Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch
Schon für die ersten Schritte Ihrer Bewerbung, wie den Telefonkontakt und Ihr Anschreiben, sollten Sie sich intensiv mit Ihren Stärken und Schwächen und mit dem jeweiligen Unternehmen beschäftigt haben. Gehen Sie sicher, dass Ihre Recherchen keine Lücken aufweisen.
- Bewerbertraining
- Informationen
- Outfit
- Anfahrt
Bewerbertraining
Eine Selbstanalyse sollte grundsätzlich jeder Bewerbung vorausgehen. Sie haben Ihre Stärken und Schwächen aufgelistet und für Ihr Anschreiben genutzt. Es ist jedoch etwas anderes, in einem persönlichen Gespräch mit Fragen konfrontiert zu werden, die genau auf Ihre Schwachstellen abzielen. Trainieren Sie diese Situation am besten mit Freunden oder Ihrem Lebenspartner, und analysieren Sie Ihre Reaktionen besonders auf unangenehme Fragen gemeinsam.
Inzwischen gibt es viele Angebote von professionellen Bewerbungstrainern, die Gruppenkurse oder auch Einzelbetreuung zur Vorbereitung auf die Bewerbung oder das Vorstellungsgespräch anbieten. Die Wahrnehmung dieser Möglichkeit kann für viele Bewerber eine große Hilfe bedeuten, das Ganze hat aber natürlich seinen Preis. Wenn Sie meinen, dass Sie eine individuelle Unterstützung durch Fachleute benötigen, holen Sie verschiedene Angebote ein und entscheiden Sie sich für einen Anbieter, der gerade dort Kompetenzen vorweist, wo Sie Ihre Schwächen erkannt haben.
Informationen
Besorgen Sie sich so viele Informationen über die Firma wie möglich. Wenn Ihnen im Bewerbungsgespräch Lücken nachgewiesen werden, die Sie aus leicht zugänglichen Quellen hätten schließen können, müssen Sie damit rechnen, schnell aus dem Rennen auszuscheiden. Andererseits beweisen Sie als gut informierter Bewerber Interesse und Motivation.
Wichtig sind nicht nur Informationen über das Unternehmen selbst, sondern auch über die jeweilige Branche, die Gehaltsniveaus und die üblichen Arbeitszeiten. Angaben dazu finden Sie auf den Homepages der Firmen, in der Literatur, in Zeitungen, Wirtschaftsmagazinen und in den jeweiligen Tarifverträgen.
Outfit
Überlegen Sie spätestens nach Erhalt der Gesprächseinladung, welche Kleidung Sie zu dem Termin tragen möchten. Gegebenenfalls ergänzen Sie Ihre Garderobe, und tragen Sie die Teile ruhig etwas ein. So fühlen Sie sich selbst in den Sachen wohler und vermeiden den Eindruck, sich für die Vorstellung verkleidet zu haben.
Kleiden Sie sich eher konservativer als zu leger. Turnschuhe mögen bequem sein, hinterlassen bei den meisten Personalentscheidern jedoch einen schlechten Eindruck. Bewerben Sie sich auf eine Führungsposition? Dann ist der Anzug mit Krawatte für den Herren obligatorisch. Als Frau sollten Sie nur ein dezentes Make-up verwenden und auf freizügige Kleidung (kurze Röcke, Spaghettiträger) verzichten.
Übertreibung ist auch hier fehl am Platze. Präsentieren Sie sich als Programmentwickler nicht im dunklen Nadelstreifenanzug. Sie beeindrucken keineswegs positiv, wenn Sie sich besser als Ihr künftiger Chef kleiden.
Befragen Sie Ihren Spiegel und Ihren Lebenspartner, ob vielleicht ein Besuch beim Friseur noch geboten ist. Falls Sie starker Raucher sind, lüften Sie Ihre Kleidung vorher gründlich aus. Der ausgiebige Genuss von Knoblauch mag Ihrer Gesundheit förderlich sein, dem Gesprächsklima kommt er jedoch nicht zugute. Gleichermaßen wenig Begeisterung wird Ihnen eine Alkoholfahne einbringen oder eine sichtbare Unausgeschlafenheit, die Ihr Gegenüber aus kleinen, geröteten Augen anblickt.
