Arbeitgeber Mittelstand

Was macht den Mittelstand attraktiv?
Womit überzeugen kleine und mittlere Arbeitgeber?

Der StepStone Mittelstandsreport 2019 Wie attraktiv ist der Arbeitgeber Mittelstand? Welche USPs verbinden Fachkräfte mit kleinen und mittleren Arbeitgebern?

Wenn die Firmenzentrale sich in einer Kleinstadt befindet, das Unternehmen den Namen des Chefs trägt und die Kollegen gute Bekannte sind, dann handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein kleines oder mittleres Unternehmen (KMU). Natürlich gibt es auch Mittelständler in Großstädten und ihr Erfolg bringt es oft mit sich, dass der Chef nicht (mehr) jeden Mitarbeiter beim Vornamen kennt. Viele Unternehmen des Mittelstands in Deutschland sind Weltmarktführer. Ob kleiner Handwerksbetrieb oder sogenannter Hidden-Champion: Die vielfach als Familienunternehmen geführten Mittelständler gelten als Rückgrat der Deutschen Wirtschaft. Dennoch wird ihr Erfolg oftmals unterschätzt. Um diesen zu erhalten, brauchen die Betriebe qualifizierte Arbeitskräfte. Der Wettbewerb um die besten Fachkräfte ist für KMU oftmals besonders hart. Deshalb fragen wir: Wie attraktiv ist der Arbeitgeber Mittelstand? Wie und wo können kleinere Arbeitgeber besonders punkten?

Wie attraktiv ist der Mittelstand 2019 für die gesuchten Fachkräfte?

Der Mittelstand in Deutschland gilt als Rückgrat der Wirtschaft hierzulande. Die kleinen und mittleren Betriebe zwischen Rhein und Oder zeigen sich gerade in 2019 besonders stabil. Dies zeigt auch der StepStone Mittelstandsreport, demzufolge etwa dreiviertel der Beschäftigten die Situation des eigenen Unternehmens als gut oder sehr gut wahrnehmen. Die beeindruckende Performance veranlasste gar den Bundeswirtschaftsminister von der Geheimwaffe Deutschlands zu sprechen. Nichtsdestotrotz sehen sich die Unternehmen einer enormen Herausforderung gegenüber. Das zunehmend knappe Angebot an qualifizierten Fachkräften führt zu einem immer schärferen Wettbewerb um Talente. Aus Sicht der Entscheider in mittelständischen Unternehmen ist die erfolgreiche Beschaffung von Talenten die zentrale Herausforderung, um ihre Unternehmen kurz- wie mittelfristig auf Erfolgskurs zu halten. Kein Wunder, blickt man auf die Top-5 Erfolgsfaktoren des Mittelstands – aus Sicht der Führungskräfte.

Macht Erfolg auch attraktiv?

Aber aus welcher Position heraus gehen KMU ins Rennen um die begehrten Mitarbeiter? Wie attraktiv ist der Arbeitgeber Mittelstand aus Fachkräftesicht?

Sehr attraktiv! Laut StepStone-Studie haben sich 81 Prozent der Fachkräfte bereits bei einem Mittelständler beworben. Die Chancen, die gesuchten Spitzenkräfte zu bekommen, stehen für kleine und mittlere Familienunternehmen demnach gut. Besonders spannend ist, dass das Interesse über alle Altersgruppen hinweg hoch ist. Auch bei den unter 30 Jährigen gaben 76 Prozent und damit drei von vier Befragten an, sich bereits einmal bei einem mittelständischen Unternehmen beworben zu haben. Mehr als jeder Zweite gab sogar an, am liebsten für ein KMU zu arbeiten. Nur etwas mehr als jeder Zehnte bevorzugte ein Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern. Starke Zahlen, die aber nicht überraschen müssen.

So wollen auch über die Hälfte aller Studierenden ihre Karriere am liebsten bei einem kleinen oder mittleren Arbeitgeber starten. Das zeigte eine frühere StepStone-Studie zu den Präferenzen und Wünschen von Absolventen.

In welchen Branchen sind die attraktivsten Mittelständler in Deutschland?

