Arbeit und die Corona-Krise: Der Status quo

Hier gibt es immer die aktuellsten Infos und Umfrageergebnisse zum Thema – exklusiv von StepStone.

Exklusive Ergebnisse der Studie zum Download Detailergebnisse zu ausgewählten Fragestellungen - inklusive Gehaltsübersicht für systemrelevante Berufe

Bild: StepStone Mitarbeiter in einer Videokonferenz vom Homeoffice aus. 02.04.2020

Seit Wochen arbeiten die Menschen in Deutschland von zu Hause aus oder unter noch nie dagewesenen Bedingungen. Zwischen Video-Calls, dem Wiederherstellen der VPN-Verbindung und dem Auf- und Absetzen von Schutzmasken stellen sich den Menschen viele Fragen. Neben den großen Fragen zum Coronavirus und dem Schutz der Gesundheit erleben die Arbeitnehmer und Unternehmer in Deutschland ein bislang unbekanntes Maß an Ungewissheit. Wie lange muss, wird und kann es so weitergehen? Was sind die größten Sorgen der Menschen in Bezug zum Thema Arbeit? Was funktioniert aktuell gut und wo liegen die größten Herausforderungen? Wie funktioniert die Zusammenarbeit aus dem Homeoffice heraus? Wie blicken die Menschen auf die aktuelle Situation, die täglich weiterhin zur Arbeit gehen und unsere Gesellschaft aufrechterhalten? Und wie denken die Menschen über die Zeit nach der Krise?

Update: So verändert die Corona-Krise wie wir (zusammen-)arbeiten

Diese Fragen analysiert StepStone aktuell auf Basis regelmäßiger Online-Befragungen seit Beginn der Corona-Krise. Zuletzt wurden am 27. und 28. April gut 7.000 Menschen online befragt. Etwa 6.000 Fach- und Führungskräfte nahmen an der ersten Befragung vom 27. Bis 31. März teil. Die Ergebnisse der Studie zum Wiederhochfahren der Wirtschaft finden Sie hier.

Ein erstes Zwischenergebnis lautet: Die digitale Zusammenarbeit funktioniert – überraschend – gut. Über zwei Drittel der Befragten geben an, nach wie vor ihre Arbeit erledigen zu können. Für weitere 20 Prozent gilt das mit Einschränkungen. Eine gute Neuigkeit angesichts der für viele neuen Situation, in den eigenen vier Wänden den Arbeits-PC hochzufahren. Etwa jeder Zweite ist den StepStone Zahlen nach aktuell von zu Hause aus tätig.

Digitales Arbeiten auf einen Schlag systemrelevant

Das heißt, dass ein Großteil der Unternehmen von jetzt auf gleich darauf angewiesen ist, auch ‚remote‘ (von unterschiedlichen Orten aus) effizient und effektiv zu sein. Flexibles und eigenverantwortliches Arbeiten sind damit noch wichtiger geworden. Das gilt ebenso dafür, dass Mitarbeiter und Unternehmen pragmatisch wie kreativ nach Lösungen suchen. Der hohe Zeitdruck zu Beginn der durch das Coronavirus ausgelösten Krise hat das noch einmal verstärkt.

86 Prozent geben an, inzwischen digitale Tools einzusetzen, die die Zusammenarbeit im Team oder der Abteilung erleichtern. Fast ebenso viele haben eine feste Meeting-Struktur aus dem Homeoffice heraus etabliert. Vier von fünf Befragten empfinden es positiv, dass im Zuge der Corona-Krise viele digitale Instrumente in großem Umfang eingesetzt werden. Und fast zwei Drittel geben sich überrascht, wie gut die digitale Zusammenarbeit funktioniert.

Dies bestätigen auch Zahlen zur Zusammenarbeit in den Abteilungen und Teams. Über 80 Prozent sind der Meinung, genauso zuverlässig zusammenzuarbeiten, wie sonst auch. Eine deutliche Mehrheit ist überzeugt, auch weiterhin die angestrebten Ziele zu erreichen. Auch die Stimmung innerhalb der Teams ist überwiegend gut. Maßgeblich verantwortlich hierfür sind verschiedene soziale Maßnahmen, die StepStone und Totaljobs im großen Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien untersucht haben.Eine

Die Ausnahmesituation bleibt ein einzigartiger Stresstest

Nichtsdestotrotz sind die negativen Auswirkungen der Krise deutlich spürbar. Mehr als jeder Zweite räumt ein, dass die Zusammenarbeit insgesamt eingeschränkt ist. Viele Menschen haben mit unregelmäßigen Arbeitszeiten zu kämpfen, machen seltener Pause und arbeiten insgesamt mehr. Aspekte, die sich mit der Zeit verstärken. Dies gilt auch für gesundheitliche Konsequenzen. Gut vier von zehn Arbeitnehmern spüren die Auswirkungen der Krise zunehmend am eigenen Leib. Dies zeigt sich auch am Meinungsbild und der individuellen Gefühlslage der Befragten.

Update: Eltern im Homeoffice

Eine besondere Herausforderung stellt die aktuelle Situation für Eltern dar. Fast 60 Prozent der Arbeitstätigen mit Kindern fühlen sich aktuell stark gestresst. Der Grund: die Doppelbelastung aus Kinderbetreuung und Arbeitsaufgaben von zu Hause aus. Auffallend ist, dass Mütter hiervon deutlich stärker betroffen sind als Väter. Jede zweite berufstätige Mutter räumt ein, dass aufgrund der Doppelbelastung aktuell auch Arbeitsaufgaben liegen bleiben. Unter Vätern sind es allerdings auch vier von zehn der Befragten, die vor dieser Problematik stehen. Jedes vierte Elternteil muss aktuell sogar Urlaub einreichen, um die Kinderbetreuung zu gewährleisten.

Arbeitgeber zeigen Verständnis

Die Umfrage liefert allerdings auch positive Erkenntnisse. So sind sich Mütter und Väter einig, dass Arbeitgeber und Vorgesetzte angemessen reagieren. Insgesamt 81 Prozent bekommen Verständnis für ihre Kinderbetreuungsaufgaben entgegengebracht. Zwei Drittel bescheinigen ihrem Arbeitgeber darüber hinaus, in der aktuellen Situation kreative Lösungen zu suchen und umzusetzen. Und das zahlen Eltern zurück: Gut vier von zehn Arbeitnehmern mit Kindern geben an, aktuell mehr zu arbeiten als sonst. Ein Wert der sogar leicht über dem der kinderlosen Kollegen liegt.

Update: So wandelt sich unser Meinungsbild und die Gefühlslage im Laufe der Corona-Krise

Wie wirkt sich die aktuelle Situation auf die Gefühlslage der Arbeitnehmer aus? Hierzu hat StepStone alle derzeit arbeitstätigen Studienteilnehmer gebeten, sich zwischen einigen gegensätzlichen Begriffspaaren zu entscheiden.

Insgesamt zeigt sich ein relativ ausgeglichenes Bild zwischen positiven und negativen Gefühlen. Etwa drei Viertel der Teilnehmenden sind aktuell engagiert und fühlen sich produktiv. Besonders erfreulich ist, dass sich trotz der aktuellen Ausnahmesituation eine Mehrheit von über 60 Prozent sozial verbunden und nicht einsam fühlt. Gut jeder Zweite fühlt sich allerdings auch gestresst und müde.

Die Studienteilnehmer wurden allerdings auch nach Veränderungen der eigenen Gefühlslage gefragt. Hier dominieren negative Tendenzen. Die vergleichsweise gute Stimmung und Motivation leiden mit der Zeit. Jeder Zweite ist demnach besorgter als noch vor gut vier Wochen. 40 Prozent fühlen sich müder und fast ebenso viele gestresster. Gut jeder Dritte gibt darüber hinaus zu, dass die Motivation in den letzten Wochen nachgelassen hat.