Anfahrt
Planen Sie rechtzeitig Ihre Anfahrt zum Ort des Vorstellungstermins. Auf die Pünktlichkeit des Öffentlichen Nahverkehrs können Sie sich dabei ebensowenig verlassen wie auf durchgängig freie Straßen und einen Parkplatz direkt vor dem Firmeneingang. Kalkulieren Sie mehr Zeit ein, als Sie für den Weg zu benötigen meinen. Entscheidend ist, dass Sie pünktlich sind. Wenn Sie das nicht schaffen, wird man sich für die Gründe nicht mehr interessieren.
Unternehmen Sie auch keine größeren Kraftanstrengungen für die Anfahrt. Wenn Sie kein geübter Radfahrer sind, sollten Sie nicht gerade den Weg zu Ihrem Vorstellungsgespräch für eine Konditionsprobe wählen. Bedenken Sie auch, dass bei größeren Unternehmen der Weg vom Eingang über die Anmeldung bis zum Auffinden des Besprechungszimmers mehrere Minuten in Anspruch nehmen kann. Auf keinen Fall sollten Sie abgehetzt oder erschöpft zum Termin erscheinen.
Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader
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Vorstellungsgespräch
Sie sind vielleicht zehn Minuten früher zum Termin erschienen und müssen sich noch etwas gedulden, bis man Zeit für Sie hat. Kein Problem. So haben Sie die Gelegenheit, schon einmal die Atmosphäre des Betriebes kennen zu lernen. Möglicherweise ergibt sich sogar die Situation, dass die Sekretärin Sie in ein zwangloses Gespräch verwickelt. Einen guten Eindruck zu hinterlassen, kann auch hier nicht schaden. Die Meinung Ihrer Gesprächspartnerin könnte nicht nur im Kollegen- und Mitarbeiterkreis von hohem Gewicht sein, auch ihr Einfluss auf den Chef könnte größer sein, als Sie zunächst vermuten.
Der Verlauf eines Vorstellungsgesprächs lässt sich nie genau voraussagen. Er hängt davon ab, wer Ihre Gesprächspartner sind, welche Erfahrung diese im Bewerberinterview haben, welche Dominanz einzelne Personen ausüben und ob diese eine eher traditionelle oder moderne Auffassung von Unternehmenskultur haben. Von Bedeutung für den Ablauf kann es auch sein, wenn Ihr Vorgänger sich besonders positiv oder extrem negativ hervorgetan hat. Es lässt sich aber ein Standardschema benennen, das den meisten Vorstellungsgesprächen zugrunde liegt.
- Gesprächspartner
- Begrüßung und "Warming-up"
- Darstellung des Unternehmens
- Darstellung des Bewerbers
- Wechselgründe
- Fachliche Kompetenzen
- Persönliche Kompetenzen
- Unstatthafte Fragen
- Bewerberfragen
- Organisatorisches und Gesprächsende
Gesprächspartner
Rechnen Sie für Ihre Vorstellung mit einem Gegenüber aus der Personalverwaltung und einem leitenden Mitglied der Fachabteilung. In vielen Fällen führen diese Personen gemeinsam das Gespräch. Es ist aber auch gut möglich, dass der Personalchef die Bewerber vorsortiert und die Abteilung nur eine Auswahl zu Gesicht bekommt. Andererseits gibt es Vorstellungsrunden, an denen je nach Zuschnitt und Komplexität des Unternehmens und der angebotenen Position ein halbes Dutzend oder mehr Leute teilnehmen. Versuchen Sie, sich bei der Begrüßung die Namen und die jeweilige Funktion zu merken.
