
Skill-Based Hiring: 71 % verlangen mehr, als der Job braucht
Inhalt
- Das Wichtigste in Kürze
- Definition
- Das Problem: Unklare Formulierungen
- Die Folge: Überfrachtete Job Ads
- Was der Markt wirklich verlangt
- How to: Skill-Based Hiring
- Masterclass: Skill-Based Hiring
- Nützliche Vorlagen
- FAQ

KI-Skills-Report 2026
DownloadIm Schnitt stehen 10 Skills in einer Stellenanzeige. Aber welche davon beschreiben die Rolle wirklich – und welche schrecken nur passende Menschen ab? 58 % der Recruiter fehlt schlicht die Datengrundlage, um das zu beantworten. Skill-Based Hiring stellt Fähigkeiten vor Abschlüsse. Damit das funktioniert, brauchst du Vergleichswerte. Dieser Artikel zeigt dir, welche Skills der deutsche Arbeitsmarkt gerade fordert, wie KI die Anforderungen verschiebt – und wie du beides in dein Recruiting bringst.
Das Wichtigste in Kürze
- Skill-Based Hiring stellt Fähigkeiten vor Abschlüsse – und vergrößert deinen Talentpool um das 6- bis 16-Fache.1
- Nur 43 % der Recruiter halten ihre Organisation für gut vorbereitet auf den Kompetenzbedarf der nächsten zwei Jahre.2
- 58 % fehlt die Datengrundlage, welche Skills am Markt überhaupt üblich sind. Ergebnis: 71 % haben den Eindruck, in Stellenanzeigen wird mehr verlangt als nötig.2
- Die Nachfrage nach KI-Skills liegt 3,1-mal höher als 2019. Der Anteil generativer KI ist von 0,2 % auf 17,0 % gestiegen.3
- Mit Anforderungsprofil, STAR-Fragen und Scorecard machst du Skills im Prozess bewertbar.
Was ist Skill-Based Hiring?
Skill-Based Hiring rückt Kompetenzen, Qualifikationen und die tatsächliche Leistung einer Person in den Vordergrund. Formale Bildungsabschlüsse verlieren an Gewicht – nicht an Bedeutung. Das Ziel: ein größerer Talentpool und offene Türen für non-lineare Lebensläufe.
Wichtig: In reglementierten Tätigkeiten bleiben Abschlüsse, Zertifikate und Lizenzen echte Must-Haves. Skill-Based Hiring heißt nicht, Abschlüsse zu ignorieren, sondern sie kontextgerecht zu gewichten. Für jede Rolle prüfst du: Was ist wirklich erforderlich – und wo zählen Kompetenz und Erfahrung genauso?
Zwei Arten von Skills – und du brauchst beide
Fachliche Skills (Hard Skills) sind das, was im Job direkt angewendet wird: Programmierung, Cloud-Technologien, Datenanalyse, Sprachkenntnisse, Führerschein. Sie sind meist gut nachweisbar.
Soziale und überfachliche Skills (Soft Skills) zeigen, wie jemand arbeitet: Teamfähigkeit, Kommunikation, Lösungsorientierung, analytisches Denken, Lernbereitschaft. Sie sind schwerer zu messen.
Skills formulieren? Reine Bauchsache.
Nur 43 % der Recruiter denken, dass ihre Organisation gut darauf vorbereitet ist, den eigenen Kompetenzbedarf der nächsten zwei Jahre zu decken. Jeder vierte Recruiter will deshalb noch in diesem Jahr die Anforderungen an Rollen genauer prüfen oder verschärfen. Und wenn Kompetenzlücken entstehen, ist die erste Wahl der Unternehmen: extern einstellen – noch vor der Weiterbildung bestehender Teams.2 Nur: Woran soll man sich beim Formulieren orientieren?
Genau dort beginnt das Problem. Denn beim Formulieren der Anforderungen fehlt der Kompass:

