Arbeit während Corona: Emotionen in Deutschland und Großbritannien im Vergleich

StepStone und Totaljobs haben über 8.000 Menschen in Deutschland und Großbritannien befragt.

Exklusive Ergebnisse der Studie zum Download Detailergebnisse aus Deutschland - inklusive Gehaltsübersicht für systemrelevante Berufe

Das Coronavirus ist längst ein globales Phänomen. Das heißt auch, dass der Großteil moderner Gesellschaften mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert ist. Viele Menschen sitzen jetzt allein zu Hause an ihren (teils provisorischen) Schreibtischen, anstatt mit ihren Kollegen im Büro. Der gemeinsame Kaffee oder die Unterhaltung auf dem Flur ist aktuell unmöglich. Stattdessen begegnen die Kollegen einander von Wohnzimmer, Küche, Arbeitszimmer und Co aus auf dem Bildschirm. Wie reagieren die Arbeitnehmer in unterschiedlichen Ländern auf die Krise und die damit einhergehenden Maßnahmen? Deutschland und Großbritannien sind die größten Volkswirtschaften Europas. Sie haben vieles gemeinsam, aber unterscheiden sich auch in gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Aspekten. Welche Unterschiede gibt es? Und wo gleichen sich die Reaktionen?

Die Gefühlslage: Typisch deutsch?

StepStone und Totaljobs haben über 8.000 Menschen befragt, um genau das herauszufinden. Herausgekommen ist ein spannendes Abbild der Gefühlslagen in beiden Ländern – und der Reaktionen hierauf.

Die aktuelle Krise und ihre gesellschaftlichen Konsequenzen sind fraglos ein sehr emotionales Thema. Die Sorge um wichtige Mitmenschen ist ein ständiger Begleiter. Eltern müssen parallel zu ihren Jobs ihre Kinder ganztags betreuen und dem Nachwuchs helfen, mit der ungewohnten Situation umzugehen. Alleinlebende sind in der notwendigen Isolation ebenfalls einer neuen und schwierigen Lage ausgesetzt. Die jüngsten StepStone Umfragen zeigen, dass die Mitarbeiter in Deutschland an die Allgemeinheit denken und trotz allem nach vorne sehen. Dies zeigt sich ebenfalls im Ländervergleich.

So fühlen sich die Menschen in Deutschland, die vom Homeoffice aus tätig sind, insgesamt produktiver und engagierter als ihre Kollegen jenseits des Kanals. Über ein Drittel der Briten ist der Umfrage zufolge gelangweilt. In Deutschland ist der Wert mit knapp über 20 Prozent deutlich niedriger.

Sehen Sie hier die Ergebnisse im Überblick in unserer interaktiven Grafik:

Die Ergebnisse passen gut zum Stereotyp der besonders tüchtigen und fleißigen deutschen Arbeitnehmer. Die Beschäftigten in Deutschland reagieren ebenfalls mit mehr Stress und Besorgnis auf die aktuelle Situation. Also zusätzlich eine Bestätigung der sogenannten ‚German Angst‘? Ein wichtiger Rückhalt in dieser Situation sind jedenfalls die Kollegen – trotz Homeoffice. Die Menschen in Deutschland fühlen sich nämlich nicht nur engagierter als die Menschen in Großbritannien, sondern auch deutlich weniger einsam und isoliert.

Die Befragten in Deutschland sind also nicht nur besonders fleißig, sondern denken auch an ihre Kollegen?

Viel Zwischenmenschlichkeit auf der einen, mehr Kreativität auf der anderen Seite

Ja, denn der zwischenmenschliche Austausch ist den Befragten in Deutschland deutlich wichtiger ist als in Großbritannien. Die Kollegin ruft spontan an und erkundigt sich, wie es dem Kollegen geht, erzählt von einem positiven Erlebnis bei sich zu Hause oder ein anderer Kollege schickt ein witziges Comic-Bild per Chat. Solche kleinen Gesten sind wichtig für den Zusammenhalt im Team und das persönliche Wohlbefinden. Fast 60 Prozent fragen in Deutschland regelmäßig, wie es ihren Kollegen geht. Auf der Insel sind es 45 Prozent. Noch deutlicher ist der Unterschied beim Austausch über Persönliches, wie Familie und Freunde. Für über die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland ist das fester Bestandteil der digitalen Zusammenarbeit. In Großbritannien stimmte dem ‚nur‘ etwa jeder Vierte zu. Dazu passt, dass in Teams und Abteilungen hierzulande häufiger witzige Bilder (wie z.B. sog. Memes) ausgetauscht werden (41 zu 31 Prozent). Für die Menschen in Deutschland ist die Arbeit demzufolge keineswegs Selbstzweck, sondern ein wichtiger sozialer Faktor – gerade in Krisenzeiten.

