Bewerben ins Ausland

Viele Deutsche träumen von einem Traumjob im sonnigen Italien oder im liberalen Schweden. Gehören Sie auch dazu? Doch die meisten träumen nur, an die Realisierung trauen sich nur wenige. Sicher brauchen Sie viel Energie, Arbeitseinsatz und Durchhaltevermögen, um eine Arbeit in Europa zu finden. Doch die Vorteile eines Auslandsaufenthalts sind groß: Ihre Berufschancen in Deutschland steigen und Sie gewinnen viele Erfahrungen.
Bewerben in Europa
Stellenagebote
Bewerbungsunterlagen
Lebenslauf
Sprache
Foto
Anschreiben
Zeugnisse und Referenzen
Vorstellungsgespräch

Bewerben in Europa
Mit ca. 158 Millionen Beschäftigten ist der europäische Binnenmarkt der größte Arbeitsmarkt der Welt. Fünfzehn Staaten umfasst der Staatenbund der Europäischen Union inzwischen. Von Portugals Ostatlantikküste in Lissabon bis hinauf in skandinavische Regionen können Sie ohne Arbeitserlaubnis oder Visum Ihrem Job nachgehen (siehe Arbeiten in Europa). Allerdings ist es dennoch nicht immer ganz einfach, den Traum vom Job außerhalb der deutschen Grenzen zu realisieren. Sprachbarrieren und Schwierigkeiten bei der Stellensuche und dem Bewerbungsverfahren schrecken viele ab. Doch mit der richtigen Strategie lässt sich der Traum vom Arbeitsplatz unter Palmen durchaus bewerkstelligen.

Stellenangebote
Spanien - dort wollten Sie schon immer einmal arbeiten? Bloß, wie finden Sie im fernen Barcelona einen Job, während Sie hier in Köln am Rhein noch zu Hause sind. Als erstes könnten Sie zu den überregionalen deutschen Zeitungen greifen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Süddeutsche Zeitung oder das Handelsblatt bieten in ihrem Stellenanzeigenteil neben dem deutschen Stellenmarkt recht umfangreiche Job-Angebote in anderen europäischen Ländern. Wenn das nichts bringt, bleibt immer noch der Griff zu den ausländischen Printmedien. Der Herald Tribune etwa veröffentlicht auch in seiner deutschen Ausgabe internationale Stellenangebote.

Ausländische Zeitungen sind in Deutschland teuer und nicht jeder hat eine gute Bibliothek in der Nähe. Wer clever ist, verlässt sich lieber auf StepStone. Denn StepStone agiert international. Mit rund 10.000 grenzüberschreitenden Stellengeboten ist StepStone das HR- und Karriereportal für Europa im Internet. Unter der Rubrik international finden Sie Stellenmärkte in über 17 europäischen Ländern.

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Bewerbungsunterlagen
Egal ob Frankreich, Dänemark oder Portugal, wenn Sie sich im Ausland bewerben, müssen Sie eine große Herausforderung meistern: Sie müssen Ihre Bewerbungsunterlagen in der jeweiligen Landessprache oder aber zumindest in Englisch verfassen. Das ist nicht immer einfach.

Übersetzungshilfen und Vorlagen helfen nur über die gröbsten Schwierigkeiten hinweg, denn schließlich sollen Ihre Bewerbungsunterlagen ganz individuell auf Sie und Ihren Traumjob zugeschnitten sein. Vorgefertigte Sätze an einander zu reihen, wirkt schnell bruchstückhaft und wenig idiomatisch. Wenn Sie daher Grammatik- und Vokabelfehler vermeiden wollen, sollten Sie sich an einen Muttersprachler wenden. Das gilt auch, wenn Sie eine Sprache flüssig sprechen. Gerade bei Bewerbungen haben die Einheimischen den einen oder anderen hilfreichen stilistischen Tipp auf Lager. Und zumindest sollte ein Muttersprachler Korrektur lesen. Sonst könnte es sein, dass Sie in Ihren Unterlagen bereits widerlegen, worauf Sie in Ihrer Bewerbung hinweisen: Ihre guten bis sehr guten Sprachkenntnisse.

Lebenslauf
In der Regel hat der Lebenslauf im europäischen Ausland ganz wie sein deutsches Pendant einen Umfang von einer bis maximal zwei Seiten. Er ist maschinengeschrieben und fasst in kurzer tabellarischer Form die wichtigsten Stationen Ihres Werdegangs zusammen. Folgende Rubriken sollten in Ihrem Lebenslauf enthalten sein:

  • Persönliche Angaben (Name, Geburtsdatum- und ort, Staatsangehörigkeit, Familienstand)
  • Ausbildung (Schule, Beruf, Studium)
  • Berufserfahrung
  • Praktika
  • Besondere Kenntnisse wie Sprachen (!)oder EDV
  • Sonstiges (z.B.: Hobbys, soziales Engagement, etc.)

