Stress am Arbeitsplatz: Wieso wir besonders gefährdet sind

Unsere Studieninsights zur StepStone Less-Stress-Week

Webinar-Präsentation "Jobsuche in der neuen Normalität" vom 24.06.2020 Jetzt Präsentation vom großen StepStone Online Karrieretag gratis herunterladen

Die meisten Büroarbeiter kennen die folgenden Situationen nur zu gut: Der Terminkalender ist dicht gefüllt. Man steht wieder im Stau auf der Autobahn oder die lieben Kleinen wollen sich partout nicht am Kindergarten absetzen lassen – obwohl der erste Termin in Kürze ansteht. Der Chef verlangt noch einmal umfassende Änderungen an einem Projekt, obwohl die Abgabefrist näher rückt. Ein Kunde wirft trotz vorheriger Abstimmung den gesamten Zeitplan noch einmal komplett um.  In solchen Situationen beschleunigen sich Atmung und Herzschlag. Negative Emotionen und Pessimismus gewinnen vielleicht kurz die Oberhand. Kurz: wir sind im Stress. Situationen, in denen wir angespannt sind, sind hin und wieder nichts Ungewöhnliches. Erleben wir aber zu oft und regelmäßig Stress, ist das ungesund für Geist und Körper. Langfristig leiden unsere Motivation, Leistungsfähigkeit und vor allem unsere Gesundheit. Wie gut sind Arbeitnehmer in Deutschland auf Stress vorbereitet? Wie können Unternehmen und Mitarbeiter zu viel Stress vorbeugen und wie funktioniert das in der Realität?

Stresstest Corona-Krise

Um diese Fragen zu beantworten, hat StepStone seine regelmäßigen Studien dem ‚Stresstest‘ unterzogen und zentrale Faktoren untersucht, die Stress entweder vorbeugen oder verursachen können.

Im Rahmen der regelmäßigen Umfragen zur Situation von Unternehmen und Mitarbeitern in der Corona-Krise wurde deutlich, dass sich gut jeder Zweite in Deutschland akut gestresst fühlt. Fast 40 Prozent der Befragten geben darüber hinaus an, dass der Stress im Laufe der Krise weiter zunimmt. Gut jeder Dritte bemerkt bereits gesundheitliche Probleme aufgrund der Krise. Zunehmender Stress kann ein entscheidender Grund hierfür sein. Wie gefährdet sind die Beschäftigten in Deutschland, in stressige Situationen zu geraten? Wie können Unternehmen und Mitarbeiter zu großen Stress vorbeugen?

Anti-Stressfaktor Nummer 1: Erfolgreiche Zusammenarbeit

Die digitale Arbeitswelt erfordert mehr Teamwork denn je. Umso wichtiger ist ein gutes Verhältnis unter den Mitarbeitern. Denn Kollegen, die gut zusammenarbeiten, unterstützen einander, wenn es nötig ist. Darüber hinaus sorgen sie dank funktionierender und verlässlicher Abläufe für weniger Stress. Kein Wunder also, dass sich 90 Prozent der Beschäftigten wünschen, mit Kollegen zusammenzuarbeiten, die sie mögen. 77 Prozent wollen sich im Arbeitsalltag von ihren Kollegen unterstützt wissen.

In diesem Punkt stehen die Zeichen hierzulande gut. 95 Prozent der Fach- und Führungskräfte in Deutschland arbeiten grundsätzlich gern im Team. Die deutliche Mehrheit ist der Meinung, sich auf die Kollegen verlassen zu können. Und etwa drei von vier Fach- und Führungskräften geben an, dass sie mit ihren Kollegen an einem Strang ziehen und alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Zahlen, die sich übrigens auch in der Corona-Krise nicht verschlechtert haben. Ganz im Gegenteil: Ein Großteil der Beschäftigten sagt, dass die Zusammenarbeit mit den Kollegen weiterhin so verlässlich ablaufe wie zuvor, das gemeinsame Ziel nicht aus dem Auge gerate. Das ist sicherlich einer der Hauptgründe dafür, dass die Zusammenarbeit in dieser neuartigen Drucksituation (überraschend) gut funktioniert.

Anti-Stressfaktor Nummer 2: Gute Führung

Eine gute Führungskraft vermittelt gleichsam Inspiration und Sicherheit, gibt eine klare Richtung vor und lässt den Mitarbeitern dennoch genug Raum zur freien Entfaltung. Die Anforderungen an Führungskräfte werden im digitalen Zeitalter zunehmend vielfältiger und komplexer. Umso wichtiger ist die richtige Ausgestaltung von Führungsverantwortung, um Projekte wie Teams zum Erfolg zu führen und dabei unnötigen Stress zu vermeiden.

40 Prozent der Beschäftigten geben an, dass ihre Chefin oder ihr Chef schon einmal Grund für Alpträume war.  Eine Herausforderung im Zusammenspiel zwischen Fach- und Führungskräften können unterschiedliche Wahrnehmungen derselben Sachverhalte sein und somit langfristig zu Missverständnissen führen – was wiederum zu Stress führen kann.

Das betrifft auch Differenzen bei der Selbst- und Fremdwahrnehmung:

Einig sind sie sich jedoch im Hinblick auf die Feedback-Kultur: Die Befragung Deutschland und seine Chefs zeigt, dass sich beide Seiten über die Bedeutung regelmäßiger Rückmeldungen einig sind. Eine gute Grundlage, um das gegenseitige Verständnis zu verbessern. Vielleicht auch deshalb wünschen sich über 60 Prozent der Mitarbeiter, dass ihr Chef mehr mit ihnen kommunizieren sollte. Kommunikation ist auch ein Schlüsselfaktor in einer Extremsituation, wie wir sie aktuell erleben. Für die Mehrheit der Befragten ist der Chef aktuell weniger zu greifen als zuvor. Nichtsdestotrotz bekommen Führungskräfte für ihr Krisenmanagement vergleichsweise gute Noten. Sie finden demnach kreative Lösungen und zeigen Verständnis für die Belange der Mitarbeiter. Die gute Performance und der hohe Einsatz der Entscheidungsträger ist sicherlich ein weiterer Faktor dafür, dass die aktuelle Situation sich nicht noch kritischer auswirkt.

