende stärker im Fokus als je zuvor

StepStone hat den Höhepunkt der Corona Pandemie in Deutschland zwischen März und Juni mit insgesamt fünf eng getakteten Befragungswellen begleitet. Auf dieser Basis können genaue Rückschlüsse auf das Meinungsbild, die Realität an den Arbeitsplätzen und die wirtschaftliche Entwicklung im Zeitverlauf der Krise gezogen werden. Und: Die Ergebnisse erlauben einen ersten Ausblick auf die (neue) Zukunft der Arbeit. Hier lesen Sie vier wichtige Trends rund um das Thema Mitarbeiter. Alle weiteren wichtigen Zahlen und der Einfluss der Krise auf die wichtigsten HR Trends finden Sie im großen StepStone Corona Report, den Sie auf dieser Seite gratis herunterladen können.

Ein Trend zeichnet sich deutlicher ab, denn je: Der Wert der richtigen Mitarbeiter ist aus Sicht der Unternehmen noch einmal gestiegen.
Wir erinnern uns: Zu Anfang der Krise fielen nicht nur Lieferketten und Konsum auf einen Schlag in sich zusammen, sondern auch die hohe Nachfrage nach neuem Personal entspannte sich. Während vor der Krise bereits eine Mehrheit der Unternehmen mit Produktivitätsverlusten aufgrund unbesetzter Stellen zu kämpfen hatte, schien der Fachkräftemangel aufgrund der Krise in den Hintergrund zu treten. Hat sich die so gute Ausgangslage der Fachkräfte also durch die Pandemie grundlegend verschlechtert? Die Antwortet lautet nein. Vier Trends, die den Blick auf das Thema Mitarbeiter in der nächsten Zeit prägen:

Der Arbeitsmarkt bleibt umkämpft – der Jobmarkt nimmt (wieder) Fahrt auf

Bereits im Juni gab ein Viertel der Unternehmen an, wieder auf Vor-Krisen-Niveau zu rekrutieren. Eine Mehrheit geht davon aus, bis spätestens Ende des Jahres wieder ‚normal‘ einzustellen. Und das ist aus zwei Gründen folgerichtig. Über 90 Prozent der Führungskräfte sind sich sicher, dass der Aufschwung nach der Krise nur mit den richtigen Mitarbeitern gelingt. Jedes dritte Unternehmen glaubt, dass der Mitarbeiterbedarf nach der Krise sogar steigen wird. Der Arbeitsmarkt ist für Jobsuchende weiterhin ein anderer als noch zu Beginn des Jahres. Nichtsdestotrotz wird die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften mittelfristig nicht geringer werden. Die demografischen Verschiebungen durch die in Rente gehenden Babyboomer werden erst langsam sichtbar.

Die Jobsuchenden jedenfalls haben sprichwörtlich ‚den Kopf nicht in den Sand gesteckt‘. Über die Hälfte gab schon im Sommer an, die eigenen Bemühungen um einen neuen Job noch verstärkt zu haben. Viele zeigen sich sogar flexibler denn je. Mehr als jeder Zweite hat die eigenen Suchkriterien angepasst und schaut bewusst über den Tellerrand hinaus. Die Jobsuchenden bemühen sich verstärkt um Jobs in neuen Berufsfeldern oder Branchen. Jeder Vierte wäre sogar bereit, ein geringeres Gehalt zu akzeptieren als vor der Krise und eine Mehrheit würde jetzt Jobs annehmen, die vorher nicht in Betracht gekommen wären.

