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Arbeiten in Großbritannien

Voraussetzungen zur Arbeitsaufnahme im Vereinigten Königreich


  • Land und Leute
  • Bürger der EU (Kernstaaten)
  • Bürger der EU (Neue Mitglieder)
  • Nicht EU-Bürger

Land und Leute


Zunächst ein Wort zur Terminologie: Großbritannien ist die Insel, die sich aus England, Schottland und Wales zusammensetzt. Das Vereinigte Königreich bezeichnet hingegen Großbritannien und Nordirland und somit den kompletten Staat. Daher werden Sie in jeder öffentlichen Dokumentation stets den Begriff "Vereinigtes Königreich" finden. Dennoch sprechen wir hier zumeist von Briten, da die Gesetzgebung zwar eine ist, die nordirische Kultur in vielen Aspekten jedoch der irischen ähnlicher ist. Seit Mitte der 90er Jahre haben sich die britische Wirtschaft und der Arbeitsmarkt, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern Europas, sehr positiv entwickelt. Gute Perspektiven gibt es in der Dienstleistungsbranche, im Gesundheitsbereich, bei Banken und Versicherungen sowie im Informations- und Kommunikationssektor. Für deutsche Muttersprachler sind die Aussichten auch in Call-Centern positiv. Sehr gute Kenntnisse der englischen Sprache sind allerdings in allen Branchen unerlässlich.

Auf der britischen Insel ist es üblich, nach Feierabend mit den Kollegen noch ein Bierchen zu trinken. Dabei bezahlt nicht jeder für sein Getränk, sondern jeder gibt eine Runde, die an der Theke geholt wird. Geselligkeit und Teamwork ist für die Arbeit sehr wichtig. Ebenso wie gute Umgangsformen - dazu zählt auch, dass Ausländer keine Scherze über die Insulaner machen sollten, und zugleich nicht eingeschnappt sein sollten, wenn über sie gespottet wird. Die Briten haben zwar einen ausgeprägten Sinn für Humor, auf die Schippe nehmen sie sich allerdings lieber selbst. Kollegen, Chefs und Mitarbeiter reden sich mit Vornamen an und der Umgang miteinander ist zwar höflich aber zwanglos. Die Lebenshaltungskosten sind im Vereinigten Königreich höher als in vielen anderen europäischen Ländern, dies gilt insbesondere für London. Aus diesem Grund zahlen viele dort ansässige Unternehmen ihren Mitarbeitern einen Gehaltszuschlag.

Bürger der EU (Kernstaaten)

Jeder EU-Bürger kann im Vereinigten Königreich einer selbst gewählten Tätigkeit nachgehen, ohne dass er in irgendeiner Form gegenüber einheimischen Arbeitskräften benachteiligt werden darf. Es bedarf weder einer Einreiseerlaubnis, eines Visums, einer Aufenthaltsgenehmigung (residence permit), noch einer Arbeitserlaubnis (work permit) (Ausnahmen: Isle of Man und Kanalinseln). Außerdem besteht keine Meldepflicht bei den britischen Behörden. Wer sich länger als sechs Monate im Vereinigten Königreich aufhält, kann eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen, um einen Nachweis über seinen Aufenthaltsort zu haben. Es besteht aber keine Verpflichtung dazu.

Bürger der EU (neue Mitgliedsstaaten)

Grundsätzlich gibt es keinerlei Beschränkungen im Hinblick auf die Freizügigkeit von Arbeitnehmern, die von den neuen EU-Mitgliedstaaten in das Vereinigte Königreich kommen. Um die Auswirkungen der Erweiterung auf den Arbeitsmarkt des Vereinigten Königreichs zu überwachen, wurde jedoch ein Registrierungssystem eingeführt. Arbeitssuchende aus acht der neuen EU-Mitgliedstaaten - Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik und Ungarn - sind verpflichtet, sich innerhalb eines Monats nach Aufnahme ihrer Tätigkeit im Vereinigten Königreich beim Innenministerium des Vereinigten Königreichs anzumelden. An diese Registrierung ist die Aufenthaltserlaubnis gekoppelt.

Nicht EU-Bürger

Wer in das Vereinigte Königreich einreisen will, um dort zu wohnen oder zu arbeiten, benötigt, sofern er nicht Bürger der EU ist, als erstes eine Einreisegenehmigung. Außerdem müssen eine Arbeitserlaubnis und eine Aufenthaltsgenehmigung vorhanden sein. Bürger einiger Staaten (Commonwealth, USA) benötigen kein Einreisevisum, aber eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.

