Der Kontakter fürs KulturelleMuseum, Theater, Literatur? Nicht nur dort findet man ihn: den Kulturmanager. Über Qualifikationen und Aufgaben sprach karriereführer mit Angela Müller, Geschäftsführerin der Hamburger Agentur Kontext. von Ina Zanella |
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karriereführer: In welchen Tätigkeitsbereichen arbeitet bei Ihnen ein Kulturmanager? Müller: Da wir ein Büro für Kulturmanagement sind, arbeitet ein Kulturmanager in allen Betriebsbereichen wie Organisation, PR-Arbeit, Finanzierung bis hin zu administrativen Tätigkeiten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Konzeption und Finanzierung von Kulturvorhaben, etwa von Ausstellungen, Theaterfestivals, Kongressen, Fortbildungen und Publikationen. karriereführer: Wie sieht der Arbeitstag eines Kulturmanagers aus? Müller: Er teilt sich in Büro- und Kontaktarbeit. Telefonieren, Meetings, Entwicklung von Finanzierungen, Konzeptarbeit im Team, Koordination der extern ausgeführten Arbeiten, Verhandlungen, aber auch viel administrative Arbeit. karriereführer: Was gefällt Ihnen besonders an dieser Arbeit? Müller: Die Herausforderung, sich ständig neuen Aufgabenstellungen kreativ zu nähern und zu Lösungen zu finden. Und die alltägliche Auseinandersetzung über Kunst und Kultur. karriereführer: Welche fachlichen Voraussetzungen muss ein Kulturmanager mitbringen? Müller: Kenntnisse über den Kunst- und Kulturbetrieb und Kompetenz in der Öffentlichkeitsarbeit sind genauso wichtig wie Know-how in der Planung und Umsetzung eines Vorhabens. Das Berufsbild des Kulturmanagers ist eine Schnittmenge aus Kulturwissenschaft, Journalismus, Marketing und Veranstaltungsorganisation. Hier bedarf es in erster Linie "All-Round-Talente" mit Vorkenntnissen. Der Kulturmanager ist die zentrale Organisationsstelle, die den Projektverlauf koordiniert und beurteilt und die ausgeführten Leistungen zu einem Ganzen zusammenfügt. Dabei kommt es auch auf Kenntnisse in der Personalführung an. In unserem Falle ist vor allem Finanzierungs-Know-how gefragt, wie man eine Veranstaltung durch öffentliche Mittel, Einnahmen und private Mittel realisiert. karriereführer:Welche persönlichen Voraussetzungen muss ein Kulturmanager mitbringen? Müller: Neben einem grundsätzlichen persönlichen Interesse an Kunst und Kultur sollten auch Spaß und Kompetenz in der Kommunikation vorhanden sein. Denn die besten Ideen sind sinnlos, wenn man sie öffentlich nicht positionieren kann. Auch sind Flexibilität und ein ausgeprägtes Organisationstalent notwendig. Selbst die bestvorbereitete Veranstaltung läuft nicht nach Plan. Darauf sollte man sich ständig einstellen. karriereführer: Kommt ein Großteil der Kulturmanager direkt von der Hochschule oder kommen die meisten auf "Umwegen" in diesen Beruf? Müller: Ein großer Teil hat kunst- oder kulturbezogene, sozialwissenschaftliche oder journalistische Studiengänge abgeschlossen und schließt dann ein Zusatzstudium Kulturmanagement an. Zusätzlich gibt es viele Quereinsteiger, die über die Praxis zum "Kulturmanager" geworden sind, denn dieses Berufsbild existiert erst seit zirka zehn Jahren. Das Tätigkeitsfeld ist bis heute nicht klar definiert. karriereführer:Welchen Weg halten Sie für den geeigneteren? Müller: Ich denke, die Kombination aus Studium und vielseitiger Praxiserfahrung ist die beste. Dieser Berufsbereich ist nicht an eine