Kreativer zeigen sich die Menschen in Großbritannien im Vergleich, wenn es um konkrete soziale Aktivitäten geht. Sie gaben gut dreimal so oft wie die Befragten in Deutschland an, gemeinsam digitale Online-Aktivitäten zu planen. Hierzu könnten etwa eine gemeinsame Yoga-Runde oder ein Feierabend-Bier vor dem Rechner zählen. Beliebt sind bei den britischen Befragten auch sogenannte ‚Challenges‘, bei denen die Mitarbeiter (meist witzige) Aufgaben lösen müssen und diese dann an andere Kollegen weitergeben („Ich nominiere…“).

In puncto Kommunikation erzielten die Umfragen in beiden Ländern dagegen das gleiche Ergebnis. Jeweils 34 Prozent erklärten, sie nutzten mehr oder neue Kommunikationskanäle seit Ausbruch der Krise. Jeweils 28 Prozent chatten auch außerhalb der Arbeitszeit mehr mit ihren Kollegen als zuvor. Das heißt, dass mehr als jeder Vierte aktuell sogar mehr Kontakt mit den Kollegen sucht als normalerweise. Ein erfreulicher Beleg dafür, dass der Mensch auch in der Isolation ein soziales Wesen ist und bleibt. Aber was heißt das genau für die Zusammenarbeit auf Festland und Insel?

Zusammenarbeit jetzt und nach der Krise

Auch mit Blick auf konkrete Maßnahmen, um die Zusammenarbeit im Team oder in der Abteilung aus der Ferne aufrecht zu erhalten, gibt es ähnliche Tendenzen sowie interessante Unterschiede.

Die Führungskräfte in Großbritannien beteiligen sich stärker an den Aufgaben ihrer Teammitglieder und beschäftigen sich noch mehr mit ihren Mitarbeitern als ihre Kollegen hierzulande. Die Teams in Deutschland haben demgegenüber deutlich häufiger spezifische Kommunikationskanäle eingerichtet, um den gegenseitigen Austausch sicherzustellen. Ähnlich oft machen die Menschen in beiden Ländern zusammen ‚digitale Pause‘.

Der Blick nach vorn: Die Mehrheit freut sich auf die Kollegen

Bei allen Unterschieden zeigen die Ergebnisse doch insgesamt in eine ähnliche Richtung. Die Menschen geben ihr Bestes, um mit der aktuellen Situation gut umzugehen und unterstützen ihre Kollegen dabei. Am deutlichsten zeigt sich das an der Frage, ob sich die Beschäftigten darauf freuen, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren und ihre Kollegen wiederzusehen.

Das bestätigen sowohl in Großbritannien (73 Prozent), als auch in Deutschland (83 Prozent) deutliche Mehrheiten. Kein Wunder also, dass sich die Menschen in Deutschland einig sind: Sie wünschen sich, die Wirtschaft lieber schneller als später wieder ‚hochzufahren‘.

Über die Studie:

Die Online-Jobplattform StepStone und Totaljobs, ein Tochterunternehmen der StepStone Gruppe, haben im Zeitraum vom 27. bis 31. März 2020 ca. 6.000 Fach- und Führungskräfte in Deutschland sowie vom 24. Bis 27. März ca. 2.000 Beschäftigte in Großbritannien zur Zusammenarbeit und ihrer Gefühlslage in der aktuellen Situation befragt. Den Befragten wurden dazu dieselben Fragen in deutscher und englischer Sprache gestellt

Ausführliche Informationen zur gesamten Studie in Deutschland finden Sie hier. Die Ergebnisse für Großbritannien liegen hier in englischer Sprache vor.

Kontakt

  • Dr. Tobias Zimmermann
  • Research Manager & Arbeitsmarktexperte

  • Jan Heming
  • Research Manager

Wir freuen uns über Ihr Feedback und Ihre Anfragen unter: studien@stepstone.de
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