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In zwanzig Jahren immer noch beim gleichen Arbeitgeber? Das kann sich heute kaum noch jemand vorstellen. Unternehmen müssen daher einiges bieten, um ihre besten Leute auf Dauer zu halten. Der karriereführer sprach mit dem Zukunftsforscher Matthias Horx über künftige Methoden der Mitarbeiterbindung.
karriereführer: Ein Stichwort, das oft im Zusammenhang mit Mitarbeiterbindung fällt, ist die Familienfreundlichkeit. Warum spielt die Integration der Familie in das Berufsleben eine immer größere Rolle?
Horx: Wir befinden uns im Übergang von der industriellen zur Wissensökonomie. Bei der industriellen Arbeit liefern die Mitarbeiter bei der Firma ihr Zeitkontingent ab. "Acht Stunden am Tag gehöre ich der Firma", sagte noch mein Vater. In der Wissensökonomie dagegen will das Unternehmen den Mitarbeiter mit Haut und Haaren - auch in seinen sozialen und kreativen Funktionen. Gerade das, was man früher an der Fabriktür abgab, ist heute begehrt. Das Problem, das dabei entsteht: Wie können Mitarbeiter, die im Grunde rund um die Uhr für ihren Arbeitgeber erreichbar sein sollten, Familien- und Arbeitsleben miteinander koordinieren?
karriereführer: Und wie lautet die Antwort?
Horx: Die Unternehmen müssen familienfreundlicher werden. Zum Beispiel, indem sie ihren Mitarbeitern bei der Kinderbetreuung helfen.
karriereführer: Ist das nicht, gerade für kleine Unternehmen, mit zu hohen Kosten verbunden?
Horx: Es muss ja nicht jeder einen eigenen Kindergarten bauen. Kleine Firmen können sich auf die kostengünstige Vermittlung von Hilfe konzentrieren. Zum Beispiel mit Agenturen wie dem "Familienservice".
karriereführer: In Amerika gibt es bereits so genannte "Work-Life Service Providers". Was leisten diese Agenturen?
Horx: Wie die deutsche Agentur "Familienservice" bieten sie Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Beispiel: Der Großvater eines berufstätigen Ehepaares wird zum Pflegefall und die Kinder sind in der Pubertätskrise. In solchen Fällen werden die Mitarbeiter bei der Suche nach psychologischer Betreuung und Pflegepersonal unterstützt.
karriereführer: Ein weiteres Stichwort bei der Mitarbeiterbindung ist die Weiterbildung. Können Mitarbeiter auch durch Weiterbildungsangebote "gelockt" werden?
Horx: Nicht unbedingt. Viele Mitarbeiter empfinden Weiterbildung immer noch als Zumutung. In den Köpfen hat sich das industrielle Modell verfestigt, und das operiert mit dem Begriff "Aus-Bildung": Wer ausgebildet ist, will für den Rest seines Lebens dafür kassieren. Dieses Modell funktioniert heute nicht mehr. Entsprechend versuchen die Unternehmen, diese alte Denkweise zu ändern. Das Unternehmen der Zukunft sagt seinen Mitarbeitern: "Wir können dir keine lebenslange Beschäftigung mehr garantieren, denn vielleicht gibt es uns nächstes Jahr nicht mehr. Aber wir können dir garantieren, dass du bei uns so viel lernst, dass du danach gute Chancen und Verdienstmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt hast."
karriereführer: Nur wer sich mit einem Unternehmen identifiziert, wird sich dort auf Dauer wohlfühlen. Wie kann trotz der Unstetigkeit des Arbeitsmarktes die Identifikation gefördert werden?
Horx: Das Management muss in der Lage sein, eine glaubhafte Vision so zu vermitteln, dass sie fasziniert. Ein Beispiel aus der Vergangenheit: Siemens hatte zur letzten Jahrhundertwende die Mission, das zersplitterte, postfeudale Deutschland zu technisieren. Damals war es für viele Ingenieure eine große Herausforderung, die Elektrizität zu den Menschen zu bringen. Ich glaube, jedes Unternehmen braucht so eine Kernbotschaft.
karriereführer: Ist Mitarbeiterbindung auch noch in der IT-Branche aktuell oder sind IT-Kräfte mittlerweile so froh, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben, dass sie gar nicht über einen Wechsel nachdenken?
Horx: Wir befinden uns zurzeit in einer Situation, in der New und Old Economy sich einander annähern. Auch die Unternehmen der Old Economy setzen inzwischen neue Technologien ein, für die sie qualifizierte IT-Kräfte benötigen. Um gute Leute zu gewinnen und zu halten, müssen sie entsprechende Anreize bieten.
Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass die jungen Pioniere der New Economy älter werden. Sie beginnen mit der Familiengründung und wollen Sicherheit. Sicherlich wird es in Zukunft eine Synthese zwischen dem extremen Freelancing der New Economy und dem lebenslangen Job bei einem "alten Riesen" geben. Irgendwann pendelt sich eine mittlere Verweildauer, ein Zehn-Jahre-Rhythmus ein. Das ist wie im Beziehungsleben: Eine anständige Beziehung braucht mindestens fünf Jahre, um zu halten.
KONTAKT:
www.zukunftsinstitut.de
LITERATURTIPP:
Oona Horx-Strathern: War for Talents - Die neue Arbeitswelt und der Krieg um die Talente. Die wichtigsten Trends für die Personalpolitik der Zukunft. (Zukunftsinstitut 2001).
ZUR PERSON:
Matthias Horx (Jahrgang 1955) ist Trend- und Zukunftsforscher. 1996 gründete er das Zukunftsinstitut mit Hauptsitz in Kelkheim bei Frankfurt am Main. Die Schwerpunkte des Instituts liegen in den Bereichen Grundlagenforschung und strategische Unternehmensberatung.
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