So wichtig ist Nachhaltigkeit für Arbeitgeber

Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit von Unternehmen bei der Jobsuche? Wie weit sind die Unternehmen hierzulande? Hier gibts die Antworten.

Nachhaltigkeit als Attraktivitätsfaktor Die wichtigsten Insights für Arbeitgeber und HR auf einer Seite

Für Energie, Konsumgüter oder Lebensmittel gilt Nachhaltigkeit bereits als wesentliches Qualitätskriterium. Das ist nachvollziehbar, denn der Klimawandel ist zweifellos eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Nachhaltiges Wirtschaften ist eine Grundvoraussetzung, um diese zu bewältigen. Das wissen auch die Menschen hierzulande, die ihre möglichen Arbeitgeber ganz genau unter die Lupe nehmen und für die der Job oftmals weit mehr ist als ein Mittel zum Zweck. Welche Rolle spielt das Engagement in Sachen Nachhaltigkeit für Jobsuchende bereits? Wie weit sind die Unternehmen hierzulande? Und: Gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern, Berufs- und Altersgruppen?

Nachhaltigkeit ist wichtig, aber bei diesen Gruppen wichtiger

Antworten auf diese Fragen liefert die Online-Umfrage zum Stellenwert des Themas Nachhaltigkeit von StepStone und des Handelsblatt Research Institutes (HRI). Insgesamt ist es drei von vier Befragten wichtig, dass Nachhaltigkeit bei ihrem (möglichen) Arbeitgeber einen hohen Stellenwert hat.

Frauen zeigen sich dabei deutlich sensibilisierter für das Thema als Männer. 81 Prozent der Umfrageteilnehmerinnen finden Nachhaltigkeit wichtig oder eher wichtig. Bei den Männern sind es immer noch 73 Prozent. In 2019 hat die von Schülerinnen und Schülern getragene Bewegung Fridays for Future große Aufmerksamkeit für Klima und Klimaschutz geschaffen. Deshalb lag die Annahme nahe, dass es vor allem die Generation Z ist, für die ein nachhaltig agierender Arbeitgeber besonders wichtig ist. Die Umfrageergebnisse können das nicht bestätigen und zeigen keine großen Unterschiede zwischen den einzelnen Generationen. Tatsächlich ist die Nachhaltigkeit ihres Arbeitgebers den Baby Boomern (81 Prozent) am wichtigsten. Sie liegen damit gute sechs Prozent vor der Generation Z.

Deutlichere Unterschiede zwischen Studierenden

Die Einstellung junger Menschen zum Thema Nachhaltigkeit zeigt der große Universum Student Survey, an welchem insgesamt über 47.000 Studierende von mehr als 200 deutschen Hochschulen teilgenommen haben. Demnach zeigen sich große Unterschiede innerhalb der jungen Generation. Insgesamt zählte für mehr als jede*n vierte*n Student*in Corporate Social Responsibility zu den wichtigsten drei Attraktivitätsfaktoren, die sie sich von einem möglichen Arbeitgeber erhoffen. Das sind deutlich mehr als sich zum Beispiel ein hohes Maß an Verantwortung (21 Prozent) oder schnelle Beförderungen (9 Prozent) wünschen. Auch bei den Studierenden ist Nachhaltigkeit für Frauen (35 Prozent) deutlich wichtiger als für Männer (15 Prozent), aber es zeigen sich noch weitere interessante Unterschiede. Zum einen interessierten sich leistungsstärkere Studierende stärker für das verantwortungsvolle und umweltbewusste Handeln von Unternehmen als ihre schwächeren Kommiliton*innen. Gut 29 Prozent der Einser-Studierenden wählten CSR als eines ihrer wichtigsten Kriterien. Unter denjenigen mit einer Vier waren es fast 8 Prozent weniger. Besonders deutlich waren darüber hinaus die Unterschiede zwischen den einzelnen Fachrichtungen. Mehr als jede*r zweite Geistes- und Sozialwissenschaftler*in will für einen nachhaltigen Arbeitgeber tätig sein. CSR ist für Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen damit das drittwichtigste Kriterium bei der Auswahl des zukünftigen Arbeitgebers (von insgesamt 40 Kriterien, die zur Auswahl standen). emgegenüber interessieren sich nur gut 15 Prozent der Informatik- und Ingenieursstudierenden für das Thema CSR. Hier ist das Interesse am Innovationspotenzial der Unternehmen zum Beispiel deutlich stärker ausgeprägt (51 Prozent).

Welchen Einfluss hat der Beruf?

Die Ergebnisse der Studierenden lassen schon vermuten, dass die Bedeutung des Themas auch zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen differiert. Die StepStone und HRI Untersuchung zeigt genau das. Auch zwischen den verschiedenen Berufsgruppen gibt es Unterschiede. Menschen in Bildungs- und Sozialberufen (83 Prozent) legen demnach am meisten Wert auf eine ausgeprägte unternehmerische Verantwortung. Aber auch Handwerker*innen (81 Prozent) und Beschäftigte in Administration und Sekretariat (80 Prozent) stimmen der Aussage besonders oft zu. ITler*innen (68 Prozent) und Marketing-Expert*innen (73 Prozent) stimmen zwar immer noch mehrheitlich, aber seltener zu. Das heißt, dass Unternehmen mit hohem Engagement in Sachen Nachhaltigkeit nicht nur etwas für den Planeten, sondern auch ihre Attraktivität als Arbeitgeber tun.