Der Anteil der Fachkräfte, die sich bereits bei einem mittelständischen Arbeitgeber beworben haben, unterscheidet sich je nach Branche, in welcher die Befragten tätig sind. Die Ergebnisse sind sowohl spannend als auch folgerichtig. Die höchste Anziehungskraft hat der Mittelstand demnach für Beschäftigte in den Bereichen IT, Maschinen- und Anlagenbau sowie Medien. Das sind Felder, in welchen kleine und mittlere Arbeitgeber besonders erfolgreich sind. Während der Mittelstand im Maschinen- und Anlagenbau auf eine lange Tradition zurückblicken kann, ist die IT ein vergleichsweise neues Feld für kleinere, schlagkräftige und kreative Akteure, die dem Markt bereits ‚ihren Stempel aufdrücken‘.

Kleiner ist das Interesse zum Beispiel in der Bankenbranche. Ein logisches Ergebnis, da der Bankensektor stark durch besonders große Unternehmen geprägt ist.

Insgesamt wird deutlich, dass der Mittelstand branchenübergreifend sehr attraktiv ist. Mittelständische Unternehmen können also selbstbewusst sein, für Fachkräfte scheint sich bei ihrer Jobsuche ein Blick abseits der bekanntesten und größten Marken zu lohnen.

Was bieten mittelständische Arbeitgeber?

Aber welche Gründe sprechen für den Mittelstand? Wie lassen sich die guten Zahlen erklären? Die folgende Grafik gibt Aufschluss über die drei Arbeitgebervorteile, welche die Unternehmen ihren Mitarbeitern bieten. Hierbei zeigt sich, dass der Mittelstand gegenüber größeren Arbeitgebern eigene Schwerpunkte setzt. Ebenso wird aber deutlich, dass kein Aspekt soweit verbreitet wäre, dass von einem Alleinstellungsmerkmal kleiner und mittlerer Unternehmen die Rede sein könnte. Die Top 3-Vorteile mittelständischer Arbeitgeber finden sich jeweils in etwa jedem zweiten KMU. Das heißt auch, dass Mittelständler noch genügend Luft nach oben haben, um sich als Top-Arbeitgeber zu positionieren und vom Wettbewerb abzusetzen.

Warum sich Fachkräfte bei kleinen und mittleren Unternehmen bewerben

Zum Mittelstand werden gemeinhin kleine und mittlere Unternehmen gezählt. Die Definition bezieht sich in der Regel auf Mitarbeiteranzahl (bis zu 500) und Umsatz (bis zu 50 Millionen Euro jährlich). Zumeist werden die Betriebe als Familienunternehmen inhabergeführt. Als solche zeichnen die Mittelständler ganz spezifische, strukturelle Vorteile aus, welche die Jobsuchenden ihnen zuschreiben.

Denn die Beschäftigten wissen genau, warum sie sich bei einem mittelständischen Arbeitgeber bewerben. Ihre Gründe sind eindeutig: Wer im Mittelstand arbeiten will, für den sind Gehalt und (vermeintliche) Stabilität eher zweitrangig. Der attraktive Standort des Unternehmens, Sinnhaftigkeit und Wirkmächtigkeit sowie hoher individueller Gestaltungsspielraum dank flacher Hierarchien sind Argumente, die Fachkräfte überzeugen.

Standort:
Der Standort ist auch in 2019 ein entscheidendes Kriterium für die Wahl eines Arbeitgebers. Familie, Freunde und Freizeittätigkeiten sind wesentliche Argumente für Jobsuchende, die gegen einen Umzug aus beruflichen Gründen sprechen. Auch Wohneigentum kann hierfür ein entscheidender Faktor sein. Zwar sind Fachkräfte durchaus bereit, längere Strecken zu ihrer Arbeitsstelle zu pendeln. Dennoch nimmt ihre Zufriedenheit hiermit mit zunehmender Länge ab. Viele Kandidaten suchen deshalb gezielt nach einem Arbeitgeber in der Nähe ihres Wohnortes. Für Mittelständler gibt es demzufolge großes Potential direkt vor der Haustür. Viele mittelständische Unternehmen sind in ländlichen Regionen oder kleineren Städten heimisch. Das muss trotz zunehmender Urbanisierung kein Nachteil sein.

