Wie führst du ohne disziplinarische Macht? Wie übernimmst du Verantwortung, ohne Chef*in zu sein? Und warum ist genau das in modernen Organisationen ein echter Karrierebooster? Die Antwort darauf lautet laterale Führung und ist von zunehmender Bedeutung in vielen Bereichen. Wir erklären deswegen, wie du Zusammenarbeit auf Augenhöhe gestaltest, Einfluss nimmst und deine Ideen wirksam einbringst – ganz ohne formale Weisungsbefugnis.
Zunächst die Begriffsklärung: Das Adjektiv lateral stammt aus dem Lateinischen (lateralis) und bedeutet „seitlich“ oder „von der Seite her kommend“. Allgemein beschreibt es etwas, das nicht von oben oder unten, sondern auf derselben Ebene oder aus einer seitlichen Richtung wirkt.
Laterale Führung bedeutet folglich, dass Einfluss und Steuerung nicht über eine hierarchische Position erfolgen, sondern auf gleicher Augenhöhe zwischen Kolleg*innen. Laterale Führung beschreibt also eine Form der Führung ohne disziplinarische Macht, bei der Zusammenarbeit, Vertrauen und Kommunikation im Vordergrund stehen – insbesondere in flachen Hierarchien, Projekten und bereichsübergreifenden Teams.
Dieses Führungsprinzip ist unter anderem in folgenden Bereichen verbreitet:
Ein Beispiel aus der Praxis: Anna, IT-Projektmanagerin in einem Unternehmen mit flachen Hierarchien, koordiniert ein bereichsübergreifendes Projekt mit Kolleg*innen aus Vertrieb, Entwicklung und Marketing. Obwohl sie keine disziplinarische Macht hat, gelingt es ihr durch gezielte Kommunikation und strukturiertes Vorgehen, das Projektteam zu vereinen und gemeinsam ein neues Kundenportal erfolgreich zu implementieren.
Die Wirkung lateraler Führung basiert auf weichen Faktoren und sozialen Kompetenzen. Du brauchst andere „Instrumente“ als klassische Vorgesetzte, und diese solltest du kennen.
Vertrauen ist die Basis. Es entsteht durch Transparenz, Verbindlichkeit und offene Kommunikation. Zeige, dass du zuverlässig bist, zuhörst und gemeinsam Lösungen findest.
Beispiel: Markus, Supply-Chain-Experte, möchte einen neuen Prozess implementieren, der Logistik und Einkauf betrifft. Durch Workshops mit beiden Abteilungen, in denen er ihre Perspektiven ernst nimmt und einbindet, gewinnt er das Vertrauen der Beteiligten – und erhält schließlich Rückenwind für sein Vorhaben.
Workshops sind ein besonders nützliches Tool für laterale Führung. Innerhalb der Sessions zählt schließlich nur die Idee, nicht der Jobtitel, und unterschiedliche Blickwinkel werden sichtbar. Das schafft Commitment, Engagement und ein Gefühl von Wertschätzung untereinander – allesamt erwünschte Effekte im lateralen Miteinander.
Sollst du einen solchen Workshop vorbereiten, kannst du folgendermaßen vorgehen:
Stell dir vor, du leitest als Projektmanager*in ein interdisziplinäres Team, aber niemand berichtet direkt an dich. Die Produktentwicklung stockt, da jede Abteilung andere Prioritäten hat. Du hast keine hierarchische Macht, um die Kolleg*innen auf das Projekt anzusetzen, aber anstelle dessen organisierst du einen halbtägigen Workshop:
Was hier passiert ist: Durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe habt ihr im Workshop einen Plan geschaffen, den alle mittragen. Gelungen ist dir das durch laterale Führung, also Engagement und Handlung mit Resultaten, aber ganz ohne formelle Weisungsbefugnis.
Nicht nur beim Workshop, sondern generell gilt immer: Klare Kommunikation hilft, Missverständnisse zu vermeiden. Formuliere Ziele und Rollen so, dass alle Teammitglieder sich einbezogen fühlen. Aktives Zuhören und Feedback spielen eine zentrale Rolle.
Tools, die dir dabei helfen, sind:
Die Kombination aus Fachkompetenz und souveränem Auftreten erzeugt Respekt. Wenn du dabei empathisch und teamorientiert bleibst, kannst du auch ohne Titel als natürliche*r Leader*in wahrgenommen werden.
Konkret: Wenn du etwa als Data Analyst im Projekt durch analytische Tiefe und Lösungsorientierung auffällst, werden andere deinen Input suchen – und dich dadurch automatisch als Impulsgeber*in akzeptieren.
Laterale Führung ist eine Fähigkeit, die in der heutigen Arbeitswelt immer weiter an Stellenwert gewinnt. Folglich kann sie dein Karriereprofil enorm stärken, wegen der Eigenschaften und Skills, die du damit unter Beweis stellst:
Erfahrungen in lateraler Führung lassen sich in Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen hervorragend darstellen – besonders wenn du deine Rolle reflektierst und konkrete Erfolge benennen kannst.
Gerade in flachen Hierarchien oder crossfunktionalen Teams ist es entscheidend, wie du Einfluss nimmst, ohne zu dominieren. Spüre, was das Team braucht, und passe deinen Stil flexibel an – das macht New Leadership schließlich aus.