Anti-Stressfaktor Nummer 3: Flexibilität

Die zunehmende Komplexität der digitalen Arbeitswelt wie auch unseres Alltags erfordert ein hohes Maß an Flexibilität. Die Corona-Krise zeigt besonders deutlich, wie wichtig flexible Strukturen und Denkweisen sind. Flexibilität meint an dieser Stelle sowohl Strukturen (Arbeitszeitmodelle, Arbeitsort) sowie eine entsprechende Unternehmenskultur mit passenden Mindsets. Vielen ist es wichtig, berufliches und privates miteinander in Einklang zu bringen. Ein Großteil der Menschen pendelt mindestens eine halbe Stunde zur Arbeit. Klassische Arbeitszeitmodelle werden als einengend empfunden. Flexible Arbeitszeiten gehören deshalb für 95% der Menschen zu einem attraktiven Jobangebot dazu. Für 75% der Beschäftigten ist eine gute Work-Life-Balance einer der wichtigsten Gründe, bei einem Arbeitgeber zu bleiben. Terminstress und Stress in der Verbindung von Beruflichem und Privaten können somit gemindert werden.

Flexibilität ist allerdings auch ein entscheidendes kulturelles Element, um angemessen und nicht mit übermäßigem Stress auf neue Herausforderungen und wechselnde Kontextbedingungen zu reagieren. In puncto Ideen- und Fehlerkultur haben viele Unternehmen allerdings noch Nachholbedarf. Firmen könnten mehr tun, um ihren Mitarbeitern Freiräume für selbstständiges Denken und Entscheiden zu schaffen – und sie hierzu zu befähigen. Dies sind entscheidende Fähigkeiten und Freiheiten, um auch in Extremsituationen angemessen zu reagieren und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress zu erhöhen.

Bleiben Sie jetzt so einfach wie nie auf dem neuesten Stand zu aktuellen Entwicklungen rund um Arbeit und Recruiting

Im neuen StepStone Podcast diskutieren die StepStone Experten die wichtigsten und neuesten Trends mit spannenden Gästen.

Locker, ungezwungen und kurzweilig in der HR snackbar.

Jetzt Podcast anhören

Anti-Stressfaktor Nummer 4: Sinn und Flow

Stress ist nicht ausschließlich negativ. Positiver Stress kann im besten Sinne motivierend wirken und zu Höchstleistungen anstacheln. Der sogenannte Flow-Moment ist etwas, wonach viele engagierte Arbeitnehmer streben. Fast zwei Drittel der Fachkräfte haben ihren Job in erster Linie nach persönlichen Interessen gewählt. 91 Prozent wollen wirklich etwas getan haben, wenn sie Feierabend haben – und verknüpfen damit Erfolgserlebnisse. 83 Prozent wollen zeitnah Ergebnisse ihrer Arbeit sehen. Für neun von zehn Menschen ist ein sinnhaftes Aufgabengebiet, in welchem sie etwas bewirken können, ein zentrales Entscheidungskriterium für oder gegen ein Jobangebot. Der wichtigste Grund für Zufriedenheit mit Job und Arbeitgeber ist das Empfinden der alltäglichen Aufgaben als sinnhaft (Stichwort: Purpose). Jeder, der weiß, warum er morgens das Haus verlässt und mit seiner Arbeit etwas bewirken kann, ist weniger anfällig für Stress. Hier gibt es gute und schlechte Nachrichten aus der großen StepStone Datenbank. Generell empfindet nur gut jeder dritte Beschäftigte seine Aufgaben als sinnhaft. Hier sehen sich die Unternehmen folglich einer großen kommunikativen Herausforderung gegenüber. Gleichzeitig sagt aber mehr als jeder zweite Arbeitnehmer in der Corona-Krise, dass die eigenen Aufgaben jetzt wichtiger seien als je zuvor.

Fazit

Dass Extremsituationen im Arbeitsalltag auch mal stressig sind, ist normal. Problematisch ist es jedoch, wenn dieser zu negativem Stress wird. Die StepStone Analyse zeigt, dass sowohl Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der Pflicht sind, daran zu arbeiten. Führungskräfte sollten ihren Mitarbeitern mit Vertrauen begegnen und eine offene Fehler- und Feedbackkultur etablieren. Aber auch ein kollegiales und positives Arbeitsklima, das maßgeblich von jedem einzelnen Arbeitnehmer selbst abhängt, trägt entscheidend zum Wohlbefinden und weniger Stressempfinden bei.

Sie wollen nicht nur weniger Stress, sondern auch mehr verdienen?

Mit dem StepStone Gehaltsplaner können Sie in nur drei Minuten herausfinden, ob und wie Sie mehr verdienen können und ihr Gehalt vergleichen.

Jetzt Gehaltsplaner starten

Kontakt

  • Dr. Anastasia Herrmann
  • Head of Research

  • Dr. Tobias Zimmermann
  • Research & PR Manager

  • Jan Heming
  • Research Manager

Wir freuen uns über Ihr Feedback und Ihre Anfragen unter: studien@stepstone.de
Sie sind Journalistin oder Journalist und haben Nachfragen? presse@stepstone.de

  • StepStone
  • Wissen
  • Stress am Arbeitsplatz: Wieso wir besonders gefährdet sind