AGG: Neue Regeln für Ihre Bewerbung

Diese Neuerungen gibt es
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ist seit letztem Sommer in Kraft und hat in den Unternehmen für viel Wirbel gesorgt, denn es gibt Bewerbern und Mitarbeitern mehr Möglichkeiten, vor Gericht gegen Diskriminierungen vorzugehen.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ist seit letztem Sommer in Kraft und hat in den Unternehmen für viel Wirbel gesorgt, denn es gibt Bewerbern und Mitarbeitern mehr Möglichkeiten, vor Gericht gegen Diskriminierungen vorzugehen. Aus Furcht vor möglichen Klagen, haben viele Unternehmen ihre Bewerbungsverfahren umgestellt. Das bringt auch Änderungen für die Stellensuchenden mit sich.

  • Stellenangebote – offen für jedermann?
  • Bewerbungsmappe ohne Foto?
  • Persönliche Angaben, was gehört noch dazu?
  • Das Vorstellungsgespräch – nur unter Zeugen
  • Absage ohne Gründe wird zum Standard

Stellenangebote – offen für jedermann?

Unternehmen müssen ihre Stellenanzeigen so neutral wie möglich formulieren. So müssen die Inserate nicht nur geschlechtsneutral sein. Künftig dürften Bewerber in Stellenanzeigen auch die Worte „junges Team“ nicht mehr finden, denn kein Bewerber darf aufgrund seines Alters benachteiligt werden. Somit kommen jetzt auch Bewerber in Frage, die bislang aufgrund starrer Altersgrenzen ausgegrenzt wurden und auch männliche Aspiranten können sich problemlos auf die Stelle der „Sekretär/in“ bewerben.

Umso wichtiger ist es für Jobsuchende, das Anforderungsprofil genau zu prüfen, denn Dinge wie „mehrjährige Berufserfahrung“ dürfen von Unternehmen in der Regel nach wie vor gefordert werden und rücken bei der Bewerberselektion noch stärker in den Fokus. In Ausnahmefällen sind auch konkrete Altersgrenzen und weitere Einschränkungen noch zulässig.

Stellenanzeigen, in denen die Muttersprache ausdrücklich vorgegeben ist, sind in der Regel unzulässig. Doch auch hier gilt für den Bewerber genau hin zu schauen, denn für viele Stellen sind einwandfreie – in bestimmten Fällen auch akzentfreie- Sprachkenntnisse unerlässlich. Wer diese besitzt und nachweisen kann, kann sich selbstverständlich bewerben, auch wenn es sich nicht um seine Muttersprache handelt.

Bewerbungsmappe ohne Foto?

Das ist in den meisten Ländern (z.B. USA; UK) bereits üblich. In Deutschland dürfte sich in diesem Punkt zunächst allerdings nichts ändern. Bewerber sind zwar nicht dazu verpflichtet, sinnvoll ist es dennoch, der Bewerbungsmappe ein Foto beizufügen, denn das Unternehmen will sich ja im wahrsten Sinne „ein Bild vom Bewerber“ machen.

Persönliche Angaben, was gehört noch dazu?

Einige Angaben, die bislang bei uns Standard waren, brauchen jetzt nicht mehr im Anschreiben oder Lebenslauf angegeben zu werden. Dazu gehört z.B. die Muttersprache. Staatsangehörigkeit und Familienstand werden noch diskutiert. Da kein Bewerber aufgrund seines Alters diskriminiert werden darf, kann man sogar auf das Geburtsdatum verzichten. Es ist aber nicht verboten, diese Dinge nach wie vor zu nennen. „Da es bislang noch keine Rechtsprechung zum AGG gibt, sollten Bewerber diese persönlichen Angaben so behandeln, wie bislang auch. Das AGG stärkt schließlich die Rechte der Bewerber und sie können somit keine „Fehler“ im Bewerbungsprozess machen“ sagt Anwältin Susanne Stollhoff zum Thema. „Verunsicherung bei den Bewerbern ist nicht angebracht. Die Bewerbung sollte nach wie vor alle Angaben enthalten, die für das Unternehmen und die ausgeschriebene Position wichtig sind.“

Pflichtinhalte sind nach wie vor alle Angaben zu Ihrem schulischen und beruflichen Werdegang und zu jeglicher Art von Qualifikation und Ausbildung, wie Schulabschluss, EDV-Kenntnisse, u.ä. Bei der Darstellung Ihrer Sprachkenntnisse können Sie auf die Angabe der Muttersprache verzichten und diese mit akzentfrei, fließend, verhandlungssicher, etc. umschreiben. Es ist aber nicht verboten, nach wie vor die Muttersprache anzugeben.

Und auch wenn Sie sich als Person näher vorstellen, z.B. Soft Skills erläutern oder etwas zu Ihren privaten Interessen und Hobbys sagen, kann das nicht schaden. Vermeiden Sie jedoch verfängliche Themen wie Parteizugehörigkeit o.ä. Sinnvoll sind Angaben zu Hobbys oder Parteiangehörigkeit nur dann, wenn ein Bezug zu der ausgeschriebenen Stelle vorhanden ist.

