So agil arbeitet Deutschland

Agilität beziehungsweise agiles Arbeiten sind in aller Munde. Aber was ist hierunter genau zu verstehen? Und wie effizient ist Agilität eigentlich?

Infografik Agiles Arbeiten Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick. Laden Sie jetzt unsere Infografik herunter.

Angeregt diskutierende Kollegen stehen vor einem großen Board mit Post-Its. In einem anderen Büro setzen ein Product Owner und ein SCRUM Master ein gemeinsames Meeting an, um den Entwicklungsstand ihres neuen Produktes zu besprechen. SCRUM und Kanban sind agile Arbeitsmethoden. Agilität gilt als eine der aussichtsreichsten Antworten auf die Herausforderungen der sich stetig wandelnden Arbeitswelt. Aber was bedeutet es eigentlich, agil zu arbeiten? Wollen Fach- und Führungskräfte überhaupt agil arbeiten? Wie ist der Status quo in deutschen Unternehmen? Und welchen Effekt haben agile Denk- und Handlungsweisen tatsächlich?

Was es heißt, agil zu arbeiten

Die Online-Jobplattform StepStone und das Kienbaum Institut @ ISM, die Forschungseinrichtung des Beratungsunternehmens Kienbaum, sind genau diesen Fragen in einer Studie mit 10.000 Fach- und Führungskräften nachgegangen und setzen damit die Reihe gemeinsamer Studien fort.

Die Arbeitswelt befindet sich in stetem Wandel. Digitalisierung und Automatisierung haben diesen Prozess enorm beschleunigt. Arbeitsstrukturen verändern sich schneller denn je. Unternehmen und ihre Mitarbeiter stehen unter großem Anpassungsdruck und sehen die Notwendigkeit, Veränderungen anzustoßen und Verbesserungssprozesse einzuleiten.

Agilität beschreibt in erster Linie ein Mindset und eine damit einhergehende Arbeitskultur, wie eine Organisation den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen einer dynamischen Arbeitswelt begegnen kann. Unternehmen sollen schnell auf Veränderungen reagieren können, ihr Vorgehen ständig evaluieren und Veränderungen aktiv anstoßen, um sich immer neu erfinden zu können. Die Fähigkeit, sich schnell auf neue Gegebenheiten und Kundenansprüche einstellen und entsprechend ausrichten zu können, ist heute eine wichtige Grundlage für den Erfolg eines Unternehmens.

So wichtig ist agiles Arbeiten

Die Ergebnisse der Studie zeigen eines ganz deutlich: Besonders agile Strukturen führen dazu, dass sich Unternehmen als besonders innovativ und leistungsfähig Unternehmen wahrnehmen. Im Rahmen der Untersuchung wurden entscheidende Merkmale von Agilität und agilen Organisationen analysiert. Zudem wurde abgefragt, wie erfolgreich und innovativ Fach- und Führungskräfte in Deutschland ihre Organisation wahrnehmen. Die Auswertung legt nahe, dass Agilität einen positiven Einfluss auf die Unternehmensleistung hat.

Ebenso wurde im Rahmen der Befragung deutlich, dass Fach- und Führungskräfte gewillt sind, agil zu arbeiten. Die Beschäftigten unterstützen oder streben nach agilen Arbeitsformen. Mehr Eigenverantwortung, Flexibilität und eine offene wie transparente Kommunikationskultur sind entscheidende Aspekte agilen Arbeitens, die sich Fach- und Führungskräfte wünschen.

Der Wunsch nach agilen Prinzipien scheint demnach durchaus verbreitet zu sein. Aber wie sieht demgegenüber der Status quo in Unternehmen aus? Erste Antworten hierauf liefert unsere Slideshow.

Das wünschen sich Fach- und Führungskräfte

Agile Arbeitsmethoden:

Agile Methoden beschreiben moderne Ansätze und Prinzipen des Projektmanagements. SCRUM, Design Thinking oder Customer Journey sind Beispiele agiler Methoden. Mehr als jedem dritten Beschäftigten ist es heute wichtig, mit konkreten agilen Methoden zu arbeiten. 82 Prozent der Befragten stehen dem insgesamt aufgeschlossen gegenüber. Nur eine Minderheit von 18 Prozent zeigt sich weniger positiv eingestellt. Auch wenn Agilität mehr bedeutet, als die Einführung agiler Arbeitsmethoden, ist dies ein gutes Zeichen für die agile Transformation in Unternehmen.

Flache Hierarchien:

Selbst Verantwortung zu übernehmen und schnell Ideen und Projekte abseits langer Abstimmungswege und Freigabeprozesse umzusetzen, ist für die deutliche Mehrheit der Fach- und Führungskräfte besonders wichtig. Über 60 Prozent wollen in Strukturen mit flachen Hierarchien arbeiten. Verantwortung zu übertragen und selbstständige Entscheidungen qualifizierter Mitarbeiter zuzulassen ist in Zeiten der digitalen Arbeitswelt ein wesentliches Erfolgskriterium von erfolgreichem Management und eben von Agilität.