 

Die sinnhafte Tätigkeit und das Gefühl, etwas bewirken zu können:
Fachkräften ist es wichtig, am Ende ihres Arbeitstages zu wissen, dass sie etwas zum großen Ganzen beigetragen haben. Sie wollen zeitnah Ergebnisse ihres Handelns und Wirkens erleben. In einem kleineren Unternehmen sind Produktionsketten logischerweise kürzer als in größeren Organisationen. Das ermöglicht es den Beschäftigten größere Nähe zum Endprodukt zu entwickeln und ihren Anteil hieran klarer zu erkennen. Je besser das eigene Wirken am Endprodukt sichtbar ist, desto leichter ist die eigene Wirksamkeit nachzuvollziehen. Ein Faktor, der Fachkräften viel wert ist.

Flache Hierarchie & hoher individueller Gestaltungsspielraum:
Dieselben Gründe erklären auch, warum es Fachkräften wichtig ist, ihren Verantwortungsbereich selbstständig organisieren und managen zu können. Exzellent ausgebildete Fachleute wollen selbstständige Entscheidungen treffen können und ihre Aufgaben so erledigen, wie sie es gelernt haben und für richtig halten. Dies sind Rahmenbedingungen, die in kleineren und flexibleren Organisationen leichter anzutreffen und umzusetzen sind, als in größeren, von starreren Hierarchien und Prozessen geprägten Unternehmen. Ein weiterer, sozusagen systembedingter Vorteil, den Mittelständler bewusst für sich nutzen können. Wie (auch kleine) Unternehmen erfolgreich agil arbeiten und somit ihren Mitarbeitern größeren Gestaltungsspielraum und Entscheidungsfreiheit ermöglichen können, zeigen wir auf unserer Themenseite Agilität.

Die Stärken des Mittelstands: Das sagt der Recruiting-Experte

Tobias Klaes, Recruiting-Experte bei StepStone, hat sich den StepStone Mittelstandsreport einmal genau angeschaut und gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen, die sich daraus ergeben.

Tobias zum Umgang mit begrenzter Markenbekanntheit… „Das Stichwort lautet zielgruppenspezifisches Employer Branding. Ein Obstkorb für alle lockt Fachkräfte heutzutage nicht mehr an.“

Tobias zum Unternehmensstandort im ländlichen Raum… „Viele junge Familien ziehen ins Umland, arbeiten aber trotzdem in der Stadt. KMU können die kurzen Arbeitswege in den Vordergrund ihrer Kampagne stellen und durch die damit verbundene Work-Life-Balance qualifizierte Arbeitskräfte gewinnen.“

Tobias zu den Chancen von KMU… „Die oft genannte Work-Life-Balance wird für viele junge Fachkräfte immer wichtiger. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass weniger gearbeitet werden soll, sondern vielmehr, dass die Arbeit den individuellen Lebensumständen angepasst wird. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice sind nur zwei Beispiele hierfür. Weiterhin steht die Identifikation mit dem Unternehmen – die Kollegen und die Aufgaben eingeschlossen – im Vordergrund.“

Dies sind nur Auszüge der Antworten unseres Experten. Das vollständige Interview haben wir auf unserem StepStone Blog für Sie vorbereitet.

Warum das Thema Gehalt (k)eine wichtige Rolle spielt

Großunternehmen zahlen meist bessere Gehälter als kleine und mittlere Arbeitgeber. Der Unterschied beträgt laut StepStone Gehaltsreport 2019 etwa 16.000 Euro im Durchschnitt für das Jahresbrutto. Das ist eine beachtliche Summe. Nur die wenigsten Mittelständler gehen in der StepStone-Umfrage davon aus, besser zu zahlen als der Wettbewerb. Und auch bei den finanziellen Zusatzleistungen können sich größere Arbeitgeber deutlich mehr erlauben als kleine.