Generell gilt: kurz und prägnant stellt Ihr Lebenslauf die Fakten zusammen, die bei der ausgeschriebenen Stelle für Sie sprechen. Etwas aus der europäischen Reihe tanzen dabei die Niederlande: Dort dürfen Sie im Lebenslauf ruhig weiter ausholen. Besonders detailliert sollten Sie die einzelnen Stationen Ihrer Ausbildung schildern.

Grundsätzlich bietet es sich in englischsprachigen Ländern und in Frankreich an, das "Ranking" Ihrer Hochschule zu erwähnen, wenn dieses im nationalen Vergleich recht weit vorne liegt. Denn in Ländern mit elitärem Hochschulsystem lassen sich mit Abschlüssen von renommierten deutschen Hochschulen durchaus Punkte gewinnen. Vergessen Sie allerdings nicht, die Quelle, auf die Sie sich beziehen, zu nennen.

Schul- und Ausbildungssysteme sind in ganz Europa verschieden. Deshalb können sich die wenigsten ausländischen Personalverantwortlichen unter einem Diplom in Versicherungswissenschaften oder einer Ausbildung zum Mechatroniker etwas vorstellen. Sinnvoll ist es daher häufig die deutschen Bezeichnungen stehen zu lassen und diese in der Landessprache zu erklären. Ähnliches gilt für die Branchenzugehörigkeit Ihres Unternehmens. Anstelle dürftiger Übersetzungen mit wenig Aussagekraft überzeugen Sie Ihren potenziellen Arbeitgeber lieber durch eine kurze Erläuterung Ihres Tätigkeitsfelds und machen damit Ihre fachliche Kompetenz deutlich zu.

Auch Notenskalen weichen in den verschiedenen Ländern erheblich von einander ab. Am besten schaffen Sie sinnvolle Vergleichswerte, indem Sie sich im Verhältnis zu anderen Absolventen setzen. Sie haben beispielsweise einen Durchschnitt von 1,5. An Ihrer Universität/ Fachhochschule oder Ausbildungsstätte schließen etwa 10 Prozent aller Absolventen mit dieser Note oder besser ab. Das heißt für Sie: Sie gehören zu den Top-Zehn-Prozent. Schätzwerte sind durchaus erlaubt.

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Sprachkenntnisse
Ihre Sprachkenntnisse sollten Sie keinesfalls einfach mit den im Deutschen üblichen Standards wie flüssig oder gut beschreiben. Solche Standards sind relativ, und werden in Ländern mit wenig Liebe zu Fremdsprachen (z.B. Frankreich) deutlich niedriger angesetzt als in Ländern mit von Haus aus bilingualer Bevölkerung (z.B. Belgien). Verweisen Sie daher lieber auf die Länge von Auslandaufenthalten oder der Lernzeit (z.B. fünf Jahre Schulenglisch).

In nur wenigen europäischen Ländern müssen Sie Ihren Lebenslauf sowohl datieren als auch unterschreiben. Neben Deutschland wird Datum und Unterschrift auch in Österreich, Griechenland und Finnland gefordert.

Foto
Während in Deutschland häufig mit einem sympathisch lächelnden Portrait-Foto die Schlacht ums heißbegehrte Vorstellungsgespräch halb gewonnen ist, verzichtet man im europäischen Ausland auf die Bebilderung der Bewerbungsunterlagen. Lediglich im südeuropäischen Mittelmeerraum ist das Foto als Bestandteil des Lebenslaufs durchaus üblich. Meist verzichtet man jedoch auf die aufwendige Machart deutscher Bewerbungsfotos und begnügt sich mit Standard-Passbildern. Das heißt, auch in diesen Ländern sollte Ihr Foto wesentlich bescheidener ausfallen als in Deutschland.

Anschreiben
Grundsätzlich gilt für das Bewerbungsschreiben im europäischen Ausland dasselbe wie im deutschen Inland: In diesem Teil Ihrer Bewerbung sollten Sie kurz und knapp erläutern, warum gerade Sie für diesen Job der oder die Richtige sind. Und vergessen Sie nicht: In der Kürze liegt die Würze - eine Seite genügt für Ihr Anschreiben vollkommen. Damit liegen Sie in allen europäischen Ländern richtig.

