Wer beim Vorstellungsgespräch nicht in der Lage ist, neben seinen fachlichen Vorzügen auch Soft Skills und soziale Kompetenz zu demonstrieren, geht häufig leer aus.
Kompetent sein und auf andere auch so wirken - Für viele Arbeitnehmer hierzulande offensichtlich zwei Paar Schuhe. In einer Studie befragte die Managementberatung Kienbaum deutsche Personalmanager nach ihren Erfahrungen mit Bewerbern. Das alarmierende Ergebnis: Jeder zweite Personaler klagte über einen Mangel an geeigneten Kandidaten.
Ursache für die Klagen waren jedoch nicht etwa der Fachkräfte-Notstand oder die zunehmende Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitnehmer ins Ausland. Auch die fachliche Qualifikation der meisten Bewerber wurde durchaus positiv bewertet. Ausgesprochen traurig sah das Bild dagegen in Bezug auf allgemeine Persönlichkeitsmerkmale, Soft Skills und soziale Kompetenzen aus. Immerhin 48 Prozent der befragten Personaler gaben dies als das entscheidende Einstellungshindernis an. Ein Fünftel der Kandidaten zeigte zudem deutliche Schwächen in Sachen Leistungsmotivation und Analysevermögen.
Für Walter Jochmann, Vorsitzender Geschäftsführer der Kienbaum Managementberatung, sind die Studienergebnisse keine Überraschung: "Diese Entwicklung bestätigt unsere Einschätzung. Es kann nicht ausreichen, sich bei Neueinstellungen nur auf die fachliche Qualifikation des Bewerbers zu verlassen. Für eine erfolgreiche Personalplanung ist es ebenso wichtig, den persönlichen Kompetenzen der Mitarbeiter vertrauen zu können."
Und für Bewerber wird es zur zwingenden Notwendigkeit, eben jene persönlichen und sozialen Kompetenzen im Vorstellungsgespräch besser als bisher zur Geltung zu bringen. Denn es ist schließlich kaum vorstellbar, dass tatsächlich so viele Kandidaten in diesem Land Fachidioten mit Mangelpersönlichkeit sein sollen. Wenn jedoch die Kluft zwischen Schein und Sein zur Ablehnung führt, müssen Bewerber genau an dieser Stelle den Hebel ansetzen - und in entsprechende Weiterbildung investieren. Lernziel: gut rüberkommen. Oft reichen schon ein Stimmtraining oder ein Rhetorikkurs, um die Präsentation der eigenen Fähigkeiten deutlich zu verbessern. Die Bedeutung der Stimme belegte jüngst auch eine Studie des österreichischen Netzwerks stimme.at unter deutschen und österreichischen Personalentscheidern. Dabei zogen 91 Prozent der Befragten Bewerber mit guter Stimme und Sprechweise vor.
Jan Tiedge