Ein weiteres Beispiel:
In einem Marketingprojekt bringt sich Julia, UX-Designerin, frühzeitig in die Konzeptionsphase ein – nicht erst bei der visuellen Umsetzung.
Schon im Kick-off stellt sie gezielte, offene Fragen wie:
So lenkt sie den Blick der Stakeholder auf UX-relevante Themen. Kurz darauf organisiert sie einen Wireframe-Workshop: Sie bereitet erste Layout-Ideen vor, lässt das Team in Gruppen Nutzerpfade entwickeln und verteilt klare Rollen für Moderation und Dokumentation.
Im Anschluss etabliert sie regelmäßige, kurze Feedbackschleifen – so bleibt der Dialog aktiv und das Konzept nutzerzentriert.
Auch hier sehen wir erneut: Julia führt ohne Weisungsbefugnis – mit Methoden, Fragen und Struktur. Dadurch entsteht auch ohne disziplinarische Autorität ein gemeinsamer Spirit, der alle Beteiligten abholt und motiviert.
Warum ist laterale Führung im Innovationsmanagement besonders wichtig?
Innovation entsteht selten durch hierarchische Anordnung. Vielmehr brauchen neue Ideen Raum, Vielfalt und selbstorganisierte Dynamik. Genau hier zeigt sich die Stärke lateraler Führung:
Du siehst: Laterale Führung kann ein wahrer Innovationsmotor sein. Denn sie schafft den nötigen Freiraum, den kreative Prozesse brauchen.
Gerade in iterativen Prozessen wie Design Thinking, Sprints oder agilen Innovationszyklen ist diese Art von Führung oft der Schlüssel zum Erfolg – und deswegen ist es ein kluges Investment, dich mit diesen Themen zu beschäftigen.
Wenn du dich auf eine Führungsposition bewirbst, aber bisher noch keine disziplinarische Leitung hattest, kannst du deine Erfahrung mit lateraler Führung gezielt ins Spiel bringen. Denn Recruiter achten zunehmend auf Leadership-Kompetenz jenseits der Hierarchie. Das gilt besonders in modernen, innovativen, kreativen Bereichen.
Deine Skills bringst du folgendermaßen auf die Bildfläche:
Beispielhafte Formulierung im Gespräch: „In einem Projekt zur Prozessoptimierung konnte ich als fachliche Leitung ein Team aus Produktion und Controlling zusammenbringen. Ohne formale Führungsrolle gelang es mir durch strukturierte Moderation und gezielte Kommunikation, die Interessen auszubalancieren und ein neues KPI-System erfolgreich umzusetzen.“
Falls du deine Fähigkeiten gezielt ausbauen willst, gibt es spezialisierte Angebote dafür. Kein Wunder – im Geiste von New Work ist laterale Führung gefragter denn je. Als Folge mangelt es nicht an Weiterbildungsmöglichkeiten.
Doch gerade wegen dieser Auswahl solltest du darauf achten, dass die folgenden relevanten Inhalte abgedeckt werden:
Viele Trainings arbeiten mit Rollenspielen, Peer-Coaching und praxisnahen Fallstudien – ideal, um deinen Führungsstil bewusst zu entwickeln und danach im Arbeitsalltag anwenden zu können.
Klarheit, Haltung, Kommunikation und Begeisterung: Laterale Führung ist kein „Soft Skill“, sondern ein zentrales Instrument moderner Zusammenarbeit. Ob im Vorstellungsgespräch oder im Arbeitsalltag: Wer ohne formale Macht Vertrauen schafft, Kommunikation verbessert und Verantwortung übernimmt, trägt aktiv zur Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens bei.
Gerade in einer Welt, in der Hierarchien zunehmend durch Netzwerke ersetzt werden, ist diese Kompetenz ein wirklich mächtiges Tool, mit dem du deine Karriere entscheidend voranbringen kannst.
Unter lateraler Führung versteht man eine Form der Führung ohne disziplinarische Weisungsbefugnis. Sie basiert auf Vertrauen, Kommunikation, Kooperation und fachlicher Autorität. Führungskräfte oder Teammitglieder führen hier auf Augenhöhe und nehmen durch Überzeugung, Expertise und Beziehungsmanagement Einfluss – vor allem in Projekten, interdisziplinären Teams oder Matrixorganisationen.
Die fünf klassischen Führungsstile sind: autoritärer Führungsstil, kooperativer (demokratischer) Führungsstil, Laissez-faire-Stil, situativer Führungsstil und transformationaler Führungsstil. Jeder Stil beschreibt unterschiedliche Herangehensweisen an die Entscheidungsfindung, Kommunikation und Verantwortungsverteilung zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden.
Das Gegenteil von lateraler Führung ist die hierarchische oder vertikale Führung. Dabei erfolgt die Führung auf Basis formeller Macht und Weisungsbefugnis – etwa in klassischen Linienorganisationen, wo Vorgesetzte Entscheidungen treffen und Mitarbeitende anweisen.
Ein gängiges Synonym für laterale Führung ist „Führung ohne Vorgesetztenfunktion“ oder „Führung ohne disziplinarische Verantwortung“. Auch Begriffe wie „kollegiale Führung“ oder „Führung auf Augenhöhe“ werden im ähnlichen Kontext verwendet.
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