Mobiles Arbeiten bleibt also ein ‚zweischneidiges Schwert‘. Vieles funktioniert besser als vielleicht erwartet. Die Zahlen spiegeln wider, dass Mitarbeiter und Unternehmen an einem Strang ziehen. Dass belegen auch weitere Umfrageergebnisse. Hier demonstrieren beide Seiten eine Einigkeit, wie sie in Umfragen selten ist. Dennoch bleibt die Situation für alle herausfordernd. Auch wenn eine Mehrheit der Unternehmen laut ihrer Mitarbeiter aktuell kreative Lösungen findet, ist die Produktivität nicht mit der Situation vor der Krise vergleichbar. Die Zeit rennt und das ist auch ein Grund, warum sich weiterhin eine deutliche Mehrheit der Befragten um die gesamtwirtschaftliche Situation sorgt. Der Ernst der Lage und die produktive Grundhaltung zeigten sich bereits in der März-Befragung.

Die Situation ist ernst - Die Menschen blicken nach vorn

Bereits Ende März hat StepStone genau unter die Lupe genommen, wie sich Arbeit im Zuge von Corona verändert und welche Themen Arbeitnehmer und Unternehmen bewegen. Ein zentrales Ergebnis: Die Menschen sehen den Ernst der Lage realistisch, bleiben aber motiviert und (verhalten) optimistisch.

 

Über die Hälfte sieht Produktivitätsverluste beim eigenen Arbeitgeber aufgrund der aktuellen Situation. Zwei Drittel sehen die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens allerdings nicht in Gefahr. Ein wichtiger Faktor hierfür könnte sein, dass sich die Menschen weiterhin gebraucht fühlen. Sie erkennen den Wert der eigenen Arbeit. Über 90 Prozent können weiterhin arbeiten und zum gemeinsamen Erfolg beitragen. Die überwiegende Mehrheit davon sogar ohne größere Einschränkungen.

Etwa die Hälfte der Befragten arbeitet jetzt von zu Hause aus. Dies gilt ganz besonders für ITler und Marketing-Experten (je zu 72 Prozent). 94 Prozent der Handwerker, 93 Prozent der Ärzte und 92 Prozent der Pflegekräfte dagegen werden an ihrem Arbeitsplatz gebraucht. Nichtsdestotrotz sorgt sich jetzt etwas mehr als jeder Dritte um die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes.

Insgesamt weniger als jeder Fünfte stellt den Sinn der eigenen Tätigkeit in Frage. Über die Hälfte ist sogar der Meinung, dass die eigene Tätigkeit aktuell wichtiger sei, denn je. Wenig überraschend fühlen sich in erster Linie Ärzte (83 Prozent) und Pflegekräfte (82 Prozent) aktuell besonders gebraucht. Eine deutliche Mehrheit von über 60 Prozent kann sich auch dann mit wichtigen Aufgaben befassen, wenn aufgrund der aktuellen Situation viele reguläre Aufgaben wegfallen.

In einem sind sich die Befragten jedenfalls einig: 95 Prozent gehen davon aus, dass die aktuelle Krise Gesellschaft und Wirtschaft nachhaltig verändern wird. Die meisten davon sind sich noch unschlüssig, mit welchen Konsequenzen. Jeder Fünfte geht aber sogar davon aus, dass wir die aktuelle Krise gemeinsam bewältigen und gestärkt daraus hervorgehen werden.

Das bewegt die Menschen: Gemeinschaft geht vor

Die Befragten zeigen insgesamt eine sehr produktive Grundhaltung. Dennoch ruft eine Ausnahmesituation wie die aktuelle ein enormes Maß an Unsicherheit hervor. Die größten Sorgen der Menschen drehen sich aktuell vor allem um das große Ganze und die zentralen Fragen von Jobsicherheit und Gesundheit.

Unter den Befragten dominieren die Sorge um wichtige Mitmenschen (68 Prozent) sowie um die Wirtschaftssituation in Deutschland (63 Prozent). An erster Stelle denken die Menschen aktuell also vor allem an andere und die Allgemeinheit. Ebenfalls Sorgen bereiten vielen mögliche finanzielle Schwierigkeiten, etwa aufgrund von Kurzarbeit.