Ihr Gesprächspartner aus der Personalverwaltung wird sich in erster Linie für Ihre persönlichen Fähigkeiten und Ihren Lebenslauf interessieren. Er prüft, ob Sie zum Stil des Hauses passen und ob Ihre Motivation und Leistungsbereitschaft für die Stelle ausreichend sind. Ihre diesbezüglichen Antworten sollten nicht mit fachspezifischen Bezeichnungen und Abkürzungen gespickt sein.
Fragen nach Ihrer fachlichen Eignung stellt Ihnen in erster Linie der Abteilungs- oder Projektleiter. Diesem gegenüber ist es sogar angebracht, Ihre Kompetenz auch durch den sinnvollen Gebrauch einschlägiger Insider-Begriffe zu demonstrieren.
In manchen Fällen nimmt an dem Gespräch auch ein externer Personalberater teil. Er interessiert sich für Anhaltspunkte, die Aufschluss über Ihr tatsächlich vorhandenes Potenzial oder über verdeckte persönliche Schwächen geben.
Eine Frauenbeauftragte können Sie bei Bewerbungsgesprächen für eine Position im öffentlichen Dienst antreffen, vor allem, wenn schon in der Anzeige das Bestreben artikuliert worden ist, den Frauenanteil zu erhöhen. Die Frauenbeauftragte wacht darüber, dass Bewerberinnen nicht unterbewertet und bei gleicher Qualifikation männlichen Interessenten vorgezogen werden.
Bei Tochterunternehmen oder stiftungs- wie vereinsrechtlich verfassten Häusern ist die Teilnahme von Angehörigen der Zentrale, von Beiräten oder Vorständen zu erwarten. Die Interessen dieser Personen können sehr heterogen sein. Beziehen Sie bei Ihrer Recherche über den Stellenanbieter diese Möglichkeit mit ein, und versuchen Sie, die Intentionen Ihrer Gesprächspartner einzuschätzen. In jedem Fall wird auch bei diesen Personen Ihr Auftreten und die Darstellung Ihres Lebenslaufes die maßgebliche Rolle spielen.
Begrüßung und "Warming-up"
Ihre Gesprächspartner stellen sich vor. Bemühen Sie sich um einen festen (aber nicht schmerzhaften) Händedruck ohne lang ausgestreckten Arm. Ihre Körpersprache wird bereits hier beobachtet. Werden Ihnen Getränke angeboten, greifen Sie ruhig zu, aber lehnen Sie Alkoholika dankend ab. Rauchen sollten Sie nicht; einzig, wenn tatsächlich alle Ihre Gesprächspartner ungeniert zum Glimmstengel greifen.
Das Treffen wird in aller Regel mit einem "Waming-up" oder Smalltalk eingeleitet, um Ihnen die verständliche Anspannung zu nehmen. Dies ist die einzige Phase, in der Sie nicht nur über Nebensächliches reden dürfen, sondern dies sogar müssen. Dabei kann es sich um das Wetter drehen oder um die Verkehrsverhältnisse bei der Anreise. Antworten Sie entgegenkommend, aber nicht ausschweifend. Übrigens, wenn man Sie darauf anspricht: Natürlich haben Sie die Firma auch gleich gefunden.
Darstellung des Unternehmens
Oft schließt sich an das "Warming-up" eine kurze Selbstdarstellung des Unternehmens an. Zeigen Sie sich nicht uninteressiert, selbst wenn Ihnen die Fakten geläufig sind. Überlegen Sie sich ein bis zwei Fragen, die an die Darstellung anschließen und gleichzeitig Ihre Informiertheit zum Ausdruck bringen.
Darstellung des Bewerbers
"Erzählen Sie uns jetzt einmal von sich und warum Sie sich bei uns beworben haben." Mit dieser Aufforderung könnte dieser Gesprächsabschnitt eingeleitet werden. Berichten Sie Ihren Lebenslauf, und verweisen Sie nicht darauf, dass Sie ihn bereits schriftlich eingereicht haben. Man möchte von Ihnen hören, ob Ihnen die mündliche Darstellung genauso gut und glaubwürdig gelingt wie die schriftliche. Diese Schilderung sollte zirka eineinhalb Minuten dauern.
