Mehr Geld in der Krise? Geht das?

In der Krise auf Gehalt verzichten? Das muss nicht sein, zeigen aktuelle StepStone Zahlen.

StepStone Gehaltsreport 2020 Alle Informationen zu Gehältern gratis zum Download

Der Moment, wenn am Ende des Monats das erste Mal das Gehalt des neuen Arbeitgebers auf dem Konto eingeht, ist für viele Menschen besonders. Ähnlich geht es den Beschäftigten, wenn sie eine Gehaltserhöhung erhalten haben. Das ist kein Wunder. Denn das eigene Gehalt ist meistens ein Indikator der eigenen Leistung und ein höheres Gehalt der verdiente Lohn vergangener Mühen. Die Corona-Pandemie beeinflusst nahezu alle Bereiche des Lebens und Arbeitens. Trotz staatlicher Programme ist das Geld in vielen Unternehmen knapp. Wie sieht es also in diesem so herausfordernden Jahr aus beim Thema Geld? StepStone hat untersucht, wie die Unternehmen mit dem Thema Gehälter umgehen und was die Mitarbeitenden dazu denken. Die Ergebnisse machen Mut.

 

Zufriedenheit mit Gehalt steigt

Die Wirtschaft hierzulande steht auf Grund der Corona-Pandemie unter Druck wie nie. Umsätze und Gewinne werden noch einige Zeit brauchen, um das Vorkrisen-Niveau wieder zu erreichen. Da verwundert ein Ergebnis der jüngsten StepStone-Analyse. Trotz der Corona-Krise steigt die Gehaltszufriedenheit der Deutschen. Eine paradoxe Entwicklung? Nur bedingt. Zu Anfang des Jahres 2020 hat StepStone die Beschäftigten in Deutschland zu ihrer Gehaltszufriedenheit befragt. Hier gab eine leichte Mehrheit von 54 Prozent der Befragten an, mit den eigenen Bezügen eher oder sogar sehr zufrieden zu sein. Zu diesem Zeitpunkt war Corona nur den wenigsten ein Begriff. Die kommenden Entwicklungen waren nicht vorherzusehen. Im Oktober 2020 lag bereits ein halbes Jahr Krise hinter uns und wir haben erneut nachgefragt. Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Gehalt? Das überraschende Ergebnis: 65 Prozent und damit fast zwei Drittel der Befragten zeigen sich insgesamt zufrieden. Dies ist ein Zugewinn von mehr als 10 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn.

Prioritäten haben sich temporär verschoben

Auf flächendeckende Gehaltserhöhungen kann der Zuwachs kaum zurückzuführen sein. Gut die Hälfte der Befragten gab noch zu Anfang des Jahres an, regelmäßig nach mehr Gehalt zu fragen. Getan hat dies in 2020 aber nur jeder Vierte. Die Antwort lautet viel mehr, dass die Menschen in diesem besonderen Jahr ihre Prioritäten überdacht haben. Gut drei Viertel geben an, dass ihnen die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes aktuell wichtiger sei als die Entwicklung ihrer Einkünfte. Fast 60 Prozent zeigen Verständnis dafür, wenn sie dieses Jahr keine Gehaltserhöhung bekommen. Fast jeder Zweite fragt aufgrund der besonderen Umstände dieses Jahr nicht nach einer Gehaltserhöhung, obwohl dies eigentlich geplant war.

Die Gehaltschance in der Krise

Aber ist die Zurückhaltung beim Thema Geld überhaupt notwendig? Viele Unternehmen gehen aktuell durch schwierige Zeiten. Der StepStone Corona Report zeigt, dass Umsatz und Produktivität zwischenzeitlich aufgrund der Krise im April im Schnitt um gut 40 Prozent zurückgegangen sind. Die Befragungen zeigen ebenso, dass die Produktivität schneller wieder angezogen hat als die Einnahmen. Gleichzeitig haben die Menschen die Ärmel hochgekrempelt und zusammen mit ihren Arbeitgebern an einem Strang gezogen. Dies setzt sich beim Thema Gehalt offensichtlich fort. Die Mitarbeitenden zeigen Verständnis für die finanziell angespannte Situation ihrer Arbeitgeber.

Dabei müssen viele in diesem Krisenjahr nicht nur auf Freiheiten und gewohnte Arbeitsabläufe, sondern auch auf Geld verzichten. Ganze 44 Prozent – also fast jeder Zweite – der Befragten haben 2020 weniger verdient als ursprünglich angenommen. Gründe hierfür sind zum Beispiel Kurzarbeit, wegfallende Boni, fehlende Gehaltserhöhungen oder – im schlimmsten Fall – der Verlust des Jobs.

Die meisten Jobwechsler müssen nicht verzichten

Die deutliche Mehrheit der Menschen, die in 2020 ihren Job gewechselt haben, mussten allerdings keine Einbußen beim Gehalt hinnehmen. Etwa 60 Prozent der Wechsler verzeichneten nach eigenem Ermessen keine Einbußen aufgrund der Krise. Von den übrigen 40 Prozent hat mehr als jede*r Dritte aus eigenem Antrieb weniger Gehalt gefordert als unter normalen Umständen. Aber wäre das nötig gewesen?

