Einstiegsgehälter nach der Uni: Studierende kennen ihren Wert

StepStone und Universum haben verglichen, wie viel Gehalt Studierende erwarten und was sie tatsächlich verdienen

StepStone Gehaltsreport für Absolventen 19/20 Jetzt gratis herunterladen und Marktwerte vergleichen!

Die meisten Studierenden wissen und schätzen, dass es an Universitäten und Fachhochschulen regen Austausch gibt. Ob in Lerngruppen auf dem Campus, im Hörsaal vor oder nach der Vorlesung, auf digitalen Plattformen oder vielleicht auch bei einer WG-Party – die Studienzeit für die meisten durch ein hohes Maß an sozialer Interaktion geprägt. Es ist deshalb gut vorstellbar, dass sich viele Studierende auch über ihre Gehaltsvorstellungen oder Informationsmöglichkeiten zum Thema Gehalt austauschen. Sind ihre Vorstellungen von einem möglichen Einstiegsgehalt realistisch? Kennen Absolventen ihren Marktwert? Wo können Studierende besser verdienen als sie denken und welche Absolventen sind besonders selbstbewusst?

Studierende sind gut informiert

Mit dem jährlich erscheinenden Gehaltsreport für Absolventen zeigt StepStone, welche Einstiegsgehälter Absolventen tatsächlich verdienen. Universum, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Employer Branding, untersucht mit der jährlichen „Global Cost of Talent“-Auswertung, welche Gehälter Studierende von ihrem ersten Job erwarten.

Der Vergleich beider Untersuchungen zeigt, dass die Studierenden in Deutschland relativ gut informiert sind, wenn es um ihr Einstiegsgehalt geht. Nicht einmal 200 Euro pro Monat liegen zwischen dem Bruttodurchschnittsgehalt laut StepStone Gehaltsreport für Absolventen und den Erwartungen von Studierenden in Deutschland. Diese liegen laut Universum Global Cost of Talent Auswertung von 2020 im Schnitt bei 44.700 Euro pro Jahr. Der tatsächliche Verdienst liegt ohne variable Anteile bei etwa 42.500 Euro. Auffällig hierbei: Während Frauen mit bescheideneren Gehaltserwartungen deutlich näher an ihrem tatsächlichen Einstiegsgehalt liegen, müssen Männer sich mit etwa 5.100 Euro weniger begnügen, als sie sich erhoffen. Nichtsdestotrotz verdienen männliche Absolventen im Schnitt etwa 5.500 Euro mehr als ihre Kommilitoninnen.

... und kennen die Top-Studiengänge

Der Studiengang ist ein entscheidender Faktor für die Höhe des Einstiegsgehalts von Absolventen. Die Ergebnisse des Vergleichs der Studienfelder zeigen jedenfalls, dass die Studierenden den Wert ihres Studiums kennen. Bildet man eine Top 5 nach Einstiegsgehältern und nach Gehaltsvorstellungen der Studierenden nach Studienbereich, sind die Platzierungen fast identisch.

Top 5: Einstiegsgehälter

  1. Wirtschaftsingenieurwesen 46.800€
  2. Naturwissenschaften 46.600€
  3. Ingenieurswissenschaften 46.400€
  4. Mathematik und Informatik 45.800€
  5. Wirtschaftsinformatik 44.900€

Top 5: Gehaltsvorstellungen

  1. Wirtschaftsingenieurwesen 52.000€
  2. Ingenieurswissenschaften 48.900€
  3. Wirtschaftsinformatik 48.900€
  4. Rechtswissenschaften 48.300€
  5. Mathematik und Informatik 47.700€

Angehende Wirtschaftsingenieure haben demnach besonders hohe Erwartungen an ihr Einstiegsgehalt. Im Gesamtvergleich gehören sie zu den am besten verdienenden Absolventen, obwohl sie sich im Vergleich sogar noch mehr erhoffen. Etwas weniger als 6.000 Euro beträgt der Unterschied zwischen Erwartung und Realität pro Jahr. Naturwissenschaftler stellen in puncto Gehalt ihr Licht am stärksten unter den sprichwörtlichen ‚Scheffel‘. Sie können pro Jahr fast 3.000 Euro zusätzlich einplanen. Naturwissenschaftler gehören nicht mal zu den Top 5 mit den höchsten Gehaltserwartungen  – dafür sind sie aber Vizemeister bei den tatsächlichen Einstiegsgehältern. Am besten schätzen Geschichts- und Kulturwissenschaftler ihren Marktwert. Keine 1.000 Euro liegen zwischen ihren Erwartungen (34.700 Euro) und ihrem tatsächlichen Jahresgehalt (33.800 Euro). Das ist eine Differenz von weniger als 100 Euro Brutto pro Monat.

Was heißt das für Studierende und Absolventen?

Dass Absolventen ihren Marktwert realistisch einordnen können, ist erst einmal eine gute Nachricht. Und zwar nicht nur für Unternehmen, sondern in erster Linie für die jungen Akademiker selbst. Denn in den allermeisten Fällen werden Bewerber von ihren möglichen Arbeitgebern um eine Angabe ihrer Gehaltsvorstellungen gebeten. Viele Berufseinsteiger fragen sich vor der ersten Gehaltsverhandlung, ob sie ihre Vorstellungen extra hoch ansetzen sollten, um am Ende auch tatsächlich ihr Wunschgehalt zu bekommen. Andere überlegen, mit einer vergleichsweise niedrigen Forderung schneller an den lang ersehnten Job zu kommen. Zu empfehlen ist in jedem Fall, sich vorher zu informieren und eine realistische Vorstellung zu haben, welches Gehalt in der Branche und in dem Job, in dem man sich bewirbt, gezahlt wird.  Dies ist ein nicht zu unterschätzendes Mosaiksteinchen einer erfolgreichen Bewerbung. Aus diesen Gründen ist es aus Sicht der Absolventen positiv, dass sie genau diese Mischung aus Selbstbewusstsein und Realismus in Sachen Gehalt an den Tag legen. Und wer sich hierbei nicht ganz sicher ist, der kann im Gehaltsreport für Absolventen nachschlagen, dessen 2020er Version im Herbst diesen Jahres veröffentlicht wird.

