
Gender-Pay-Gap: Ursachen und Lösungsansätze für die Entgeltlücke
Inhalt
- Gründe für den Gender-Pay-Gap
- Warum verdienen Frauen weniger?
- Bewegungen am Arbeitsmarkt
- Stepstone Gehaltsreport 2026
- Fazit
- FAQ

Gehaltsreport 2026
DownloadLaut unserer aktuellen Auswertungen beträgt die international als „Gender-Pay-Gap“ bezeichnete Lücke zwischen den Gehältern von Frauen und Männern 2025 in Deutschland 4,8 %. Dabei handelt es sich um einen bereinigten Gap. Das bedeutet, die Unterschiede sind nicht durch sachlich-rationale Faktoren wie Arbeitszeit, Personalverantwortung, Größe des Unternehmens etc. zu erklären. Unbereinigt beträgt der Unterschied 9,7 %. Das bedeutet: Frauen verdienen in Deutschland allgemein rund 10 % weniger als Männer.
Was sind die Ursachen des Gender-Pay-Gap?Wie kommt die Ungleichheit zustande und welche Wege werden bereits beschritten, um diese zu beseitigen?
Gründe für den Gender-Pay-Gap
Laut dem Stepstone Gehaltsreport 2026 verdient eine Frau in Deutschland durchschnittlich ein Bruttojahreseinkommen von 50.500 €, wohingegen ein Mann 55.900 € am Ende des Jahres auf dem Gehaltsscheck hat. Es gibt tatsächlich gleich mehrere Indizien, die Gründe für die Ungleichheit nahelegen – wenn man außen vor lässt, dass viele Frauen in Teilzeit arbeiten, (daher) weniger häufig Personalverantwortung haben und auch generell häufiger in schlechter bezahlten Jobs tätig sind.

Warum verdienen Frauen weniger im gleichen Beruf?
Ein Grund ist sicherlich der Mangel an Transparenz, der allerdings für jeden und alle Geschlechter am deutschen Arbeitsmarkt besteht. Niemand weiß wirklich, wer was verdient. Gehälter sind in Deutschland immer noch ein Tabu-Thema. Ein Schritt hin zu einer allgemeinen Gleichberechtigung ist also Gehaltstransparenz am Arbeitsmarkt.
Denn unsere Befragungen belegen weiterhin, dass Frauen Gehälter ungern verhandeln, und wenn doch, nicht so hoch verhandeln wie Männer. Aber auch hier wäre eine transparente Gehaltskommunikation ein nützlicher Hebel. Denn je sicherer Frauen sein können, dass ihre Gehaltsvorstellungen in einer gewissen Höhe angebracht sind, desto eher werden sie verhandeln und sich für ihre Bedürfnisse einsetzen. Daher finden Bewerber*innen auf stepstone.de Gehaltsspannen in den veröffentlichten Stellenanzeigen. Diese zeigen direkt an, in welchem Rahmen sich das zukünftige Entgelt bewegen könnte und weisen so den Weg zu einer entspannten und sicheren Gehaltsverhandlung – für alle.
Bist du als Arbeitgeber auf die neuen Anforderungen rund um das Entgelttransparenzgesetz und die kommende EU-Richtlinie vorbereitet?
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Ein weiterer sehr wichtiger Faktor ist auch der so genannte Unconscious Genderbias, der bei der Ausschreibung von Stellen und der Personalauswahl immer wieder seine Finger im Spiel hat, ohne dass wir es merken. Unbewusst kategorisieren Menschen andere Menschen nach Stereotypen. So entstehen in Stellenanzeigen eher weiblich und eher männlich kodierte Beschreibungen für die jeweilige Tätigkeit. Laut einer unserer Analysen auf stepstone.de enthalten 50% aller Stellenausschreibungen eher männlich kodierte Wörter. Ein interessanter Fakt dazu: Frauen, die Stellenanzeigen mit männlich kodierten Wörtern lesen, fühlen sich einer Stelle weniger zugehörig und nehmen die Stelle deswegen als weniger ansprechend wahr – und dies unabhängig von den eigenen Fähigkeiten. Weiblich kodierte Wörter haben hingegen keinen negativen Einfluss auf die Bewerbungsmotivation von Männern. Sie bewerben sich also eher auf die Positionen, mit deren Beschreibung sie sich wohler fühlen. Salopp gesagt: Sie stapeln lieber niedrig als hoch.

Lesetipp
Stepstone Gehaltsreport 2026: Was verdient Deutschland?
Welche Bewegungen lassen sich am Markt beobachten?
Lassen wir die Gleichberechtigung mal nüchtern außen vor, sieht die derzeitige Marktlage folgendermaßen aus: Es herrscht ein weltweiter Fachkräftemangel – geradezu eine Arbeiterlosigkeit. In diesen Zeiten sollte es egal sein, ob Mann oder Frau – was zählt ist die Arbeitskraft, die Unternehmen das Bestehen am Markt sichert. Arbeitskraft ist ein rares Gut, das jeden Cent wert sein sollte. Und wie es häufig so ist, entstehen aus dem Druck einer Not heraus häufig sinnvolle Lösungen. Unternehmen müssen über kurz oder lang den Schritt gehen, Gehälter transparent zu machen und entsprechend anzupassen. Denn eines ist klar: Wenn sie es nicht tun, macht es sehr wahrscheinlich ein anderes Unternehmen. Dieser Druck wird voraussichtlich in Zukunft auch die letzten Grenzen in Sachen Gehalt verschwimmen lassen.