Unternehmen sparen nicht am Gehalt

Bei den allermeisten Arbeitgebern in Deutschland müssen neue Mitarbeiter jedenfalls nicht verzichten. Wie die Untersuchung zeigt, sind sich die Unternehmen der Bedeutung der richtigen Mitarbeiter*innen bewusst. Der Fachkräftemangel ist auch im Corona Jahr 2020 eine wesentliche aktuelle wie zukünftige Herausforderung – und prägt die Strategien. Um diesem erfolgreich zu begegnen, Mitarbeiter*innen zu gewinnen und zu halten wird jedenfalls auch das Thema Gehalt eine wichtige Rolle spielen.

Das zeigt eine Analyse der Prioritäten von Führungskräften und (Personal-) Entscheidern, die im Rahmen der Studie vorgenommen wurde. Die meisten Unternehmen haben eben auch während der Krise mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Wie der Corona Report bereits zeigte, wissen die Unternehmen, dass Mitarbeitergewinnung eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, nach der Krise wieder Fahrt aufzunehmen. Eine deutliche Mehrheit der Unternehmen plant, genau hier zusätzlich zu investieren. Das heißt in Summe, dass der Wert heißbegehrter Kandidaten für die  Unternehmen keineswegs gesunken ist, sondern perspektivisch noch steigt. Ausführliche Ergebnisse zu Strategien und zum Vorgehen der Unternehmen gibt es in Kürze ebenfalls hier.

Was folgt daraus?

Auf Gehalt sollten die Menschen in Deutschland zumindest nicht freiwillig verzichten. Die Unternehmen kennen und schätzen den Wert ihrer Mitarbeitenden. Dieser ist durch die Krise keineswegs geringer geworden. Viele Unternehmen sind sich im Gegenteil mehr denn je darüber bewusst geworden, wie wichtig die Investition in die richtigen Mitarbeitenden ist.

Natürlich ist der Arbeitsmarkt nicht derselbe wie noch zu Beginn des Jahres. Jobsuchende tun deshalb gut daran, sich flexibel zu zeigen. Es ist auf jeden Fall hilfreicher denn je, über den Tellerrand hinauszublicken und nach Jobs in anderen Branchen, Berufsfeldern oder – wenn ein Umzug in Frage kommt – auch Regionen zu suchen. Flexibilität ist damit nicht nur im Job selbst eine der gefragtesten Fähigkeiten, wie eine andere aktuelle StepStone Studie zeigt. Flexibilität ist auch ein entscheidender Faktor bei der Jobsuche und ein besserer sowie im wahrsten Sinne des Wortes lohnenderer Hebel als das eigene Gehalt.

Für Unternehmen heißt das im Gegenzug, es ist Zeit auf Gehaltstransparenz zu setzen. Denn die aktuelle Gesamtsituation beeinflusst natürlich auch die Erwartungen von Bewerberinnen und Bewerbern. Wer hier positiv überraschen kann, gewinnt mit großer Wahrscheinlichkeit einige interessierte Kandidaten mehr für das eigene Unternehmen. Denn um eine qualifizierte Entscheidung zu möglichen Arbeitgebern zu treffen, brauchen Kandidat*innen alle wichtigen Informationen. Und die Höhe des Gehaltes zählt zweifelsohne zu den allerwichtigsten. In den meisten Stellenanzeigen fehlen konkrete Informationen zum Gehalt noch, wie der Business Insider berichtet. Eine gute Gelegenheit also vorweg zu gehen. Und: Nur mit fairen und konkurrenzfähigen Gehältern können Unternehmen gute Talente langfristig für sich gewinnen. Dies ist sowohl eine entscheidende Voraussetzung, um die aktuelle Krise zu überwinden als auch langfristig die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Über die Studie

Wie funktionieren Jobsuche & Bewerbung im Jahr 2020? Welche Entscheidungsfaktoren sind dabei ausschlaggebend? Und wie werden Qualität und Bedeutung von Bewerbungsprozessen bewertet? Diese und weitere relevanten Fragen werden mit der zugrunde liegenden großen Job- und Arbeitsstudie von StepStone beantwortet. Die Studie untersucht die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt für unterschiedliche Berufsgruppen, gibt Einblick in die Präferenzen und Erwartungen bei der Jobsuche und schildert die Erlebnisse der Menschen im Bewerbungsprozess. Außerdem zeigt die Studie erste Auswirkungen der Covid-Pandemie auf Gehaltserwartungen und -verhandlungen. Darüber hinaus werden in der Studie die Erfahrungen von Recruitern in Bezug auf die Erstellung von Stellenanzeigen analysiert, Empfehlungen für eine erfolgreiche Rekrutierung abgeleitet und Einschätzungen zur Personalgewinnung der Zukunft gegeben. Für die Studie hat StepStone im September und Oktober 2020 zwei Online-Befragungen unter insgesamt 28.000 Fach- und Führungskräften in Deutschland durchgeführt, darunter waren rund 2.000 Recruiter und Manager, die für die Personalbeschaffung zuständig sind.

Die vollständige Studie erscheint voraussichtliche im ersten Quartal 2021.

Kontakt

  • Dr. Tobias Zimmermann
  • Research Manager & Arbeitsmarktexperte

  • Jan Heming
  • Research Manager

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