Portugal pleite, Spanien in der Krise und Griechenland kurz vor dem Bankrott: Einige Mittelmeerstaaten machen gerade eine extrem schwierige Phase durch. Die Bundesagentur für Arbeit macht sich die Perspektivlosigkeit der Fachkräfte vor Ort zu Nutze und umwirbt die Jobsuchenden. Laut Arbeitsagentur haben rund 17.000 Spanier, darunter Ingenieure und IT-Experten, grundsätzlich Interesse an einer Arbeit in Deutschland. In Portugal seien es vor allem qualifizierte Pflegekräfte, die an einem Job in Deutschland interessiert sind. Viele Ärzte aus Griechenland könnten sich eine Anstellung in Deutschland ebenfalls gut vorstellen.
Für Deutschland wären die qualifizierten Zuwanderer aus Südeuropa ein Segen. Seit dem Ende der Wirtschaftskrise schalten die Unternehmen wieder mehr Stellenangebote, insbesondere Jobs in der IT, Medizin, Pflege und im Ingenieurswesen lassen sich in Deutschland aufgrund des teilweise dramatischen Fachkräftemangels schwer besetzen – und eine Besserung der Lage ist kurzfristig nicht in Sicht. Für viele ausländische Arbeitskräfte ist die deutsche Sprache jedoch eine große Hürde. Deutsch wird von vielen Akademikern gar nicht mehr gelernt, denn Ingenieure, IT-Profis und Co. verlassen sich lieber auf das Englische als internationale Fachsprache. Viele deutsche Arbeitgeber beharren hingegen noch immer auf perfekte deutsche Sprachkenntnissen – auch wenn einwandfreies Deutsch für den Arbeitsalltag oft gar nicht zwingend erforderlich ist. Doch deutsche Unternehmen müssen sich ins Zeug legen, wollen sie für Fachkräfte aus dem Ausland wirklich attraktiv sein. Denn: Arbeitgeber in zuwanderungserprobten Ländern wie Großbritannien, USA und Australien bieten neuen Mitarbeitern oftmals ein Rundum-Sorglos-Paket, inklusive Hilfe bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen und der Suche nach dem Kindergartenplatz. Warum Deutschland bislang bei vielen Menschen nicht unbedingt erste Wahl ist, wenn es um einen Job im Ausland geht, hat der Spiegel-Artikel „Deutschland, was bietest Du?“ gut auf den Punkt gebracht.
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Quelle: Interview mit der Arbeitsagentur, das im Juli in der WELT erschienen ist.