Die individuellen Karriereziele, die Auswirkungen auf private (wie z. B. Hochzeiten, Geburtstagsfeiern) oder gesellschaftliche Highlights (wie z. B. Festivals) rücken für die meisten demgegenüber in den Hintergrund.

Ein ähnliches Bild bei der Frage, welche Themen rund um den eigenen Job aktuell die größte Rolle spielen. Hier denken die Befragten zuerst an die wirtschaftlichen Konsequenzen für das Gesamtunternehmen. Es folgen die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes, Maßnahmen zum Gesundheitsschutz sowie die Zusammenarbeit mit den Teamkollegen.

So benoten die Mitarbeiter das Krisenmanagement ihres Arbeitgebers

Die Befragungsergebnisse lassen die Arbeitgeber angesichts der einmaligen aktuellen Herausforderungen in einem relativ guten Licht dastehen. Über verschiedene Aspekte hinweg ist eine Mehrheit der Mitarbeiter mit dem eigenen Arbeitgeber zufrieden. Für Spitzennoten reicht es indes nicht, überträgt man die Zustimmungswerte in Schulnoten. Das macht deutlich, dass in allen Bereichen noch nachgebessert werden kann und sollte – vor allem, da unklar ist, wie lange die aktuelle Situation anhalten wird.

Informationspolitik: befriedigend plus

70 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ihr Arbeitgeber hinreichend zu Vorgaben und Maßnahmen in der aktuellen Situation informiert. Dass sich die deutliche Mehrheit gut informiert fühlt, ist ein gutes Ergebnis. Allerdings ist eine gute Kommunikation mit und an die Mitarbeiter aufgrund der hohen Dynamik der Situation und der damit verbundenen Unsicherheit wichtiger denn je.

Unterstützung der Mitarbeiter: befriedigend plus

Gut zwei Drittel der Befragten fühlen sich unter den besonderen Umständen von ihrem Arbeitgeber gut unterstützt. Auch dieser Wert zeigt, dass viele Unternehmen sich schnell auf die neue Situation und die damit einhergehenden Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einstellen konnten.

Technische Ausstattung: gut minus

Etwa drei von vier Fach- und Führungskräften sind mit der technischen Ausstattung durch ihren Arbeitgeber zufrieden. Dass ist unter den aktuellen Umständen natürlich von besonderer Bedeutung, um die Produktivität der Unternehmen zu erhalten. Immerhin ist gut die Hälfte der Befragten von zu Hause aus tätig.

Zukunftsaussichten: gut

Vier von fünf Beschäftigten sind der Meinung, dass ihr Arbeitgeber trotz der Corona-Krise gute Zukunftsaussichten hat. Ein guter Wert, der das Vertrauen der Mitarbeiter in die eigene Leistungsfähigkeit sowie Geschäftsmodell und Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens untermauert.

Über die Studie: „Arbeit in der Corona-Krise“

Wie erleben die Menschen in Deutschland Arbeit in Zeiten der Corona-Krise? Die Online-Jobplattform StepStone untersucht diese Frage auf Basis regelmäßiger Online-Befragungen und bietet somit einen exklusiven Einblick in das aktuelle Meinungs- und Stimmungsbild der Erwerbstätigen hierzulande und dessen Veränderung im Zeitverlauf der Krise. Sie zeigt, wo aktuell die größten Herausforderungen liegen, aber auch was gut funktioniert und wie Fach- und Führungskräfte über die Zeit nach der Krise denken. Insgesamt hat StepStone hierfür bereits über 13.000 Arbeitnehmer befragt. An der jüngsten Umfrage nahmen am 27. und 28. April 2020 rund 7.000 Arbeitnehmer teil. Hierunter waren etwa 1.000 Führungskräfte.

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Kontakt

  • Dr. Anastasia Herrmann
  • Head of Research

  • Dr. Tobias Zimmermann
  • Research & PR Manager

  • Jan Heming
  • Research Manager

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