Wer als Nicht EU-Bürger einen Aufenthalt von mehr als sechs Monaten anstrebt, benötigt eine Aufenthaltsgenehmigung. Sofern er sich selbst finanzieren kann, das heißt, keinerlei öffentliche Mittel in Form von Sozialhilfe oder Ähnlichem in Anspruch nimmt, steht ihm ein Anrecht auf Aufenthalt von sechs Monaten zur Verfügung. Dies schließt auch eine Registrierung bei den örtlichen Polizeidienststellen für bestimmte Staatsbürger mit ein.

Wer als Besucher einreist hat keine Berechtigung, eine Arbeit im Vereinigten Königreich anzunehmen.
Sollte ein Arbeitssuchender eine Arbeitserlaubnis ausgestellt bekommen, erhält er meist eine befristete Aufenthaltsgenehmigung. Die Gültigkeitsdauer der Aufenthaltsgenehmigung richtet sich nach der Gültigkeitsdauer der Arbeitserlaubnis. Es wird maximal eine Genehmigung für vier Jahre ausgestellt. Nach Ablauf der vier Jahre wird in der Regel eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung ausgesprochen. Voraussetzung ist der permanente Aufenthalt in diesen vier Jahren (mindestens neun Monate pro Jahr).
Die Arbeitserlaubnis für einen Nicht EU-Bürger muss durch den Arbeitgeber beantragt werden. Die Arbeitserlaubnis ist an genau einen Arbeitsplatz gebunden. Sollte sich das Arbeitsverhältnis in irgendeiner Form ändern, so erlischt auch die Arbeitserlaubnis. Die Arbeitserlaubnis wird durch den Overseas Labour Service (OLS) erteilt. Dies ist eine Abteilung des "Department for Education and Skills". Obwohl der OLS von der Industrie als sehr wirtschaftsfreundlich bezeichnet wird, ist er doch an den gesetzlich festgeschriebenen Protektionismus gebunden. Sollte es nun einen Arbeitnehmer in der EU geben, der die designierte Arbeitsstelle des Nicht EU-Bürgers qualifiziert ausfüllen kann und will, darf die Arbeitserlaubnis nicht erteilt werden. Diese Regelung wurde ursprünglich getroffen, um es ausländischen Billiglohnkräften unmöglich zu machen, in Europa Fuß zu fassen. Praktisch erschwert sie jedoch den Zugang von qualifizierten Fachkräften zum britischen Arbeitsmarkt. Da aber ein eklatanter Mangel an IT-Fachkräften besteht, wird die Arbeitserlaubnis zumeist erteilt. Der einzige Nachteil besteht darin, dass zwischen Antrag und Erteilung einer Arbeitserlaubnis schon mal sechs Monate vergehen können. Die Arbeitserlaubnis wird für maximal vier Jahre erteilt, da nach Ablauf dieser Zeitspanne eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung vergeben wird, die eine Arbeitserlaubnis überflüssig macht.

Gegebenheiten

im Vereinigten Königreich

  • Anerkennung von Abschlüssen
  • Aufenthalts- & Arbeitserlaubnis
  • Jobsuche & Bewerbung
  • Arbeitsrecht
  • Gesundheits- & Sozialleistungen

Großbritannien - Arbeiten im Ausland

Anerkennung von Abschlüssen

Um akademische Abschlüsse, solche in reglementierten Berufen oder medizinische und juristische Qualifikationen anerkennen zu lassen, sollten sich Bewerber an das Bildungsministerium (Department for Education and Skills) wenden.

Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis

Im Vereinigten Königreich gibt es keine Meldepflicht, was die Idee einer Aufenthaltsgenehmigung für jene EU-Bürger, die sich ohnehin frei bewegen können, obsolet macht. Nicht EU-Bürger brauchen zwar eine Aufenthaltserlaubnis, die aber, sofern der Besucher dem Staat nicht finanziell zur Last fällt, ohne größere Probleme zu bekommen ist.
An die Meldung zur Wahl ist die Zahlung der Gemeindesteuer (Council Tax) gekoppelt, da keine allgemeine Meldepflicht besteht. Eine Arbeitserlaubnis ist nur für Nicht EU-Bürger relevant und wird nur erteilt, wenn ein Arbeitsvertrag bereits besteht.

Jobsuche und Bewerbung

Der staatliche Employment Service (Jobcentre Plus) unterhält in jeder größeren Stadt Arbeitsämter (Jobcentres), die bei der Arbeitssuche helfen. Daneben gibt es eine Vielzahl von privaten Vermittlungsagenturen (Employment Agencies / Personnel Consultants). Die Jobsuche ist über Online-Portale oder Zeitungen üblich. Die überregionalen Tageszeitungen The Guardian, The Independent, The Daily Telegraph, The Times und The Financial Times bieten viele Stellenanzeigen, vorwiegend für höher qualifizierte Bewerber. Stellenanzeigen werden donnerstags veröffentlicht. Für Führungskräfte lohnt sich auch ein Blick in die Wochenzeitschrift The Economist. Doch auch im Königreich nehmen Internetportale zur Jobsuche eine immer größere Bedeutung ein und sind zahlreich vorhanden. Auch Zeitarbeitsfirmen sind weit verbreitet und im Gegensatz zu Deutschland, bestehen Zeitarbeitern (Temps) gegenüber keine Vorurteile. Viele Arbeitnehmer arbeiten als Temp um sich beruflich zu orientieren oder in andere Branchen zu schnuppern.