Schon bei der Darlegung Ihres Werdeganges sollten Sie zielgerichtet vorgehen. Was sind die wichtigen Aspekte für die angestrebte Tätigkeit? Verknüpfen Sie diese Punkte mit dem Unternehmen und der Stellenbeschreibung. Daraus können Sie die Begründung für Ihre Bewerbung sicher herleiten.
Wenn Sie sich gewissenhaft auf Ihre Bewerbung und das Vorstellungsgespräch vorbereitet haben, dürfte es Ihnen nicht schwerfallen, die Motive für Ihre Bewerbung nachvollziehbar zu vermitteln. Kniffliger wird die Angelegenheit immer dann, wenn die Frage gestellt wird, weshalb Sie denn Ihren alten Arbeitgeber verlassen wollen.
Wechselgründe
Wenn Sie eine neue Stelle suchen, heißt das ja zunächst, dass Sie mit der alten unzufrieden sind. Warum das so ist, möchte jeder Personalentscheider nur zu gern wissen, weil Ihre Antwort wichtige Hinweise darauf gibt, was Sie von Ihrem Arbeitgeber und Ihrem Arbeitsplatz erwarten. Ihr Dilemma bei der Sache liegt darin, dass nahezu alles, was Sie dazu sagen können, zu Ihrem Nachteil ausgelegt werden kann.
Die meisten Stellenwechsel sind durch negative Entwicklungen am alten Arbeitsplatz motiviert. Dazu zählen Mobbing unter Kollegen, Streit mit Vorgesetzten, zu viele Überstunden, schlechte Bezahlung, der drohende Rausschmiss, der ständige Einsatz zu weniger qualifizierten Arbeiten oder der vom Lebenspartner veranlasste Umzug in eine andere Stadt. Alles gute Gründe, sich nach einer neuen Stelle umzusehen, aber Sie sollten es für sich behalten. Jede negative Wertung Ihres alten Arbeitgebers fällt auf Sie selbst zurück. Es herrschte in der ehemaligen Firma ein schlechtes Arbeitsklima? Mag sein, aber daran sind alle irgendwie beteiligt, also auch Sie. Eine Erfahrung, die man bei zerrütteten zwischenmenschlichen Beziehungen immer wieder machen kann. Streit mit Vorgesetzten? Keine gute Empfehlung gegenüber Ihren neuen Chefs. Die Arbeit war Ihnen zuviel? Und Sie wollen der neue Leistungsträger werden? Schlechte Bezahlung? Natürlich weiß jeder, dass Sie arbeiten, um Geld zu verdienen, aber hören will es niemand von einem Stellenbewerber. Sie stehen kurz vor der Entlassung? Dann sind die guten Beurteilungen in Ihrem Arbeitszeugnis wohl nur vom Bestreben motiviert, Sie fortzuloben. Wenn Sie ständig geringer qualifizierte Arbeiten ausgeführt haben, sind Sie wohl etwas aus der Übung, was die angestrebte (qualifizierte) Tätigkeit betrifft? Und dass der Arbeitsplatz Ihres Lebenspartners den Wohnort der Familie bestimmt, bedeutet für ein Unternehmen, das Sie einstellt, sich möglicherweise in zwei Jahren einen neuen Mitarbeiter suchen zu müssen.
Sie sehen also, die Frage hält eine Menge schlechter Antworten für Sie bereit. Geben Sie besser keine davon preis. Erfinden Sie auch keine Abenteuergeschichten. Ein Anruf bei Ihrem alten Arbeitgeber kann den Schwindel zum Auffliegen und Sie in ernste Schwierigkeiten bringen. Präzisieren Sie vielmehr Ihr Interesse am neuen Job, und versuchen Sie, Ihren bisherigen Werdegang als eine logische, zielstrebige Weiterentwicklung hin auf die neue Tätigkeit zuzuspitzen. Knüpfen Sie eine Verbindung von Ihren persönlichen Perspektiven zu den Unternehmenszielen.