Etwa 20 Prozent der Befragten haben sich nach eigenen Angaben noch nicht bei einem Mittelständler beworben. Als Hauptgründe hierfür führen sie neben mehr Gehalt und besseren Zusatzleistungen die langfristig sicherere Geschäftsentwicklung bei einem größeren Arbeitgeber an. Ist der mögliche Verdienst also ein entscheidendes Argument gegen einen kleineren Arbeitgeber?

Nicht unbedingt. Das Gehalt allein ist für immer weniger Menschen ausschlaggebend bei der Jobsuche. Persönliche Interessen sind für die Mehrheit das wichtigste Entscheidungskriterium bei der Berufswahl. Nur für die Wenigsten steht allein das Geld im Vordergrund. Spaß im Job und beim Arbeiten zu haben, ist dagegen ein wichtiges Ziel von Arbeitnehmern im 21. Jahrhundert. Und dass Mittelständler in Deutschland potenziell starke Vorteile für die Definition einer anziehenden Arbeitgebermarke haben, hat die bisherige Analyse gezeigt.

Darüber hinaus stimmt es natürlich, dass im Durchschnitt in größeren Unternehmen mehr gezahlt wird: Aber Gehälter variieren stark. Faktoren wir Branche, Standort und natürlich der fachliche wie persönliche Hintergrund von Fachkräften beeinflussen das mögliche Gehalt in hohem Maße. Darüber hinaus unterscheiden sich die lokalen Lebenshaltungskosten massiv. Wer in München lebt, muss deutlich mehr, zum Beispiel allein für die Miete aufbringen, als Beschäftigte aus kleineren Kreisen wie etwa Holzminden oder Höxter.

Überdurchschnittlich verdienen im Mittelstand

Nimmt man die durchschnittlichen Bruttojahresgehälter im Mittelstand unter die Lupe, wird ganz klar deutlich, dass Fach- und Führungskräfte auch im Mittelstand überdurchschnittlich verdienen können. Akademiker kommen bei Unternehmen mit maximal 500 Mitarbeitern auf ein Durchschnittseinkommen von 62.200 Euro brutto. Das sind fast 10.000 Euro mehr als der Gesamtdurchschnitt. Ebenfalls überdurchschnittlich verdienen Beschäftigte der mittleren Managementebene, wie etwa Bereichs- oder Abteilungsleiter mit 66.900 Euro. Wer in der obersten Managementebene im Mittelstand angestellt ist, gehört ohne Frage zu den absoluten Top-Verdienern in Deutschland. Über 100.000 Euro werden an Geschäftsführer, Vorstände oder Direktoren im Schnitt gezahlt. Ebenfalls sehr gut verdienen zum Beispiel Vertriebsleiter (82.500 Euro Bruttodurchschnittsgehalt im Jahr), Senior Consultants (74.500 Euro), Steuerberater (70.000 Euro) oder Vertriebsingenieure (64.000 Euro), um nur einige Jobs beispielhaft zu nennen.

Über die Studie: StepStone Mittelstandsreport 2019

Mit dem StepStone Mittelstandsreport 2019 nimmt die Online-Jobplattform StepStone den Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte aus Perspektive kleiner wie mittlerer Unternehmen (KMU) unter die Lupe und identifiziert entscheidende Attraktivitätsfaktoren mittelständischer Arbeitgeber. Darüber hinaus wertet StepStone Erfahrungen von Unternehmen sowie Fach- und Führungskräften zum Umgang mit digitalen Technologien in KMU aus und leitet Handlungsempfehlungen für die nachhaltige Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter ab. Für die Studie hat StepStone im zweiten Quartal 2019 eine Online-Befragung unter insgesamt rund 19.000 Fach- und Führungskräften in Deutschland durchgeführt, darunter waren rund 16.600 Fachkräfte ohne Personalverantwortung und rund 2.400 Führungskräfte. Daneben befragte StepStone online insgesamt rund 3.500 Recruiter und Manager, die für Personalbeschaffung zuständig sind.

Der StepStone Mittelstandsreport 2019
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Kontakt

  • Dr. Anastasia Herrmann
  • Head of Research

  • Dr. Tobias Zimmermann
  • Research & PR Manager

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