Dicke Bewerbungsmappen sind in auf den britischen Inseln nicht üblich. Meist besteht eine Bewerbung nur aus einem Anschreiben und einem Lebenslauf (CV). Der Lebenslauf sollte einfach geschrieben sein, mit den jüngsten Daten beginnen (rückwärts chronologisch). Ein Bild wird in der Regel nicht erwartet.

Zeugnisse und Diplome können mitgeschickt werden, sollten aber übersetzt werden. Deutsche Noten sind gegebenenfalls in das englische Notensystem zu übertragen. Die Angabe von Referenzen ist durchaus üblich. Diese Personen sollten dann aber auch erreichbar sein und einen positiven Eindruck von dem Bewerber vermitteln können. Die meisten Firmen verlangen vor der Einladung zum Bewerbungsgespräch das Ausfüllen eines Bewerbungsfragebogens. Besonders im öffentlichen Dienst und angelehnten Institutionen setzen sich Online-Bewerbungssysteme durch, die zur Egalität der Bewerber und Diskriminierungsvermeidung beitragen sollen. Sofern diese Systeme vorhanden sind, sollten sie auf jeden Fall genutzt werden.

Arbeitsrecht

Bei geringer qualifizierten Tätigkeiten wird der Lohn häufig wöchentlich ausbezahlt, ansonsten monatlich. Seit Oktober 2006 hat jeder Anspruch auf einen gesetzlich geregelten Mindestlohn, der altersabhängig ist.
Die wöchentliche Arbeitszeit darf 48 verpflichtende Stunden nicht überschreiten, allerdings liegt es im Ermessen der Einzelperson, länger zu arbeiten. Jedem Arbeitnehmer steht ein freier Tag pro Woche sowie vier Wochen bezahlter Urlaub pro Jahr zu. Überstunden sind gesetzlich nicht geregelt.
Flexible Arbeitszeitmodelle wie Jahrearbeitszeitkonten, Arbeitszeitverdichtung und Heimarbeit sind weit verbreitet und individuell auszuhandeln.

Gesundheitswesen und Sozialleistungen

Jede Erwerbstätigkeit ist im Vereinigten Königreich sozialversicherungspflichtig. Dazu muss man sich beim zuständigen Büro des Department for Work and Pensions (Ministeriums für Arbeit und Renten) registrieren lassen. Man erhält dort eine Sozialversicherungsnummer (National Insurance Number), die man seinem jeweiligen Arbeitgeber mitteilt, der sich dann um alle weiteren Formalitäten kümmern muss. Hat man nur ein geringes Einkommen ist man von der Sozialversicherung befreit. Alle anderen Arbeitnehmer müssen 11 Prozent ihres Einkommens abführen, allerdings nur bis zu einem gedeckelten Wochenverdienst. Auf das über dieser Grenze liegende Einkommen ist ein Beitrag von 1 Prozent abzuführen. Auch Selbstständige müssen im Vereinigten Königreich Sozialversicherungsbeiträge bezahlen, die sich an der Höhe des Gewinns orientieren

Das Vereinigte Königreich hat ein staatliches Gesundheitssystem (NHS), das über Steuern finanziert wird. Die Behandlung ist für alle im Land ansässigen Personen und auch Touristen weitgehend kostenlos. Sie müssen sich in Ihrem lokalen Gesundheitszentrum anmelden und bei einem praktischen Arzt als Patient registrieren lassen. Da viele Ärzte auch privat praktizieren, ist es wichtig, klar zu machen, dass man über den NHS versichert ist. Medikamente, Zahnersatz und Sehhilfen sind zuzahlungspflichtig. Das britische Gesundheitsministerium gibt aktuelle Auskünfte über die Höhe der Gebühren.

Arbeitnehmer sind grundsätzlich im Vereinigten Königreich steuerpflichtig, mit den meisten europäischen Ländern bestehen jedoch Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung. Auf das Einkommen wird Lohnsteuer erhoben. Dafür gibt es drei pauschale Steuersätze: 10, 22 und 40 Prozent. Welcher Steuersatz erhoben wird ist abhängig von der Höhe der Einkünfte (abzüglich gesetzlicher Freibeträge).