Aktualisiert: 08.01.2026
Lesedauer: 7 Min.

3 Tipps, wie Arbeitgeber mit hohen Gehaltsforderungen der Gen Z umgehen

Inhalt

  • Junge Talente kennen ihren Marktwert
  • Arbeitgeber mit transparenten Gehaltsstrukturen bevorzugt
  • Höheres Gehalt gegen mehr Flexibilität
  • Über die Studie
Gehaltsreport 2026

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„[Junge Talente] sind in der Regel sehr selbstbewusst, was die Gehaltsforderung angeht und auch manchmal ziemlich drüber“ – so eine Recruiterin im Interview mit Stepstone. Die hohen Forderungen stellen Personalverantwortliche vor Herausforderungen. Einer der wichtigsten Pain Points für Arbeitgeber ist der Anstieg abgebrochener Bewerbungen: 85 % haben damit zu kämpfen. 53 % nennen als Grund, dass den Bewerber*innen das Gehalt nicht ausreicht.

Wie kommen diese hohen Gehaltswünsche der jungen Generationen zustande? Welche Art der Kommunikation wünschen sie sich rund um das Thema Vergütung? Welche Verhandlungsstrategien können Recruiter*innen umsetzen, um diesen Wünschen entgegenzukommen? Mit 55 % der unter 30-Jährigen, die im vergangenen Jahr einen Jobwechsel planten ist es schon längst überfällig, diese Gruppe gezielt und effektiv anzusprechen.

Junge Talente sind sich ihres Marktwerts bewusster denn je

Die Einstellung und Ausbildung junger Fachkräfte ist entscheidend für Unternehmen, um Kompetenzlücken zu schließen und sich so zukunftssicher aufzustellen. Unter 30-Jährige machen nur 19 % der deutschen Erwerbsbevölkerung aus, wodurch der Wettbewerb um junge Talente immer intensiver wird.

Jüngere stehen den Erfahrenen in ihrem Selbstbewusstsein in Nichts nach. Sie sind überwiegend sicher in ihrer Marktwerteinschätzung. 60 % der unter 30-Jährigen fühlen sich sicher darin, ihren Marktwert einzuschätzen (vs. 66 % der Ü30).

Warum sie so sicher sind? Weil sie sich mehr als ältere Talente über Vergütung informieren: Sie recherchieren Gehaltsspannen oder Durchschnittsgehälter online (44 % vs. 29 % bei Älteren) und informieren sich über Gehaltsverhandlungen (27 % vs. 17 % bei Älteren).

Bevorzugte Informationsquellen von jungen Talenten über Gehalt:

Bevorzugte Informationsquellen von jungen Talenten über Gehalt Gespräche mit Kolleg*innen: führen 84 % - Online-Gehaltsrechner: 83 % - Online-Gehaltsvergleichsseiten: 82 % - Gehaltsangaben in Stellenanzeigen: 81 % - Austausch mit Recruiter*innen: 64 % - Artikel über Gehälter: 61 % - Berufliche Netzwerke: 61 % - Soziale Medien: 36 %

Gehaltsangaben in Stellenanzeigen sind das allererste Tool, das Bewerber*innen nutzen, um sich über Gehalt & Vergütung zu informieren. „Ich persönlich bewerbe mich nicht auf Unternehmen, welche nicht zumindest eine Spanne des möglichen Gehalts angeben. Einfache, intransparente Aussagen wie „überdurchschnittliche Bezahlung“ reichen mir nicht aus. Gehaltstransparenz ist immens wichtig“, so ein*e Angestellte*r im Bereich IT in unserer Umfrage.

60 % der jungen Arbeitnehmenden fühlen sich sicher darin, ihren Marktwert einzuschätzen

Arbeitgeber-Tipp 1:

Porträt von Franziska Eckhardt, Research & Insights Manager bei The Stepstone Group

Kein Gemauschel. Klare Worte, direkte Kommunikation über Gehaltserwartungen sind essenziell”,  fasst Franziska Eckhardt in unserem Interview zusammen. „Lege den Grundstein für ein transparentes Verhältnis auf Augenhöhe mit potenziellen Bewerber*innen, indem du bereits am Anfang über Gehalt sprichst. Am besten bereits in der Stellenanzeige. So vermeidest du Missverständnisse. 92 % der unter 30-Jährigen haben eine positivere Meinung über Unternehmen, die Gehaltsinformationen veröffentlichen. Gehaltstransparenz stärkt die Arbeitgeberattraktivität und positioniert Unternehmen als fairen Arbeitgeber.

