09. September 2026
Lesedauer: 7 Min.

AI Skills 2026: Zwischen Hype und Realität

Inhalt

  • Das Wichtigste auf einen Blick
  • Was ist ein AI Skill
  • Mehr Chance als Bedrohung
  • Der AI-Skills-Boom
  • Wie die Erwerbsbevölkerung die Lage erlebt
  • Was Unternehmen jetzt tun sollten
  • Über den Report
KI-Skills-Report 2026

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Die Nachfrage nach AI Skills auf stepstone.de liegt heute 3,1-mal höher als 2019. Um das Thema wird aktuell eine lebhafte Debatte geführt: Schlagzeilen über mögliche Entlassungen wegen KI treffen auf die Sorge vieler Berufstätiger, den Anschluss zu verpassen. Stepstone-Daten und aktuelle Forschung zeichnen ein differenzierteres, insgesamt aber ein für Beschäftigte ermutigendes Bild.

Das Wichtigste zu AI Skills auf einen Blick

  • AI Skills sind heute 3,1-mal gefragter als 2019.
  • Generative AI Skills wie ChatGPT oder Copilot stellen inzwischen 17 % aller AI Skills, 2023 waren es 0,2 %.
  • Marketing, Media und PR ist was KI-Nutzung betrifft von Rang 5 auf Rang 2 der gefragtesten Berufsfelder geklettert.
  • In Gesundheitswesen, öffentlichem Dienst, Handwerk, Produktion, Gastgewerbe und Vertrieb bleibt der Anteil von AI Skills unter 1 %.

Das sind nur die Top-Zahlen: Der komplette KI-Skills-Report zeigt alle Berufsfelder, Tool-Rankings und die Methodik im Detail.

Was ist ein AI Skill

Ein AI Skill ist jede Kompetenz, die im direkten Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz steht, und lässt sich grob in zwei Kategorien einteilen. Technische AI Skills umfassen die Entwicklung und das Training von KI-Modellen selbst, etwa Machine Learning oder Data Science. Nutzer-Skills bezeichnen dagegen die Fähigkeit, KI-Tools wie ChatGPT, Copilot oder Prompting im Arbeitsalltag sinnvoll einzusetzen, ihre Ergebnisse zu interpretieren und in bestehende Workflows zu integrieren. Für die meisten Berufsfelder sind es die Nutzer-Skills, die den Unterschied machen.

Technische AI-Skills / Developer Skills

Fähigkeit, KI-Modelle zu designen, trainieren und zu warten.

AI-Nutzer Skills / Komplementäre Skills

Fähigkeit, KI-Modelle zu nutzen, Outputs zu interpretieren und KI-Tools nutzenbringend in Workflows zu integrieren.

KI: Mehr Chance als Bedrohung

Dass KI den Arbeitsmarkt verändert, ist unbestritten. Wie genau, darüber gehen Forschung und öffentliche Debatte oft auseinander. Technologischer Fortschritt hat historisch selten zu Massenarbeitslosigkeit geführt. Basistechnologien wie die Dampfmaschine, die Elektrizität oder der Computer haben immer wieder neue Berufe geschaffen, die vorher niemand für möglich gehalten hätte. KI folgt demselben Muster: Rollen wie AI Safety Researcher oder Prompt Engineer gab es vor wenigen Jahren schlicht noch nicht. Die Frage ist meist nicht, ob neue Rollen entstehen, sondern wie schnell sie sichtbar werden.

AI Skills können aktuell auch zu einem Karriere-Boost beitragen: Eine internationale Studie von Stephany et al. (2026) mit über 22.000 Lebensläufen zeigt: AI Skills im Lebenslauf erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Einladung zum Vorstellungsgespräch um 8 bis 15 Prozentpunkte, bei Quereinsteigenden um 25 Prozentpunkte. Im Schnitt verdienen Beschäftigte mit AI Skills laut einer weiteren Untersuchung von Stephany und Teutloff (2024) 21 % mehr.

Für uns besteht KI Kompetenz aus zwei Seiten: Technologie sinnvoll nutzen und gleichzeitig selbst urteilsfähig bleiben. Welche konkreten Skills dafür notwendig sind, unterscheidet sich je nach Job. Was wir aber über nahezu alle Rollen hinweg suchen, sind Lernfähigkeit, Neugier und ein verantwortungsvoller Umgang mit neuen Möglichkeiten.

