Die Kunst des Redens
Abgesehen von bestimmten Rhetorik-Techniken schulen Sie Ihre Kommunikationsfähigkeit
dauerhaft am besten, wenn Sie zum einen an Ihrer Persönlichkeit arbeiten,
zum anderen an Ihrer Stimme. Was nur wenige wissen: Bei einem Sprecher
wird zuallererst auf die persönliche Ausstrahlung und auf die Stimme geachtet
und erst dann auf die inhaltlichen Aussagen. Durch eine natürliche und
selbstsichere Ausdrucksfähigkeit beeinflussen Sie Ihren Gesprächspartner
ohne großen Aufwand.
Rhetorisches Selbstbewusstsein, und damit auch rhetorische Autorität,
erreichen Sie durch Übung: Nutzen Sie jede Gelegenheit, Ihre rhetorischen
Fähigkeiten weiterzuentwickeln, und beobachten Sie sich in jeder Redesituation
genau, so werden Sie nach und nach ein Erfolgs- und Sicherheitsgefühl
aufbauen können.
Stimm-Training
Nicht jeder hat von Natur aus eine angenehme Stimme. Es gibt aber professionelle
Stimmtrainer, die für Menschen, die in ihrem Beruf viel reden, verhandeln
und überzeugen müssen, eine sinnvolle Möglichkeit darstellen, das "stimmliche
Potenzial" zu optimieren. Suchen Sie in Ihrem Branchenbuch nach entsprechenden
Adressen. Aber selbst einfachstee Übungen können Verbesserungen bringen:
Lernen Sie z.B., mit einem Korken zwischen den Zähnen oder einem Knopf
auf der Zunge deutlich zu sprechen! Auch Singen, egal ob im Gesangsverein
oder lauthals unter der Dusche, kräftigt die Stimme.
Wie verhalte ich mich in Gesprächen?
Es ist in Gesprächen, auch in Bewerbungs- oder Beurteilungsgesprächen,
möglich, durch überlegte Antworten den Ablauf zu steuern. Machen Sie sich
schon vorher Gedanken über mögliche Fragen und Ihre Antworten. Durch praktische
Übungen können Sie das überlegte Antworten nach und nach erlernen (siehe
die Literatur-Tipps am Ende des Artikels!). Wer sich vorbereitet, zuhört
und reflektiert, hat die Möglichkeit, die Gesprächsführung zu beeinflussen.
Der Fragende ist nicht "allmächtig", auch wenn er im Frageprozess die
Führung innehat.
Machen Sie sich die verschiedenen Frageformen klar:
- Informationsfragen ("Wo haben Sie Ihre Ausbildung gemacht?")
- Alternativfragen ("Wünschen Sie Kaffee oder Wasser?")
- Motivierungsfragen ("Wie haben Sie dieses gute Resultat geschafft?")
- Klärungsfragen ("Was meinen Sie mit...?")
- Suggestivfragen ("Sie sind doch auch der Meinung, dass...?")
- Fangfragen ("Haben Sie einen Parkplatz gefunden?": Der Personalchef
interessiert sich hierbei nicht für den Parkplatz an sich, sondern ob
ein Führerschein vorhanden und wie Ihr Orientierungsvermögen ist)
Es ist von größter Bedeutung, während des ganzen Frageprozesses voll
konzentriert zuzuhören und auf jedes einzelne Wort zu achten. Es wäre
sonst z.B. auch nicht möglich, falsche Behauptungen mit Signalen wie "Im
Gegenteil", "Das habe ich nicht gesagt!", "Überhaupt nicht!"
oder "Nein!" zu stoppen.
Überraschen Sie mit dem Gegenteil !
Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Gesprächspartner hört Ihnen nicht zu, vermeiden
Sie es auf jeden Fall, lauter zu sprechen. Senken Sie vielmehr Ihre Stimme.
Wenn Ihr Gegenüber merkt, dass er nicht mehr alles mitbekommt, wird er
aufmerksamer werden. Kommen Sie dann zu einem wichtigen Punkt, können
Sie ruhig wieder etwas lauter reden.
In Gesprächen ist es oft angebracht, überraschend (nämlich konträr zu
erwartbaren Verhaltensweisen) zu reagieren. Sie bleiben so für Ihren Gesprächspartner
interessant. Reden Sie wieder bewusst leise, wenn der andere laut spricht,
und sprechen Sie kraftvoll als Reaktion auf fade Aussagen.
Wenn Sie gehetzt, gedrängt oder in Ihrem Redefluss unterbrochen werden,
machen Sie eine Pause und überlegen Sie länger. So "steuern Sie gegen"
und bestimmen Sie die Dynamik des weiteren Gesprächs.
Bei vielen Interview-Fragen wird es Ihr Gegenüber überraschen, wenn Sie
nicht nur eine Antwort geben, sondern auch eine Gegenfrage stellen. Dies
wirkt in vielen Fällen sehr positiv und sichert Ihnen die Aufmerksamkeit
des Gesprächspartners.
Die Hinweise sind natürlich nicht für alle Situationen und allgemein
gültig. Wann Sie sich "antizyklisch" verhalten können, müssen Sie selbst
intuitiv erkennen. Auch hier machen Erfahrung und Übung den Meister.
Interesse wecken
Rhetorische Mittel, um Interesse zu wecken, sind farbiges und ausdruckvolles
Sprechen sowie bildhafte Beispiele. Wenn Sie sich so ausdrücken, dass
die Zuhörer die Aussage beim Hören "sehen", werden Sie nicht nur besser
verstanden, sondern verankern gleichzeitig durch das Bild die abstrakte
Aussage im Langzeitgedächtnis. Sie sollten sich aber auf einen einzelnen
Vergleich beschränken, denn Kürze wird stets geschätzt.
Auch Zitate können einen Vortrag auflockern und interessanter machen.
Achten Sie hierbei aber auf kurze und prägnante Aussagen. Allgemein gilt,
dass zu komprimierte und allgemein gehaltene Formulierungen zu vermeiden
sind.
Das Interesse Ihrer Zuhörer können Sie auch mit aktivierenden Fragen aufrechterhalten.
Sich um Verständlichkeit bemühen
Verständlichkeit ist das A und O eines gelungenen Vortrages. Achten Sie
auf knapp gefasste und klare Formulierungen und eine einfache Sprache.
Mit komplizierten Wort- und Satzkonstruktionen setzen Sie sich eher in
die Nesseln, als dass Sie beeindrucken. Auch Verschachtelungen müssen
Sie unbedingt vermeiden, dem Zuhörer muss der logische Zusammenhang "im
Ohr" bleiben. Ihre gesamte Rede sollte generell eine klare logische Gliederung
aufweisen.
Wenn Sie Fach- oder Fremdwörter verwenden, erläutern Sie diese gründlich
und gehen Sie allgemein so sparsam wie möglich mit diesen Wörtern um!
Wichtig ist es, die Balance zu halten: Formulieren Sie so knapp wie möglich,
aber so ausführlich wie nötig!
Literatur-Tipps:
Antonia Cicero, Julia Kuderna: Clevere Antworten auf dumme Sprüche. Killerphrasen kunstvoll kontern,
Junfermann, Paderborn 2001.
Hedwig Kellner: Rhetorik. Hart verhandeln, erfolgreich argumentieren,
2000.
Matthias Pöhm: Nicht auf den Mund gefallen. So werden Sie schlagfertig
und erfolgreicher, 2000.
Harry Holzheu: Natürliche Rhetorik, Econ, München 2000.
Peter Heigel: 30 Minuten für gute Rhetorik, GABAL, Offenbach
2001.
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