Franziska Eckhardt, Research & Insights Managerin bei Stepstone

93 % der jungen Talente bevorzugen Arbeitgeber mit transparenten Gehaltsstrukturen

Jüngere Talente (unter 30 Jahre) befürworten transparente Gehaltsstrukturen. Aber was heißt das genau? Welche Art von Informationen sind für sie essenziell in der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber?
Das sind die Maßnahmen seitens der Unternehmen, die sie als besonders hilfreich bewerten, um ein transparentes Verhältnis zu gewährleisten:

Welche Maßnahmen seitens des Unternehmens wären für dich hilfreich, um ein faires Verhandlungsergebnis zu gewährleisten?

Arbeitgeber-Tipp 2: Maßnahmen für Gehaltstransparenz sichtbar machen: Unternehmen sollten ihre Gehaltsstrukturen klar kommunizieren und nachvollziehbare Begründungen für ihre Gehaltsangebote darlegen. „Zahlen ohne Vergleichbarkeit (bspw. nicht nach Erfahrung oder Ausbildung aufgeschlüsselt) sind nicht hilfreich“, betont eine qualifizierte*r Angestellte*r in unserer Umfrage. Sei dir darüber bewusst, dass sich junge Talente überwiegend online über Gehälter informieren.

„Aber leider ist das natürlich auch immer nur ein Teil der Wahrheit“, sagt zurecht eine Recruiterin in unserem Interview. Ermutige also Bewerber*innen, sich über Gehaltsdaten zu informieren, unterstütze sie aber auch dabei, diese Daten realistisch einzuordnen.

Zwei Personen unterhalten sich an einem Schreibtisch

Lesetipp

Lohntransparenz im Fokus: Warum Unternehmen jetzt über Gehälter sprechen sollten

Junge Talente würden für mehr Flexibilität & Karriereperspektiven auf ein höheres Gehalt verzichten

Sowohl Jüngere als auch Ältere fordern bewusst rund 20 % mehr Gehalt in einem Bewerbungsprozess, um Spielraum für Diskussion zu lassen. Sie treten selbstbewusst auf und stellen hohe Forderungen.
Falls dein Budget begrenzt ist, und um diesem Gehaltswunsch entgegenzukommen, gibt es zwei praktische Verhandlungsstrategien:

  1. Probezeitmodelle mit gestaffelten Gehaltsanpassungen anbieten. Eine erste Verhandlungsstrategie ist, gestaffelte Probezeitmodelle anzubieten, um potenziellen Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, sich schrittweise zu beweisen und gleichzeitig ein höheres Gehalt in Aussicht zu stellen. „Mein derzeitiger Chef versicherte mir bereits im Bewerbungsgespräch jährliche Gehaltsverhandlungen. Mein Wunschgehalt für den Einstieg wurde nach der Probezeit gezahlt – davor wurde weniger gezahlt”, erzählt eine Angestellte*r aus dem Marketing- und PR-Bereich in unserer Umfrage.
  2. Zusatzleistungen in den Vordergrund rücken 55 % der unter 30-Jährigen sind jedoch bereit, für Zusatzleistungen auf einen Teil des Gehalts zu verzichten. Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, zusätzlichen bezahlten Urlaubstagen, der Möglichkeit von Remote-Work, und klar definierten Karriereperspektiven steigern ihre Attraktivität.
Top 5 Benfits, die ein besser bezahltes Jobangebot schlagen: - Größere Arbeitszeitflexibiltät - Zusätzliche bezahlte Urlaubstage - Größere Flexibilität des Arbeitsortes - Ein klarer Karriereweg mit einer Beförderung innerhalb eines festgelegten Zeitraums - Ansprechenderes und unterstützenderes Arbeitsumfeld

Arbeitgeber-Tipp 3: Zusatzleistungen hervorheben: 55 % der unter 30-Jährigen sind bereit, für Zusatzleistungen auf einen Teil des Gehalts zu verzichten. Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, zusätzlichen Urlaubstagen und klar definierten Karriereperspektiven steigern ihre Attraktivität.

