Autoritäres Führen – heutzutage? Tatsächlich ist dieser Führungsstil auch in der neuen Arbeitswelt noch zu finden. Aber was zeichnet die autoritäre Leadership eigentlich aus? Was sind die Vor- und Nachteile, und wie kannst du als Arbeitnehmer*in damit umgehen? Wenn du dich fragst, wie du mit einer autoritären Führungskraft umgehen kannst, findest du hier hilfreiche Tipps und konkrete Beispiele. Lies weiter und erfahre, was hinter diesem klassischen, oft polarisierenden Führungsstil steckt.
Der autoritäre Führungsstil ist eine von mehreren Formen der Mitarbeiterführung. Die erste Einteilung, die es zu größerer Bekanntheit schaffte, stammte von Kurt Lewin, der in den 1930er-Jahren drei Grundtypen von Führungsstilen definierte: autoritär, demokratisch und laissez-faire. Später könnten sich weitere Führungsstile etablieren, allen voran situativ und kooperativ.
Historisch betrachtet ist der autoritäre Führungsstil die klassische Variante, die noch vor einigen Jahrzehnten beinahe überall üblich war.
Neben der Definition des autoritären Führungsstils ist die Abgrenzung zu den anderen Leadership-Stilen wichtig:
Bezogen auf den autoritären Stil lassen sich dabei jeweils Hauptunterschiede ausmachen:
Diese gravierenden Unterschiede wirken sich direkt auf das Betriebsklima und die Motivation im Team aus. Hierbei gilt: Die Mitarbeitenden müssen zu dieser Art von Führung passen, andernfalls ist langfristige Zufriedenheit kaum möglich.
Im Joballtag ist der autoritäre Führungsstil normalerweise einfach zu identifizieren. Folgende Merkmale sind typisch:
Dass dieser Führungsstil seit vielen Jahren auf dem Rückzug ist, liegt an den Nachteilen, die sich aus seinen Eigenschaften ergeben. Denn ein autoritärer Stil kann zu erhöhtem Stress, Angst vor Fehlern und sogar einem geringen Selbstwertgefühl bei Mitarbeitenden führen. Besonders kreative oder eigenverantwortlich denkende Menschen fühlen sich unter diesen Rahmenbedingungen oft unterfordert und missverstanden, was langfristig zum sogenannten Quiet Quitting führen kann.
Für die Einordnung im Gesamtbild ist dennoch der Blick auf die Vorteile wichtig. Schließlich gibt es einige gute Gründe dafür, dass bis heute noch autoritär geführt wird.
So umstritten er inzwischen auch ist, hat der autoritäre Führungsstil auch Stärken:
Wichtig ist, dass diese Art der Führung an der richtigen Stelle zum Einsatz kommt. Zum Beispiel in Notfall- oder Gefahrensituationen, etwa bei der Feuerwehr oder im OP-Saal, kann autoritäre Führung lebensrettend sein. Auch beim Onboarding neuer Mitarbeitender oder in der Ausbildung kann eine klar geführte Struktur hilfreich sein.
Gleichzeitig bringt er erhebliche Herausforderungen mit sich:
Aufgrund dieser Eigenschaften ist der autoritäre Führungsstil inzwischen vor allem auf spezielle Bereiche beschränkt, wie im Folgenden erklärt.
Effizienz in Krisensituationen
Struktur und Orientierung
Eindeutige Verantwortlichkeiten
Zielgerichtete Umsetzung
Demotivation und Unzufriedenheit
Hohe Mitarbeiterfluktuation
Keine Mitbestimmung
Fehlende Flexibilität
Ausfälle schwer aufzufangen
Auch wenn moderne Arbeitsmodelle wie New Work und agile Führung im Trend liegen, findet man autoritäre Führung noch immer in zahlreichen Branchen:
Die Gemeinsamkeit: All diese Branchen sind stark leistungsorientiert und / oder risikoavers. Genau das sind die idealen Bedingungen für autoritäre Führung. Zwar nimmt die Zahl rein autoritärer Führungskräfte insgesamt ab, doch ein vollständiger Wandel ist nicht überall möglich oder gewünscht. In einigen Bereichen bleibt diese Führungskultur verankert – oft aus Effizienzgründen, teils aber auch aus Gewohnheit.
Wie eng die Vor- und Nachteile des autoritären Führens beieinander liegen können, zeigen die folgenden Beispiele.
In einem Maschinenbauunternehmen mit erhöhter Unfallgefahr ist die Schichtleiterin für die Einhaltung aller Sicherheitsvorgaben verantwortlich. Sie gibt jeden Morgen präzise Anweisungen zu Abläufen, Maschinenbesetzung und Pausenzeiten. Ihre direkte und durchsetzungsstarke Art sorgt dafür, dass der Produktionsfluss selten ins Stocken gerät und Sicherheitsstandards konsequent eingehalten werden. Gerade neue Mitarbeitende schätzen die Orientierung, die sie dadurch erhalten. Gleichzeitig herrscht im Team ein Klima der Vorsicht: Wer Verbesserungsvorschläge einbringt oder Entscheidungen hinterfragt, wird schnell zurechtgewiesen. Viele Mitarbeitende haben das Gefühl, lediglich „auszuführen“ statt mitzugestalten, was die Motivation auf Dauer senkt.