Hier können Unternehmen ansetzen

Die Studienteilnehmer wurden befragt, inwieweit spezifische Merkmale agilen Arbeitens auf ihr Arbeitsumfeld, ihren Arbeitsplatz und ihren Arbeitsalltag zutreffen. Nur gut jeder Zehnte gab an, dass sein Unternehmen tatsächlich agil arbeite, um schnelle Entscheidungen treffen zu können – ein zentraler Aspekt von Agilität. Obwohl eine deutliche Mehrheit von mehr als 60 Prozent gerne in flachen Hierarchien arbeiten würde, erlebt dies nur gut jeder Dritte bei seinem Arbeitgeber. Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich, wenn es um eigenständige Entscheidungen geht: Weniger als 30 Prozent der Befragten sehen dies in ihrem aktuellen Job als gegeben an. Dasselbe gilt dafür, offen über Fehler reden zu können – ein ähnliches Ergebnis wie bei der Analyse der Zusammenarbeit innerhalb von Teamstrukturen am Arbeitsplatz, die StepStone Anfang 2019 veröffentlicht hat. Zudem werden lediglich 16 Prozent der Fachkräfte dazu ermutigt, neue Ideen auszuprobieren. Diese Analyse zeigt nicht nur bislang ungenutzte Potenziale, sondern vor allem auch, dass Unternehmen jetzt die Chance haben, sich durch konsequente Umsetzung agiler Prinzipien in den Vordergrund zu spielen.

 

Handlungsempfehlungen: Jetzt agil(er) werden!

Um agil und langfristig erfolgreich zu sein, sollten Unternehmen darauf achten, Mitbestimmung und Freiräume ihrer Mitarbeiter gezielt zu fördern. Indem sie ihren Mitarbeitern mehr Freiräume und Flexibilität beim Erreichen ihrer Ziele gewähren und diese aktiv in Entscheidungsprozesse einbinden, stärken sie deren Motivation. Und damit profitieren sie schließlich von höherem Engagement sowie einem Mehr an Ideen, Kreativität und damit einhergehenden Lösungsansätzen. Dies sind entscheidende Voraussetzungen dafür, die Herausforderungen einer stetig im Wandel begriffenen, modernen Arbeitswelt erfolgreich zu meistern.

Für Unternehmen ist es eine gute Nachricht, dass sich ihre Mitarbeiter bereit wie motiviert zeigen, agilere Strukturen anzunehmen. Das Etablieren einer offenen Kommunikationskultur durch zielgerichtete Zusammenarbeit, hohe Transparenz von Informationsflüssen und aktivem Austausch von Know-how sind hierfür wesentliche Aspekte. Auch der aktiven Förderung neuer Ideen und ausgeprägter Fehlertoleranz kommt hierbei wesentliche Bedeutung zu. Mitarbeiter müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Einfälle erwünscht sind und aktiv aufgegriffen werden. Gleichzeitig ist es für Fach- und Führungskräfte wichtig zu wissen, dass sie neue Lösungsansätze ausprobieren können, auch wenn nicht jeder sofort zum Erfolg führt. Fehler sollten sich nicht wiederholen, haben aber auch Lern- und Erkenntnispotenzial, von dem die ganze Organisation entscheidend profitieren kann. Ein effizientes Wissensmanagement hilft dabei, einmal gemachte Fehler zu vermeiden und auf den bisherigen Erfahrungen aufzubauen.

Weiterführende Informationen über diese Studie

Die Studie mit zahlreichen weiteren, spannenden Ergebnissen, unter anderem zur Bekanntheit und Nutzung agiler Arbeitsmethoden in Deutschland, der digitalen Managementkompetenz von Führungskräften, die Wahrnehmung der digitalen Arbeitswelt durch Fach- und Führungskräfte sowie vieles mehr, wird zeitnah veröffentlicht – unter anderem auch auf www.stepstone.de/wissen.

Die WirtschaftsWoche berichtete bereits exklusiv vorab über einige Ergebnisse, wie zum Beispiel die unterschiedliche Wahrnehmung von Führungsverhalten durch Fachkräfte und ihre Chefs.

In der vorliegenden Studie untersuchen die Managementberatung Kienbaum und die Online-Jobplattform StepStone den Veränderungsgrad von Arbeit im Zuge der Digitalisierung der Arbeitswelt. Für die Studie haben StepStone und Kienbaum im ersten Quartal 2019 eine Online-Befragung durchgeführt, an der rund 10.000 Fach- und Führungskräfte teilgenommen haben.

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Kontakt

  • Dr. Anastasia Herrmann
  • Head of Research

  • Dr. Tobias Zimmermann
  • Research & PR Manager

Wir freuen uns über Ihr Feedback und Ihre Anfragen unter: studien@stepstone.de