Zwei Personen schauen sich an

Lesetipp

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Über die Studie

Im Rahmen der Gehaltsstudie „Junge Talente & Gehaltsverhandlungen“ haben wir untersucht, wie jüngere Talente über Gehaltsverhandlungen denken, und zusätzliche Untersuchungen durchgeführt, um die Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Generationen zu verstehen. Dafür wurden im November 2024 8.600 Kandidat*innen und im Februar 2025 rund 3.800 Kandidat*innen befragt. Die Studien sind repräsentativ für die deutsche Erwerbsbevölkerung nach Alter und Geschlecht. Zusätzlich wurde im November 2024 eine Umfrage unter 830 Personalverantwortlichen in Deutschland durchgeführt.

FAQ

Wer gehört zur Gen Z?

Zur Generation Z (Gen Z) gehören nach den gängigsten Definitionen Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden.

Was ist typisch für die Gen Z?

Die Gen Z wird als erste Generation der “Digital Natives” gesehen, die mit Internet, Smartphones und Social Media aufgewachsen sind. Damit einher gehen einige Charakteristika, die Angehörige dieser Generationen von anderen unterscheiden. Allgemein legt die Gen Z großen Wert auf Diversität und Nachhaltigkeit.

Im Berufsleben sind Flexibilität, Selbstverwirklichung, gegenseitiger Respekt und Transparenz die wichtigsten Faktoren für die sogenannten Zoomer.

Wie hoch sind die Gehaltsvorstellungen der Generation Z?

Das Median-Bruttojahresgehalt der Gen Z liegt ungefähr bei 42.000 €. Fragt man die Gen Z, wie sie ihren aktuellen Marktwert einschätzt, liegt dieser 19 % über ihrem tatsächlichen Gehalt – also bei 50.000 €. Die Werte variieren aber stark je nach höchstem beruflichen Ausbildungs- oder Hochschulabschluss. 

Wie unterscheiden sich die Gehaltsforderungen der Gen Z, von Millennials oder Gen X? 

Die Gehaltsforderungen der Generationen unterscheiden sich kaum. Über alle Altersgruppen hinweg schätzen Arbeitnehmende ihren aktuellen Marktwert (ein ihrer Meinung nach faires Gehalt für ihre Leistung) rund 20 % höher ein als ihr tatsächliches Gehalt. 

Warum hat die Gen Z höhere Gehaltsansprüche?

Jüngere Arbeitnehmer*innen gehen oft selbstbewusster in Gehaltsverhandlungen als ihre älteren Kolleg*innen. 60 % der unter 30-Jährigen fühlen sich sicher darin, ihren Marktwert einzuschätzen und wissen so, wo sie in der Gehaltsverhandlung ansetzen können. Dazu kommt, dass sie sich deutlich mehr über Gehaltsspannen und Durchschnittsgehälter informieren und über eine bessere Argumentationsgrundlage verfügen.

Die Gen Z ist aber gleichzeitig eher gewillt, für mehr Flexibilität in der Arbeitszeitplanung und für bessere Karrierechancen auf ein höheres Gehalt zu verzichten.

Wie können Arbeitgeber auf die Gehaltsforderungen der Gen Z reagieren?

Transparenz ist der Schlüssel. Die Gen Z lässt sich nicht mit Gemauschel überzeugen. Was zählt sind klare Zahlen, nachvollziehbare Strukturen und ehrliche Kommunikation über Gehalt. Nicht zu unterschätzen sind neben dem monetären Aspekt Benefits wie zum Beispiel flexible Arbeitszeiten und realistische und attraktive Karriereperspektiven.

Wie wirken sich die Gehaltsforderungen der Gen Z auf den Arbeitsmarkt aus?

Eine transparente Gehaltskommunikation erachtet die Gen Z als deutlich wichtiger verglichen mit ihren älteren Kolleg*innen. Aus diesem Grund geht der Trend 2026 hin zu faireren Gehältern und einer offenen Gehaltspolitik. Darüber hinaus gewinnen aber auch Zusatzleistungen wie Urlaubstage, flexible Arbeitszeitmodelle etc. an Wichtigkeit.