Die Unternehmen wissen um den Wert ihrer Mitarbeitenden

Deutschlands Unternehmen haben die Krise bis hierhin – vergleichsweise – gut überstanden. Über einen zentralen Grund hierfür besteht kein Zweifel. Die Menschen haben zum Höhepunkt der Krise an einem Strang gezogen. Gut drei von vier Befragten bestätigten, dass die Zusammenarbeit mit den Kollegen genau so zuverlässig funktionierte, wie vor der Krise. Etwa ebenso viele waren sich deshalb sicher, die Abteilungsziele weiterhin zu erreichen. In der Hochphase der Pandemie empfand jeder Zweite die eigene Tätigkeit als besonders sinnhaft und wichtig. Unter den Führungskräften war die Zahl sogar noch höher, die als Entscheider in Krisen besonders gefordert sind. Jedem zweiten Chef gelang es zwar nicht, für seine Mitarbeiter hinreichend verfügbar zu sein. Trotzdem bekamen die Vorgesetzten von ihren Mitarbeitenden zu über 60 Prozent ein gutes Zeugnis für ihr Krisenmanagement. Der Zusammenhalt zeigte sich auch daran, dass Mitte April Einigkeit darüber herrschte, gemeinsam den Restart angehen zu wollen. Über 80 Prozent sowohl der Unternehmen als auch der Mitarbeitenden wollte die Rückkehr in die Büros und Betriebe. Die Mitarbeitenden sorgten sich um die wirtschaftliche Zukunft ihres Unternehmens. Und sie zeigten sich während der Krise besonders engagiert und motiviert, diese zu sichern – stärker sogar als ihre Kollegen in Großbritannien. Die guten Zahlen zur Zusammenarbeit in den Teams stiegen im Verlauf der Krise sogar an, trotz zunehmender Sorgen.

Die Unternehmen jedenfalls haben den Beitrag, den ihre motivierten Mitarbeitenden geleistet haben, genau registriert. Aus Sicht der Führungskräfte ist die Aufrechterhaltung der Mitarbeitermotivation die dringendste und wichtigste Priorität der Herbstwochen.

Die Arbeitswelt wird digitaler

Vielfach war und ist von Corona als einem Brennglas für die (mangelnde) Digitalisierung der Arbeitswelt in Deutschland die Rede. Die Krise hat – insbesondere zu Zeiten des Lockdowns -dezentrales, digitales Arbeiten für die Unternehmen auf einen Schlag überlebenswichtig gemacht. Die gute Nachricht ist, dass die Umstellung überraschend gut funktioniert hat. Fast zwei Drittel der Beschäftigten zeigte sich überrascht, wie gut die Zusammenarbeit mit digitalen Tools funktionierte. Fast 80 Prozent sehen es sogar als positive Nebenwirkung der Krise, dass jetzt viele digitale Instrumente breiter zum Einsatz kamen als zuvor.

Zum Höhepunkt der Krise gab die deutliche Mehrheit der Befragten an, dass die wichtigsten Funktionen wie der Zugriff auf E-Mails und Firmenserver oder der Zugang zu Kommunikations- und Videotools gegeben war. 85 Prozent hatten im Mai digitale Instrumente gefunden, die die Zusammenarbeit erleichterten und vier von fünf Befragten eine klare Meeting-Struktur etabliert. Dies sind ermutigende Zahlen, die auch ein Beleg dafür sind, warum viele Unternehmen ihren Betrieb aufrechterhalten konnten. Fast alle Unternehmen haben während der Krise Erfahrungen mit Homeoffice-Modellen gesammelt. Aktuell plant aber kaum ein Unternehmen, vollständig auf Homeoffice umzustellen. Hauptgrund hierfür sind die fehlenden sozialen Interaktionen. Einen vollständigen Umzug ins Homeoffice wünschen sich auch nur die allerwenigsten Mitarbeiter. Aktuell bleibt Homeoffice vor allem aus Gesundheitsschutzgründen für beide Seiten hochrelevant. Für die Zukunft werden flexiblere Arbeitsmodelle, insbesondere unter Gesichtspunkten der Arbeitgeberattraktivität, weiter diskutiert werden.

