Boom am Arbeitsmarkt

Die Trendwende am Arbeitsmarkt ist da. StepStone Zahlen zeigen neuen Höhepunkt an offenen Stellen

Die Trendwende am Arbeitsmarkt ist da. Im Sommer 2021 kommen zwei entscheidende Entwicklungen zusammen. Die Erwerbsbevölkerung in Deutschland beginnt jetzt zu schrumpfen, was allein bereits einer Zeitenwende gleichkommt. Parallel deutet die wirtschaftliche Entwicklung steil nach oben. Die Unternehmen rüsten sich für den erhofften Nachkrisen-Boom und profitieren bereits vom Ende des Lockdowns hierzulande. Diese Gemengelage führt zu einem heißen Sommer am Arbeitsmarkt, in dem die Unternehmen um Bewerber*innen buhlen wie noch nie – ein Vorgeschmack auf das  nun anstehende Zeitalter knapper Talente.

 

Nachfrage auf Rekordkurs

Egal, auf welche Barometer oder Indizes man schaut. Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Deutschland laufen auf Hochtouren. Das Arbeitsmarktbarometer des IAB vermeldet ein „Allzeithoch“ und der ifo Geschäftsklimaindex steigt deutlich, sieht die Konjunktur geradewegs in Richtung Boom steuern. Das zeigt auch die Zahl der auf StepStone geschalteten Stellenanzeigen. Im Juni erreichte die Nachfrage nach den richtigen Mitarbeiter*innen zuletzt einen vorläufigen Höhepunkt von +20 Prozent gegenüber der Nachfrage der Vor-Corona-Zeit. Kurz zur Erinnerung: Zwar kühlte sich die Wirtschaft seit 2019 etwas ab, kam aber aus einer zehnjährigen und einzigartigen Phase des Wachstums. Das heißt, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften hierzulande bereits jetzt die Vor-Krisennachfrage übersteigt – und das eben um satte 20 Prozent. Dabei ist die Krise keineswegs vorbei oder ihre Auswirkungen vollständig überwunden. Auch der vielthematisierte demographische Wandel beginnt gerade erst damit, wirksam zu werden.

Die StepStone Arbeitslosenzahl-Prognose

„Deutschlands wichtigste Zahl“ (so der Spiegel 2020) ist dabei die Arbeitslosenzahl, die die Bundesagentur für Arbeit (BA) jeden Monat kommuniziert. Und natürlich zeigt sich auch in dieser Zahl der aktuelle Aufschwung. Laut BA waren im Juni 2021 2.614.000 Menschen ohne Arbeit. StepStone CEO Dr. Sebastian Dettmers sagt seit Monaten die Arbeitsmarkt-Statistik voraus. Basis sind die zahlreichen Daten, die wir jeden Tag rund um Jobsuche und Recruiting in Deutschland (und weltweit) erheben und analysieren. StepStone investiert massiv in Köpfe in Sachen KI und Data-Analyse, weshalb wir sehr genaue Aussagen dazu treffen können, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt. Dies drückt sich zum Beispiel in der StepStone Prognose der Arbeitslosenzahl aus, die wir monatlich erheben. Auch im Juni hat unsere prognostizierte Arbeitslosenquote bis auf eine minimale Abweichung von 0,1 Prozentpunkte auf den Punkt gestimmt.

Diese Daten zeigen eindeutig: Der Boom ist da. Und es ist noch kein Ende in Sicht. Erstmals im März dieses Jahres erreichte die Nachfrage auf StepStone wieder das Vor-Corona Niveau. Der Markt erholt sich stetig seit dem Tiefpunkt im April 2020.

Diese Berufe sind besonders gefragt

Es besteht zum einen erheblicher Personalbedarf bei Jobs, deren Relevanz in der Corona-Pandemie besonders deutlich geworden ist, wie zum Beispiel in der Logistik. Auch Mechaniker*innen werden nach wie vor gesucht – das Handwerk braucht dringend Personalzuwachs. Zum anderen gibt es großen Personalbedarf bei stark spezialisierten Jobs in aufstrebenden Branchen. Je spezifischer die Anforderungen, desto schwieriger ist es für Unternehmen, geeignete Kandidat*innen zu finden. Ein gutes Beispiel sind Softwareentwickler*innen in der IT. Nach Berufsgruppen sortiert macht das Land der Ingenieure seinem Ruf alle sprichwörtliche Ehre. Besonders stark nachgefragt wurden in den vergangenen zwei Monaten Bewerber*innen in technischen Berufen und Ingenieursberufen (ca. 18,3 Prozent aller Stellenausschreibungen auf StepStone). Hierunter vor allem Projektmanager*innen, Elektro- oder Servicetechniker*innen und Technikexpert*innen mit Führungserfahrung. Auf Platz zwei folgen Jobs im Bereich IT (16,1 Prozent), wie eben vor allem Softwareentwickler*innen, Systemadministrator*innen und viele mehr.