Wer ohne Vergleichsmaßstab schreibt, orientiert sich am Bauchgefühl. Und das führt vorhersehbar in eine Richtung.
Die Folge: Job Ads, die zu viel verlangen
- 58 % der Recruiter können Must-Haves nicht klar von Nice-to-Haves trennen.
- 59 % nehmen im Zweifel lieber eine Anforderung mehr auf, als etwas weglassen.
- 71 % haben den Eindruck: Hier wird mehr verlangt, als wirklich nötig wäre.
Aus dem Anforderungsprofil wird eine Wunschliste. Und jede zusätzliche Zeile schreckt Menschen ab, die eigentlich passen. Mehr dazu, wie ein Anforderungsprofil fokussiert bleibt.
Die Antwort: Was der Markt wirklich verlangt
Statt zu fragen „Was sollten wir noch zusätzlich fordern?”, lohnt die bessere Frage: Was ist für vergleichbare Rollen am Markt eigentlich üblich?
Genau dafür haben wir Millionen Job Ads ausgewertet – über 21 Berufsgruppen hinweg: IT, Ingenieurwesen, Marketing, Handwerk, Finanzwesen, Kundenservice, Logistik, Vertrieb, Handel und viele mehr. Für jede Berufsgruppe zeigen wir, welche Anforderungen tatsächlich in den Anzeigen stehen – und wie sich diese in drei Kategorien einordnen lassen:
- Kern-Skills kommen häufig vor und sind typisch für die Rolle. Das ist der Job. Hier lohnt sich Präzision.
- Basis-Skills stehen fast überall und unterscheiden nichts. Teamfähigkeit, Kommunikation, strukturierte Arbeitsweise. Wichtig – aber kein Auswahlkriterium.
- Nischen-Skills sind kennzeichnend, aber nur für einen Teil der Stellen relevant. Als Muss-Kriterium verengt jeder davon die Suche erheblich.
Exkurs: Wie KI die Anforderungen verschiebt
Ein Skill-Feld verändert Berufsbilder aktuell schneller als jedes andere. Unsere Analyse von 5,6 Millionen Job Ads zeigt:
- Die Nachfrage nach KI-Skills liegt 3,1-mal höher als 2019 – der Anstieg beschleunigt sich seit Anfang 2025.
- Innerhalb der KI-Skills verschiebt sich die Zusammensetzung massiv: Der Anteil generativer KI ist von 0,2 % (2023) auf 17,0 % (2026) gestiegen.
- Marketing, Media und Kommunikation ist von Rang 5 auf Rang 2 der KI-affinsten Berufsfelder gesprungen.
Was das für dich heißt: „KI-affin” in der Stellenanzeige sagt niemandem etwas. Konkret werden funktioniert. Nicht „Erfahrung mit KI-Tools”, sondern: „Du arbeitest regelmäßig mit ChatGPT oder Copilot – für Research, erste Entwürfe oder Datenaufbereitung.”

Der KI-Skills-Boom
Was 5,6 Millionen Job Ads über die Zukunft der Anforderungen verraten – inklusive Einordnung von Arbeitsmarktökonomin Dr. Christina Langer.
How to: Vom Anforderungsprofil zum Skills-Assessment
Skill-Based Hiring braucht kein 18-Monats-Transformationsprojekt. Prof. Dr. Sarah Maihaus empfiehlt in ihrem 90-Tage-Fahrplan für Skills-Based Hiring: „Starte dort, wo du gerade die größte Herausforderung hast.” Ihr Vorgehen in Kurzform:
- Klein starten. Eine Job-Familie, 2–3 kritische Rollen. Keine unternehmensweite Skill-Taxonomie.
- Skills definieren. 8 bis 10 Core Skills pro Rolle, maximal fünf davon Nice-to-Haves. Für jeden Skill drei Kompetenzstufen: Basic, Advanced, Expert.
- Strukturiert bewerten. Für jeden Must-Have-Skill standardisierte Fragen. Ein bewährtes Prinzip: ein Interview = ein zentraler Skill.
- Messen und skalieren. Quality of Hire nach 90 Tagen, Time-to-Productivity, Zufriedenheit der Führungskräfte.

Masterclass: Skill-Based Hiring
„Mir fehlt hier der Uni-Abschluss.” – „Irrelevant!”
Der Kandidat hatte im Interview geliefert: konkrete Projektergebnisse, die richtigen Skills, klare Antworten. Die Rückmeldung des Hiring Managers: kein Wort dazu. Nur das Papier, das fehlte. Christopher Lennartz, Senior Talent Acquisition Manager bei Stepstone, hat nicht nachgegeben – und erklärt, woran man Talent wirklich erkennt. Der Kandidat wurde eingestellt.
In seiner Masterclass begleitet er dich durch jeden Schritt des Prozesses:
- Anforderungsprofil erstellen – fokussiert statt überfrachtet
- Skill-basierte Interviews führen
- Assessment-Methoden auswählen, die wirklich messen, was du messen willst
- Skills objektiv bewerten mit der Scorecard
4 Sessions à ca. 1 Stunde. Praktisch, verdaulich, mit Vorlagen zum sofort Loslegen. Dein Investment für das Recruiting von morgen.
Womit Unternehmen Skills heute prüfen

