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Recruiting per Videopodcast

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Auf der Höhe der Technik - Warum die Beratungsfirma BearingPoint Nachwuchs per Videopodcast sucht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es vorgemacht. Per Videopodcast führt sie unverstellt und offen durch ihr Büro, präsentiert ihren Schreibtisch, ihr Telefon mit den Kopfhörern, die sie für die Dolmetscher braucht, das Adenauer-Gemälde von Oskar Kokoschka und den schönen Blick aus dem Kanzleramt. Ganz nah ist der Zuschauer der Kanzlerin, eine fast intime Atmosphäre entsteht, so wie bei einem frühen Super-8-Film.

Das, was die Kanzlerin vormacht, entdecken auch Unternehmen und Medien als die technisch neuste Form der Selbstdarstellung für sich. Wer heute hochkalibrige Mitarbeiter sucht, greift neben Personalberatern, Headhuntern, Image- und Stellenanzeigen zunehmend auf aktuelle elektronische Technologien zurück, um sich selbst zu präsentieren und den zukünftigen Mitarbeitern einen Eindruck vom neuen Arbeitsplatz zu vermitteln.
Die amerikanische Technologieberatungsfirma BearingPoint, tätig in über 60 Ländern, sucht in Deutschland 400 Absolventen und Berater per Video Podcast. Wer sich für den Job interessiert, kann kostenlos unter www.career-insight.de Einblicke hinter die Kulissen des zukünftigen Arbeitgebers gewinnen. Ganz ohne Zusatzsoftware können die Dateien auf dem Computer abgespielt werden. Der erste Video-Podcast ist unter dem Namen "Professional" zu finden. Die Filmsequenzen vermitteln einen Eindruck der Arbeitsatmosphäre und der Menschen, die bei BearingPoint tätig sind. Der Bewerber geht durch einzelne Büros der Firma und macht zwischendurch halt, hört sich an, was Mitarbeiter und Chefs über die Chancen und Tätigkeiten im internationalen Beratungsgeschäft zu erzählen haben.

Absolventen und Young Professionals, die eine Bewerbung in Erwägung ziehen, bekommen auf diese Weise einiges von der Betriebskultur mit: Gearbeitet wird hart, Menschen sitzen konzentriert vor ihren Bildschirmen. Flexibilität ist gefragt, die Mitarbeiter werden konsequent gefordert und gefördert, man wird auch schon mal ins kalte Wasser geworfen, weil kurzfristig ein Kundenprojekt zu betreuen ist. Dafür gibt es dann aber auch mal eine Entspannungsphase zwischendurch und auch der schicke schwarze Saab, der am Ende des Videos auftaucht, scheint vom Gehalt finanzierbar. Für das kommende Jahr plant BearingPoint weitere 15 Sequenzen Videopodcasting. Bewerber erhalten dann Informationen über zukünftige Einsatzfelder und offene Stellen.

Das was BearingPoint jetzt vormacht, werden andere Unternehmen und Institutionen vermutlich aufnehmen: Videopodcasting liegt im Trend. In den USA, Korea, England und Skandinavien werden Vorlesungen häufig nicht mehr an einer Universität besucht, sondern auf den Computer geladen und zeit- und ortsunabhängig genutzt. Benutzer können sich so ihr Lernprogramm selbst zusammenstellen und auf die Lerninhalte nach Bedarf zurückgreifen. Dank iPod und anderer Abspielgeräte eben auch mobil.

Konzerne die Personal suchen, stellen sich in ihrer Selbstdarstellung auf diese neue Technologie zunehmend ein. Die Wunschmitarbeiter werden aktiv und ihren eigenen Informationsgewohnheiten gemäß mit einer audiovisuellen Informationsaufbereitung angesprochen. Wer die Besten der Besten ins Boot holen will, begibt sich bei der Firmenrepräsentation nicht auf technisches Steinzeitniveau.

Anke-Sophie Meyer
www.welt.de

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