Ein Chefarzt auf der Intensivstation leitet sein Team mit strenger Hand. Entscheidungen zu Behandlungsplänen, Medikation und Ressourceneinsatz trifft er alleine – speziell in Notfällen, was schnelle Reaktionen ermöglicht. Gerade in kritischen Situationen ist diese klare Rollenverteilung hilfreich, da keine langen Diskussionen entstehen und alle wissen, was zu tun ist. Gleichzeitig beklagt sich das Pflegepersonal, dass es kaum Gehör findet, obwohl es die Patient*innen teilweise besser kennt und wichtige Beobachtungen beisteuern könnte. Das führt dazu, dass sich erfahrene Fachkräfte unterfordert fühlen und weniger aktiv einbringen, obwohl deren Input sehr wertvoll sein könnte.
In einer großen Filiale eines Einzelhandelskonzerns führt der Filialleiter das Team nach festen Vorgaben. Jeder Mitarbeitende weiß genau, wann welche Aufgaben erledigt werden müssen – von der Warenannahme bis zur Kassenbesetzung. Das sorgt für eine hohe Effizienz und wenig Reibungsverluste im Tagesgeschäft, auch bei starkem Kundenaufkommen. Gleichzeitig duldet der Filialleiter keine Abweichungen vom Plan. Ideen für Anpassungen im Store oder kreative Aktionen zur Kundenbindung werden abgelehnt. Dadurch fühlen sich engagierte Mitarbeiter*innen oft ausgebremst und es geht Optimierungspotenzial verloren.
Ganz klar: Als Angestellte*r musst du mit dem autoritären Führungsstil umgehen können. Das ist einerseits Gewohnheits-, andererseits aber auch Typsache. Schließlich ist nicht jeder Mensch gleichermaßen gut dafür geeignet, in Entscheidungen nicht eingebunden zu werden und jede Aufgabe erledigen zu müssen, ohne dass Einwände oder andere Ideen gerne gesehen sind.
Arbeitest du in einem Umfeld arbeitest, das von einem autoritären Führungsstil geprägt ist, können dir die folgenden Punkte helfen:
Letztendlich gilt trotz allem: Solltest du langfristig unter dem autoritären Stil leiden, lohnt sich die Überlegung, ob ein Jobwechsel nicht die bessere Lösung ist. Deine psychische Gesundheit und berufliche Weiterentwicklung sollten immer Vorrang haben.
In der heutigen Arbeitswelt wünschen sich insbesondere junge Menschen häufig eine flache Hierarchie mit Mitgestaltungsmöglichkeiten und einer offenen Feedbackkultur – Werte, die sie aus ihrem Bildungsumfeld, dem digitalen Alltag und modernen Arbeitsmodellen kennen. Der autoritäre Führungsstil steht dazu oft im Widerspruch und dies führt auf Dauer zu Unzufriedenheit.
Der autoritäre Führungsstil hat in bestimmten Bereichen durchaus seine Daseinsberechtigung – besonders dann, wenn schnelle Entscheidungen und klare Hierarchien notwendig sind. Doch für moderne Arbeitskulturen, die auf Eigenverantwortung, Kreativität und Motivation setzen, ist er oft ungeeignet. Wichtig ist, dass du deinen eigenen Umgang damit findest, Chancen erkennst und Grenzen wahrst. Dazu gehört auch, dass du erkennst, dass diese Art von Arbeitskultur auf lange Sicht nichts für dich ist.
Ein autoritärer Führungsstil ermöglicht schnelle Entscheidungen und klare Verantwortlichkeiten, was besonders in Krisen oder bei sicherheitsrelevanten Aufgaben von Vorteil ist. Nachteile sind fehlende Mitbestimmung, geringe Motivation und oft hohe Mitarbeiterfluktuation, da Eigeninitiative nicht gefördert wird.
Die gängigen Führungsstile sind: autoritär, demokratisch, laissez-faire, kooperativ und situativ. Sie unterscheiden sich im Grad der Kontrolle und der Einbindung der Mitarbeitenden in Entscheidungen.
Der autoritäre Führungsstil eignet sich, wenn schnelle Entscheidungen notwendig sind, zum Beispiel in Notfällen, im Militär oder in stark regulierten Arbeitsbereichen. Auch bei unerfahrenen Teams kann er vorübergehend hilfreich sein.
Ein autoritärer Chef trifft Entscheidungen allein, gibt klare Anweisungen und erwartet deren Umsetzung ohne Diskussion. Mitarbeitende haben wenig Einfluss und erleben oft ein distanziertes, stark hierarchisches Arbeitsumfeld.
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