Bei französischsprachigen Bewerbungen wird zumeist ein handgeschriebenes Anschreiben verlangt. Das gilt zum Beispiel auch in Belgien. Achten Sie im Französischen auf einen besonders guten und höflichen Stil. Flapsigkeiten, die Sie von Ihrer Zeit als Au pair in Marseille kennen, sollten Sie sich verkneifen. Kurze, prägnante Sätze sind gefragt. Im Englischen dagegen empfiehlt es sich, aktive Verben wie "create", "perform", "improve" oder "achieve" zu verwenden. Diese drücken besonders Ihr Engagement und Ihre Bereitschaft aus, etwas erreichen zu wollen.

In vielen europäischen Ländern gibt es im stilistischen Bereich kleine Tricks und Tipps, um den Stil Ihres Anschreibens zu verbessern und den letzten idiomatischen Schliff zu verpassen. Der Rat eines bewerbungs-kompetenten Muttersprachlers ist deshalb Gold wert.

Zeugnisse und Referenzen
In Deutschland gehört zu jeder ordentlichen Bewerbung eine Menge Zeugnisse. Neben Abschlusszeugnissen hat vor allem das Arbeitszeugnis große Bedeutung. Die meisten europäischen Länder sind weniger Zeugnis versessen. So ist es zwar in Griechenland und Finnland beispielsweise durchaus üblich, Zeugnisse den Bewerbungsunterlagen beizulegen, doch eine viel größere Bedeutung auf dem gesamteuropäischen Arbeitsmarkt hat die Referenz. Besonders im englischsprachigen Raum kann ein "letter of recommendation" hilfreich sein.

Anders als Zeugnisse bewerten Referenzen die Gesamtleistung eines Arbeitnehmers nicht explizit. Die Referenz ist lediglich eine Empfehlungsschreiben. Wobei: empfiehlt ein ehemaliger Arbeitgeber Sie mit glühenden Worten, beurteilt er Ihre gebrachte Leistung mit einem glatten "sehr gut". Allerdings sollte er das in der entsprechenden Landessprache tun, und das dürfte ihm vielleicht schwer fallen. Übersetzungsbüros können in diesem Fall wertvolle Hilfestellung leisten. Sie kennen die Schlüsselworte und Sprachgepflogenheiten des jeweiligen Landes.

Dasselbe gilt für Ihre Abschlusszeugnisse. Sollten diese verlangt werden, kann es nicht schaden, professionelle Hilfe zu suchen. Eines sollten Sie jedoch nicht vergessen: Übersetzungen sind viel Arbeit und diese Arbeit kostet - allerdings ganz unterschiedlich. Übersetzer berechnen ihr Honorar in Zeilengeld. Und das kann erheblich schwanken. Sie sollten sich also vorab gut informieren und im Branchenbuch einige Büros ausfindig machen, um aus den verschiedenen Angeboten das richtige wählen zu können. Zum Teil werden auch im europäischen Ausland beglaubigte Zeugnisse verlangt. Klären Sie also auch, ob das von Ihnen gewählte Büro, Beglaubigungen ausstellen darf. Denn nur gerichtlich "beeidigte" Übersetzer dürfen übersetzte Urkunden auch beglaubigen.

Vorstellungsgespräch
Sie haben die erste Hürde genommen? Sie sind zum Vorstellungsgespräch eingeladen? Gratulation. Prinzipiell verlaufen Bewerbungsgespräche im europäischen Ausland ganz ähnlich wie in Deutschland. Klar: Der übliche Fragenkatalog wird noch um einige spezifische auf Ihre spezielle Situation gemünzte Fragen ergänzt. Auf folgende Fragen sollten Sie also besser eine flüssige Antwort in der Landessprache parat haben:

  • Warum bewerben Sie sich besonders auf diese Stelle?
  • Warum bewerben Sie sich gerade in diesem Land?
  • Wie lange wollen Sie im Ausland arbeiten?
  • Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
  • Weshalb sollten wir gerade Sie einstellen?
  • Wo wollen Sie in 10 oder 15 Jahren stehen?

Ganz wie in Deutschland ist es auch in anderen Staaten der EU verboten, nach Religion, Rassenzugehörigkeit, Gewerkschaftsmitgliedschaft oder Schwangerschaft zu fragen. Trotzdem sollten Sie sich auf eine solche Frage gefasst machen. Antworten Sie soweit möglich freundlich - aber ausweichend.

Meist gegen Ende eines ersten Vorstellungsgesprächs werden auch die Arbeitskonditionen wie Gehalt, Arbeitszeit, Urlaub etc. zum ersten Mal angesprochen. Jetzt müssen Sie über die länderspezifischen Besonderheiten gut informiert sein. Alle nötigen Informationen dazu finden Sie auf unserer Website Arbeiten in Europa.
Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader

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