Fachliche Kompetenzen
Wenn Ihre Motivation zum Stellenwechsel geklärt ist, wird man sich als erstes den Grundlagen zuwenden. Sind Sie überhaupt fachlich geeignet, diesen Job auszuüben? Der Nachweis dürfte Ihnen nicht schwerfallen. Allein schon die Tatsache, zu dem Gespräch geladen worden zu sein, bedeutet, dass zumindest auch maßgebliche Teilnehmer auf der Unternehmensseite Ihnen die notwendigen Kompetenzen unterstellen. Das trifft für Ihre Mitbewerber allerdings ebenfalls zu. Wer zu diesem Zeitpunkt noch im Bewerberrennen ist, hat es schwer, sich durch den Verweis auf gute Zeugnisse von Konkurrenten abzuheben. Wie sollten Sie also vorgehen?
Sie dürfen bei der Darstellung Ihrer fachlichen Kompetenzen nicht einer von vielen ausreichend qualifizierten Bewerbern bleiben. Sie müssen ein Profil von sich entwickeln. Dieses muss dann natürlich genau zu der angebotenen Stelle passen. Das lange gesuchte Puzzlestück, das jetzt endlich seinen Platz gefunden hat.
Knüpfen Sie immer wieder Verbindungen von Ihrer bisherigen Tätigkeit zur neuen Aufgabe. Behaupten Sie nicht einfach Erfahrungen mit bestimmten Arbeitsabläufen, bringen Sie Beispiele aus Ihrem bisherigen Arbeitsbereich, die mit den gewöhnlichen Vorgängen in dem neuen Unternehmen vergleichbar sind. Streuen Sie einige wenige, aber zentrale Fachbegriffe in Ihre Darstellung ein. Berichten Sie von typischen technischen Problemen und wie Sie zu deren Lösung beigetragen haben.
Die Verknüpfung Ihrer fachlichen Kompetenz für die angestrebte Stelle mit der Darstellung gewohnter Arbeitsabläufe ist eine erfolgversprechende Methode, sich von anderen Bewerbern abzusetzen. Aber seien Sie vorsichtig, wenn die Befragung zu Ihrer derzeitigen Arbeit in Bereiche vordringt, die der Schweigepflicht unterliegen könnten. Unternehmen nutzen gerne viele Möglichkeiten, Informationen über die Konkurrenz einzuholen, aber niemand wird einen Bewerber einstellen, von dem bekannt ist, dass er sensible Firmeninterna preisgibt. Ganz abgesehen davon, dass Ihnen im schlimmsten Fall auch rechtliche Konsequenzen von Seiten Ihres alten Arbeitgebers drohen.
Persönliche Kompetenzen
Bis hierher haben Sie sich als Idealbesetzung für die ausgeschriebene Stelle präsentiert. Ihre fachlichen Qualifikationen stehen außer Frage und Ihr Einsatz wäre für das Unternehmen ein Gewinn. Doch können Sie Ihre Potenziale auch effektiv abrufen?
Die Fähigkeit zur Teamarbeit wird heute weitgehend vorausgesetzt. Wenn Sie gewohnt sind, sich im Morgengrauen hinter Ihrem PC zu verschanzen und erst am Abend von der Putzfrau aufscheuchen zu lassen, spricht das zwar für Ihre Leistungsbereitschaft, aber nicht unbedingt für Ihre Einsatzfähigkeit in modernen Unternehmensstrukturen. Viele Arbeitsbereiche sind heute projektorientiert aufgebaut, die Mitglieder müssen gut miteinander kommunizieren können. Erwähnen Sie diesbezügliche Erfahrungen bevorzugt im Zusammenhang mit selbstständig erbrachten Problemlösungen; das widerspricht sich nicht. Ein Projektteam funktioniert nur, wenn die Mitglieder sich intensiv untereinander austauschen und gleichzeitig ihre Aufgaben eigenverantwortlich betreuen.