Zum Berufsstart stellen sich Absolventen aber auch abseits des Themas Gehalt viele Fragen, bei denen StepStone weiterhilft. Sie sind seit Kurzem oder bald Absolvent? StepStone möchte an dieser Stelle gerne von Ihnen wissen, in welchen Bereichen Sie die größten Fragezeichen haben. Fragen Sie sich, welche Vorteile Sie von einem Arbeitgeber erwarten können, worauf es bei der erfolgreichen Online-Bewerbung ankommt, wie sich der Arbeitsmarkt nach der Corona-Krise entwickelt oder mit welchen Fähigkeiten Sie in Zukunft Erfolg haben werden? Klicken Sie auf folgenden Link und schicken Sie uns Ihre Frage oder das Thema, welches Sie am brennendsten informiert.

Auch die Top-Branchen sind bekannt

Der Vergleich von erwarteten und tatsächlichen Gehältern nach (angestrebter) Branche zeigt, dass Absolventen sehr genau wissen, welche Branchen besonders gut zahlen. Entsprechend hoch sind auch die Gehaltserwartungen. Unter den Bestplatzierten der Branchen, von welchen sich die Befragten die höchsten Einstiegsgehälter erhoffen, finden sich mit Banken, der Automobilindustrie und der Chemie- und Erdölverarbeitende Industrie alte Bekannte. Diese Traditionsbranchen belegen auch im jährlich erscheinenden StepStone Gehaltsreport regelmäßig Spitzenplätze. Mit 1.000 Euro (Automobil) und 1.200 Euro (Chemie) Unterschied sind die angehenden Absolventen in zwei von drei Branchen auch besonders nah dran an ihrem tatsächlichen Gehalt. Anders ist es bei den Banken. Obwohl sie auch hier gut verdienen können, müssen Studierende ihre Erwartungen etwas dämpfen. Gut 5.900 Euro weniger müssen die jungen Akademiker hier einplanen. Besonders gut treffen die Studierenden ihr Gehalt in der Pharmabranche. Nur etwa 300 Euro liegen zwischen erwartetem (46.600 Euro) und tatsächlichem Einstiegsgehalt (46.900 Euro) abzüglich variabler Anteile.

Selbstbewusstsein trotz Realismus: Absolventen wünschen sich mehr Gehalt

Auch wenn Absolventen eine relativ realistische Vorstellung von ihrem Einstiegsgehalt haben, heißt das nicht, dass sie sich damit auch zufriedengeben. Ein Blick auf die Zufriedenheit mit dem eigenen Gehalt zeigt, dass sich die Mehrheit mehr Gehalt wünscht. Mit 38 Prozent Zufriedenheit sind Frauen insgesamt kritischer als ihre männlichen Kollegen (42 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich unter den Studienfeldern. Besonders kritisch sind Politik- und Sozialwissenschaftler und Studierende der Wirtschaftswissenschaften. Nur gut jeder Dritte gibt an, mit dem aktuellen Salär einverstanden zu sein. Das ist insofern interessant, als das Wirtschaftswissenschaftler gut 4.500 Euro weniger verdienen als sie noch während des Studiums erwarten. Politik- und Sozialwissenschaftler hingegen bekommen im Schnitt immerhin gut 1.300 Euro mehr Geld, als sie erwarten. Dies zeigt, dass die Zufriedenheit mit dem eigenen Gehalt keine neutrale Kategorie darstellt und von zahlreichen individuellen Faktoren abhängt.

Unternehmen müssen selbstbewusste Absolventen ernst nehmen

Die Analyse von Wunsch und Wirklichkeit zentraler Attraktivitätsfaktoren von Arbeitgebern zeigt, dass Unternehmen aus Sicht ihrer Mitarbeiter auch beim Thema Gehalt noch Luft nach oben haben. Sie zeigt aber auch, dass die Unternehmen insgesamt selbstkritischer sind, als sie sein müssten. Dies könnte besonders für mittelständische Arbeitgeber gelten, die üblicherweise weniger zahlen (können) als Großkonzerne. Hier sind die Gehaltserwartungen deutlich näher an der Realität als gegenüber den größeren Arbeitgebern, von denen sich die Absolventen allem Anschein nach noch mehr Gehalt erhoffen..

Für Unternehmen hat die insgesamt durchaus realistische Betrachtung der Studierenden zwei Konsequenzen. Sie sollten deren Gehaltsvorstellungen ernst nehmen und können mit Transparenz in Sachen Gehalt punkten. Aktuell informieren nur wenige Arbeitgeber frühzeitig über ihr Gehaltsangebot. Da Studierende eine gute Vorstellung dessen haben, was sie erwarten können, kann sich ein Mehr an Transparenz im Wettbewerb um die begehrten Nachwuchsfachkräfte besonders lohnen.

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Kontakt

  • Dr. Tobias Zimmermann
  • Research Manager & Arbeitsmarktexperte

  • Jan Heming
  • Research Manager

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