Florian Timmermann, Head of Talent Acquisition bei AXA 

Der AI-Skills-Boom

Auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt lässt sich der globale Trend deutlich nachvollziehen. In einer Stepstone Auswertung von 5,6 Millionen Stellenanzeigen sieht man deutlich, dass die Nachfrage nach KI Skills seit 2019 auf das 3,1-Fache gestiegen ist, mit einem klaren Sprung ab Anfang 2025. Besonders stark wächst dabei der Anteil generativer AI Skills wie ChatGPT oder Copilot: 2023 machten sie erst 0,2 % aller AI Skills aus, heute sind es bereits 17 %.

Anteil Stellenanzeigen mit KI-Skills
davon: mit Generative-KI-Skills

Welche neuen Skills das konkret sind, zeigt ein Blick auf die Skills, die es vor 2022 im Recruiting schlicht nicht gab. An der Spitze steht der Umgang mit LLMs, also großen Sprachmodellen, gefolgt von ChatGPT und Copilot. Auch RAG (Retrieval Augmented Generation) und MLOps zählen bereits zu den gefragten neuen Kompetenzen, ein Zeichen, dass es Unternehmen nicht nur um die Anwendung von KI-Tools geht, sondern zunehmend um deren technischen Betrieb.

1.

LLMs
(Large Language Models)

2.

ChatGPT

3.

Copilot

Cover des KI-Skills Reports

Neugierig auf mehr?

Der Report zeigt, wie sich die Nachfrage in Berufsfeldern entwickelt, welche Tools dahinterstecken, und wagt mit Ökonomin Dr. Christina Langer einen Ausblick, wie es weitergeht.

Wie die Erwerbsbevölkerung die Lage erlebt

Stellenanzeigen zeigen, was Unternehmen verlangen. Wie es bei den Beschäftigten selbst aussieht, zeigt eine ergänzende Stepstone-Befragung aus dem Jahr 2025. Beim gezielten Einsatz von KI-Tools sehen sich 86 % der unter 30-Jährigen als kompetent, bei den über 60-Jährigen sind es nur 47 %. Am schwächsten schätzen dabei alle Altersgruppen ihr technisches Verständnis der zugrunde liegenden Modelle ein, im Schnitt gerade einmal 56 %.

Trotzdem blicken viele optimistisch nach vorn: 73 % sind zuversichtlich, dass die eigenen Skills in drei Jahren noch relevant bleiben. Nur 35 % befürchten gleichzeitig, dass die eigene Rolle durch KI überflüssig wird.

Diese Zuversicht ist eine gute Ausgangsbasis, denn sie zeigt: Der Wille, sich weiterzuentwickeln, ist längst da. Jetzt kommt es darauf an, ihn mit den richtigen Kompetenzen zu unterlegen.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

  1. Stelle KI-Anforderungen rollenspezifisch, nicht unternehmensweit
  2. Trenne Must-Haves und Nice-to-Haves konsequent
  3. Beschreibe die Fähigkeit, nicht das Tool
  4. Frage nach Urteilsvermögen, nicht nach Tool-Wissen

Über den Report

Die Plattformauswertung basiert auf über 5,6 Millionen Stellenanzeigen, die zwischen Januar 2019 und Juni 2026 auf Stepstone veröffentlicht wurden. Als AI Skill zählt jede Kompetenz, die explizit im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz gefordert wird, von Machine Learning bis Prompt Engineering.

Weitere Quellen

1 Jaumotte, F., Kim, J., Koll, D., Li, E., Li, L., Melina, G., Song, A., und Tavares, M. M. (2026). “Bridging skill gaps for the future: New jobs creation in the AI age” (Staff Discussion Note No. SDN/2026/001). International Monetary Fund.
2 Stephany, F., Teutloff, O. und Leone, A. (2026) “AI Skills Improve Job Prospects: Causal Evidence from a Hiring Experiment“,  arXiv:2601.13286.
3 Stephany. F. und Teutloff, O. (2024), “What is the price of a skill? The value of complementarity”, Research Policy, Volume 53, Issue 1.
5 Stepstone-Befragung Erwerbstätige, 2025 (n = 4.502).
6 Stepstone Hiring Trends Update 2026.