Was Ehemaligen-Netzwerke bringen

Alumni-Netzwerke sind ein neuer Trend auf dem Arbeitsmarkt. Sie dienen mehreren Zwecken und werden deshalb immer beliebter:

  • Trotz der derzeitigen Arbeitsflaute auf dem Arbeitsmarkt ist die demografische Entwicklung nicht aufzuhalten: Fachkräfte werden rar und für langfristig planende Unternehmen ist der ‚war of talents' nach wie vor ein wichtiger Aspekt bei der Personalplanung.
  • Auch wenn derzeit in vielen Unternehmen Personal freigesetzt wird, so sind doch viele Firmen bestrebt, Kontakt zu ehemals motivierten und wertvollen Mitarbeiten aufrecht zu halten. Sei es, um aus ehemaligen Mitarbeitern zukünftige Geschäftspartner zu machen oder um in Wachstumsphasen auf ‚Ehemalige' als interessante und erfahrene Kandiaten für neue Stellen zurück greifen zu können.
  • Sei es aus strategischen oder branchenspezifischen Gründen oder aufgrund wirtschaftlicher Zwänge: Ein ständiges Problem vieler Firmen ist es, Personal längerfristig zu binden. Die Unternehmensberatung Bain & Company hat dabei einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen: Angesichts der Tatsache, dass viele Angestellte ihre Tätigkeit als Unternehmensberater nur als Sprungbrett für eine Karriere in anderen Bereichen betrachten, entschloss man sich bei Bain, nicht alle Kraft darauf zu verwenden, Mitarbeiter zu halten. Man lässt sie vielmehr ziehen, um dann in Kontakt mit ihnen zu bleiben. Durch ihr sogenanntes alumni programme ("Ehemaligen-Programm") hat die Firma ein aktives Netz von Kunden, Geschäftspartnern und potenziellen Mitarbeitern aufgebaut.

    Das Alumni Programme von Bain
    Das Ehemaligen-Programm wurde bereits 1985 eingeleitet und somit war Bain bereits vor fast zwei Jahrzehnten Trendsetter für eine Entwicklung, die bei Unternehmen heute zunehmend auf Interesse stößt. Nach den Worten von Cindy Jackson, der "Direktorin für Berufsentwicklung und Ehemaligen-Beziehungen", sah man die Zwecklosigkeit ein, Berater zum Verbleib zu überreden, die sich verändern wollten. Statt dessen entschloss sich Bain dazu das Projekt, "lebenslange Beziehungen" mit den Ex-Angestellten aufzubauen.

    Die Aufrechterhaltung aktiver Beziehungen mit ehemaligen Angestellten erfordert ein beträchtliches Engagement. Damit das Programm funktioniert, bedient sich Bain unter anderem folgender Mittel:

  • Newsletter - Bain gibt ein vierteljährliches Mitteilungsblatt heraus, das die Ehemaligen darüber informiert, was das Unternehmen tut, welche Konferenzen es veranstaltet bzw. finanziert und für welche wohltätigen Zwecke es sich einsetzt. Der Sinn besteht darin, die Absolventen stolz auf ihre weiterhin funktionierenden Verbindungen mit dem Unternehmen zu machen. Die Ehemaligen selbst zeichnen dabei für ca. ein Viertel des Inhalts verantwortlich.
  • Absolventen-Verzeichnis - Bain publiziert sämtliche verfügbaren Kontaktinformationen über ehemalige Mitarbeiter.
  • Veranstaltungen - Bain organisiert Seminare, aber auch Festlichkeiten wie Cocktail-Partys, auf denen Ehemalige sowohl untereinander als auch mit Bain-Mitarbeitern zusammentreffen können.
  • Webseite - Die kennwortgeschützte Ehemaligen-Website umfasst Profile von erfolgreichen Ehemaligen, eine Ehemaligen-Datenbank, Artikel über das Unternehmen in der Presse und Updates von Bain-Büros in aller Welt.
  • Karriereservice - Die Website und der Newsletter enthalten Einzelheiten über Stellenangebote inner- und außerhalb des Unternehmens. Der Karriereservice ist daher sowohl ein Informationsdienst für Ehemalige als auch ein Kanal zur Anwerbung.
  • Vorteile für Bain
    Bain denkt daran, dass ehemalige Mitarbeiter in Zukunft sehr wohl selber Beratungsdienste benötigen könnten - entweder in einer neuen Position oder nach Gründung einer eigenen Firma. Die Wahrung guter Beziehungen kann daher direkt (oder indirekt durch Empfehlungen) zu neuen Kundenkontakten führen.