Die Rolle im Bewerbungsprozess: Entscheidend

Engagement in Sachen Nachhaltigkeit kann also ein gutes Argument auf dem Arbeitsmarkt sein. Aber wie wichtig ist es konkret für die Jobentscheidung? Der Aspekt der Nachhaltigkeit ist für die Menschen grundsätzlich wichtig, die meisten machen ihre Entscheidung allerdings nicht unmittelbar davon abhängig. Zwei Drittel sehen das so. Entschiedener sind die Menschen hingegen im gegenteiligen Fall. Ebenfalls etwa zwei Drittel der Befragten würden sich nicht bei einem Unternehmen bewerben, welches umweltschädliche Produkte herstellt. Gut 70 Prozent wünschen sich, sich besser über die Nachhaltigkeit von Unternehmen informieren zu können. Und über der Hälfte der Teilnehmenden ist es wichtig, direkt im Bewerbungsprozess Informationen zur Nachhaltigkeit des möglichen Arbeitgebers zu erhalten. Das hat einen Grund: 67 Prozent der Menschen finden es grundsätzlich schwierig, sich zur Nachhaltigkeit von Unternehmen zu informieren. Es besteht also Aufklärungsbedarf seitens der Unternehmen – und die Chance zwiegespaltene Kandidat*innen für sich zu gewinnen. Denn ganze 80 Prozent erklären, eher das Jobangebot eines Unternehmens anzunehmen, welches sich aktiv in Sachen Nachhaltigkeit einsetzt. Aber wie weit sind die Unternehmen tatsächlich?

Hier sind die nachhaltigen Arbeitgeber

Laut den Umfrageteilnehmenden kann die deutsche Wirtschaft nicht nur in Sachen Nachhaltigkeitskommunikation besser werden. Sie erzielt kein schlechtes Ergebnis, hat aber auch noch Luft nach oben. In der Untersuchung wurden die Beschäftigten nämlich ebenfalls dazu befragt, ob sie ihren eigenen Arbeitgeber im Großen und Ganzen als nachhaltig beurteilen. Zusätzlich haben die Menschen bewertet, ob Nachhaltigkeit im Unternehmen überhaupt ein Thema ist und als solches diskutiert wird. Insgesamt beurteilt eine leichte Mehrheit von 52 Prozent das Wirtschaften des eigenen Arbeitgebers als eher nachhaltig. Allerdings spielt das Thema nur innerhalb von 42 Prozent der Unternehmen eine große Rolle. Klarer Branchensieger laut der eigenen Beschäftigten ist die Energie- und Wasserwirtschaft. Das ist nachvollziehbar, spielt der Klimawandel doch in kaum einer anderen Branche eine derart prominente Rolle. Zwei Drittel der dort Beschäftigten halten das eigene Unternehmen für nachhaltig. Laut 61 Prozent ist Nachhaltigkeit bei den Energie- und Wasserversorgern auch intern tatsächlich ein großes Thema. Dies ist ein deutlicher Unterschied zu den nachfolgenden Plätzen. In der Internetbranche, die 60 Prozent der Angestellten insgesamt nachhaltig bewerten (Platz zwei), ist Nachhaltigkeit nur für gut 38 Prozent auch wirklich ein relevantes Thema. Platz drei teilen sich zusammengefasst Unternehmen der Bereiche Banken, Finanzen, Versicherungen sowie Handwerksbetriebe. Etwa 56 Prozent der dort Beschäftigten hält das eigene Unternehmen für eher nachhaltig. Weniger gut bewertet etwa werden die Unternehmen der Metallindustrie (46 Prozent) und im Groß- und Einzelhandel (44 Prozent).

 

Über die Studie

Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung: Wie weit sind Deutschlands Unternehmen? Welche Rolle spielen diese Faktoren in Unternehmen, im Berufsalltag der Menschen in Deutschland und bei der Jobsuche? Diese Fragen hat StepStone zusammen mit der Handelsblatt Media Group im Rahmen einer Online-Umfrage untersucht. An der Befragung haben im Dezember 2019 insgesamt ca. 12.000 Menschen teilgenommen. Gut jede/r fünfte Teilnehmende hat Führungsverantwortung.

Über die Analyse von Universum
Im Rahmen des jährlichen Universum Student Survey geben Studierende unter anderem Auskunft darüber, welche Unternehmen für sie attraktiv sind, welche Eigenschaften sie an Arbeitgebern schätzen, welche Gehaltsvorstellungen sie haben und welche langfristigen Karriereziele sie verfolgen. In diesem Jahr nahmen 47.010 Studierende von 231 deutschen Hochschulen an der Umfrage teil. Mehr Informationen: https://universumglobal.com/de/studentsurvey2020/

Kontakt

  • Dr. Tobias Zimmermann
  • Research Manager & Arbeitsmarktexperte

  • Jan Heming
  • Research Manager

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