Das Vorstellungsgespräch – nur unter Zeugen

War es bislang in vielen Unternehmen üblich, den Bewerber erst einmal durch einen Mitarbeiter aus der Personal- oder Fachabteilung „ab zu klopfen“, um dann in einem weiteren Gespräch mit mehreren Kollegen noch offene Fragen zu klären, so werden Job-Interviews künftig oft mit mindestens zwei Personen von Unternehmensseite geführt. So haben die Mitarbeiter jeweils einen Zeugen, der den Verlauf des Vorstellungsgespräches dokumentieren kann. Als Bewerber sollte man sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen lassen und sich im Gespräch ganz natürlich verhalten. Betrachten Sie es als Vorteil, wenn Sie mehreren Gesprächspartnern gegenüber sitzten, denn so erhalten Sie einen guten Eindruck vom Verhältnis der Kollegen untereinander und haben Ansprechpartner für alle zu klärenden Fragen.

Konzentrieren Sie sich im Vorstellungsgespräch auf Ihre schulische Ausbildung und Ihre fachliche Qualifikation. Auf Fragen, die Ihren persönlichen Hintergrund betreffen und Ihnen diskriminierend vorkommen, brauchen Sie nicht zu antworten. Dazu gehören Angaben zu geschlechtlicher Ausrichtung, Religion u.ä. (Am Ende des Artikels finden Sie eine Liste der Merkmale, die aufgrund möglicher Diskriminierung nicht abgefragt werden dürfen.) „Wichtig ist für Bewerber, die Situation gelassen anzugehen und nicht engstirnig zu reagieren. Schließlich dient das Gespräch dem gegenseitigen kennen lernen und das sollte so unverkrampft wie möglich passieren.“ rät Anwältin Stollhoff. „Machen Sie sich keine Gedanken darüber, ob einige Fragen vielleicht verboten sind, denn das AGG kann Ihnen als Bewerber nie schaden und Sie sollten grundsätzlich alle Fragen zur Person und Qualifikation offen und ehrlich beantworten.“

Absage ohne Gründe wird zum Standard

Die Unternehmen sind durch das AGG angehalten, den kompletten Bewerbungsprozess schriftlich fest zu halten. Wundern Sie sich also nicht, wenn man auf telefonische Anfragen zurückhaltend reagiert und Ihnen keine konkreten Auskünfte gibt. Bei Absagen war es bislang kein Problem, auf die Gründe näher einzugehen. Viele Bewerber haben sich bei Erhalt der Absage telefonisch beim Unternehmen gemeldet, um mehr über die Schwächen der Bewerbung zu erfahren. Künftig werden Sie wohl auf solche Rückfragen keine Antwort mehr bekommen, denn die Personalverantwortlichen werden sich hüten, Ihnen Gründe für die Absage zu nennen, die durch ein Gericht als diskriminierend ausgelegt werden könnten. Auch schriftliche Absagen werden künftig sehr neutral gehalten sein, so dass der Bewerber nichts mehr über mögliche Fehler in seiner Bewerbung erfährt. Ausnahme: Bei Absagen an Schwerbehinderte sind die Unternehmen verpflichtet, die Absage zu begründen.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz: Diskriminierung verboten! Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz regelt nicht nur die Einstellung von Mitarbeitern, sondern auch Dinge zum laufenden Arbeitsverhältnis und zur Kündigung. Gegebenenfalls kann man auf Schadensersatz klagen, wenn man aufgrund

  • seines Geschlechts,
  • seiner ethnischen Herkunft,
  • seiner Weltanschauung,
  • seiner Religion,
  • seines Alters,
  • seiner sexuellen Identität
  • oder einer Behinderung

gemäß AGG diskriminiert wurde. Das beklagte Unternehmen ist dann in der Beweispflicht und muss nachweisen, dass keine Diskriminierung im Sinne des AGG vorliegt. Hat man als Bewerber das Gefühl, das Unternehmen hätte gegen das AGG verstoßen, dann muss man innerhalb von zwei Monaten eine entsprechende Klage einreichen. Unternehmen sind verpflichtet, ihre Mitarbeiter auf die Inhalte des AGG zu schulen und werden künftig überwiegend den Bewerbungsprozess schriftlich dokumentieren und für mehrere Monate archivieren.

Um sich vor Schadensersatzklagen zu schützen, werden viele Unternehmen ihre Bewerbungsprozesse besonders sensibel und neutral durchführen. Für wirkliche Handlungsrichtlinien muss man allerdings auf die ersten Präzedenzfälle warten, denn die Rechtsprechung wird viele Unsicherheiten auf Seiten der Bewerber und der Unternehmen aufklären müssen.

Hier finden Sie passende Artikel:

Neuer Job

Großkonzern oder kleineres Unternehmen?

Enter your email and be the first to receive all the jobs that match your search criteria