    Durch den engen Kontakt mit Ex-Angestellten wird es auch wahrscheinlicher, dass diese später einmal in irgendeiner Eigenschaft zu Bain zurückkehren. Beratungstätigkeit ist ja naturgemäß mit Kundenprojekten verknüpft - nicht zuletzt deswegen fällt es so schwer, das Personal in der Beratungsbranche zu halten. Die Berater werden nicht selten von den Unternehmen, mit denen sie erfolgreich zusammengearbeitet haben, angeheuert und abgeworben. Das bedeutet aber auch, dass Berater flexibel sind und leicht wiederangestellt werden können. Und obwohl solche "Heimkehrer" nur einen Bruchteil der jährlich neu eingestellten Kräfte ausmachen, sind sie kompetent, erfahren und mit der Unternehmenskultur von Bain vertraut.

    Schließlich profitiert vom Alumni-Netzwerk nicht nur das Unternehmen, sondern auch die verbliebenen Mitarbeiter sowie die anderen ‚Ehemaligen'. Durch den ständigen Austausch untereinander, entsteht eine immer größere Community für wertvolle Geschäftskontakte. In Zeiten schlechter Konjunktur und verstärkter verdeckter Mitarbeitersuche können gute Referenzen und Empfehlungen einen großen Vorsprung gegenüber anderen Bewerbern bedeuten.

    Anwendung des Bain-Modells
    Viele Unternehmen sind in erster Linie bemüht, ihre Beschäftigten zu binden, um das für ihre Anwerbung und Ausbildung aufgewendete Geld durch Arbeitskraft wieder "reinzubekommen". Oder sie sind zu beschäftigt mit momentanen Abbaumaßnahmen, um das Potenzial eines Alumni-Netzwerk auch in schlechten wirtschaftlichen Zeiten zu erkennen. Das Ehemaligen-Programm von Bain ist dagegen effizient aufgrund der oben erwähnten Maßnahmen.

    Um diesem Beispiel zu folgen, muss ein Unternehmen zu Folgendem bereit sein:

  • Akzeptieren, dass Mitarbeiter kündigen - Kann Ihr Unternehmen gute Beziehungen zu Ex-Angestellten aufrechterhalten? In vielen Betrieben heißt es, dass man Selbstständigkeit, ehrgeizige Berufsziele und persönliche Motivation zu schätzen weiß. Muss nicht ein Unternehmen gelassen reagieren, wenn Leute mit eben diesen Eigenschaften beschließen, im eigenen Interesse den Job zu wechseln?
  • Auch im Falle der Kündigung, sein Image wahren - In manchen Situationen muss man sich auch von qualifizierten und engagierten Arbeitnehmern trennen. Eine gute Beziehung auch zu entlassenen Mitarbeitern kann ein positives Firmenimage weiter tragen und eventuell zu weiteren Geschäftskontakten oder zur späteren Wiedereinstellung des Mitarbeiters führen.
  • Ein Netzwerk aufbauen - Das Netzwerk von Ex-Angestellten muss ständig gepflegt werden, was ziemlich aufwendig ist. Cindy Jacksons Titel "director of career development and alumni relations" verweist auf den hohen Stellenwert, den Bain seinem Programm beimisst. Können Sie ein ebenso starkes Engagement gewährleisten?
  • Die Angemessenheit abschätzen - Ist Ihr Unternehmen groß genug, um ein sinnvolles Netzwerk aufbauen zu können? Fällt es Ihnen schwer, das Personal zu halten, trotz aller Bemühungen? Verspricht Ihnen das Netzwerk von Ehemaligen echte Vorteile?

  • Insight Lab AB

     

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