Besonders im Fokus der Unternehmen sind aber keineswegs ’nur‘ die klassischen Bürojobs. Der Handel sucht dringend Verkäufer*innen oder Teamleiter*innen. So entfällt etwa jede zehnte Stellenanzeige auf das Berufsfeld Vertrieb und Verkauf.  Auch beachtlich ist der Anteil der Gesuche im Handwerk und der Fertigung sowie bei Einkauf und Logistik. In der Lager- oder Distributionslogistik, der Disposition ist hier unter anderem der Bedarf groß. Im Handwerk und der Fertigung ist die Nachfrage in Mechanik, Montage, Bauwesen, Elektrik und Sanitär besonders stark.

Die Top 7 Berufsfelder nach Nachfrage von Unternehmen:

  1. Ingenieure & technische Berufe
  2. IT
  3. Vertrieb und Verkauf
  4. Finanzen
  5. Einkauf, Materialwirtschaft, Logistik
  6. Marketing und Kommunikation
  7. Handwerk, Dienstleistung, Fertigung

Boom hat sich abgezeichnet

Auf StepStone Wissen finden Sie regelmäßig Ergebnisse unserer Befragungen. Und diese zeigen ebenfalls nochmal deutlich, dass der aktuelle Nachfrage-Boom keineswegs unerwartet kommt. Denn trotz teils geringerer Nachfrage war unseren Befragungen zufolge Personalgewinnung in den vergangenen Monaten keineswegs einfacher als vor Corona. Vier von fünf Personaler*innen sagten im Herbst 2020: Der Wettbewerb ist genauso hart wie zuletzt. Drei von vier Unternehmen gaben an, dass sie den (zunehmenden) Wettbewerb am Arbeitsmarkt aktuell und schon länger spüren.

Und mehr noch: Der StepStone Corona Report 2020 zeigt, dass schon vor einem Jahr, gut jedes dritte Unternehmen von einem erhöhten Personalbedarf nach der Krise ausging. Etwa zwei Drittel der Unternehmen planten deshalb laut eigenen Angaben im letzten Herbst in die Mitarbeitermotivation und -bindung zu investieren, um den Druck auf die eigene Personalabteilung nicht noch stärker ansteigen zulassen. Trotz Krise wollte gut die Hälfte der Arbeitgeber das Lohnniveau im eigenen Unternehmen erhöhen, um attraktiv zu bleiben für potenzielle Neuzugänge.  Neun von zehn Chef*innen waren sich jedenfalls einig. Für den Kickoff nach der Krise zählt vor allem eins: die richtigen Mitarbeiter*innen. Und genau das zeigt sich jetzt.

Die Jobsuchenden

Betrachtet man das Verhalten der Jobsuchenden wird eines deutlich: Konkrete Jobtitel ausgeklammert, die für die Jobsuche ohnehin zunehmend an Bedeutung verlieren werden, zeigt sich die enorme Bandbreite an Suchprofilen und Interessen der Menschen. Entgegen der Annahme, dass der gesamte Nachwuchs hierzulande an die Universitäten strebt, ist der mit Abstand häufigste Suchbegriff „Ausbildung“. Das duale System ist und bleibt also weiter gefragt – eine gute Nachricht für die suchenden Arbeitgeber in Technik, Handwerk, Logistik u.v.m. Es folgen Suchanfragen zu „Marketing“, „Vertrieb“, „IT“ und „Controlling“ sowie „Logistik“.

Ein Trend der vergangenen Monate verfestigt sich und könnte zum Trend des Sommers 2021 werden, in dem insbesondere Betriebe aus den Bereichen Gastronomie und Tourismus händeringend nach Verstärkung suchen. Die Menschen suchen seit Monaten stark nach Möglichkeiten zum Quereinstieg (Suchbegriff: „Quereinsteiger*in). Das passt zu dem StepStone Umfrageergebnis wonach gut vier von fünf Menschen seit der Krise stärker über den Tellerrand schauen und ihre Suchkriterien ausgeweitet haben. Nur noch jede*r Zehnte ist auf die aktuelle Branche festgelegt. 90 Prozent zeigen sich offen dafür, die Branche zu wechseln, wenn das Jobangebot passt. Und das ist nur ein Aspekt. Auch die Suchbegriffe „Aushilfe“ oder „Minijob“ finden sich weit oben in der Rangliste und belegen die Flexibilität vieler Jobsuchender.

Kontakt

  • Dr. Tobias Zimmermann
  • Research Manager & Arbeitsmarktexperte

  • Jan Heming
  • Research Manager

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