Auch wenn vieles bereits – zum Teil überraschend – gut funktionierte, zeigte die Krise ebenfalls auf, dass noch viel zu tun ist. So konnte nur gut jeder dritte Arbeitnehmende von sich behaupten, dass sein Profil an digitalen Kompetenzen und Fähigkeiten krisenfest war. Ein ähnliches Bild zeigt sich bereits im April auf Seiten der Unternehmen. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt forderte ein Großteil der Beschäftigten Nach-Krisen-Investitionen in puncto Digitalisierung. Und die Unternehmen wollen den erzwungenen Praxistest nutzen. Das wichtigste Investitionsfeld für die Nach-Krisen-zeit steht aus Unternehmenssicht jedenfalls fest: 83 Prozent wollen beim Thema Digitalisierung investieren.

Systemrelevanz wird deutlich

Besonders in den Fokus gerieten die sogenannten systemrelevanten Berufe. Während das Thema Homeoffice in aller Munde war, wurde die Wichtigkeit der Aufgaben, die nicht von zu Hause aus erledigt werden konnten, deutlicher denn je. Krankenpfleger, Kassiererinnen und Co erfuhren deshalb eine Aufmerksamkeit wie selten. Während viele Jobs zeitweise nicht mehr so stark nachgefragt wurden, suchen Arbeitgeber seit Beginn der Krise verstärkt nach Fachkräften für sogenannte systemrelevante Tätigkeiten. Die Nachfrage in Pflegeberufen, in der Produktion, bei Verkäufern und Fahrern zeigt zum Beispiel weiterhin steigende Tendenz und damit die weiter zunehmende Bedeutung nicht akademischer Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt.

Im April bewertete jeweils eine klare Mehrheit von über 60 Prozent der Befragten, die nicht im Homeoffice arbeiteten, dass die Unternehmensführung und direkte Vorgesetzte gut und angemessen auf die aktuellen Herausforderungen reagierten. Dennoch sind die Zustimmungswerte insgesamt geringer als bei den Kollegen, die ins Homeoffice gewechselt sind. Auf ihre Performance scheint sich dies nicht negativ ausgewirkt zu haben. Arbeitnehmende, die ihren Job nicht von zuhause aus durchführen konnten, zeigten sich zum Höhepunkt der Krise im selben Maße engagiert und produktiv wie ihre Kollegen zu Hause und sogar zu größeren Anteilen fokussierter auf ihre Aufgaben. Dies zeigt, dass Unternehmen Trends wie größere Flexibilität bei der Arbeitsgestaltung, ein stärker Fokus auf Mitarbeitermotivation und -bindung, digital unterstützte Formen der Zusammenarbeit, lebenslanges Lernen und Weiterbildung auch und gerade für Mitarbeiter abseits der Schreibtische mitdenken müssen, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu platzieren.

Wie diese Trends genau bewertet werden und aus welchen Zahlen und Entwicklungen sie sich ableiten, zeigt der StepStone Corona Report im Detail. Hier im Fokus der Analyse: die Auswirkungen der Krise auf die zentralen HR Trends der letzten Jahre.

Über die Studie

Mit dem StepStone Corona Report untersucht die Online-Jobplattform StepStone diese und weitere Fragen sowie die entscheidenden Entwicklungen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Zusammenarbeit und Führung sowie Recruiting in Deutschland während der durch COVID -19 ausgelösten Krise. Dem Report liegen die Ergebnisse von fünf Befragungen zugrunde, die im Zeitraum zwischen März und Mai 2020 durchgeführt wurden, sowie zahlreiche Gespräche mit Personalexperten. Auf dieser Basis analysieren die StepStone Experten, wie sich die COVID-19-Krise auf die HR- und Arbeitsmarkt-Trends auswirkt und leiten hieraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Personalarbeit und -strategie in Unternehmen ab.

Für die Studie hat StepStone insgesamt mehr als 35.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland online befragt. Darunter waren rund 6.000 Führungskräfte.

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Kontakt

  • Dr. Tobias Zimmermann
  • Research Manager & Arbeitsmarktexperte

  • Jan Heming
  • Research Manager

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