Die Methodenwahl entscheidet über die Aussagekraft: Ein Interview prüft Denkweise und Erfahrung, eine praktische Aufgabe die tatsächliche Umsetzung. Wer beides kombiniert, kommt dem Person-Job-Fit deutlich näher.
Und wer schneller vorankommen will: Interview-Leitfäden und Scorecards lassen sich auch mit ChatGPT, Gemini & Co. erstellen – vorausgesetzt, das Anforderungsprofil steht.
Nützliche Vorlagen für den Start
FAQ – Häufige Fragen zu Skill-Based Hiring
Was ist der Unterschied zwischen Skill-Based Hiring und klassischem Recruiting?
Klassisches Recruiting bewertet Kandidaten anhand von Abschlüssen, Titeln und Erfahrung im Lebenslauf. Skill-Based Hiring bewertet, was jemand tatsächlich kann: welche Probleme gelöst, welche Ergebnisse geliefert wurden. Abschlüsse verschwinden dabei nicht – sie werden kontextgerecht gewichtet statt automatisch vorausgesetzt.
Welche Vorteile hat Skill-Based Hiring?
Der Talentpool wächst, weil auch non-lineare Lebensläufe und Quereinsteiger sichtbar werden. Dazu kommen fokussiertere Auswahlprozesse, weniger Fehlbesetzungen und eine bessere Passung zu Rollen, die sich schnell verändern.
Ist Skill-Based Hiring für alle Berufe geeignet?
Ja – aber nicht überall gleich radikal. In reglementierten Tätigkeiten wie Medizin, Pflege oder Rechtsberufen bleiben Abschlüsse, Zertifikate und Lizenzen echte Must-Haves. Überall sonst lohnt die Prüfung: Ist der Abschluss wirklich erforderlich – oder nur Gewohnheit?
Kann Skill-Based Hiring den Fachkräftemangel reduzieren?
Es beseitigt ihn nicht, entschärft ihn aber. Wenn du nach übertragbaren Fähigkeiten suchst statt nach Branchenerfahrung, öffnest du deine Stelle für Menschen aus anderen Feldern. Das ist besonders wirksam, weil Unternehmen bei Kompetenzlücken ohnehin zuerst extern einstellen – noch vor der Weiterbildung bestehender Teams.
Kann Skill-Based Hiring die Qualität von Einstellungen verbessern?
Ja, wenn die Bewertung strukturiert erfolgt. Standardisierte Fragen und eine Scorecard machen Kandidaten vergleichbar und reduzieren Bauchentscheidungen. Messbar wird das über Quality of Hire nach 90 Tagen und Time-to-Productivity.
Wie definiert man die wichtigsten Skills für eine Stelle?
Brich die Rolle auf 8 bis 10 Kern-Skills herunter, davon maximal fünf Nice-to-Haves. Definiere für jeden Skill drei Kompetenzstufen: Basic, Advanced, Expert. Der Praxistest für jede Anforderung: „Würden wir jemanden ablehnen, der das nicht mitbringt?” Lautet die Antwort Nein, ist es ein Nice-to-Have.
Welche Skills sollte ich in einer Stellenanzeige verlangen?
Vor allem weniger, als du denkst: Im Schnitt stehen 10 Skills in einer Job Ad, und 71 % der Recruiter halten das selbst für zu viel. Konzentriere dich auf Kern-Skills, die die Rolle wirklich beschreiben. Basis-Skills wie Kommunikation stehen fast überall und grenzen niemanden ein, Nischen-Skills verengen als Muss-Kriterium die Suche erheblich.
Welche Fragen sollten in einem skill-basierten Interview gestellt werden?
Fragen nach konkreten Situationen statt nach Selbsteinschätzungen – am besten nach dem STAR-Prinzip: Situation, Task, Action, Result. Beispiel: „Beschreib eine Situation, in der du ein Projekt gegen Widerstand durchgesetzt hast. Was genau hast du getan, was kam dabei heraus?” Ein bewährtes Prinzip: ein Interview = ein zentraler Skill.
Wie bewertet man Kandidaten anhand von Skills?
59 % der Unternehmen nutzen strukturierte Interviewfragen oder Fallstudien, 34 % praktische Aufgaben oder Skill-Tests, 28 % Arbeitsproben und Portfolios. Die Kombination aus Gespräch und praktischer Aufgabe liefert das genaueste Bild. Halte die Ergebnisse auf einer Scorecard mit fester Bewertungsskala fest, damit Einschätzungen vergleichbar bleiben.
Wie lässt sich der Erfolg von Skill-Based Hiring messen?
Über drei KPIs: Quality of Hire nach 90 Tagen, Time-to-Productivity und die Zufriedenheit der Führungskräfte mit den Einstellungen. Starte mit einem Pilot für eine Job-Familie, miss die Ergebnisse – und skaliere erst dann auf weitere Rollen.
Quellen:
1 Linkedin Economic Graph: 6x (Deutschland) – 16x (USA)
2 Hiring Trends Update, Stepstone, Juni 2026
3 Analyse von Stepstone Stellenanzeigen, 2026