Wie steht es um Ihre Lernbereitschaft und Kritikfähigkeit? Sind Sie in der Lage, gutgemeinte Anregungen erfolgreich umzusetzen? Lernen Sie aus Ihren Fehlern und betrachten Sie konstruktive Kritik als gewinnbringend für die Erfüllung Ihrer Aufgaben? Glauben Sie, dass Sie immer noch etwas dazulernen können und nutzen Sie diese Erkenntnis auch? Dann führen Sie Beispiele an.
Kein Unternehmen stellt heute mehr zusätzliches Personal ein, nur um bei eventuellen Auftragsspitzen besser gewappnet zu sein. Die meisten Abteilungen arbeiten schon im Normalbetrieb auf Hochtouren. Wenn dann wirklich die erhoffte Auftragsflut hereinbricht, werden an die Mitarbeiter hohe Anforderungen in Bezug auf ihre Leistungsbereitschaft, Flexibilität und Stressresistenz gestellt. Können Sie Beispiele für überlegtes Handeln in chaotischen Situationen bringen? Dann tun Sie es.
Rechnen Sie damit, dass Sie auch mit Fragen konfrontiert werden, die Ihr Privatleben intensiver ausleuchten sollen. Wie planen Sie Ihre persönliche Zukunft? Steht dieses Ziel mit den Unternehmenszielen in Verbindung oder kollidiert es damit? Steht Ihre Familie hinter Ihren Plänen? Welche Stärken und Schwächen schreiben Sie sich selbst zu? Schildern Sie in diesem Fall ohne viel Eigenlob Ihre Stärken, und geben Sie sich nicht fehlerfrei, das würde Ihnen ohnehin keiner abnehmen. Präsentieren Sie selbstbewußt eine kleine Schwäche, und vergessen Sie nicht, zu erwähnen, wie Sie daran arbeiten, sich zu verbessern.
Unstatthafte Fragen
Es gibt auch eine Reihe von Fragen, die Sie nicht beantworten müssen. Diese unstatthaften Fragen beziehen sich auf die Zugehörigkeit zu Parteien oder Gewerkschaften, Ihre religiösen Praktiken oder die private Lebensführung. Auch Krankheiten oder Vorstrafen zählen zu diesem Komplex. Nur wenn der besondere Charakter des Unternehmens (zum Beispiel eine kirchliche Einrichtung) oder die Art der betreffenden Tätigkeit dies verlangen, müssen Sie die Fragen beantworten.
Bewerberfragen
Schließlich wird man Ihnen Gelegenheit geben, noch offene Punkte selbst anzusprechen. Machen Sie von dem Angebot Gebrauch. Stellen Sie aber Fragen zu Arbeitsabläufen oder zur Organisation an den Anfang, Erkundigungen nach Gehalt und Urlaub dagegen ans Ende. Achten Sie darauf, nicht nach Informationen zu fragen, deren Kenntnis man voraussetzt oder die Sie bereits erhalten haben. Kaum ein Vorstellungsgespräch endet mit einer Entscheidung zur Besetzung der Stelle. Deshalb sollten Sie auch darauf verzichten, danach zu fragen.
Organisatorisches und Gesprächsende
Wenn bislang noch nicht die Frage nach Ihren Gehaltsvorstellungen gefallen ist, wird Sie jetzt kommen. Reden Sie nicht um den heißen Brei herum. Sie sind ein qualifizierter Bewerber, das Unternehmen möchte von Ihrem Engagement profitieren, da ist es auch legitim, wenn Sie sich selbst verbessern wollen. Verlangen Sie zehn bis 20 Prozent mehr Bruttojahresgehalt im Vergleich zu Ihrer bisherigen Tätigkeit. Berechnen Sie alle erhaltenen Sonderleistungen mit.
Die praktizierte Arbeitszeitregelung, gewährter Urlaub und Ihr frühestmöglicher Eintrittstermin sollten spätestens jetzt angesprochen werden. Erkundigen Sie sich, wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist.
Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader
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