Stepstone Gehaltsreport 2026
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Fazit
Abgesehen von Maßnahmen, die durch die Gleichstellungspolitik veranlasst wurden und werden, gibt es bereits diverse Wege und Mittel, die jedes Unternehmen unbürokratisch umsetzen kann, um Gehältergleichheit auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu schaffen. Aufgrund der Arbeiterlosigkeit könnte ebenfalls mittel- bis langfristig ein großer Teil der Entgeltlücke quasi auf natürliche Art und Weise angeglichen werden. So wächst gleichzeitig das Verständnis dafür, dass eine gute Arbeitskraft eine gute Arbeitskraft ist, ganz gleich, ob männlich oder weiblich. Das muss auch das Gehalt widerspiegeln.
*Bei den Gehaltsangaben handelt es sich um Mediangehälter: Das bedeutet, es wird das mittlere Einkommen aller ausgewerteten Einkommen angegeben.
FAQ
Was sind die wichtigsten Ursachen für den Gender-Pay-Gap?
Neben den relativ offensichtlichen Gründen wie Teilzeitarbeit – dadurch eher selten Personalverantwortung – sowie das Arbeiten in generell schlechter bezahlten Jobs, gibt es auch tiefgreifendere Gründe dafür, dass Frauen in Deutschland schlechter bezahlt werden als Männer.
Frauen verhandeln tendenziell ungern Gehälter und sind durch den Mangel an Gehaltstransparenz dabei deutlich vorsichtiger als Männer. Eine transparente Gehaltskommunikation wäre ein wichtiger Hebel, um Frauen mehr Mut und Selbstsicherheit in der Gehaltsverhandlung zu geben.
Darüber hinaus tut der sogenannte Unconscious Genderbias sein Übriges für den Gender-Pay-Gap: Unbewusst kategorisieren Menschen andere Menschen in Stereotype. Durch eher männlich bzw. weiblich kodierte Stellenanzeigen bewerben sich Frauen häufig auf besser bezahlte Jobs nicht, da sie sich von den entsprechenden Stellenanzeigen nicht angesprochen fühlen. Umgekehrt funktioniert dieser Bias nicht: Männer bewerben sich gleichermaßen auf weiblich und männlich kodierte Stellenanzeigen.
Was können Unternehmen gegen den Gender-Pay-Gap tun?
Neben einer transparenten Gehaltspolitik helfen außerdem neutrale bzw. eher weiblich kodierte Stellenanzeigen. Frauen fühlen sich durch männlich kodierte Stellenanzeigen seltener angesprochen und bewerben sich weniger häufig auf solche Jobs, obwohl das Jobprofil und die Anforderungen zu ihnen passen.
Männlich geprägte Begriffe wären beispielsweise “leistungsorientiert” und “durchsetzungsstark” – eher weiblich geprägt sind dagegen “teamorientiert” und “einfühlsam”.
Welche Rolle spielt Teilzeitarbeit beim Gender-Pay-Gap?
Der unbereinigte Gender-Pay-Gap wird unter anderem durch Faktoren wie die Teilzeitarbeit stark verzerrt, weil die Zahl der in Teilzeit arbeitenden Frauen die der Männer weit übersteigt. Aus diesem Grund gibt es den sogenannten bereinigten Gender-Pay-Gap, der das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen misst, nachdem strukturelle Faktoren wie Branche, Beruf, Qualifikation, Erwerbsumfang und Arbeitszeit herausgerechnet wurden.
Aber auch der bereinigte Gender-Pay-Gap wird von der Teilzeitarbeit beeinflusst, denn: Frauen, die zum Wohle der Care-Arbeit in Teilzeit wechseln, verringern damit auch langfristig ihre Karrierechancen. Während die Karriereleiter für Männer in Vollzeit in der Regel linear nach oben verläuft, stagnieren Frauen in der Teilzeit häufig über einen Zeitraum mehrerer Jahre und können den Anstieg auch nach einer Rückkehr in die Vollzeit selten ausgleichen.
Welche Rolle spielt fehlende Gehaltstransparenz beim Gender-Pay-Gap?
Fehlende Gehaltstransparenz ist vor allem für Frauen in der Arbeitswelt ein Nachteil. Frauen verhandeln tendenziell eher ungern über Gehälter und sind in der Höhe ihrer Forderungen deutlich zögerlicher als Männer. Die fehlende Gehaltstransparenz nimmt Frauen die Möglichkeit für einen realistischen Gehaltsvergleich und damit die nötige Grundlage für eine faire Gehaltsverhandlung. Deswegen verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer.