bestimmte Ausbildung gebunden. Durch die Verknappung öffentlicher Mittel agieren heute Künstler zunehmend als Manager - Ministerialbeamte werden zunehmend zu Kulturmanagern. Grundsätzlich hängt es von der Institution ab, welcher berufliche Hintergrund gewünscht wird. In einem Kunstmuseum ist dies sicher der eines Kunsthistorikers mit Zusatzausbildung, in einer Eventagentur kann es sich auch um einen PR-Manager handeln. Sie werden nur selten eine Stellenausschreibung finden, in der das Berufsbild "Kulturmanager" direkt abgefragt wird. Trotzdem gibt es viele Berufsfelder, in denen Kulturmanager arbeiten. Der Übergang ist fließend. Da es im Grunde ein prädestinierter Beruf für Quereinsteiger aus Kunst, Sozialem und PR ist, ist er gnadenlos überfüllt. Um in diesem Berufsbereich Fuß zu fassen, benötigt man vor allen Dingen viele Kontakte. karriereführer: Was hat Sie zu diesem Beruf geführt? Müller: Ich habe vor zehn Jahren ein sozialwissenschaftliches Studium absolviert und mich bereits währenddessen auf Kulturarbeit konzentriert. Zu dieser Zeit gab es nur den Studiengang "Kulturpädagogik" an der Universität Hildesheim, andere Zusatzstudien waren gerade im Aufbau. karriereführer: Welche Bedeutung hat ein Kulturmanager für ein Unternehmen? Müller: In der Industrie ist der Kulturmanager mit dem Öffentlichkeitsarbeiter gleichzusetzen. In einem Museum hingegen kann er die zentrale Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Publikumsarbeit bilden. karriereführer: Wie sind die Aufstiegschancen eines Kulturmanagers? Müller: Es gibt keinen pauschalen Königsweg. Das Aufgabengebiet eines Kulturmanagers ist sehr groß und die möglichen Arbeitsplätze sehr vielfältig. In Museen bekäme ein Kulturmanager kaum eine Direktorenstelle, wenn er nicht den entsprechenden wissenschaftlichen Hintergrund vorweisen kann. In Industrieunternehmen könnte ein Kulturmanager sicher die PR-Abteilung leiten, wenn er sich auf diesen Bereich spezialisiert hat. Eine Leitungstätigkeit sehe ich auch bei Bildungsträgern oder in der Organisation (nicht der Intendanz) von Theatern. karriereführer: Was möchten Sie mit Ihrem Beruf erreichen? Müller: Ich persönlich möchte mich noch im Bereich Ausstellungsdesign weiterentwickeln. Da wir immer wieder Ausstellungen organisieren und ich selbst Grafikerin bin, ergeben sich zunehmend mehr Gelegenheiten. karriereführer: Frau Müller, wir danken Ihnen für das Gespräch. Literatur-Tipp: KulturForschung Nr. 16, Aus- und Weiterbildungsangebote für Kulturmanagement und verwandte Tätigkeiten im deutschsprachigen Raum, hrsg. v. Zentrum für Kulturforschung, ISSN 0938-7080, 5 Euro Schutzgebühr, zentrum@kulturforschung.de Angela Müller, 34, absolvierte ein sozialwissenschaftliches Studium mit dem Schwerpunkt Kulturarbeit. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Museumspädagogin entwickelte sie Bildungs- und Besucherprogramme. Während ihrer siebenjährigen Tätigkeit als Geschäftsführerin eines Hamburger Trägers für Kunst- und Kulturprojekte organisierte sie zahlreiche Veranstaltungen und Publikationen. Seit 1997 ist sie als Designerin tätig und übernimmt die Gestaltung von Ausstellungen und Publikationen. 2001 gründete sie das Unternehmen "Kontext - Agentur für Kultur und Kommunikation", das Dienstleistungen und Produkte im Bereich Kulturmanagement anbietet. |
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