Kündigung in der Probezeit
Sie haben sich im Bewerbungsverfahren durchgesetzt und endlich den Arbeitsvertrag unterschrieben. Wie allgemein üblich, wurde eine Probezeit vereinbart. In der Regel beträgt diese drei oder sechs Monate. Sie wähnen sich am Ziel Ihrer Wünsche, aber dann erhalten Sie wenige Wochen vor Ablauf Ihrer Bewährungsfrist statt der erwarteten Gehaltserhöhung ein Kündigungsschreiben...
An Ihrer Arbeit kann es nicht gelegen haben, darin sind Sie sich sicher. Was ist also geschehen, dass man Ihnen das Vertrauen wieder entzogen hat, ohne dass Sie die Gründe rechtzeitig erkannt haben? Betrachten wir die Situation mal aus den verschiedenen Blickwinkeln aller Beteiligten.
Aus der Sicht des Unternehmens
Die Probezeit ist für das Unternehmen die letzte Möglichkeit, eine Fehlbesetzung der Stelle ohne größeren Aufwand zu korrigieren. Deshalb kann es passieren, dass man nicht nur Ihre Arbeitsleistungen, sondern auch Ihr Verhalten im Team in dieser Zeit besonders unter die Lupe nimmt. Sie wissen von Ihrer Bewerbung her, dass nicht nur rein fachliche Kompetenzen für die Firma von Bedeutung sind.
Wie verhält sich nun ein Arbeitgeber, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass der neue Mitarbeiter den Betriebsfrieden stört und sich nicht in die bestehende Arbeitsorganisation einfügen kann? Zunächst sollte er natürlich das Gespräch mit Ihnen und anderen Beteiligten suchen und eventuelle Missverständnisse aufzuklären helfen. Wenn er jedoch erst kurz vor Ablauf Ihrer Probezeit von der Ablehnung Ihrer Person durch Vorgesetzte oder Kollegen erfährt, kann es durchaus zu Panikreaktionen kommen. Dann könnte die Marschroute sein: Lieber kein Risiko eingehen und rechtzeitig kündigen.
Aus Ihrer Sicht
Sie sind neu in der Firma, Bekanntschaften konnten Sie noch nicht knüpfen. Vielleicht mussten Sie auch in eine andere Stadt ziehen, und Ihr Privatleben wird von einsamen Kneipengängen, Bücherlesen oder Fernsehgucken nicht sehr attraktiv gestaltet. Besonders Berufsanfänger neigen dazu, sich - ohne nach links oder rechts zu gucken - in die neue Arbeit zu stürzen, in der sie ja schnell gute Ergebnisse vorweisen wollen. Das ist mehr als verständlich, aber überlegen Sie mal, wie dieses Verhalten bei anderen ankommt. Welche Ängste oder Zurückweisungen können Sie auf diese Weise bei Vorgesetzten oder Kollegen ungewollt und ungeahnt provozieren?
Aus der Sicht Ihres Vorgesetzten
Ihre unmittelbaren Vorgesetzten vertreten Ihnen gegenüber zunächst die Interessen der Firma. Dabei haben sie natürlich mehr die eigene Abteilung im Blick als das Gesamtunternehmen, schließlich sind Sie für diesen Arbeitsbereich direkt verantwortlich und rechenschaftspflichtig. Wenn es nun im Mitarbeiterkreis gesteigerten Unmut über einen Neuankömmling gibt, kann sich das sehr schnell auf die Arbeitsleistung aller Teams auswirken.
Es kann aber noch andere Gründe geben, weshalb Ihr direkter Vorgesetzter Ihnen genau auf die Finger schaut. Vielleicht wollte er die Stelle mit einem Bewerber aus den eigenen Reihen besetzen und ist mit diesem Vorhaben nicht durchgedrungen, weil Sie die Firmenleitung mit Ihrer Bewerbung überzeugt haben? Das wäre in jedem Fall eine ungünstige Situation für Sie. Aber wie auch immer es sich nun verhält, Sie sollten über Ihren Vorgänger oder zeitweisen Vertreter nicht schlecht reden, auch wenn Ihnen dessen Hinterlassenschaften zu denken geben.
Aber auch Vorgesetzte haben ganz persönliche Interessen. Hüten Sie sich besonders zu Anfang vor einem allzu forschen Auftreten. Vor allem, wenn Ihr direkter Vorgesetzter gleich alt oder gar jünger ist als Sie, annähernd zeitgleich mit Ihnen seine Position besetzt hat oder über keine höheren Qualifikationen als Sie verfügt. Ihre Zeit mag kommen, aber gewiss nicht in der Probezeit. Halten Sie sich also so lange mit größeren Ansprüchen zurück.
Aus der Sicht der Kollegen und Mitarbeiter
In vielen Betrieben und Abteilungen gibt es Rangordnungskämpfe oder persönliche Animositäten, die mehr oder weniger offen ausgetragen werden. Vermeiden Sie es auf jeden Fall, sich von einer Seite in Auseinandersetzungen instrumentalisieren zu lassen, die Sie noch gar nicht durchschauen können. Seien Sie deshalb vor allem zu Anfang Ihrer Beschäftigung vorsichtig mit Bewertungen von Kollegen und Mitarbeitern. Auch mit intimen Geständnissen gegenüber neuen Bekannten sollten Sie zurückhaltend sein. Ihre Geheimnisse machen sonst schneller die Runde, als Sie es für möglich halten.
Deshalb sollten Sie sich aber nicht abschotten, im Gegenteil! Suchen Sie das Gespräch, wo es sich anbietet, und beweisen Sie, dass Sie ein Gewinn für das Team sein können. Zeigen Sie sich hilfsbereit, und gehen Sie nicht geheimniskrämerisch mit Ihren Kenntnissen um. Kurz: Seien Sie sich der zahlreichen Fettnäpfchen bewusst, die jedem Neuankömmling im Betrieb bereitstehen, aber vernachlässigen Sie darüber nicht Ihre kommunikativen Fähigkeiten.
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Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader